Wormeln

Visitation / Geistliche Betreuung

Nach der Organisation der Zisterzienser (Charta caritatis) oblag die geistliche Betreuung eines Frauenklosters dem Abt eines nahegelegenen Mönchsklosters. Zu den Aufgaben des Vaterabts gehörten nach den Beschlüssen des Generalkapitels z.B. die jährliche Visitation, die Leitung der Äbtissinnenwahl, die Bestellung der Beichtväter und die Kontrolle der Wirtschaftsführung.

Das Kloster führt im Kamper Stammbaum unter St. II die Bezeichnung:

Wormelen Fil. Hard. in Dioec. Pard

 

Bei Dicks (vgl. S. 667 a.a.O) wird hierzu ausgeführt, dass die Bezeichnung im St. II irrtümlich ist.   Das Kloster Wormeln lebte nach den Regeln der Zisterzienser und unterstand bis etwa 1500 dem Erzbischof von Mainz, der die geistliche Betreuung von den Äbten des Klosters Hasungen bei Kassel ausüben ließ. Eine Kamper Paternität hat nicht bestanden.
 
Im Jahre 1505 reformierte der Abt des Klosters Marienfeld mit Unterstützung des Priors von Klein-Burlo im Auftrag des Generalkapitels das Kloster Wormeln. Gleichzeitig kam Wormeln zur Diözese Paderborn. Ob das Kloster danach in den Orden aufgenommen wurde, läßt sich nicht mehr erschließen.
Die Paternität der Klöster Hardehausen und Marienfeld über das Frauenkloster Wormeln wechselte in der Folgezeit mehrmals: Ab 1510 übernahm der Abt des Klosters Hardehausen die geistliche Aufsicht über Wormeln (Quelle: vgl. Literatur Germania Sacra, § 25, Confessare in Frauenklöstern), das aber später der Aufsicht von Marienfeld unterstellt wurde. Nach einer Urkunde von 1593 übertrug der Kamper Abt Godefrid Draeck von Lobberich in seiner Eigenschaft als Ordensvikar für Westfalen das Visitationsrecht über Wormeln wieder dem Abt von Hardehausen und entzog gleichzeitig dieses Recht dem Abt von Marienfeld (Marienfeld steckte am Ende des 16.Jhs. in einer inneren und äußeren Krise). Der Abt von Marienfeld soll gegen den Beichtvater, der in Wormeln Unruhe stiftete, nicht streng genug vorgegangen sein (bei Dicks heißt es: „wegen eines skandalösen Vorkommnisses“).
 
In den Visitationsprotokollen des 17. und 18. Jhs. – abgedruckt bei Linneborn – wird die Rolle des Hardehausener Abtes als Vaterabt (Pater abbas) bestätigt, auch wenn die Visitation durch den jeweils zuständigen Generalvikar (Visitator) des Ordens für Westfalen bzw. Sachsen geleitet wurde.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016