Wormeln

1246 – 1810

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Bild 1: Kloster Wormel 1823, Tuschzeichnung von F. J. Brand

Lage des Klosters

Warburg – Wormeln

 

Erhaltenes Erbe

Von der Klosteranlage sind Kirche (1315 geweiht) und Teile der barocken Abteigebäude erhalten. Eine genaue Baubeschreibung der klostertypischen Räume ist aufgrund der Zerstörungen im 30-jährigen Krieg und der Neubauten um 1700 nicht möglich. Unterhalb der Nonnenempore befindet sich eine Krypta aus einer Bauperiode in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Kirche trägt das Patrozinium der Apostel Simon und Juda.

 

Kurzgeschichte 

Das Kloster wurde 1246 von den Grafen von Everstein gestiftet. Die Grafen besaßen im Warburger Raum die Grafschaft Donnersberg als Lehen des Erzbischofs von Mainz und schenkten das südlich von Warburg gelegene Kirchspiel Wormeln nebst allen Besitzungen und Einkünften einer dort entstandenen Klostergemeinschaft zur Einrichtung eines „Nonnenklosters des Grauen Ordens“. Die Stifter waren die vier Söhne Konrad, Otto, Hermann und Ludwig des Grafen Albrecht III. von Everstein, ihre Stiftungsmotive die Verehrung der Jungfrau Maria und die Sorge für das eigene Seelenheil. Der weitere Erwerb von Grundbesitz, Patronats- und Zehntrechten sowie Einkünfte aus Memorienstiftungen sicherten das Kloster im Laufe der Zeit wirtschaftlich ab. Die Vogteirechte über Wormeln blieben zunächst in den Händen der Stifter, die sich als Wohltäter und Beschützer des Klosters verstanden.
Kulturell war das Kloster als Versorgungseinrichtung lediger junger Frauen bedeutsam, die nach den überlieferten Familiennamen vorwiegend aus Familien des niederen Adels und des städtischen Patriziats im regionalen Umfeld des Klosters stammten. Nonnen aus dem Hochadel sind nicht bekannt. Die Angehörigen der Konventualinnen statteten das Kloster beim Eintritt ihrer Töchter anfangs mit Ländereien aus; im Laufe der Zeit entstanden hieraus aber festgesetzte Eintrittsgelder. Die Nonnen befolgten nach dem Willen der Stifter die Regeln des Zisterzienserordens, ohne formal in den Orden inkorporiert zu sein. Das Kloster stand unter der Aufsicht des Erzbischofs von Mainz und wurde vom Abt des Klosters Hasungen visitiert. Wormeln gelangte um 1500 vom Bistum Mainz in die Zuständigkeit des Bistums Paderborn und dadurch unter die Aufsicht des Klosters Marienfeld (später Hardehausen).
Nach einer anfänglichen Blütezeit erlitt das Kloster in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch nachlässige Wirtschaftsführung, Verschuldung und Überalterung des Konvents einen Niedergang. Das Kloster überdauerte die Zeit der Reformation als katholische Institution. Im 30-jährigen Krieg wurden die Klostergebäude 1622 so zerstört, dass die Nonnen drei Jahrzehnte in Warburg leben mußten.
Das Kloster erlebte nach dem 30-jährigen Krieg eine neue Blütezeit, in der es die Kriegschäden bis etwa 1710 beseitigen und sich zu einer inneren Erneuerung entfalten konnte. Der 7-jährige Krieg (1756-63) hatte für das Kloster und die gesamte Umgebung von Wormeln erneut katastrophale Folgen. Die Landbevölkerung war aufgrund vieler Plünderungen und Kriegskontributionen der durchziehenden Kriegsparteien verarmt, das Kloster hoch verschuldet.
Die soziale Lage der Landbevölkerung führte 1797 in einem blutigen Aufstand gegen das Kloster (Wormelner Klosterkrieg). 1810 wurde das Kloster aufgehoben.

 

Nutzung

Die Klosterkirche dient der kath. Pfarrei Wormeln als Pfarrkirche.
Die übrigen Klostergebäude sind Privatbesitz. Nach Restaurierung der Gebäude wird seit 2011 der Kreuzgang als „Kolumbarium“ für Urnenbestattungen in der Trägerschaft der Stadt Warburg genutzt. Für Trauerzeremonien stehen verschiedene Räume zur Verfügung.

 

Beachtenswertes

Beachtenswerte Einzelstücke der Kirchenausstattung aus der Klosterzeit sind erhalten:

  1. Klosterkirche (1315) mit Krypta,
  2. Wandfresken in der Krypta (Darstellungen der hl. Margarethe und der hl. Catharina), 
  3. romanischer Taufstein unbekannter Herkunft,
  4. Triumphkreuz etwa 1450,
  5. Strahlenkranzmadonna etwa 1525,
  6. barocke Kirchenausstattung,
  7. Nonnenempore mit Altar und Chorgestühl des Rokokos,
  8. Tafelbild “ Maria als Thron Salomons” im Bode-Museum, Berlin:
    Das bedeutende Kunstwerk ist eine Bildtafel aus dem frühen 14. Jh.
    (110 x 208 cm ohne Seitenflügel). Die Tafel war vermutlich Bestandteil des Altares auf der Nonnenempore und gelangte 1810 nach Aachen in die Kunstsammlung Bartels und von dort 1842 zur Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin,
  9. Bild der Äbtissin Rosenmeyer (1783 -97) im Museum „Stern“ in Warburg.

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

Liste der Äbtissinnen 1240 – 1810 in: Westfälisches Klosterbuch

 

Kontakt – Infos

Katholisches Pfarramt St. Marien,  Joseph-Kohlschein-Straße 9, 34414 Warburg Tel.: 0 56 41 / 23 01 Fax: 0 56 41 / 17 18

E-mail: st.marien-warburg@t-online.de

 

WEB-Links

  1. Zeittafel zur Geschichte von Kloster und Dorf Wormeln
  2. Geschichte des Klosters Wormeln (aus Wikipedia)
  3. Innen- und Außenansichten der Klosterkirche 
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016