Welver

Gründungszeit

Bild 3: Abteigebäude
Der Name Welver erscheint erstmals in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg (1167- 91) aus dem Jahre 1179, als die Klöster Oelinghausen und Oedingen Länderein tauschen. In der Urkunde werden unter den Zeugen die Vertreter der Kölner Kirche, sodann drei Edelherren ("nobiles") Conrad von Rüdenberg, Everhard von Ardey und Wikbold von Welver sowie weitere Ministeriale aufgeführt.
Die Herren von Welver besaßen die „Welvereburg“ vermutlich schon lange vor Beginn des 13.Jahrhunderts als Burglehen des Kölner Erzbischofs sowie eine Eigenkirche auf dem Areal des späteren Klosters Welver. Die Burg gehörte zu einem System von Burgen bzw. befestigten Wohnplätzen zum Schutz der Nordgrenze des kurkölnischen Territoriums, so dass sicherlich für die zahlreichen Dienstleute, Burgmänner und Vögte der Grafen von der Mark, der Grafen von Arnsberg oder der Kölner Fürstbischöfe ein Bedarf bestand, unverheiratete Töchter in einem Kloster zu versorgen. Das Kirchspiel Welver gehörte mit 9 weiteren Kirchspielen in der Umgebung der Stadt Soest (Soester Börde) zum Territorium der Stadt Soest, die zum Zeitpunkt der Klostergründung bereits die größte Handelsstadt Westfalens im Hansebund war. In dem Kirchspiel Welver gab es z.B. vier Adelssitze, im Kirchspiel Dinker neun Adelssitze (Quelle: Albert K. Hömberg: Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen und ihre Besitzer,  Materialien der Historischen Kommission für Westfalen Band 1, 2013).
Der Besitz des letzten Edelherrn Wikbold von Welver kam durch Heirat einer Tochter mit dem Soester Vogt Eberhard (1178-1209) in die Hände der Soester Vögte. Walter - zwischen 1214-45 nachweisbar - war wiederum der letzte aus dem Geschlecht der Soester Vögte. Der Vogt Walther war vermutlich mit dem Soester Richter Walther identisch, der 1230 sein östlich von Soest gelegenes Gut Gembeck verkaufte (Quelle: W.Vollmer: Das Kirchspiel Dinker im Mittelater, S. 154).
Walther und Sophia von Soest verkauften bestimmte Liegenschaften dem Kloster Marienborn in Lippramsdorf mit der Maßgabe, die Güter für die Neugründung in Welver zu verwenden, der sie außerdem ihre Eigenkirche in Welver samt Patronat zu ihrem und ihrer Vorfahren Seelenheil übertrugen (Quelle: WUB VII, Nr. 505 a.a.O.). Das Fehlen männlicher Erben, die für das Seelenheil der verstorbenen Eltern hätten sorgen können, war möglicherweise ein Hauptmotiv des Verkaufs bzw. Schenkung. Walther und seine Frau Sophia dürften als Stifter anzusehen sein, auch wenn Walther nicht als Fundator, sondern nur als Wohltäter im Nekrolog des Klosters bezeichnet wurde. Die Herren von Rüdenberg besaßen bis 1295 die Klostervogtei.
Die Hintergründe für den Grunderwerb bzw. -verkauf sowie für die Klostergründung in Welver lassen sich aber letztlich nicht mehr erschließen, insbesondere ob das Kloster Marienborn komplett von Lippramsdorf nach Welver verlegt oder nur ein Filialkloster in Welver gegründet werden sollte.
Vor der Ansiedlung des Zisterzienserinnenkonvents gab es in Welver bereits eine einschiffige Pfarrkirche mit gerade geschlossenem Chor und einem rechteckigem Westturm mit Wehrcharakter aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Diese Eigenkirche war den Märtyrern Albanus und Cyriakus geweiht. Archäologische Untersuchungen zeigten, dass bereits um 1200 ein niedriges und kurzes Querschiff errichtet wurde (Quelle: Fußnoten in PDF-Datei Kloster Welver S.307 - ISENBERG, Stiftskirche, S. 118f; DEHIO, Westfalen, S. 267. BKW, Kreis Soest).





Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 12.04.2016