Welver

Zeit bis zur Aufhebung

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Bild 4: Neue Klosterkirche, Innenansicht
1240 - 42
Der Vogt Walther von Soest und seine Frau Sophia legten durch den Verkauf ihrer Güter zu Welver, Klotingen und Scheidingen an die Zisterzienserinnen in Lippramsdorf sowie durch die Schenkung ihrer Eigenkirche mit den zugehörigen Gütern und Personen den Grundstock zur Gründung des Klosters in Welver (Quelle: WUB VII, 505 a.a.O.: Gründungsurkunde des Klosters Welver). Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden stellte das Kloster unter seinen Schutz und erlaubte dem Konvent, einen Teil des Kirchhofes als Bauland zur Errichtung neuer Klostergebäude und Erweiterung der Kirche zu nutzen (Quelle: WUB VII, 534 und 537 a.a.O.). Der Erzbischof Heinrich von Virneburg bestätigte 1326 erneut (bzw. der Kamper Abt nochmals 1369) das Patronatsrecht der Äbtissin für die Pfarrei Welver.

1244 – 45
Auf die Bitte des Erzbischofs Konrad von Hochstaden um Aufnahme des Klosters in den Orden beauftragte 1244 das Generalkapitel die Äbte von Marienfeld und Bredelar, das Kloster Welver nach zufriedenstellender Ortsbesichtigung in den Orden aufzunehmen und dem Kloster Kamp zu unterstellen. Vermutlich waren die Voraussetzungen für eine Inkorporation (insbesondere die Einhaltung der Klausurvorschriften) noch nicht erfüllt, da nochmals eine Visitation im Jahr 1245 erfolgte (Quelle: Hock, S. 309 a.a.O. unter Bezug auf Canivez, Statuta, Bd. 2: 1244 n. 48: „et sit filia de Campo“ ; Germania Sacra, 3.Folge 6, Bredelar, S. 61 a.a.O.).
Die Konvente in Welver und Coesfeld wurden zunächst von der Äbtissin Mechthildis gemeinschaftlich geleitet. Die nachfolgenden Äbtissinnen in Welver waren Helika (Schwester des Vogts Walther) sowie Ascela und Aleydis.

1251 - 67
Der päpstliche Legat Hugo von Lüttich inkorporierte 1251 die Pfarrkirche dem Kloster unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Erzbischofs. Gleichzeitig erlaubte der Legat den Nonnen, einen eigenen Chor (vermutlich Nonnenempore) einzurichten (Quelle: WUB VII, 757 a.a.O.). Die rege Bautätigkeit seit 1245 (Errichtung neuer Klostergebäude und Erweiterung der Kirche) wurde durch Spendengelder aus mehreren Ablässen in den Jahren 1251 bis 1257 finanziert. Die Einweihung des Chores im Jahre 1254 durch den Weihbischof Dietrich von Wierland war mit der Amtseinführung einer neuen Äbtissin (vermutlich Ascela) verbunden, außerdem legten einige Nonnen das Ordensgelübde ab (Quelle: WUB VII, 835 a.a.O.: "cum nos in Welvere altare dedicaverimus, abbatissam benedixerimus et sanctimoniales velaverimus"). Die Bauarbeiten waren 1267 abgeschlossen, da der Vicepropst zu Soest die durch den Neubau der Kirche begründeten Änderungen bestätigte.
Nach dem Tode des Walther von Soest kam es zum Streit zwischen dem Kloster und Hermann von Blumenstein (Großneffe des Walther von Soest), der Ansprüche auf die Güter stellte, die der Onkel seiner Mutter dem Kloster vormals verkaufte. Auf Vermittlung Kölner Ministerialen und Soester Ratsherren schloß das Kloster unter der Äbtissin Ascela einen Vergleich mit Blumenstein, der 1253 auf seine Ansprüche verzichtete (Quelle: WUB VII, 812 a.a.O.).
In der Amtszeit der 3.Äbtissin Aleydis (etwa zwischen 1261-82) begann man 1261 damit, die hölzernen Wohngebäude des Klosters durch Steingebäude zu ersetzten (Quelle: WUB 7, 474a a.a.O.: "monasterium istud ligneum reaedificatum est lapideum sub tertia abbatissa nomine Aleydis"). Die Bauarbeiten waren etwa 1267 abgeschlossen (WUB 7, Nr.1267 a.a.O.).
Zwischen den westfälischen Frauenklöstern bestanden durchaus Beziehungen, da die Äbtissinnen von Welver, Benninghausen, Himmelpforten, Fröndenberg und Wormeln 1259 versprachen, alle Wohltäter, die zum Bau der Klosterkirche in Holthausen beitrügen, in ihre Gebetsgemeinschaft aufzunehmen (Quelle: Hock, S. 461 a.a.O.).
Kloster Welver kam mit anderen geistlichen Institutionen (z.B. Stift Essen unter Berta von Arnsberg, Stift Rumbeck in Arnsberg, Walburgis-Stift in Soest, die Klöster Cappenberg und Himmelpforten) geschäftlich in Kontakt, weil es deren Besitzungen in Soest bzw. in der heutigen Gemeinde Welver (Merklingsen, Klotingen, Berwicke und Meyerich) zur Arrondierung der eigenen Ländereien aufkaufte (Quelle: Regesten der Jahre 1263-92).

1280
Die Zahl der Klosterbewohner in Welver war auf 50 Monialen festgelegt (Quelle: Kamper Chronik, S. 301 a.a.O.). In dieser Zahl waren nicht nur die Professnonnen, sondern auch die männlichen und weiblichen Konversen enthalten. Welver zählte von den 14 Frauenklöstern, die unter der Aufsicht der Abtei Kamp standen, zu den größten Klöstern.
Zum Personenkreis der Förderer, die dem Kloster bis zum Ende des 13.Jhs. umfangreiche Güter, Hofstätten, Mühlen, Ackerland, Wiesen, Waldstücke, Zehnrechte übertrugen oder auf Ansprüche an Länderein bzw. auf Vogteirechte zugunsten des Klosters verzichteten, zählten Graf Engelbert von der Mark, Edelherr Hermann von der Lippe, Graf Dietrich von Limburg sowie Angehörige märkischer bzw. westfälischer Adelsgeschlechter (Leithe, Strünckede, Schwarze aus Arnsberg, Honrode, Dinker, Rump, Boenen, Ardey, Dollberg, Eickenscheid, Vollenspitt, Rüdenberg, Geseke, Hövel), außerdem Bürger der Städte Soest, Werl, Hamm oder Dortmund
Die Edelherren von Rüdenberg besaßen die Vogtei über das Kloster Welver. Der letzte Vogt Gottfrid von Rüdenberg verzichtete 1295 auf seine Rechte (Quelle: Seibertz I, Nr. 457 a.a.O.).
Bis zum Ende des 13. Jhs. wurden jedoch nur wenige Nonnen in Verbindung mit ihrem Klostereintritt bzw. ihrer Versorgung durch Eltern oder Geschwister mit Renten, Ländereien, Hofstätten oder einer Mühle namentlich erwähnt; sie stammten aus dem bereits genannten Personenkreis (Quelle: Regesten aus den Jahren 1277 - 93: Odilia von Hövel, Cunigunde von Honrode und Gisela von Eickenscheid).

1300 - 1400
Zum Personenkreis der Förderer des Klosters im 14.Jh. gehörten die Grafen von Arnsberg, die Grafen von Mark, von der Lippe sowie viele märkische Adelige, die meist auf ihre Lehngüter zugunsten des Klosters verzichteten. Nach den Urkunden waren es die Herren von Lüdinghausen, Leithe, Strünckede, Ahlen, Altengeseke, Neheim, von Schwarzen aus Arnsberg, Rüdenberg, Honrode, Hövel, Vollensplit, Plettenberg, Düllberg, Uffeln, Galen, Clot, Rump, Eickenscheid, Bönen, Holte, Lappe, Nehlen, Ketteler, Fürstenberg, Knipping, Droste, Landsberg, Bischopink, Pentling u.a. sowie Patrizier der Städte Werl, Soest, Hamm und Dortmund.
Die Nonnen erhielten beim Klostereintritt von ihren Eltern oder Geschwistern in der Regel eine standesgemäße Mitgift zum Lebensunterhalt. Diese Mitgift in Form von Ländereien, Hofstätten oder Leibrenten verblieb nach dem Tod einer Nonne im Gesamtbesitz des Klosters. Aus den Erträgen des Land- und Hausbesitzes, aus Renten- und Memorienstiftungen wurde der Lebensunterhalt der Nonnen bestritten. Überschüsse wurden meist zinsbringend angelegt (Rentenkäufe). Die Gegenleistung der Nonnen für zahlreiche Schenkungen war das regelmäßige Gebetsgedenken für das Seelenheil der Stifter.
Papst Honorius IV. erlaubte 1286 den Konventualinnen trotz ihres geistlichen Standes, ihre weltlichen Verwandten zu beerben; der Kamper Abt bestätigte 1383 den Nonnen dieses Privileg nochmals (Quelle: Seibertz II, Nr. 866 a.a.O.).
Die Urkunden des 14.-16. Jhs. zeigen, dass die Nonnen außerdem über eigenen Besitz verfügten. In den meisten Fällen ist jedoch nicht erkennbar, ob Privatvermögen zum Nutzen des Klosters oder zum privaten Vorteil verwendet wurde. Die Nonne Heradis Clot fundierte z.B. 1327 einen Altar in der Klosterkirche. Die Äbtissin Lutgardis und der Konvent bezeugten 1338, daß sie ihren Mitschwestern Gerbergis und Lucia auf Lebenszeit aus einem Hause zu Illingen eine Rente schuldeten. Das Kloster bestätigte 1358, daß die Priorin Guda von Plettenberg aus ihrem Vermögen dem Kloster Renten schenkte. Das Kloster Welver verkaufte 1401 an zwei Mitschwestern eine Rente und verpfändete dafür ein Haus. Gerd Walrave von Dinker verkaufte 1428 seinen Kotten zu Norddinker an Regele von Neheim (Nonne zu Welver). Eine Nonne Engele N.N. zu Welver verkaufte 1439 ihrer Mitschwester Grete und dem Konvent die Nyppes-Hufe zu Kirchdinker. Jaspar Pentling verkaufte 1489 seiner Schwester Rixe (Nonne zu Welver) Land vor Büderich im Amt Werl. Cort Krackerügge schloss 1525 einen Erbvertrag mit Anna Rump (Nonne zu Welver). Johann Friesendorp zu Opherdicke verkaufte 1570 seiner Schwester (Welver'sche Klosterjungfrau Margaretha) eine Rente aus dem Poetmansgut bei Unna. Der Bürger Thonis Plange zu Soest verkaufte 1608 der Ursula Schoeler (Nonne zu Welver) eine Rente aus seinem Land am Lendringhauser Wege.
Das Kloster besaß beträchtlichen Grundbesitz im Gebiet südlich der Lippe zwischen Hamm, Unna, Werl und Soest durch Schenkungen und Ankauf, außerdem Streubesitz im östlichen Teil der Stadt Dortmund (Körne, Wambel) sowie mehrere Mühlen in den umliegenden Dörfern und Fischereirechte für die Lippe. Teilweise mußte waldreiches Umland in Nähe des Klosters (z.B. das Rodungsland Distelhoven) noch kultiviert werden. Die Äbtissin konnte als Grundherrin über ihre hörigen Dienstleute (Leibeigene) frei verfügen. Der umfangreiche Grundbesitz wurde vom Propst (meist auch Pfarrer und Beichtvater) verwaltet. Im weiten Sinne gehörten zur Klosterfamilie auch solche Familien, die dem Kloster ihr Eigentum gegen eine lebenslängliche Versorgung übertrugen oder vom Kloster als Gegenleistung für frühere Dienste versorgt wurden (Beispiele für sog. Provenare: Jaspar Pentling zu Mundloh gab 1524 dem Kloster Welver 100 Gulden zum Bau eines Wohnhauses, in welchem er und seine Frau aber lebenslang wohnen wollten. Anna Loppe verzichtete 1562 für eine lebenslängliche Versorgung im Kloster Welver auf ihre Güter.)
Das Kloster mußte sich im 13.-14 Jh. häufig gegen Besitzansprüche, die von Nachkommen früherer Stifter geltend gemacht wurden, oder gegen andere gewaltsame Eingriffe in das Eigentum des Klosters (Plünderungen, Viehraub) zur Wehr setzen. Der Kölner Erzbischof Wigbold von Holte wies 1301 den Scholaster der Stiftskirche und den Propst der Walburgiskirche zu Soest an, alle unrechtmäßigen Eingriffe in Besitzrechte des Klosters mit Exkommunikation zu bestrafen. Streitereien wurden teils durch gütliche Einigung oder gegen Zahlung einer Abfindung beendet, teils mußten aber auch die Urheber derartiger Überfälle Urfehde schwören, die Güter des Klosters und deren Bewohner nicht mehr anzutasten (Quelle: Regesten Kloster Welver für die Zeit 1296 - 1419).

1400 - 49
Das Kloster hatte in den ersten Jahrzehnten des 15.Jhs. den Höhepunkt seines wirtschaftlichen Wachstums erreicht. Danach ging der Erwerb von Grundbesitz nach den Urkunden bzw. Regesten deutlich zurück. Die Ablässe in den Jahren 1436 und 1437 dürften ebenfalls ein Zeichen wirtschaftlicher Schwäche gewesen sein (s. Vogeler S. 35 a.a.O.), die sich in der Zeit der “Soester Fehde” (1444-49) fortsetzte, als die streitenden Parteien auch Klosterbesitzungen in der Soester Börde verwüsteten und vom Kloster Kontributionen forderten.


1450 - 73
Spätmittelalterliche Reformbewegungen (Bursfelde, Windesheim) entstanden in den verschiedenen Orden nach den Konzilen von Konstanz (1414-18) und Basel (1431–49). Man hielt Reformen der Frauenklöster für erforderlich, da die Lebensweise der Nonnen und ihre Privilegien (mangelndes Gemeinschaftsleben, Privateigentum, Dienstboten, modische Bekleidung, Reiseerleichterungen) aus der Sicht der Reformkreise als Verfallserscheinungen und Verweltlichung angesehen wurden. Die strenge Beachtung der Ordensregeln galt als eine wentliche Maßnahme, den Prozess der Verweltlichung aufzuhalten.
Der Kamper Abt Heinrich von Ray (1452- 83) führte seit Mitte des 15.Jahrhunderts
in den traditionellen Zisterzienserinnenklöstern Reformen durch (Schledenhorst 1459, Eppinghoven 1465, Sterkrade 1465, Fürstenberg 1467, Saarn 1476, Benninghausen 1477); er stieß dabei besonders bei den jüngeren Nonnen auf Widerstände, die nicht bereit waren, ein Klosterleben unter weit strengeren Bedingungen als beim Eintritt in ein Kloster fortzuführen.
Der Kamper Abt legte 1473 Anteile einer Ordenssteuer (insgesamt 6000 Dukaten „zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der Römischen Curie“) auf die ihm unterstehenden Klöster um. Die Steuer betrug je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der 14 Kamper Frauenklöster zwischen 1 und 4 rheinische Golddukaten. Welver zählte in dieser Zeit zu den weniger bemittelten Klöstern, da es zur Zahlung von nur einem Dukaten veranschlagt wurde (Quelle: Binterim u. Mooren, Nr. 436 a.a.O.).

1482 - 93
Eine Reform konnte in Welver erst 1482 eingeleitet werden. Sie hatte vermutlich keinen Erfolg, da Heinrich von Ray 1483 starb und bereits 1493 eine weitere Reform durchgeführt wurde. Die Nonnen unter der Äbtissin Alverde von Plettenberg (Nonne in Welver seit 1463 und Äbtissin 1483-91) hatten sich bisher durch Visitationen und Ermahnungen nicht von ihrer privilegierten Lebensweise abbringen lassen (Quelle: Vogeler, S. 37 a.a.O. mit Bezug auf ein Schreiben des Kamper Abts, jedoch ohne Quellenangabe). Aus der Sicht des Abtes war die Disziplin im Kloster Welver angeblich zusammengebrochen, da die Ordensgelübde missachtet würden und die Regeln in Vergessenheit geraten wären. Die pauschale Begründung erscheint allerdings übertrieben, da sich nicht nachvollziehen läßt, welche Verhaltensweisen wirklich als Bruch mit den Ordensgelübden einzustufen waren oder im Rahmen der normalen klösterlichen Entfaltung unter den jeweiligen regionalen Lebensbedingungen lagen.

1493
Nach dem Bericht des Chronisten wurde die Klosterreform am 17.3.1493 auf Veranlassung und mit Hilfe des Kölner Erzbischofs Hermann von Hessen (1480–1508) gegen den erheblichen Widerstand des Konvents durchgeführt, so dass ein großer Teil der Nonnen das Kloster verließ (Quelle: Chronik der Abtei Camp, AHVN 20 a.a.O., S.346/47: "Anno domini. facta fuit reformatio et inclusio monialium in monasterio Welueren. sollicitante ad hoc et adiuuante reverendissimo domino Hermano Coloniensi archiepiscopo. Et fuit magna difficultas et resistencia monialium abhorrentium reformationem. unde et maior pars ipsarum protunc exiuit. Et fuerunt ibidem reformatrices noua abbatissa et alie moniales de monasterio Benynchusen").
Mehrmals benutzte der Kamper Abt die Versetzung reformunwilliger Nonnen in andere Klöster oder die Einsetzung einer Äbtissin oder Priorin aus einem andern Konvent als Druckmittel, die Reform eines Klosters in seinem Sinne - und aus der Position des Stärkeren - durchzusetzen. Welver erhielt daher eine neue Äbtissin aus Benninghausen, Jutmodis von Wreden (1493-98), die zuvor das Amt der Kellnerin in Benninghausen ausübte und die im Nekrolog von Welver als "prima abbatissa in reformatione" bezeichnet wurde. Die Äbtissin wurde eine Zeit lang durch Nonnen aus den Klöstern Benninghausen und Himmelpforten dabei unterstützt, das monastisches Leben nach den Ordensstatuten neu zu gestalten.
Der Kamper Abt leistete wie in allen anderen Reformfällen finanzielle Unterstützung zur Erneuerung verfallener oder durch Kriegswirren zerstörter Klostergebäude.

1531 - 48
Soest führte 1531 die lutherische Reformation in der Stadt und in den zugehörigen Dörfern der Börde ein. Die Stadt hielt sich vermutlich aufgrund des Einflusses der adeligen Familien, die ein Interesse an der Erhaltung des Klostervermögens zur Versogung der aus ihren Familien stammenden Nonnen hatten, mit Plänen zurück, das Kloster Welver aufzulösen. Jedoch versuchte man, das religiöse Leben der Nonnen im Sinne der protestantischen Kirchenordnung von 1533 zu beeinflussen und insbesondere die katholische Pfarrstelle in Welver in eine protestantische Pfarrstelle umzuwandeln.
Man tastete die Eigentumsrechte des Klosters an, so wurden z.B. die klösterlichen Besitzurkunden und die Kleinodien (Kelche, Monstranzen) der Klosterkirche beschlagnahmt, die Glocken eingeschmolzen und die Verpachtung der Klosterländereien reglementiert.
Die mehrfachen Versuche der Stadt Soest, die katholische Pfarrstelle in Welver mit einem protestantischen Prediger zu besetzen, konnten durch den Widerstand der Nonnen unter den Äbtissinnen Gertrud von Hoyte (1522-42) und Margarethe von Fürstenberg (1542- 59) so lange abgewehrt werden, wie aufgrund der politischen Machtverhältnisse zwischen Kaiser Karl V. und dem Klever Herzog Wilhelm sich die Reformation im Herzogtum Kleve nicht ausbreiten konnte. Die Stadt gab dem Kloster auf Veranlassung des Herzogs beschlagnahmtes Klostereigentum zurück.

1565
Die konfessionellen Gegensätze führten jedoch im Jahre 1565 dazu, dass der Magistrat von Soest gewaltsam ein Simultaneum in der Klosterkirche einrichtete. Die Äbtissin mußte neben dem katholischen Pastor einen lutherischen Vikar (Vizecurator) für die kirchliche Betreuung der Protestanten des Kirchspiels einstellen und versorgen (Quelle: Gravamina Nr. 36 a.a.O.). Für die Besetzung dieser Vikarstelle behielt die Äbtissin bis 1712 das Kollationsrecht.

1583 -1648
Der wirtschaftliche Niedergang des Klosters war eine Folge der unsicheren Zeiten des Truchsessischen Krieges (1583-88) und der spanisch-niederländischen Auseinsandersetzungen auf westfälischem Gebiet sowie insbesondere des 30-jährigen Krieges. Der protestantisch gewordene Kölner Kurfürst Truchsess Gebhard von Waldburg steuerte zeitweilig von Werl aus seine militärischen Aktionen, die mit Gewalttaten (z.B. Bildersturm in Werl 1583) und Plünderungen in Westfalen verbunden waren. Die Äbtissin Anna Schillings (1550- ) bat z.B. 1585 die Stadt Soest, den Westerhof von der Schatzung (Besteuerung) zu befreien. Bezeichnend für die wirtschaftlichen Probleme des Klosters waren auch die zahlreichen Rentenverkäufe zwischen 1607-11 (und noch später) unter den Äbtissinnen Elisabeth Droste und Anna Knipping (1609-15), durch die sich das Kloster wegen der rückläufigen Einnahmen die notwendigen Geldmittel beschaffen mußte. Nach dem Tod der Äbtissin Anna Knipping wurde Anna Schilling (1616-51) zur Nachfolgerin gewählt.
Aufgrund der politischen Verhältnisse hatte Soest zwischen 1616 und 1625 eine spanische Garnison mit einer kurzen Unterbrechung 1622, als Herzog Christian von Braunschweig die Stadt Soest besetzte. Soest war der Ausgangspunkt für die Raubzüge der hier ab 1625 stationierten Söldner der Generalstaaten. Die Bevölkerung der Börde mußte die Hauptlasten zur Versorgung der Söldnerheere aller Kriegsparteien tragen und Erpressungen und Plünderungen erdulden. Das Kloster war davon nach 1625 so stark betroffen, das es Fremdkapital aufnehmen und Liegenschaften verpfänden mußte. Die Äbtissin Anna Schilling bat 1628 um die Rückerstattung geleisteter Abgaben, weil sie die Unterhaltung des Klosters sonst nicht hätte sicherstellen können. Über die personelle Entwicklung gibt es keine verläßlichen Angaben.
Die Auseinandersetzungen zwischen Kloster und Stadt Soest um die Besetzung bzw. Ausübung des Vikaramtes sowie die Nutzung der Klosterkirche hielten an: Die Kirche war in den Jahren 1623-25, als spanische Truppen die Stadt Soest besetzt hielten, den Katholiken allein überlassen. Das Simultaneum wurde 1625 wieder gewaltsam eingeführt.
Nach 1633 versuchte man, eine geistige Erneuerung des Klosters zu erreichen und mit Unterstützung einer Nonne aus dem Kloster Himmelpforten die Ordensregeln und -gebräuche neu zu beleben (Quelle: Leidinger, Himmelpforten WZ 121: in Welver "begehrte" man die Nonne Margarethe Favereo aus dem Kloster Himmelpforten"). Himmelpforten nahm damals unter den westfälischen Zisterzienserinnenklöstern eine führende Stellung ein und stellte Nonnen zur Reform anderer Zisterzienserinnenklöster, z.B. in Holthausen und Drolshagen, zur Verfügung.
Die Situation des Klosters Welver änderte sich 1637-49 nach der Einnahme der Stadt Soest durch kaiserliche Truppen wieder zugunsten der katholischen Seite (Quelle: Gravamen Nr. 36 a.a.O.: "So haben zwahren 1637 auf Kaiserliche poenalisierte Mandate die Lutherische ihren eingehabten Theil der Kirchen dem Closter und Römisch-Catholischen von neuen abtretten und einräumen müssen / Gestalten auch bis ad Annum 1649 ... geruhig belaessen" ).

1649

Kirche, Pfarrhof, Küsterei und Pfarreinkünfte wurden 1649 endgültig der evangelischen Gemeinde übereignet. Dies konnte von der katholischen Seite (Nonnenkonvent, Abt von Kamp, Erzbischof von Köln) nicht verhindert werden; damit sowie mit der Amtseinführung des lutherischen Pfarrers Albert Scheve hatte das Kloster seinen 100-jährigen Kampf um die Erhaltung der inkorporierten katholischen Pfarrei verloren. Der katholische Pfarrer (Beichtvater der Nonnen) durfte nur noch den Bewohnern innerhalb der Klosterimmunität die Sakramente spenden. Ihm war es unter Strafandrohnung verboten, für die wenigen katholisch gebliebenen Bewohner der Ortschaft Welver kirchliche Amtshandlungen (Taufen, Eheschließungen, Beerdigungen usw.) vorzunehmen; hierfür war St. Patroclus in Soest, die einzige katholische Pfarrei in der Börde, zuständig. Die konfessionellen Spannungen zwischen dem Kloster und der Stadt Soest blieben noch weit ins 18.Jh. hinein bestehen, da sich der katholische Pfarrer nicht an die Einschränkung seiner Amtsbefugnisse hielt und die unerlaubte Ausübung des "Jus Parochiale" zu einem langen Streit bzw. nach 1705 zu einem Prozeß mit der klevisch-preussischen Regierung führte. Eine selbständige katholische Pfarrei entstand in Welver erst wieder 1807.
Die Äbtissin Anna von Schilling verzichtete 1651 aus Altersgründen auf ihr Amt zugunsten der Clara Adolpha von Schilling.

1672
Das Kloster erlebte nochmals unruhige Zeiten im "Holländischen Krieg" zur Zeit des Großen Kurfürsten, als französische Truppen in die brandenburgischen Provinz Westfalen eindrangen.  Durch den Truchsessischen Krieg, den Spanisch-niederländischen Krieg seit 1568 und den Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster wirtschaftlich stark geschwächt. Der Konvent war mehrfach gezwungen, sich Geld zu leihen und einen Teil des Besitzes zu verpfänden.

1685 - 1707
Zum Grundbesitz des Klosters gehörten 60 abgabepflichtige Höfe nach dem Bördekataster von 1685. Aufgrund der wirtschaftlichen Erholung des Klosters nach dem 30-jährigen Krieg konnte die Klosteranlage unter der Äbtissin Maria Elisabeth von Aldendruck (1685–1706) neu errichtet werden. Die Baugestalt und die barocke Ausstattung des Neubaus von 1687 sowie die Gartenanlagen betonten den Überlebenswillen des Klosters, die katholische Tradition und den kirchlichen Führungsanspruch des Klosters in der Zeit des Absolutismus.
In den Jahren 1697-1701 wurde außerdem eine neue Klosterkirche unmittelbar neben der alten Kirche errichtet. Damit endete das Simultaneum. Die neue Kirche war vermutlich auch wegen der Baufälligkeit der alten Klosterkirche erforderlich, in der das Deckengewölbe entfernt und die Südwand des Kirchenschiffes 1697 erneuert werden mußten (Quelle: Ev. Kirchbauverein e.V. Welver, Baugeschichte der Klosterkirche). Die alte Klosterkirche wurde der protestantischen Gemeinde zur alleinigen Nutzung überlassen. Die Anordnung der Gebäude, die Nutzung der Räume und die Verbindung zur neuen Klosterkirche gehen aus einer zeichnerischen Darstellung der Klosteranlage von 1842 (Pfarrarchiv Welver) hervor. 1706 wurde Catharina Gertrud von Bischopink zur Äbtissin gewählt.

1700 - 15
Die Umgestaltung der Klosteranlage und vor allem der Neubau der Kirche waren Anlaß eines langen Streits zwischen dem Kloster bzw. seinen Geistlichen und den protestantischen Pfarrern von Welver bzw. der Stadt Soest um die Ausübung kirchlicher Amtshandlungen ("jus parochiale").
Im Religionsrezess von 1671 war den Katholiken der Grafschaft Mark die Errichtung eigener Kirchen an 5 Standorten zugestanden worden (darunter in Ostönnen, jedoch nicht in Welver). Der Preussische König hatte 1705 die Stadt Soest aufgefordert, den Neubau einer katholischen Kirche in Ostönnen nicht zu behindern; gleichzeitig forderte er die Stadt auf, für die Abstellung der unzulässigen Amtsausübungen des Paters Huiskens aus dem Kloster Welver zu sorgen; Huiskens wurde schließlich mit 100 Goldgulden bestraft.
Die katholische Seite fühlte sich im Recht und berief sich auf die konfessionellen Verhältnisse des "Normaljahres" von 1624, auf den Religionsrezess von 1671 sowie die danach angeblich ungestörte Ausübung kirchlicher Amtshandlungen (Taufen, Heiraten usw.) durch den Klostergeistlichen auch außerhalb des Klosterbezirks. Die evangelische Seite vertrat die Auffassung, dass die Beichtväter der Nonnen in Welver keine "Parochiale" hätten und das Amt ohne Erlaubnis ausüben würden. Man behauptete, dass die neue Kirche wegen ihres geringen Abstands von der alten (jetzt evangelischen) Klosterkirche den Gottesdienst stören würde und das Kloster keine eigene Mittel für den Neubau der Kirche gehabt hätte, sondern dazu Einkünfte aus dem Pfarrvermögen verwenden würde. Der Neubau der Klosterkirche in Welver widerspräche dem Religionsrezess, da nur die katholische Kirche in Ostönnen vorgesehen wäre.
Die Klevische Landesregierung entschied 1710, dass es den Römisch-Katholischen zu Welver (und Dinker) unbenommen bliebe, sich beim nächstgelegenen katholischen Pastor in St.Patrocli in Soest proclamieren, copulieren und die Kinder taufen zu lassen. Sollten sie dies von einem lutherischen Prediger verlangen, sollte dies auch nicht verhindert werden. Dem katholischen Pastor von Soest wurde jedoch verboten, einen Vikar in Welver bzw. Dinker einzusetzen.
Im Appellationsverfahren des Klosters Welver gegen die Klevische Regierung (sowie auch gegen das ev.-lutherische Ministerium zu Soest und den lutherischen Prediger zu Welver) entschied 1715 jedoch der Preussische König Friedrich Wilhelm I. (1713-40), alles bei den 1710 angeordneten Maßnahmen wegen der vom Appellanten "zu Ungebühr ausgeübten Amtshandlungen" zu belassen; künftige Verstöße sollten untersucht und geahnden werden. Die gegen Huiskens verhängte die Strafe von 100 Goldgulden wurde erlassen (Quelle: Grafschaft Mark, Gravamina Nr. 36 a.a.O und Beilagen).

1715 - 40
Die Äbtissin übte auch für die evangelische Pfarrstelle bis 1712 das Kollationsrecht aus; bei der Besetzung dieser Stelle im Jahre 1728 wies der Magistrat der Stadt Soest die Ansprüche des Klosters jedoch zurück. Im Jahr 1724 lebten 15 Nonnen im Konvent.
Die konfessionellen Spannungen führten zu Streitigkeiten des Klosters mit den Pächtern der Klosterhöfe beim Erbwechsel und zu Beschwerden beim preussischen König, da das Kloster versuchte (ebenso das Kloster Paradiese), die protestantisch gewordenen Bauern von ihren Höfen zu verdrängen und durch katholische Pächter abzulösen. Der König anerkannte 1726 das Erbrecht der protestantischen Pächter und wies die Klevisch-Märkische Regierung an, die evangelischen Pächter zu schützen, da diese langjährige Rechte erworben hätten.
Den Klostergeistlichen wurde die Ausübung kirchlicher Amtshandlungen im Lauf der Zeit wieder zugestanden (z.B. Erstkommunion der Kinder in Welver).

1756
Das Kloster erlebte im siebenjährigen Krieg nochmals unruhige Zeiten und Bedrängnisse, da teilweise auch in Westfalen die Auseinandersetzungen zwischen den alliierten Mächten (Österreich, Russland und Frankreich) gegen Preußen im Bund mit England/Hannover ausgetragen wurden. Vor allem hatte die Landbevölkerung unter den Repressalien der Kriegsgegner zu leiden. (Preussische Truppen mußten 1759 in ihren Winterquartieren in der Börde versorgt werden. Französische Truppen drangen durch das Fürstbistum Münster bis in die Paderborner Gegend vor. Die letzte bedeutende Schlacht des Siebenjährigen Kriegs auf westfälischem Boden fand 1761 bei Vellinghausen in der Nähe des Klosters statt.)

1780
Kontemplative Klöster galten in der Epoche der "Aufklärung" als unnütze Institutionen; durch die Verstaatlichung ihres Vermögen sollten insbesondere Reformen des Schul- und Sozialwesens finanziert werden. Trotz des liberalen Gedankengutes ließ die Äbtissin Anna Elisabeth von Twickel (1775-94) noch 1782 den Westflügel der Klosteranlage mit zusätzlichen Räumen für die Geistlichen und das Klosterarchiv erweitern (Quelle: Fidler a.a.O. S.86: Inschrift am heutigen Pfarrhaus).
Kloster Welver beherbergte 1799 den letzten Kamper Abt Bernhard Wiegels für einige Zeit, der 1794 vor den Franzosen flüchtete und seitdem in verschiedenen westfälischen Klöstern lebte. Da der Abt mittelos war und die Kosten seiner Unterbringung in den folgenden Jahren nicht bezahlen konnte, ließ die letzte Äbtissin Theresia von Loen (1797-1809) seine persönliche Habe beschlagnahmen. Wiegels mußte das Kloster verlassen.
Die politische Entwicklung in Europa und das Ende des "Alten Reiches" (1806) führten jedoch erst 1809 endgültig zur Aufhebung des Klosters sowie zur Enteignung des klösterlichen Grundbesitzes.


Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 07.09.2018