Ter Hunnepe

Zeit nach der Aufhebung

1579 - 80
Die Einheit der niederländischen Provinzen (Genter Pazifikation) in ihrem Widerstand gegen die spanische Herrschaft zerbrach 1579 an den konfessionellen Gegensätzen. Die nördlichen Provinzen der Niederlande mit überwiegend calvinistischer Bevölkerung schlossen sich zur Utrechter Union (Generalstaaten) zusammen, die sich von Spanien loslöste, die Reformation einführte und katholische Gottesdienste nicht mehr zuließ.

Der Konvent von Ter Hunnepe nahm vermutlich unter dem Druck dieser Entwicklung und der konfessionellen Spannungen die protestantische Religion an.

Ritterschaft und Städte von Overijssel plädierten beim Statthalter von Gelderland für den Fortbestand von Ter Hunnepe. Aus einem Briefwechsel zwischen den Deputierten von Overijssel an Johan von Nassau (Statthalter von Gelderland) vom 7.7.1580 ging hervor, dass man auf dem Landtag zu Kampen in Gegenwart des Prinzen von Oranien die Umwandlung des Klosters in ein weltliches Stift erneut zur Sprache brachte. Es wurde auch mitgeteilt, dass sich die Klosterbewohner von Ter Hunnepe im reformierten Glauben in Deventer aufhielten. Daher erachtete die Regierung von Gelderland eine formale Umwandlung des Klosters in ein weltliches Stift nicht für erforderlich.


Mit der Einführung der Reformation fühlten die Nonnen sich nicht mehr an ihr Ordensgelübde und Kirchendienst gebunden und legten die Ordenskleidung ab. Nur zu festlichen Anlässen waren sie gehalten, ein schwarzes Kleid zu tragen. Die Äbtissin, ihre Vertreterin (Kellnerin) und der Rentmeister wohnten in Deventer; für die übrigen Stiftsdamen bestand keine Residenzpflicht.
Der Grundbesitz und die Verwaltung des Besitzes blieben in den Händen der Nonnen vermutlich auf Verlangen der Ritterschaften von Geldern und Overijssel, die formal die Aufsicht ausübten und darauf bedacht waren, dass der Güterbestand von Ter Hunnepe erhalten blieb und nicht zu Staatsdomänen erklärt wurden, damit aus den Erträgen weibliche Familienmitglieder aus verarmten Adelshäusern in Overijssel und Gelderland finanziell unterstützt werden konnten.
Die Ritterschaften entschieden künftig allein über die Verteilung von

12 Präbenden (eine doppelte Präbende für die Äbtissin) aus den Einkünften der Klostergüter (damit über die Aufnahme neuer Chanoinessen, für die ein Mindestalter von 14 Jahren galt, sowie über die Nominierung einer Äbtissin. Aus dem Kloster war eine reine Versorgungseinrichtung für Töchter des Adels geworden (Quelle: Bijsterbos, Verslagen en mededeelingen, 1889, S. 31-103 a.a.O.).

1604
Die gleichmäßige Verteilung der Präbenden auf junge Mädchen aus beiden Provinzen, auf denen die Klostergüter lagen, die Verwaltung der Klostergüter und die Nominierung der Äbtissin (abwechselnd aus Gelderland und dann aus Overijssel) führten auf lange Sicht immer wieder zu Problemen.
Auf dem geldrischen Landtag zu Zutphen wurde geklagt, dass sich Overijssel unzulässige Kompetenzen in der Verwaltung des adeligen Stifts Ter Hunnepe anmaßen würde. Die Schwierigkeiten entstanden teilweise dadurch, dass die ursprünglichen Grenzen wegen der vielen Änderungen im System der Bachläufe und Kanäle sich verschoben hatten und es manchmal strittig war, ob der Grundbesitz des Klosters in der Provinz Gelderland oder Overijssel lag (z.B. gehörte die Bauerschaft Epse, in der das Kloster lag, zivilrechtlich zu Gelderland, kirchlich aber zur Pfarrei der Bergkirche in Deventer und somit zu Overijssel).

1663 - 68

Ritterschaft und Städte in Overijssel vereinbarten 1663, den Güterbesitz der früheren Klöster Ter Hunnepe, Weerselo und Schwarzwasser unter sich zum eigenen Nutzen und dem ihrer Nachkommen aufzuteilen. Das hatte zur Folge, dass sich die Ritterschaft von Geldern benachteiligt fühlte und den Klosterpächtern auf geldrischen Gebieten verbot, Steuern und Abgaben an die Ritterschaft von Overijssel abzuführen. Um die ständigen Auseinandersetzungen zu beenden, übereigneten 1667 die Stiftsdamen den gesamten Güterbesitz von Ter Hunnepe der Ritterschaft und den Städte von Overijssel als Eigentum unter der Bedingung, im Genuss der Stiftseinkünfte zu bleiben.
Es scheint aber 1668 zu einem Vergleich zwischen der Ritterschaft von Gelderland und Zutphen einerseits und von Overijssel andererseits gekommen zu sein. Overijssel behielt alle Güter, die Stiftsdamen erhielten wieder die Verwaltung ihrer Güter zurück und für die Ritterschaft von Gelderland blieben die gleichen Präbendenanteile zur Versorgung ihrer Familienmitglieder gesichert wie für Overijssel.
Dennoch waren die Konflikte damit nicht endgültig gelöst. Zuletzt entstand noch 1748 nach dem Tode der Äbtissin Wilhelmina Sophia Rechteren ein fast 8 Jahre andauernder Streit über die Besetzung der Äbtissinnenstelle, weil die Abgeodneten der Provinz Gelderland die Wahl der aus Oberijssel stammenden Anna Maria Mulert zur neuen Äbtissin nicht anerkannten.

1672

Deventer gehörte 1672 zu den befestigten Städten, die von den Generalstaaten besetzt waren und die unter dem französischen König Ludwig XIV im Holländischen Krieg (1672-79) erobert wurden. Die Stadt wurde dem Kölner Kurfürstentum einverleibt. Es wurde allen reformierten Bürgern der Stadt die freie Religionsausübung gestattet, außerdem wurden den Frauen und Jungfrauen des adeligen Stifts zu Honnep ihre Präbenden auf Lebenszeit garantiert (Quelle: THEATRI EUROPAEI, S. 162 a.a.O.).


1750
Noch in der Mitte des 18. Jhs. sah man das verfallene Mauerwerk von Kloster und Kirche. In späteren Jahre hat man alles abgebrochen. Der Platz ist noch bekannt, wo Kirche und Friedhof lagen. Auch sind noch Spuren der Grachten erhalten, die das Kloster umgaben.
Von der Ruine der Klosterkirche soll eine Zeichnung bestehen (Rhemen, Reichsarchiv Arnheim, aus Zeitschrift “Westerheem”, 1968, S.90). 

1795 - 1811
Das Stift Ter Hunnepe blieb auch in der Zeit der Batavischen Republik und des nachfolgenden Königreichs Holland im Besitz seiner Güter. Das Ende kam unter Napoleon, als 1811 die Güter zu staatlichen Domänen erklärt und an die bisherigen Pächter verkauft wurden.

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016