Ter Hunnepe

Gründungszeit

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Landkarte von 1612 des Landmessers Thomas Berendts
Das Kloster Ter Hunnepe (Marienhorst) bei Deventer wurde auf einem freien Eigenbesitz des Ludolf Brandanus und seiner Frau Lamberga gegründet. Die Landesgräfin Richardis von Nassau, Witwe des Grafen Otto von Geldern und Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Roermond, war die Initiatorin dieser Klostergründung; sie förderte außerdem noch weitere Klöster (z.B. das Kloster Bethelem an ihrem früheren Wohnsitz Doetinchem oder das Kloster Zennewijnen). Allerdings ist heute nicht mehr bekannt, welche Beziehungen zwischen der Gräfin und dem Stifterpaar bestanden. Das Kloster lag im Süd-Osten der Stadt an der „Hunnepe“ (später: Dortherbeek); dieser natürlichen Grenzfluss zwischen dem Hochstift Utrecht (Overijssel) und Gelderland gab dem Kloster seinen Namen.
Das zweite geplante Kloster der Landesgräfin auf einem freien Eigengut von Mechthild und Heinrich von Smithusen in Kellen bei Kleve sollte ursprünglich den Frauenkonvent aus Hönnepel bei Kalkar aufnehmen. Die Planung wurde aber nicht ausgeführt, sondern die Nonnen aus Hönnepel zogen in das Kloster Ter Hunnepe ein. Die Benediktinerinnenabtei Hönnepel war eine Tochtergründung der Abtei Denain (bei Valenciennes im Hennegau in Nordfrankreich). Die Nonnen aus Hönnepel sollen vertrieben worden sein, weil sie ohne Erlaubnis ihres Mutterhauses in Denain die Regeln der Zisterzienser angenommen hätten.
Ter Hunnepe war vornehmlich für ledige Frauen aus regionalen adeligen Familien in Geldern und Kleve bestimmt.
Das Kloster war nicht nur ein Ort eines kontemplativen Klosterlebens mit Chorgebeten, Meditationen und Fürbitten für das Seelenheil der zahlreichen Stifter, sondern hatte als Grundherrschaft auch Einfluss auf die Kultivierung des Landes, da viele Klosterbesitzungen in sumpfigen und durch Hochwasser gefährdeten Gebieten lagen.
Der Utrechter Bischof erließ 1308 das sog. Sallandsche Deichrecht, dessen Regelungen der Verbesserung der bereits bestehenden Deiche entlang der Ijssel zwischen der Hunnepe und der Zuidersee sowie dem Schutz gegen Überflutungen des Hinterlandes dienten.
Deventer entwickelte sich im Mittelalter zu einem wirtschaftlichen und geistigen Zentrum in der Ijssel-Region. Da die Grafen von Geldern sich häufig mit den Utrechter Bischöfen befehdeten, wurde im 14.Jh. eine Landwehr von Deventer aus entlang der Südgrenze zwischen dem Oberstift Utrecht und Geldern mit mehreren Kastellen (z. B. das Haus Dorth im Besitz des alten Rittergeschlechts van Heeckeren, Waardenburg bei Holten 1347, Arkelstein bei Bathmen 1360) angelegt. Die Schipbeek war ein Bestandteil dieses Verteidigungssystems. Der Ausbau der Schipbeek um 1400 als Schifffahrtsweg von Deventer nach Westfalen diente nicht nur den Handelsinteressen der Stadt Deventer, sondern bezweckte zum Teil auch eine Anhebung des Wasserstandes in den Stadtgrachten zur besseren Verteidigung der Stadt.
Alle diese Maßnahmen hatten letztlich eine Rückwirkung auf das Kloster und seine Ländereien (z.B. auf den Verlauf der Eigentumsgrenzen, die Wassernutzung für den Betrieb der Mühlen und den Schutz der Klostergüter in diesem Gebiet gegen Überflutungen).
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016