Sterkrade

Gründungszeit

Sterkrade gehörte als fränkische Siedlung ursprünglich zum Pfarr- bzw. Gerichtsbezirk Beeck (heute: Duisburg-Beeck) mit den Ortschaften Meiderich, Beeck, Hamborn, Sterkrade, Holten und Walsum. Weltliche Grund- und Gerichtsherren in diesem Bezirk waren z. B. die Herren von Hochstaden-Wickrath, die die Prämonstratenserabtei Hamborn (1136) gründeten, die Herren von Holte oder die Herren von Stecke.
Aber auch geistliche Grundherrschaften (die Abteien Werden, Gerresheim und Hamborn, die Stifte Rees und Essen bzw. die Frauenklöster Fürstenberg und Hagenbusch) waren in diesem Bezirk begütert. Die Abtei Werden gründete auf ihrem umfangreichen Grundbesitz in Sterkrade eine Eigenkirche mit einem Clemens-Patrozinium; diese Kirche bestand unter einem Kleriker bereits um 1150. Die Besitzungen der Abtei in Sterkrade waren im sog. „Herrenhof“ zusammengefaßt und gehörten zu den Vogteigütern, die die Grafen von Altena-Isenberg als Klostervögte von Werden im Laufe mehrerer Generationen verwalteten. 

 

Die Edelfrau Mechthild von Holte, Tochter des Adolph von Holte und Witwe des Kölner Burggrafen Gerhard von Arberg, übertrug das Patronat über die Sterkrader Kirche, soweit es erbrechtlich ihr zustand,  dem Kloster „zu ihrem Andenken und dem ihrer Eltern und ihres verstorbenen Gatten“ und erfüllte damit ein Angebot ihres Vaters Adolph, der den Nonnen etwa 1240 bereits den Herrenhof in Sterkrade als neue Wohnstätte in Aussicht stellte. Sie erhielt Unterstützung durch die Familie ihrer Schwester Heilwig (Helwigis) von Holte, verheiratet mit Wilhelm van Horne (1); das Ehepaar van Horne schenkte seine Besitzanteile wenig später (1256) ebenfalls dem Kloster. Das Zisterzienserinnenkloster in Sterkrade war in erster Linie für unverheiratete adlige Frauen aus dem Kreis der zur Burg Holten gehörigen Burgmänner bestimmt.   Mechthild stattete nicht nur das Kloster Sterkrade mit weiterem Grundbesitz aus, sondern übertrug auch dem Johanniterorden das Patronatsrecht über die Kirche zu Walsum.

Mechthild von Holte gab in einer Klageschrift um 1300 selbst an, dass die Burg Holten mit zugehörigem Grundbesitz von den Vorfahren ihrer mütterlichen Seite herrühren würde, die die Burg als Kölner Lehen besaßen und vermutlich aus dem Hause Arnsberg stammten (2). Holten war eine kurkölnische Grenzbefestigung und erhielt 1310 vom Grafen von der Mark die Stadtrechte. Wegen fehlender Quellen läßt sich nicht sagen, ob ihr Vater Adolph (+ 1260) – verheiratet mit Elisabeth von Holte - rechtmäßig das Patronat über die Sterkrader Kirche erlangte oder möglicherweise in den Mißbrauch der Vogteirechte seines Bruders Friedrich von Isenberg verstrickt war. Adolph hat das Patronat später offensichtlich auf seine Töchter Mechthild und Helwigis je zur Hälfte aufgeteilt.

Friedrich von Isenberg sollte wegen des Mißbrauchs seiner Vogteirechte, die er von der Abtei Werden und vom Stift Essen besaß, vom Kölner Erzbischof Engelbert II. zur Rechenschaft gezogen werden und wurde wegen des Attentats auf den Erzbischof hingerichtet. Dadurch gingen die isenbergischen Güter an seinen Vetter und politischen Gegenspieler Adolf von der Mark verloren. Es kam wegen der vom Sohn Friedrichs geforderten Rückgabe der Güter zu einer langjährigen Fehde „Isenberger Wirren“ (1232 – 43), die erst durch Rückgabe eines Teils des Besitzes beendet wurde.
Adolf von Holte (1220–1261) hatte sich nach Engelberts Tod (+ 1225) von seiner Familie distanziert und verhielt sich in den „Isenberger Wirren“ angeblich neutral (3).
Die Motive des Adolph von Holte, dem Defth'er Kloster das Patronat und den Herrenhof in Sterkrade anzubieten, lassen sich nur vermuten (z.B. Fürsorge für die unverheirateten Töchter der Burgmänner bzw. Schuldgefühle wegen des vielleicht unrechtmäßigen Erwerbs des Patronats). Es erscheint aber unwahrscheinlich, dass Adolph von Holte aus Scham über die Ermordung des Kölner Erzbischofs durch seinen Bruder Friedrich von Isenburg den Namen änderte, weil Adolf unter dem Namen „von Holte“ bereits 1223 urkundlich erwähnt wurde.

Die erste Äbtissin Reginwidis von Hillen stammte aus dem Geschlecht „von Hillen“ auf dem kurkölnischen Oberhof Kirchhellen, ihr Bruder Konrad von Hillen gehörte als Richter in Recklinghausen zur ministerialen Führungsschicht des Kölner Erzbischofs im Vest Recklinghausen. 


Quellen:

(1) Internet-Wikipedia: Adelsgeschlecht Berg-Altena

(2) Robertz, Hans:  Urkundensammlung, Aufzeichnungen zur Geschichte

     von Oberhausen insb. Sterkrade und Umgebung, 2002,

     Stadtarchiv Oberhausen

(3) Internet-Wikipedia: Isenberger Wirren

 

 

 

 



Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016