Sterkrade

1240 - 1809 : St. Maria ad rivulum (St. Maria am Bächlein)

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Bild 1: Abteigebäude

Lage des Klosters

Oberhausen-Sterkrade

 

Erhaltenes Erbe

Vom früheren Kloster ist nichts erhalten geblieben.

 

Kurzgeschichte

Das Zisterzienserinnenkloster entstand durch die Initiativen und die wirtschaftliche Förderung insbesondere der Adelsfamilien "von Hillen" sowie "von Holten". Regenvidis von Hillen, Äbtissin des Klosters Duissern, erhielt 1240 vom Kölner Erzbischof die Erlaubnis, eine Filiale auf dem Allod der Kölner Kirche bei „Defth“ (Grafenmühle bei Kirchhellen) zu gründen, das Konrad von Hillen (oder Konrad von Recklinghausen, ein Bruder der Regenvidis) dem Kloster übertrug. Konrad von Hillen gehörte als Richter im kurkölnischen Vest zur ministerialen Führungsschicht des Kölner Erzbischofs.
Der Klosterstandort Defth wurde schon nach mehreren Jahren aufgegeben, weil die Erträge des Gutes zur Versorgung des Klosters nicht ausreichten, eine Kirche nicht vorhanden war und außerdem die Söhne des Konrad von Hillen erst 1264 zugunsten des Klosters auf Besitzansprüche verzichteten. Die ursprüngliche Lage des Frauenklosters auf dem Gut Defth läßt sich nicht mehr bestimmen.
Besserer Bedingungen fanden die Nonnen in Sterkrade nach der Übersiedlung auf dem „Herrenhof“ des Adolph von Holte (Burgherr der kölnischen Grenzburg Holten). Insbesondere war es seine Tochter Mechthild, die das ihr zustehende Erbe an der vorhandenen Kirche in Sterkrade (Patronatsrecht mit den Einkünften, Landbesitz, Mühle und Fischteich) dem Kloster schenkte und damit dessen Existenzgrundlage sicherte. Das Kloster wurde erst 1271 in den Orden aufgenommen und der Abtei Kamp unterstellt.
Das wirtschaftliche Wachstum war um 1400 abgeschlossen. Das Kloster besaß neben zusammenhängenden Gütern in der näheren Umgebung auch umfangreichen Streubesitz; es erfüllte eine Versorgungsfunktion für die durchweg adeligen Angehörigen des Konvents. Die Reformbemühungen seit dem 15. Jahrhundert nach dem abendländischen Schisma bzw. der Reformation waren darauf gerichtet, die innere Ordnung des Klosters im Sinne der Konzile von Basel (1431-49) und Trient (1542 – 63) zu festigen, eine strenge Observanz der ursprünglichen Ordensregel durchzusetzen und den Bestand des Klosters als katholische Institution trotz der Wirren der Reformation zu erhalten. Äußerlich war das Kloster Sterkrade seit der Mitte des 15.Jahrhunderts häufig von Kriegszerstörungen, Plünderungen, Kontributionen, Pachtausfällen oder Naturkatastrophen betroffen, so dass die wirtschaftlichen Lage bis zur Aufhebung des Klosters angespannt blieb, zahlreiche Prozesse gegen Klosterpächter wegen ausstehender Pachtzahlungen anhängig waren und nur kurze Phasen der Erholung eintraten.
So waren in der Zeit der Soester Fehde (1444 - 49) Klostergebäude nach dem Bericht der Kamper Chronik zerstört. In der Zeit des Truchsessischen Krieges wurde das Kloster 1583 so verwüstet, dass der Konvent anschließend ca. 40 Jahre im benachbarten Holten leben mußte. Im 30-jährigen Krieg wurden dem Kloster durch Plünderungen und Kriegskontributionen erhebliche Schäden zugefügt.
Gleichwohl blieb das Kloster bis zur Aufhebung für das Kirchspiel Sterkrade der geistige und wirtschaftliche Mittelpunkt. Eine überregionale Bedeutung erhielt das Kloster 1738 durch das Sterkrader Gnadenbild und 1744 durch die kirchliche Anerkennung als Wallfahrtsort.

Nach der Aufhebung des Klosters am 15.7.1809 und der Versteigerung des Klosterbesitzes entstand auf den Ländereien des Klosters die Gute-Hoffnungs-Hütte Oberhausen.

Nutzung

An der Stelle der früheren Klosterkirche im Sterkrader Stadtzentrum steht heute der 4. Kirchenbau der kath. Propstei St. Clemens.

 

Beachtenswertes

Einzelstücke der Kirchenausstattung

  • Gnadenbild "Unsere Liebe Frau vom guten Rat" 
  • Chorgestühl von 1483, das zur St. Maximilian-Kirche in Duisburg – Ruhrort kam.
  • Ein Spezialgebiet war die Buchmalerei des Ordens.
    Anlässlich einer Ausstellung im Zisterzienserkloster Kamp ist ein Bildband herausgegeben worden, der einen besonderen Bezug zu Sterkrade hat (Buchmalerei der Zisterzienser, Kulturelle Schätze aus 6 Jahrhunderten, Belser Verlag Stuttgart 1998). Neben einer Einführung in die spezielle Buchmalerei des Ordens wird das Bild einer Handschrift aus dem Kloster Sterkrade mit künstlerischer Gestaltung des Buchstabens "B"  dargestellt.

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

Äbtissinnen-Liste (s. von Roden, Mattler, Westf. Klosterbuch),

 

Kontakt - Infos

Propstei St. Clemens

 

WEB-Links

1) Gründung der Abtei Sterkrade

2) Ansicht der Klostergebäude (alte Postkarte) und Liste der Äbtissinnen (nach Roden)

3) Geschichte der Gemeinde Oberhausen-Sterkrade


 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016