St. Servatius

Zeit bis zur Aufhebung

1225
Otto von Lippe, Bischof des Fürstbistums Utrecht (1216–27), veranlaßte den Benediktinerinnenkonvent, der etwa 1218 in dem südöstlichen Außenbezirk Abstede der Stadt Utrecht unter dem Patronat ihres Schutzheiligen Hl.Servatius von Johannes (Kanoniker des Utrechter Kapitels von St. Johannes) gestiftet wurde (Quelle: Kamper Chronik, S.284 a.a.O.), die Regeln des Zisterzienserordens gegen den Widerstand der Äbtissin Hulinde anzunehmen. Er ordnete außerdem die Verlegung des Klosters in die Stadt Utrecht an.


1227 - 30
Ottos Nachfolger Wilbrand von Oldenburg (Bischof von Utrecht 1227–33; begraben in der Klosterkirche + 1233) ließ das neue Kloster innerhalb der Stadt an der südöstlichen Stadtmauer errichten (heute Servaasbollwerk zwischen “Neue Gracht und Magdalenenstraße”). Der Bischof sowie auch Mitglieder des Domkapitels übertrugen der Abtei St. Servaas umfangreiche Ländereien und Zehnrechte als wirtschaftliche Grundlage. Insbesondere zählten hierzu das Gebiet „Galgenwaard“ entlang des „Kromme Rijns“ in Abstede, so dass das Kloster in dem Außenbezirk der größte Grundeigentümer war; außerdem kamen noch Gebiete in verschiedenen Ortschaften um Utrecht sowie Patronatsrechte über die Kirchen von Werkhoven und von Oudijk hinzu. Die Äbtissin besaß ferner das Kollationsrecht für die Vikarie der Kirche von Dwarsdijk (eine Bauernschaft bei Duurstede). Grundbesitz und sonstige Einkommen wuchsen im Laufe der Zeit an, so dass der Lebensunterhalt der Nonnen gesichert war. Das Kloster stand unter die Aufsicht des Klosters Kamp.
Papst Grogor IX. bestätigte 1230 dem Kloster den Besitz seiner Güter (Quelle: OSU-II-799).


1244
Die Zahl der Konventualinnen war bereits nach zwei Jahrzehnten so angewachsen, dass einige in das neugegründete Kloster Mariendaal im Nordwesten von Utrecht eingegliedert wurden.

1251 – 54

Papst Innozenz IV. verlieh zum Namensfest des Hl.Servatius (13. Mai ) mehrere Ablässe für die Vollendung der Klosterbauten. Er gab dem Metropolitanbischof von Köln das Recht, alle zu exkommunizieren, die der Abtei St. Servatius Schaden zufügen sollten.

1280

Nach der Kamper Chronik bestand der Konvent aus 42 Nonnen. 
 

1276 - 1345
Ein Klosterleben unter strenger Observanz dürfte unter den städtischen Lebensbedingungen und den bestehenden innerstädtischen Zwistigkeiten schwierig gewesen sein.
In dieser Periode verloren die Fürstbischöfe einen Großteil ihrer weltlichen Rechte an die Bürgerschaft der Stadt Utrecht und konkurrierten mit den Grafen von Holland und Geldern um die Erhaltung und Ausdehnung der Machtbereiche. Die Amtszeit des Bischof-Elekten Johann von Nassau (1267 – 88) galt als eine der schlechtesten in der Geschichte Utrechts, da er Steuergelder zur Finanzierung seines Lebenstils unterschlug, die in seiner Diözese zur Finanzierung eines von Papst Gregor X (Konzil von Lyon 1276) geplanten Kreuzzuges auf die Erträge der geistlichen Institutionen erhoben wurden. Allein 5 Bischöfe lösten sich in den ersten 40 Jahren des 14. Jahrhunderts in der Regierung ab. Erst unter dem Bischof Johann von Arkel (1342-64) verbesserte sich die Lage, da es ihm gelang, frühere Pfandschaften (große Teile des Oberstifts waren an Geldern bzw. Holland verpfändet) und Schulden seiner Vorgänger abzulösen, so dass das Hochstift wieder die frühere Unabhängigkeit zurückerlangte. Die sich hieraus ergebenden Konflikte zwischen Johann von Arkel und dem Grafen Wilhelm IV. von Holland, trotzdem der Graf die Bischofswahl Johanns unterstützte hatte, führten dazu, dass Utrecht sechs Wochen lang belagert (1345) wurde und Graf Wilhelm den Bischof zu einem 3-Jährigen Waffenstillstand zwang.

1397
Als die Äbtissin von St.Servaas, Catharina van Montfort (seit 1369 Äbtissin; + 1402), im Jahre 1397 von ihrem Amt zurücktrat, wurde als Nachfolgerin die Äbtissin des Klosters Mariëndaal, Mechtild van Ijsselstein (+ 1409), eingesetzt.
Dieser Führungswechsel läßt vermuten, dass das Ideengut der “devotio moderna” Eingang in St.Servaas fand, und der Austausch der Äbtissinnen als Druckmittel die letzten Widerstände gegen eine Verschärfung der Observanz beseitigen sollte.
Insbesondere die Priorin Elisabeth van Sterre verließ mit reformwilligen Nonnen 1397 das Kloster St.Servaas. Die Nonnen traten in das Dominikanerinnenkloster Schönensteinbach (bei Mülhausen im Elsass) ein, das bereits im Geist einer strengen Observanz reformiert worden war. Elisabeth van Sterre wurde später Äbtissin des 1406 gestifteten Klosters der Dominikanerinnen bei Duurstede (Quellen: NNBW Deel 4. S.1495 a.a.O.; A.W. Sijthoff, Leiden 1918, Necrolog des Klosters Mariendaal).

1400
Zahlreiche Reformbemühungen im ausgehenden 14. Jh. sowie im 15.Jh. waren eine Folge der „Devotio moderna“ bzw. der Konzile von Konstanz (1414– 8) und Basel (1431–49) nach dem Ende des abendländischen Schismas und führten zu einer Gründungswelle neuer Klöster bzw. Kongregationen: Gemeinschaften der Brüder und Schwestern vom gemeinsamen Leben; Tertiarierklöster in Utrecht, Kongregation von Sibculo (Zisterzienser), Kongregation von Windesheim (Augustiner), Kongregation von Bursfelde (Benediktiner). Das gemeinsame Ziel aller Reformanstrengungen war die Durchsetzung einer strengen Observanz.

 

1423 - 50

Unruhige Zeiten herrschten in Utrecht durch das Schisma in der Utrechter Kirche um die Besetzung des Bischofsstuhls mit Rudolph von Diepholz (1423 – 55) einerseits, dessen Wahl vom Papst erst 1433 anerkannt wurde, und Zweder van Kulemburg (1425– 3) bzw. Walram von Moers (1433-50) andererseits. Der Parteienstreit um die Bischofswahl, der mit den Namen Lichtenberg und Lockhorst verbunden ist, erfaßte auch die Utrechter Kapitel und Klöster. Mehrere Klöster auf der päpstlichen Linie erkannten Diepholz nicht als rechtmäßigen Bischof an, so dass z.B. der Abt der Abtei St. Paul von den Anhängern des Bischofs Diepholz 1426 aus der Stadt vertrieben wurde oder die Äbtissin des Klosters Oudwijk aus der Stadt flüchtete.
Klosterreformen unter dem Fürstbischof Rudolf von Diepholz hatten eher einen politischen Hintergrund, da Diepholz die Leitung verschiedener Klöster in Utrecht mit loyalen Anhängern besetzte. Ob es im Kloster St.Servaas in der Zeit des Schismas Probleme aufgrund der Interessenlage der streitenden Parteien gab, ist nicht näher bekannt.

 

1437

Zwischen 1437 und 1441 entstanden eine Gebetsverbrüderung sowie eine Laienbruderschaft St.Servaas, denen Personen aller Stände angehörten. Vermutlich verbanden die Nonnen von St.Servaas die Sorge der Menschen um ihr Seelenheil mit dem finanziellen Nutzen für das Kloster, da diese Bruderschaften neue Glasfenster des Klosterrefektoriums und die Anlage eines Grabgewölbes finanzierten (Quelle: J. J. van Moolenbroek, Servatius en Johannes. Over de vroegste geschiedenis van het Utrechtse vrouwenklooster St. Servaas, Jaarboek Oud-Utrecht, 1997, S.172). 

 

1449

Das ausgehende Mittelalter war infolge des abendländischen Schismas eine Zeit großer kirchlicher Wirren. Die Klosterreformen des 15.Jahrhunderts waren daher Teil einer breiten und allgemein geforderten Kirchenreform nach den Konzilen von Konstanz und Basel. Manche klösterliche Lebensweise und Gebräuche galten nach außen zwar als Formen einer Verweltlichung bzw. eines stiftischen Lebens und daher als Regelverstöße, waren aber letztlich mit kirchlicher Zustimmung das rechtmäßige Ergebnis jahrelanger Anpassungsprozesse an gesellschaftliche Veränderungen. Das Reformziel war vor allem, Privateigentum der Nonnen abzuschaffen und diese wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten.
Bereits 1449 verordnete das Generalkapitel des Ordens der Zisterzienser Reformen in den Frauenklöstern. Mehrere Anzeichen sprachen dafür, dass sich die Nonnen über Reformauffassungen oder Reformverhalten abstimmten (z.B. waren Leeuwenhorster Nonnen in St.Servaas, Vertreter aus Friesland kamen nach Leeuwenhorst und hielten mit dem Kloster Kamp Kontakt). Es gibt aber keine Hinweise, dass kurzfristig bereits Veränderungen eintraten.

 

1451

Nach dem Tod der Äbtissin Hildegund Witten (+1451) wurde Mechthild van Jutfaas (1451 - 82) zur Nachfolgerin gewählt. Der Konvent war bereits wenige Monate nach der Wahl mit den Reformanordnungen des päpstlichen Legaten Nikolaus von Kues konfrontiert, der das religiöse Leben der Klöster (auch exemte) und Stifte in den Niederlanden im Geist der „Devotio moderna“ reformieren bzw. Streitfragen (z.B. in der Abtei St. Paul, wo er den Abt Jacob van Poelgeest einsetzte) schlichten sollte. Der Legat forderte im September 1451 mit seinen Reformdekreten alle Klöster im Bistum Utrecht unter Androhung des Verlustes der Privilegien zur Einhaltung der Ordensregeln und einer strengen Observanz innerhalb einer Jahresfrist auf. In den älteren adeligen Nonnenklöster herrschten nach Ansicht des Legaten ernsthafte Missstände: Besondere Kritikpunkte waren wie auch in Klöstern anderer Landesteile: Privatbesitz, Präbenden, Freiräume für Besuchsreisen, freie Wahl der Beichväter, modische Kleidung, Diensboten. Es gab im übrigen keine Nachricht, dass der Legat das Kloster St.Servaas besuchte.
Die Nonnen der privilegierten adeligen Konvente reagierten erwartungsgemäß mit Widerständen und wurden dabei von ihren einflußreichen Familienangehörigen, die sich und ihre Vorfahren als Gönner und Beschützer des Klosters betrachteten, unterstützt. Herzog Philipp der Gute, Vertreter des Adels und der Bürgerschaft im Hochstifts Utrecht intervenierten zugunsten der Nonnen beim Papst. Daraufhin wurde die Durchsetzung der Vorschriften des Legaten ausgesetzt (Quelle: Nederlandsch biografisch woordenboek. Deel 3, Mechtild van Jutfaas, S. 656 - 57 a.a.O.).

Jedoch setzte 1453 Papst Nicolaus V. zur Reform von zehn Frauenklöstern (je 5 Klöster in Utrecht und 5 Klöster in den Provinzen Holland und Zeeland, darunter die vier Zisterzienserinnenklöster St.Servaas, Mariendaal, Leeuwenhorst und Loosduinen) eine Reformkommission aus einheimischen Visitatoren ein (Abt Jacob van Poelgeest der Benediktinerabtei St.Paul zu Utrecht, sowie die Kapiteldekane von St.Salvator in Utrecht und St.Pancras in Oostvoorne (Quelle: Monastiek observantisme en moderne devotie in de Noordelijke Nederlanden, S. 144 a.a.O.). Auch wenn Nachrichten für St.Servaas nicht erhalten sind, dürften die Visitatoren ihren Auftrag erfüllt haben. Im Gegensatz zur Vorgehensweise des Legaten versuchten die Visitatoren, einen Mittelweg zu finden zwischen Duldung des privilegierten Status der adeligen Klöster und einer geistigen Umkehr der Nonnen. Die fehlende Überlieferung läßt im übrigen eine eindeutige Aussage nicht zu, ob in St.Servaas weitere Reformversuche reibungslos verliefen. Legt man den Reformverlauf anderer Klöster zugrunde (Leeuwenhorst oder Rijnsburg), war eine gewisse Reformwirkung eine Zeit lang erkennbar, aber letztlich trat eine dauerhafte Erneuerung des inneren Lebens nicht ein.
Kloster St.Servaas erlebte in der Regierungszeit der Äbtissin Mechthild van Jutphaas (1451-82) offenbar eine Blütezeit, da der Kamper Abt Henricus von Kalkar (1483-99) ihr posthum bei der Amtseinführung der Nachfolgerin eine vorbildliche Amtsführung bestätigte, insbesondere waren die Gebäude im guten Zustand, und das Kloster hatte bei einer Konventsgröße mit 32 Nonnen keine Schulden.


1482
Elisabeth van Denemarken (Äbtissin 1482 - 95) war die Nachfolgerin der verstorbenen Äbtissin Mechtild van Jutfass; ihre Wahl wurde im März 1482 durch den Kamper Abt Henricus von Kalkar bestätigt. Bei ihrem Regierungsantritt lebte das Kloster noch im Wohlstand, doch geriet es insbesondere aufgrund der politischen Situation (burgundischer Anspruch auf das Hochstift Utrecht; zweite Utrechter Stiftsfehde 1483) und der daraus resultierenden Belagerung der Stadt Utrecht durch Kaiser Maximilian in Bedrängnisse,  weil die Klostergüter in der Umgebung der Stadt (vor allem in Wageningen und Rhenen) gebrandschatzt, die Felder verwüstet und das Vieh geraubt wurden. Gleichzeitig herrschte 1484 die Pest, an der der Beichtvater Michaël van Venray verstarb. Die schlechte wirtschaftliche Lage wegen ausbleibender Einkünfte erforderte den Verkauf verschiedener Renten an das Kloster Kamp (Quelle: Keussen, Chronicon S.340 a.a.O.). Das Kloster dürfte sich aber nach einigen Jahren bereits erholt haben (vgl. Zeitraum 1517-20).

 

1517 - 20

Nach dem Tode der Äbtissin Gertrudis von Dedel (+1517) leitete Ermengardis van Lockhorst bis 1520 als Äbtissin das Kloster St.Servaas mit 28 Nonen. Ihr Bruder Hermann, Dekan des Domstifts St. Salvator, ließ die Klosterkirche van St. Servaas auf seine Kosten mit einem neuen Gewölbe ausstatten. Die kurze Regierungszeit der Äbtissin verlief nach dem Urteil des Kamper Abts Johannes Middels in geistlichen und weltlichen Belangen ohne Beanstandungen (Quelle: Nederlandsch biografisch woordenboek. Deel 3, S.784 a.a.O.).

  

1520 - 48
Elisabeth van Amstel (1520 – 48) wurde zur Äbtissin gewählt und vom Kamper Abt Johannes Middels in ihr Amt eingeführt. Aus der Bestätigungsurkunde ihrer Nachfolgerin geht hervor, dass es der Äbtissin van Amstel in ihrer langen Regierungszeit gelang, die Abtei trotz der anhaltend hohen Steuerlasten, die auch die geistlichen Institutionen für die Kriegsausgaben des Kaisers aufzubringen hatten, schuldenfrei zu halten. Im Konvent lebten 26 Nonnen und 3 Novizinnen (Quelle: Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek. Deel 3, S. 30 a.a.O.).
In der Zeit des letzten Fürstbischofs von Utrecht, Heinrich von der Pfalz (1524 -29; er verdankte Kaiser Karl V. seine Wahl) verlor das Stift Utrecht seine politische Selbstständigkeit. Es kam wiederholt zu Unruhen gegen das burgundisch-habsburgische Regierungssystem sowie infolge der Reformation zu Streitigkeiten über die Rechtsausübung des Bischofs. 1528 übertrug der Fürstbischof die weltliche Verwaltung des Hochstifts Utrecht dem Kaiser.

 

1536 

Die Wahl einer Äbtissin in einem niederländischen Kloster fand seit etwa 1536 in einer Versammlung der Nonnen unter Leitung einer kaiserlichen Kommission statt (bestehend aus dem Statthalter und Mitgliedern des kaiserlichen Rates in Utrecht).  

 

1548 - 55 

Im Jahre 1548 wurde letztmals die Äbtissin Alfarda Rodenburg (1548 – 55) unter Leitung des Priors des Klosters Marienberg zu Ijsselstein vom Konvent des Kloster St.Servaas gewählt. Ein Eingriff der Regierung in den Wahlvorgang ist hier nicht bekannt. Die neu gewählte Äbtissin wurde vom Vaterabt des Klosters Kamp nach den üblichen Gebräuchen bestätigt und in ihr Amt eingeführt. Nach ihrem Tod befahl jedoch der Kaiser dem Konvent von St.Servaas, als Nachfolgerin die Priorin Beatrix van Nyenrode (1555 - 65) zu wählen (Quelle: Nieuw Nederlandsch biografisch Woordenboek, Deel 4, S. 797-98). 

       Kaiser Karl V. (1519 – 56) konnte seine Ansprüche auf die burgundischen Niederlande nur mit Gewalt durchsetzen. Es gelang dem Kaiser nicht, die Glaubensspaltung zu überwinden, vielmehr bekämpfte er die Reformation mit Ketzeredikten und Inquisition. Der Kaiser stellte zwar die Klöster unter seinen Schutz, er verfügte aber kraft eines päpstlichen Indults über das Nominatierecht, d.h. es konnten als Äbte bzw. Äbtissinnen nur die vom Kaiser nominierten Kandidaten/Kandidatinnen gewählt werde. Die Wahl fand jeweils unter Leitung eines kaiserlichen Kommissars statt

1564
Sybilla van Amerongen wurde vom spanischen König Philip II. als Kandidatin für die Wahl zur neuen Äbtissin benannt.

1566 - 74

Die politischen und konfessionellen Gegensätze gingen in der Regierungszeit Philipp II. von Spanien (1556 – 98), der nach der Teilung des Habsburgerreiches die Niederlande erhalten hatte, in einen offenen Glaubenskrieg über, der zu Aufständen (Bildersturm 1566) und schließlich zum Zusammenschluß der sieben nördlichen Provinzen in der Union von Utrecht (sog. Generalsstaaten 1579) führte, die die protestantische Glaubensrichtung als offizielle Religion und die Unabhängigkeit der Generalstaaten von Spanien erklärte. Utrecht selbst blieb weitgehend von Auschreitungen verschont; man hatte die Kunstwerke aus den Pfarrkirchen und den Klöstern Utrechts vorsorglich in Sicherheit gebracht.
Das Konzil von Trient (1545 - 63) hatte in seinem Bestreben, durch einen inneren Reformprozess die Ausbreitung des Protestantismus einzudämmen, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens beschlossen. Das Generalkapitel beauftragte Visitationskommissare, alle Klöster wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten, Privateigentum abzuschaffen und alle der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher aus den Klöstern zu entfernen.
Als der Abt von Morimond (Johann Coquaeus) in den niederländischen Klöstern Reformen einleitete und am 23.4.1570 die Abtei Servaas visitierte, widersetzten sich die Nonnen unter der Äbtisin Sybilla Taets van Amerongen (Äbtissin von 1564 - 1602) den Forderungen nach Einhaltung einer strengen Klausur, insbesondere den Abschluss von der Außenwelt durch das Anbringen von Sprechgittern und Verschließen der Türen (Quelle: Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek, Deel 3, S.28/29), so dass der Reformversuch ergebnislos blieb. Der Verlauf der politischen Entwicklung ließ ohnehin Spielräume für Klosterreformen nicht mehr zu.


1574 - 80

In dieser Zeit mußte die Äbtissin mit Zustimmung des Kamper Abtes Johann Langeray Klostergüter zur Bezahlung der Steuern verkaufen, die dem Kloster zur Finanzierung des Kampfes um die Unabhängigkeit der Niederlande von Spanien auferlegt wurden.
In 1577 wurde Prinz Wilhelm von Oranien als Statthalter von Utrecht anerkannt. Er begann, die Stadtbefestigung durch fünf Bastionen zu verstärken, eine davon lag unmittelbar am Kloster St. Servatius (Servaasbollwerk).

 

1579
Die sieben nördlichen Provinzen blieben reformiert (calvinistisch), schlossen sich 1579 in der Union von Utrecht zu den sog. Generalsstaaten zusammen und erklärten 1581 ihre Unabhängigkeit von Spanien.
Die von den Generalstaaten beschlossene Einführung der Reformation (23. 1.1579 im Kapitelhaus des Doms von Utrecht) veränderte die Situation des Klosters St. Servaas nachhaltig: Katholische Gottesdienste waren seit dem 15. Juni 1580 definitiv verboten, nachdem in Utrecht nach dem sog. Verrat von Rennenberg (März 1580) unmittelbar der zweite Bildersturm begann, von dem vor allem der Dom betroffen war, weil das Domkapitel sich weigerte, protestantischen Gottesdienst in der Kathedrale zuzulassen. Das Kloster St.Servaas wurde in ein protestantisches Damenstift umgewandelt. Die Nonnen konnten wohnen bleiben, führten aber kein Gemeinschaftsleben mehr.
         (Georg von Lailing, Graf von Rennenberg, stand zunächst auf der Seite der niederländischen Freiheitsbewegung und war Statthalter von Friesland, Groningen und Oberijssel von 1576 bis 1580. Er eroberte das von Spaniern besetzte Deventer im Novemver 1578 für die Generalstaaten. Im Jahre 1580 lief er jedoch zur spanischen (katholischen) Seite über und verkaufte die Stadt Groningen an die Spanier. Dieser Verrat verschärfte die konfessionellen Gegensätze.)



Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016