Schledenhorst

Gründungszeit

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Bild 3: Kreuzigungsgruppe in der Kapelle, Altarfiguren 15.Jh. aus dem Westchor der Klosterkirche
Die Ritter von Rees besaßen einflußreiche Stellungen als Vasallen der Kölner Erzbischöfe und waren als Schultheißen und Richter in Rees sowie als Kanoniker des Kollegiatstiftes St. Maria nachweisbar. Zu den wesentlichen Aufgaben dieser Edelherren gehörte schon vor der Stadterhebung 1228 die Verteidigung der bereits befestigen Ortschaft Rees, die gemeinsam mit der Burg Aspel an der Nordgrenze des weltlichen Herrschaftsbereichs der Kölner Erzbischöfe lag.
Bernhard von Rees übertrug 1240 seinen Besitz (praedium) in Empel (Stadtteil von Rees) dem Frauenkloster Gevelsverg. Unter den Zeugen der Schenkung befanden sich drei Vertreter des Klosters Gevelsberg: die Äbtissin Christina, die Priorin Christina sowie ein Konverse Thomas, ein Kölner Bürger und ein Förderer des Klosters Gevelsberg (HStA, Kloster Schledenhorst, Urk. 1 vom 29.08.1240). Es war wohl Bernhard`s Absicht, in Empel ein neues Frauenkloster zu errichten. Möglicherweise war aber der ungeeeignete Standort im Überschwemmungsgebiet des Rheins ein Grund, das Kloster bereits wenig später nach Schledenhorst zu verlegen.

Der Gründungskonvent aus Gevelsberg unter der Priorin Guda Sobryn bestand vermutlich nur aus einigen Nonnen, die beim Aufbau des neuen Klosters mitwirkten, da noch im selben Jahr von Gevelsberg aus ein weiterer Gründungskonvent nach Benninghausen (Lippstadt) zum Aufbau einer zweiten Filiale geschickt wurde. Die Wahl einer Äbtissin aus dem neuen Konvent in Schledenhorst fand erst nach 1247 statt, da Guda noch 1247 einen Güterkauf tätigte. Weitere Kontakte zwischen den Klöstern Gevelsberg und Schledenhorst bestanden offensichtlich nicht.
Schledenhorst wurde nach der Gründungsurkunde von 1240 zum Seelenheil des Stifters („pro anime sue remedio“) gestiftet. Dieses Motiv einer verstärkten Religiösität adeligen Stifter überwog in der Mehrzahl der zahlreichen Klostergründungen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Schledenhorst wurde zwar als Sühnestiftung mit dem Mordanschlag auf den Kölner Erzbischof Engelbert II. von Berg (1225) in Verbindung gebracht, aber aus dem Hinweis in der Gründungsurkunde auf den Ort Gevelsberg und die Ermordung Engelberts allein läßt sich eine schuldhafte Verstrickung des Ritters von Rees in den Mordfall, der 15 Jahre zuvor begangen wurde, als Stiftungsmotiv nicht ableiten (andere Darstellungen bei Mooren und Scholten).
Es ist außer dem religiösen Motiv anzunehmen, dass für die Klostergründung ein Bedarf bestand, unverheiratete adelige Frauen aus dem niederrheinischen Raum zu versorgen. Zu den Aufgaben der Zisterzienserklöster gehörten bekanntlich die Erschließung von unkultivierten bzw. kaum genutzten Landflächen. Dies könnte auch bei Schledenhorst eine Rolle spielen, da die Klostergründung mitten in einem großen Gebiet sumpfiger Auenlandschaften des Rheins und der Ijssel-Niederung lag (Hetter- Millinger Bruch, Sonsfelder-Bruch oder Werther Bruch), die im 13. Jahrhundert entwässert und kultiviert wurden. Der Kölner Erzbischof als Landesherr erhob für das kultivierte Neuland den Novalzehnt.
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016