Schledenhorst

Zeit bis zur Aufhebung

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Bild 4: Kabinettorgel des Klosters, ca. 1780 von Johann Stephan Strumphler (Amsterdam), heute im Orgelmuseum der Uni Leipzig, mit freundl. Genehmigung des Museums

1240 - 43

Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238–61) bestätigte 1240, dass der Ritter Bernhard von Rees zu seinem Seelenheil der Äbtissin und dem Konvent des Klosters Gevelsberg sein Eigengut Empel mit einer dort gegründeten Kirche übertrug (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK Nr. 1 vom 29.08.1240).
Der Standort der Klostergründung in Empel erwies sich jedoch als ungeeignet, so dass Bernhard von Rees und sein Bruder Heinrich im Jahr 1241 ihre Lehngüter in Schledenhorst für die Verlegung des Klosters zur Verfügung stellten. Der Erzbischof stellte das Kloster unter seinen Schutz, befreite es von Steuerzahlungen und Diensten und bestätigte erneut, daß die Brüder Bernhard und Heinrich von Rees ihre vom Erzstift Köln erhaltenen lehnrührigen Güter zu Schledenhorst dem gegründeten Kloster zu Empel, das nunmehr nach Schledenhorst übersiedeln wollte, geschenkt und als Ersatz andere Güter in Ossenberg und Millingen dem Erzbischof zu Lehen aufgetragen hätten (LA-NRW Kloster Schledenhorst, Handschriften NIII 6, 1241).
Der Erzbischof wies 1243 seine Schultheißen und Beamten an, den Konvent zu Schledenhorst gegen Nachstellungen zu beschützen, und bestätigte nochmals die Befreiung von allen Steuern und Diensten (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK Nr. 2, 1243).


1247

Das Kloster wurde bereits vor der Aufnahme in den Orden und der Angliederung an das Kloster Kamp vom Kamper Abt betreut (Quelle: Historisches Archiv Stadt Köln, St.Columba Urk. 1/14). 1247 wurde das Kloster noch von der Äbtissin Guda aus Gevelsberg geleitet.

1248 - 49

Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden setzte sich 1248 für die Inkorporation des Klosters Schledenhorst in den Orden beim Generalkapitel ein, das die Äbte der Klöster Altenberg und Marienfeld mit der Prüfung der Aufnamevoraussetzungen (z.B. Kirche, Klausur, Dormitorium) beauftragte (Quelle: Germania Sacra, 3.Folge 2, Die Zisterzienserabtei Marienfeld S.120). Diese Voraussetzungen waren vermutlich nicht zufriedenstellend erfüllt, so dass erst ein Jahr später (1249) nach einer zweiten Visitation durch die Äbte von Altenberg und Bredelar das Kloster in den Orden aufgenommen und der Aufsicht der Abtei Kamp unterstellt werden konnte (Quelle: Germania Sacra, 3.Folge, Das Bistum Paderborn, Kloster Bredelar S. 61 a.a.O.).
Der Erzbischof (zugleich päpstlicher Legat für Deutschland) teilte den Äbten des Zisterzienserordens mit, daß er Schledenhorst mit Zustimmung seines Domkapitels dem Orden einverleibt und von allen bischöflichen Rechten befreit hätte (Quelle: Scholten, AHVN Bd. 86, S. 86 a.a.O.).


1266

Die wirtschaftlichen Grundlage des Klosters wurde durch Erzbischof Engelbert II.von Falkenburg (1261-74) gefestigt, der dem Kloster z.B. den Bau einer Windmühle genehmigte und dem Kloster das Gut Hagen (Aspel) mit einem Waldgebiet unter der Auflage schenkte, jährlich 20 Malter Roggen an das Haus Aspel abzuführen. Herzog Dietrich von Kleve unterstützte das Kloster dadurch, das er verschiedene Klostergüter von allen Lasten und Abgaben freistellte.
In der Folgezeit erhielt das Kloster weitere Schenkungen und Memorienstiftungen; es konnte aber auch durch Erwerb von Immobilien (z.B ein Haus mit Einkünften und zugehörigen Leuten in Dinxperlo (1247), Hof Overberg in Hochmehr vom Ritter von Ringenberg, Hof Vrieygen in Mecheln im Kirchspiel Gendringen (1318) oder ein Haus in Doetinchem (1352) seinen Besitz vergrößern. Häufig waren Schenkungen mit dem Klostereintritt einer Novizin verbunden, z.B. schenkte 1278 ein Schöffe von Rees, Arnold von Widetone, dem Kloster Schledenhorst, in das seine Töchter eintraten, ein Allod von 11 Morgen Ackerland zu Empel (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK Nr. 4, 1278).
Der Grundbesitz lag hauptsächlich in einem Raum rd. 15 km im Umkreis um das Kloster auf rechtsrheinischem Gebiet zwischen Emmerich, Isselburg, Bocholt, Hamminkeln und Wesel. Zu den Förderern des Klosters gehörten auch die Grafen von Geldern bzw. ihre Dienstleute, die das Kloster mit Zuwendungen und Landbesitz in Gelderland (z.B. im Bereich der Ortschaften Dinxperlo, Doetichen, Mechelen, Gendringen und Aalten) bedachten.
Im Einzelfall gab es Auseinandersetzungen um Besitzansprüche: Das Kloster hatte z.B. das Gut Overkamp in Mehr (Hochmehr) als freies Gut vom Ritter von Ringenberg erworben, während die Propstei Xanten das Gut als ihren Lehnhof ansah, dann aber 1282 mit Ausnahme des jährlichen Zehnten und von einem Pfund Wachs darauf verzichtete (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK Nr. 5, 1282).


1280

Schledenhorst war im Vergleich mit den anderen Frauenklöstern unter der Aufsicht des Klosters Kamp ein kleines Kloster. Nach der Kamper Chronik lebten im Konvent insgesamt 20 Monialen. Die Nonnen stammten aus dem regionalen Adel, etwa die Hälfte der Frauen aus adeligen Familien der Grafschaft Geldern (Quelle: Dißelbeck-Tewes 1989, S.52-59).
Das innere Klosterleben entfaltete sich anfangs im benediktinischen Geist und unter Einhaltung strenger Klausur. Regelmäßige Chorgebete, meditative Betrachtungen und Fürbitten für das Seelenheil der Stifter und Gönner waren wesentlicher Inhalt des kontemplativen Klosterlebens. Im Laufe der Entwicklung des Klosters traten jedoch innere Veränderungen ein, die den Nonnen zwar größere persönliche Freiheiten boten, jedoch langfristig zu Reformen führten.

 

1300 – 1400

Die Einkünfte des Klosters setzten sich zusammen aus Meßstiftungen zum Seelenheil der Stifter, die nach den mittelalterlichen Vorstellungen die Sorge für das eigene Seelenheil und das ihrer Vorfahren dem Kloster übertrugen, aus den Statutengelder, die bei der Aufnahme einer Novizin bezahlt werden mußten, sowie vor allem aus Schenkungen von bebauten bzw. unbebauten Grundbesitzungen oder Korn- bzw. Geldrenten als Mitgift für den Lebensunterhalt der Nonnen. Darüberhinaus verpachtete bzw. kaufte das Kloster je nach Wirtschaftslage eigenen Grundbesitz und betrieb mit angesammelten Kapitalien - wie auch in anderen Klöstern üblich - Kreditgeschäfte (vgl. Urkunden Rentenkäufe im 14. und 15 Jh.).

Verschiedene Beispiele zeigten, dass einzelne Nonnen durchaus privates Vermögen aufgrund ihrer beim Klostereintritt mitgebrachten Mitgift oder aufgrund von Erbschaften besaßen und sich an Kreditgeschäften beteiligen konnten. Das Privatvermögen einer Nonne fiel im Allgemeinen nach ihrem Tod dem Kloster zu. Im Einzelfall ist eine Aussage kaum möglich, ob und welche persönlichen Vorteile für eine Nonne zu ihren Lebzeiten mit derartigen Geschäften (z.B. Rentenkauf, Behandigungen) verbunden waren.
Die Konventualin Hadewigis von Dortmund erwarb z.B. 1308 für sich und den Konvent zu Schledenhorst eine Erbrente, die nach ihrem Tod zunächst auf ihre Schwester (ebenfalls Nonne in Schledenhorst) und dann auf den Konvent übergehen sollte (Quelle: Urk. 9 a.a.O.). Ein Henrich van Embric verkaufte z.B. 1370 einer Nonne zu Schledenhorst sein Erbrecht am Hof „ter Hoven“ zu Bedburg im Kirchspiel Millingen. Der Richter von Doetinchem übertrug 1422 einer Konventualin eine Erbrente als Memorienstiftung.
Noch 1591 wurden Nonnen des Klosters Schledenhorst, wie auch schon zuvor, mit Ländereien im Kirchspiel Bislich behandigt (Quelle: LA-NRW, Kloster Schledenhorst, UK Nrn. 6,10, 14, 24 a.a.O.).
Eine Ausnahme scheint zu sein, dass 1349 das Kloster selbst Kapital benötigte und die Äbtissin an die Chorgenossen und Priester der Kirche in Xanten eine Rente von 5 Solidi für eine unbekannte Kreditsumme und gegen Verpfändung eines Stadthauses verkaufte (Quelle: Scholten S. 92 a.a.O.).
Das Prioratsgebäude brannte 1366 und 1400 aus, dabei wurden nahezu alle Urkunden vernichtet. Die Brandschäden scheinen die Wirtschaftskraft des Klosters bzw. die Geldgeschäfte einzelner Nonnen nicht beeinträchtigt zu haben. Das Kloster verlieh sogar 1400 unter der Äbtissin Elisabeth von Hetterscheid ein Kapital von 500 Goldschilden an Henrik Proyte, der dafür drei Eigengüter zu Töven im Kirchspiel Haldern verpfändete (Quelle: LA-NRW, Kloster Schledenhorst, U Nr. 13 a.a.O.).


1426 - 49
Äußere Bedrohungen infolge von Fehden betrafen auch das Gebiet um Haldern: Die Fehde zwischen dem Bischof von Münster, Heinrich von Moers, und Herzog Adolph IV. von Kleve (+1448) zwischen 1426-37 um die münsterische-klevische Grenze bei Dingden bzw. Brünen war Teil eines größeren Konflikts, der zwischen Kurköln und Kleve um den Ausbau der Landeshoheiten ausgetragen wurde. Besonders hatte das Kloster während der Soester Fehde (1444-49) unter den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbischof von Köln, Dietrich von Moers, und dem Klever Herzog zu leiden (Quelle: Germania Sacra, Neue Folge 37.1, § 12 „Epoche der westfälischen Fehden“ S.172). Möglicherweise blieb das Kloster von direkten Kriegseinwirkungen verschont, dennoch dürfen Schäden an Klosterhöfen oder Ernteschäden und Pachtausfälle entstanden sein.

 

1459
Klosterreformen im 15.Jh. waren ein Ergebnis der Konzile von Konstanz (1414-18) und Basel (1431–49). Insbesondere sollte das geistliche Leben erneuert und das Privateigentum der Nonnen abgeschafft werden; das privilegierte Leben der Nonnen wurde in der Öffentlichkeit häufig als Verweltlichung wahrgenommen.
Das Generalkapitel beauftragte 1459 auf Bitten des Kölner Erzbischofs und des Herzogs von Kleve die Äbte von Marienfeld und Kamp, alle Frauenklöster in den Ländern dieser Fürsten zu reformieren (Quelle: Germania sacra, Marienfeld, S.121 a.a.O.).
Da die Reform in Schledenhorst 1459 unter Mitwirkung von Nonnen aus dem Kloster Sion in Köln, aus deren Kreis eine Nonne als Priorin in Schledenhorst blieb, zustande kam, dürfte zumindest ein Teil der Schledenhorster Nonnen anfangs eine Reform abgelehnt haben, weil sie befürchten mußten, althergebrachte Privilegien (z.B. Privateigentum, Erbschaften, modische Bekleidung, Reisefreiheiten, Kontakte zur Außenwelt, Dienstboten) zu verlieren und strengere Klausurbedingungen beachten zu müssen, unter denen sie möglicherweise nicht ins Kloster eingetreten wären. Schledenhorst war nicht der einzige Fall, dass der Kamper Abt reformunwillige Nonnen in andere Klöster versetzte, Nonnen aus reformierten Klöstern in einen zu reformierenden Konvent eingliederte oder die Wahl einer Äbtissin aus einem andern Konvent durchsetzte, um das Reformziel zu erreichen.
Die Kölner Erzbischöfe und die Herzöge von Kleve-Mark bzw. Jülich-Berg förderten bzw. initiierten in der 2.Hälfte des 15.Jhs. Klosterreformen in ihren Territorien. Sie verfolgten dabei auch eigene kirchenpolitische Ziele, weil sie exemte Klöster unter ihre Kontrolle zu bringen bzw. ihre weltliche Herrschaft auf kirchliche Belange auszudehnen suchten. Insbesondere war die Ausübung der geistlichen Gerichtsbarkeit des Kölner Erzbischofs auf den Territorien der weltlichen Herzöge ein Streitpunkt (Quelle: Geschichte des Erzbistums Köln II.1 S. 512, 530, 536).
Johann von Kleve (1448–81) initiierte die Reformen in den Zisterzienserinnenklöstern Schledenhorst (1459), Sterkrade (1464) und Fürstenberg (1467). Schedenhorst wurde nach der Camper Chronik 1459 am Fest der hl. Caecilia (22. Nov.) reformiert.
Der Konvent war jedoch nicht in der Lage, aus eigener Kraft verfallene Klostergebäude instandzusetzen, denn die bisherigen Fachwerkgebäude wurden mit großzügiger Unterstützung der Katharina von Kleve (leibliche Schwester des verstorbenen Herzogs Adolph + 1448) durch Steingebäude ersetzt und der Klosterbezirk durch eine Immunitätsmauer geschützt. Der Kamper Abt gewährte zu den umfangreichen Baumaßnahmen, wie in nahezu allen anderen Reformfällen, finanzielle Unterstützung mit mehr als 200 rheinischen Gold-Gulden (Quelle: Keussen, Camper Chronik, De reclusio monasterii Sledenhorst, S. 324-25 a.a.O.).


1467

Mehrere Nonnen aus dem Klosters Schledenhorst wurden für eine begrenzte Zeit zur Mitwirkung bei der schwierigen Reform des Klosters Fürstenberg (1467) abgeordnet, nachdem dort ein Reformversuch unter Beteiligung von Nonnen aus dem Kloster Gnadenthal bei Neuss ergebnislos verlief.

1473 - 84

Der Kamper Abt Heinrich von Ray legte 1473 Anteile einer Ordenssteuer (insgesamt 6000 Dukaten zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der Römischen Curie) auf die ihm unterstehenden Klöster um. Die Steuer betrug je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der 14 Kamper Frauenklöster zwischen 1 und 4 rheinische Golddukaten. Schledenhorst zählte zu den weniger bemittelten Klöstern, da es nur einen Dukaten bezahlte, während andere Klöster wesentlich mehr zu zahlen hatten (z.B. Graefental 4, Leeuwenhorst 4 und das Münsterstift in Roermond 3 rheinische Golddukaten; Quelle: Binterim u. Mooren, Nr. 436 a.a.O.).
Schledenhorst beteiligte sich aber 1474 an einer Bistumskollekte für das verwüstete Kloster Eppinghoven bei Neuss mit 5 Malter Roggen; der Konfessarius steuerte 4 rheinische Gulden bei (Quelle: Scholten, AHVN Bd. 86, S.102 a.a.O.).
Das Kloster hatte Geldreserven, denn 1484 beteiligte sich das Kloster wieder an einem Kreditgeschäft und verlieh angesammelte Geldmittel. Gerit van Hagen (Haeghen) übertrug dem Konvent unter der Äbtissin Elisabeth van Enghusen eine Erbrente von einem schweren rheinischen Gulden und verpfändete dem Kloster Nutzland in Sonsfeld. Die ungenannte Kreditsumme dürfte aber der Summe von 20 Goldgulden für die Ablösung der Rente entsprochen haben (Quelle: Kloster Schledenhorst, Urk 17 a.a.O.).
Außerdem lassen verschiedene Urkunden erkennen, dass auch einzelne Nonnen trotz aller Reformbemühungen weiterhin Privateigentum besaßen. Ein Erbstreit der Geschwister van Enghusen (Elisabeth, Äbtissin in Schledenhorst, und Griete, Konventualin im Kloster Mariengrab zu Doesburg) mit einer verwitweten Schwägerin wurde 1485 dahin entschieden, dass die Geschwister zur Zahlung von 100 Gulden und zur Erstattung der Mitgift von 500 Florin an die Schwägerin verpflichtet wurden (Quelle: Kloster Schledenhorst, Urk 18 a.a.O.).


1542 - 43

Das Kloster wurde nicht nur zur Zahlung einer Reichssteuer (Türkensteuer 1542) herangezogen, sondern auch 1543 auch zur Zahlung einer Landessteuer, mit der die Kirchen, Klöster und Stifte im Herzogtum Kleve sich 1543 an den Kriegskosten des Geldrischen Erbfolgekrieges zwischen Jülich-Kleve-Berg und Kaiser Karl V. beteiligen mußten. Dazu ließ der Klever Herzog Wilhelm V. (1539-92) mit Billigung der Landstände die Kirchenschätze im Herzogtum Kleve beschlagnahmen (Quelle: G. Aders, Düsseldorfer Jahrbuch 1951, Bd. 45, S.269-79). Auch wenn Abgabeverzeichnisse für das Amt Aspel nicht erhalten sind, dürfte Schledenhorst - wie die Klöster Fürstenberg, Graefenthal, Sterkrade und Duissern - zu Abgaben herangezogen worden sein.


1543 – 70

Über reformatorische Strömungen in Schledenhorst oder Klosteraustritte von Nonnen aus religiöser Überzeugung oder über die Handhabung der Kelchkommunion, die der Herzog 1558 bzw. 1562 in Verbindung mit der katholischen Meßfeier in seinem Territorium zuließ, sind im Schrifttum konkrete Nachrichten nicht überliefert. Jedoch wurde ein Vorgang beschrieben, der sich durchaus mit reformatorischen Einflüssen in Verbindung bringen läßt (Quelle: Koch: kloosterpoort en sluitpost, S. 6 und 25: Anna von Raesfeldt trat 1544 in das Kloster Schledenhorst ein. Sie konnte aber dort wegen "Ruhestörungen" nicht bleiben, so dass ihr Vater Johann, Besitzer des Hauses Svanenburg in Gendringen, sie wieder in seinem Hause aufnehmen mußte).
Kloster Schledenhorst blieb aber als katholische Einrichtung bestehen.


1574

Das Konzil von Trient (1545-63) hatte in seinem Bestreben, durch einen inneren Reformprozess die Ausbreitung des Protestantismus einzudämmen, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens beschlossen. Das Generalkapitel beauftragte 1565 Visitationskommissare, alle Klöster wieder zu einer strengen Observanz und Einhaltung der traditionellen Gottesdienstordnung zu verpflichten, Privateigentum der Nonnen abzuschaffen sowie alle der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher aus den Klöstern zu entfernen. Zur Durchsetzung der tridentinischer Beschlüsse visitierte der Generalabt von Citeaux, Nikolaus Boucherat (1571-85), zwischen Juni–September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich und besuchte Schledenhorst am 2.Juli 1574. Das Kloster, in dem 16 Nonnen einschl. Äbtissin lebten, war nach seinem Bericht gut reformiert und hatte eine sehr kluge und religiöse Äbtissin (Sophia von Raesfeld), so dass weitere Maßnahmen nicht veranlaßt werden mußten (Quelle: Postina S. 225 und 261 a.a.O.). Man kann deshalb davon ausgehen, dass der Kamper Abt Richard von Xanten (1563 / +1572) schon vorher Reformen in Schledenhorst eingeleitet hatte. Dennoch blieb ein Dilemma im 16. und 17. Jahrhundert bestehen, dass einzelne Nonnen Privateigentum besaßen. Ein Beispiel aus dem Jahr 1591 (Quelle: LA-NRW, Kloster Schledenhorst, Urk. Nr. 24 a.a.O.) zeigt, dass zwei Nonnen (Alheid van Hönnepel und Henrixken van Tengnagel) von den drei Chorküstern des Stifts Xanten mit Ländereien (Saatland im Kirchspiel Bislich) behandigt wurden, mit denen zuvor die verstorbene Nonne Odilia van Diepenbrock bereits behandigt war. Die Behandigungsbücher des Stifts Xanten enthalten außerdem weitere für das Kloster Schledenhorst notierte Behandigungen (Quelle: Kloster Schledenhorst, Urk. Nr. 29 a.a.O.: z.B. die Höfe Averkamp und ter Straeten).

1583 - 98
Der Kurfürst und Erzbischof von Köln, Gebhard Truchsess von Waldburg, trat zum Protestantismus über und wollte nach seiner Absetzung die weltliche Herrschaft über das Kölner Erzstift mit niederländischer Unterstützung zurückgewinnen. Im Verlauf des "Truchsessischen Krieges" (1583-88) plünderten staatische Söldner 1587 im Kirchspiel Hetter, ohne dass nähere Einzelheiten über die erlittene Verluste des Klosters Schledenhorst mitgeteilt wurden (Quelle: Scholten S. 102 a.a.O.; vgl. in diesem Zusammenhang Zerstörungen der Klöster Duissern, Sterkrade, Fürstenberg und Kamp).
Die Katastrophe ereignete sich im Jahre 1598. Die Spanier wurden aus ihren festen Stützpunkten am Niederrhein von den Generalstaaten 1591 bzw. 1597 vertrieben. Die Situation änderte sich 1598 wieder, als die spanische Söldnerarmee unter Mendoza von Wesel aus verlorengegangene Plätze (z.B. die Städte Emmerich, Rees, Kalkar und Goch) zurückeroberte. Die im Halbkreis um Rees liegenden rechtsrheinischen Adelssitze Hueth, Sonsbeck, Bellinghoven, Aspel und Empel wurden geplündert und gebrandschatzt, teilweise wurden die Burgbewohner ermordet. Auch das Kloster Schledenhorst wurde überfallen und ausgeraubt (Quelle: J.D. von Steinen, S. 533-54 a.a.O.: die Söldner sollen dabei vor Schändungen der Klosterfauen nicht zurückgeschreckt sein).

1600

Schledenhorst geriet in den folgenden 200 Jahren bis zur Aufhebung durch Raubüberfälle, Kriegskontributionen und Pachtausfälle immer wieder in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Dennoch bleibt bemerkenswert, dass Nonnen in dieses Kloster eintraten, um die zisterziensische Tradition zu pflegen. Sie verschuldeten sich sogar bzw. verwendeten private Mittel dazu, das Kloster lebensfähig zu erhalten und ihre Pächter vor dem Ruin zu bewahren.

1622 - 46
Die Geistlichen, die das Amt des Beichtvaters in Schledenhorst ausübten, waren bis etwa 1630 Ordensgeistliche des Klosters Kamp. Danach wählten die Nonnen ihre Beichtväter aus anderen Ordensgemeinschaften (z.B. Fraterherren bzw. Dominikaner in Emmerich).
Während des 30-jährigen Krieges konnte das Kloster beim militärischen Einfall der Söldner des Ernst von Mansfeld und Christian von Braunschweig in das niederrheinische Gebiet (1622) Zerstörungen und Plünderungen nur durch Geldzahlungen verhindern. Das Kloster war zumindest indirekt betroffen, als Soldaten des Grafen Wilh. von Nassau 1631 das Gebiet zwischen Haldern und Emmerich (Kirchspiel in der Hetter) plünderten. Im Jahre 1638 waren es kaiserliche Truppen, die die Bevölkerung der Gebiete von Haldern und Mehr durch Überfälle und Plünderungen drangsalierten und das Kloster ausraubten. Im Konvent lebten noch 14 Nonnen, die Anzahl ging seitdem jedoch kontinuierlich bis zur Klosteraufhebung zurück. Das Kloster verschuldete sich wohl aus Not 1643 und 1646, da es bei den Eheleuten Derick Plankemann und Alheid Henselers ein Kapital von je 800 Talern aufnahmen. Die Eheleute verkauften die Schuldverschreibungen des Klosters 1663 dem Richter Jacob van Flüren, welcher die Schuldsummen bezahlte (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK 26).
Das Kloster legte 1645 ein neues Lagerbuch mit den jährlichen Pachteinnahmen und Renten aus seinen Besitzungen an (Aspel, Haldern, Herken, Helderlohe, Loikum, Wittenhorst, Wertherbruch, Hamminkeln, Ringenberg, Mehr, Bislich, Speldrop, Mecheln, Gendringen, Rees, Isselburg, Liemers).


1653

Das Kloster war verpflichtet, die Rheindeiche im Kirchspiel Mehr zu unterhalten. Es wurde in einem langen Prozess auch verpflichtet, Deichgelder zum Unterhalt des Reeser Rheindeiches zu bezahlen. Schledenhorst lag wie die Klöster Graefenthal, Fürstenberg und Sterkrade auf dem Gebiet des Herzogtums Kleve, das seit 1614 eine Provinz des Landes Brandenburg-Preussen war. Das Kloster war im Vergleich zu Graefenthal oder Fürstenberg klein, da es 1653 aufgrund des Landtagsabschieds, auf dem die Steuerquoten der Stände für den Aufbau eines ständigen Heeres im aufstrebenden Land Brandenburg-Preussen beschlossen wurden, mit einer Steuer von 72 Rthr. belastet wurde (Quelle: Gravamina I, Antwort Kur-Pfalz, Beilagen Lit.B; vergleichsweise mußten Graefenthal 188 Rtlr. und Fürstenberg 117 Rtlr. - Sterkrade nur 53 Rtlr. - aufbringen).

1672

Im Holländischen Krieg (1672-79) - ausgelöst durch die Expansionsbestrebungen des französischen Königs Ludwig XIV. - drangen französische Truppen über Lüttich und Kleve in die Niederlande ein. Sie erorberten dabei auch niederrheinische Festungsstädte (u. a. Wesel, Orsoy, Emmerich, Rees, Nijmegen), die seit 1614 in der Hand der Generalstaaten waren. Die erste Abschnitt des Krieges (1672-74) endete damit, dass die Niederländer weite Gebiete zwischen der Zuidersee, Utrecht und dem Rhein fluteten (Holländische Wasserlinie) und die französischen Söldner mit ihren Verbündeten zum Rückzug zwangen.
Währen der Eroberung der Festung Rees (1672) hatte die Bevölkerung der näheren Umgebung unter den Repressalien der Söldner zu leiden, z.B. waren die Gemeinde von Haldern, die adeligen Herrschaftsitze Sonsfeld und Bellinghoven sowie das Kloster Schledenhorst von den Verwüstungen und Plünderungen betroffen. Trotz der eigenen Probleme spendete die Äbtissin Johanna Clara von Diepenbroich (1670-93) der verarmten Gemeinde Haldern ansehnliche Geldbeträge für die Wiederherstellung der ausgebrannten Kirche und die Beschaffung neuer Glocken.
Da der Konvent die nach der Steuermatrikel für Kleve von 1676 festgelegte Abgabe nicht aufbringen konnte, wurde ihm die veranschlagte Steuer von 124 Rtlr. erlassen (Quelle: Gravamen a.a.O., Auszug aus der Steuermatrikel 1676, Beilagen Lit.I).
 

1700

Das Kloster erholte sich nicht mehr von den Kriegsfolgen. Äbtissin Katharina von Bronkhorst und alle Nonnen nahmen 1700 ein Darlehen über 400 klevische Rtlr. auf und überließen dafür dem Gläubigerehepaar (Hermann und Altien Hollands) die freie Nutzung einer Weide beim Kloster anstelle der Schuldzinsen.
Unter allen Nachfolgerinnen mußte sich das Kloster noch mehrfach (z.B. in den Jahren 1706, 1711, 1717, 1731-35, 1760, 1778-82) meist aufgrund äußerer Einflüsse verschulden und als Sicherheit Höfe bzw. Nutzungsrechte an Weideflächen verpfänden. Teils dienten die Kapitalien zur Ablösung von Altschulden, teils übernahm das Kloster trotz seiner wirtschaftlichen Schwäche noch die Kriegssteuern, die z.B. französische Truppen im Siebenjährigen Krieg von den zahlungsunfähigen Klosterpächtern verlangten (Quelle: LA-NRW, Kl. Schledenhorst, UK 30, 31, 34 bis 40 a.a.O.).

1709
Nach dem Tode der Äbtissin von Bronkhorst (+ 1709) wurde Ludovica Katharina van Uterwick (1709-33) zur Nachfolgerin gewählt. Sie hatte bei der Wahl das vorgeschriebene Alter von 30 Jahren noch nicht erreicht und erhielt vom Papst Clemens XI. eine Dispenz. Mit der Amtseinführung war eine Visitation des Klosters verbunden. Die Äbtissin bezeichnete das Kloster als „ fast desolat“, als sie 1711 bei der Preussischen Regierung in Kleve um Nachlass der veranschlagten Steuer für Weidefächen im Amt Liemers bat, wurde aber zur Zahlung der Steuer bis zum Nachweis der Exemtion der Liegenschaften verpflichtet (Quelle: Gravamen a.a.O., Beilagen S. 54).
Die Äbtissin verpfändete 1711 für ein Zusatzdarlehen von 300 Talern dem Ehepaar Hollands eine Hofstelle in Haldern an Stelle der fälligen Schuldzinsen (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK 30 und 31). Diese Eheleute gaben 1717 ein weiteres Darlehen von 500 Reichstalern. Die Schulden wurden 1767 von der Äbtissin Grotenhuis abgelöst.
Als die Herrschaft Wittenhorst eine neue Mühle in Haldern bauen ließ, befürchte das Kloster den Verlust der Einkünfte aus der Klostermühle und klagte gegen die klevische Regierung wegen der Ausübung eines Mahlzwangs auf die Bauern, ihr Korn nur auf der Mühle in Haldern mahlen zu lassen. Die Klage blieb jedoch erfolglos, da das Kloster einen Mahlzwang der Bauern auf der Klostermühle wegen verlorengegangener bzw. fehlender Urkunden nicht nachweisen konnte. Dem Kloster wurde unterstellt, es hätte seine Mühle nur zur Eigenversorgung betrieben (Quelle: Gravamina Nr. 27 a.a.O. nebst Adjuncta). Die Erlaubnis für den Bau und Betrieb der Wittenhorster Mühle in Haldern wurde 1713 durch den preussischen König bestätigt (Quelle: Gravamina Nr. 16 mit Lit. N a.a.O.). Beschwerden des Klosters bei der klevischen Regierung blieben wirkungslos (1730), so dass es die Angelegenheit wegen der geringen Aussicht auf Klageerfolg und zur Vermeidung weiterer Prozesskosten ruhen ließ.  Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage nahm der Konvent adelige Damen (vermutlich Verwandte der Nonnen) in Kost und Logie.


1733

Zur neuen Äbtissin wurde Cornelia Magdalena van Bronckhorst gewählt. Die Äbtissin hatte bereits 1731 dem Kloster aus ihrem Privatvermögen ein Kapital von 4352 Clevischen Talern geliehen. Äbtissin und Konvent nahmen 1735 neues Kapital auf, um Altschulden abzulösen (Quelle: Kloster Schledenhorst, Urk 34 a.a.O.; Darlehn über 3000 Gulden holländischer Währung von Peter Evers, Kapitän der Generalstaaten, dem der Hof ”ten Berge” im Kirchspiel Dinxperlo verpfändet wurde).
Über die Klostergebäude und Klosterkirche ist kaum etwas bekannt. In einem Fragebogen von 1738, der vermutlich Bestandteil einer Visitation war und in dem die Äbtissin zur Geschichte des Klosters sowie zu den personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse Stellung nehmen mußte, wurden die äußeren Maße der Klosterkirche von rd. 10 x 30 m angegeben (Quelle: Scholten, AHVN 86, S. 96).


1757 - 82

Als französische Truppen im Siebenjährigen Krieg die Bevölkerung mit ihren Forderungen nach Kontributionen und Fouragelieferungen drangsalierten und die Klosterpächter mit der Zahlung der Kriegssteuern für mehrere Jahre in Rückstand gerieten, bezahlte das Kloster trotz eigener Finanzprobleme die verlangten Geldsummen zur Vermeidung der den Pächtern angedrohten militärischen Exekutionen. Dafür stellte die Äbtissin Hyacintha von Grotenhuis (1758-78) mit ihren Nonnen 1760 einem Derick van Baal eine Schuldverschreibung über 800 Reichstaler aus und verpfändeten den Hof Overberg in der Bauerschaft Helderlohe. Auch die Nachfolgerin Bernadina Angelica van Varo (1778–82) mußte weitere Schulden machen, die erst 1797 zurückgezahlt wurden (Quelle: Kloster Schledenhorst, Urk 35 und 36 a.a.O.).
Die Grabsteine der Äbtissinnen Hyacintha Gerlina von Grotenhuis und Bernadina Angelica van Varo sind heute an der Außenfront der Schledenhorster Kapelle angebracht.


1782 – 1806

Die Aufhebung von Schledenhorst zeichnete sich ab, da durch geplante staatliche und kirchliche Reformen unter den Ideen der Aufklärung das Bildungs-, Schul- und Sozialwesen verbessert, aber aus dem Vermögen derjenigen Klöster finanziert werden sollten, die als überflüssig galten, soweit sie keine seelsorgerischen oder pädagogischen Aufgaben wahrnahmen.
Die Ausgaben des Klosters waren größer als die Einnahmen, so dass die Aufname von Novizinnen untersagt war. Mit Zustimmung der beiden letzten Äbte von Kamp (Eugen Reinertz und Bernard Wiegels) mußten unter der letzten Äbtissin Helena Clara Constantia van Dorth (1782-1804) weitere Schulden gemacht werden (Quelle: Urk. 36, 37 a.a.O.; z.B. gab ein Kriegsrat van de Weyler ein Darlehen von 12000 Talern gegen Verpfändung von Klostergütern im Amte Liemers; den Nonnen wurde 1792 noch eine Restsumme von 2000 Talern ausgezahlt).
Für die inneren Schwierigkeiten des Konvents erscheinen die Nullitätsklage der Nonne Elisabeth von Heupgen gegen ihr Ordensgelübde (1791) und die Absetzung des Priors Heysser (1793) bezeichnend. Die Nonne war 1785 im Alter von 36 Jahren in das Kloster eingetreten und lebte bei der Aufhebung noch mit 3 weiteren Nonnen (v.Nagel, v. Schatte und v. Erich) zusammen; vermutlich wollte sie angesichts der durch eine Klosteraufhebung drohenden Mittellosigkeit die Wiedereinsetzung in ihre vor dem Klostereintritt bestehenden Erbansprüche erreichen.
Nach dem Tod der letzten Äbtissin (+1804) fand keine Neuwahl mehr statt. Der rechtsrheinische klevische Landesteil wurde 1805 Frankreich überlassen. Das Kloster wurde 1806 aufgelöst.


Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 01.02.2018