Schledenhorst

Zeit bis zur Aufhebung

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Bild 4: Kabinettorgel des Klosters, ca. 1780 von Johann Stephan Strumphler (Amsterdam), heute im Orgelmuseum der Uni Leipzig, mit freundl. Genehmigung des Museums

1240 - 43

Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238–61) bestätigte 1240, dass der Ritter Bernhard von Rees zu seinem Seelenheil der Äbtissin und dem Konvent des Klosters Gevelsberg sein Eigengut Empel mit einer dort gegründeten Kirche übertrug (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK Nr. 1 vom 29.08.1240).
Der Standort der Klostergründung in Empel erwies sich jedoch als ungeeignet, so dass Bernhard von Rees und sein Bruder Heinrich im Jahr 1241 ihre Lehngüter in Schledenhorst für die Verlegung des Klosters zur Verfügung stellten. Der Erzbischof stellte das Kloster unter seinen Schutz, befreite es von Steuerzahlungen und Diensten und bestätigte erneut, daß die Brüder Bernhard und Heinrich von Rees ihre vom Erzstift Köln erhaltenen lehnrührigen Güter zu Schledenhorst dem gegründeten Kloster zu Empel, das nunmehr nach Schledenhorst übersiedeln wollte, geschenkt und als Ersatz andere Güter in Ossenberg und Millingen dem Erzbischof zu Lehen aufgetragen hätten (LA-NRW Kloster Schledenhorst, Handschriften NIII 6, 1241).
Der Erzbischof wies 1243 seine Schultheißen und Beamten an, den Konvent zu Schledenhorst gegen Nachstellungen zu beschützen, und bestätigte nochmals die Befreiung von allen Steuern und Diensten (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK Nr. 2, 1243).


1247

Das Kloster wurde bereits vor der Aufnahme in den Orden und der Angliederung an das Kloster Kamp vom Kamper Abt betreut (Quelle: Historisches Archiv Stadt Köln, St.Columba Urk. 1/14). 1247 wurde das Kloster noch von der Äbtissin Guda aus Gevelsberg geleitet.


1248 - 49

Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden setzte sich 1248 für die Inkorporation des Klosters Schledenhorst in den Orden beim Generalkapitel ein, das die Äbte der Klöster Altenberg und Marienfeld mit der Prüfung der Aufnamevoraussetzungen (z.B. Kirche, Klausur, Dormitorium) beauftragte (Quelle: Germania Sacra, 3.Folge 2, Die Zisterzienserabtei Marienfeld S.120). Diese Voraussetzungen waren vermutlich nicht zufriedenstellend erfüllt, so dass erst ein Jahr später (1249) nach einer zweiten Visitation durch die Äbte von Altenberg und Bredelar das Kloster in den Orden aufgenommen und der Aufsicht der Abtei Kamp unterstellt werden konnte (Quelle: Germania Sacra, 3.Folge, Das Bistum Paderborn, Kloster Bredelar S. 61 a.a.O.).
Der Erzbischof (zugleich päpstlicher Legat für Deutschland) teilte den Äbten des Zisterzienserordens mit, daß er Schledenhorst mit Zustimmung seines Domkapitels dem Orden einverleibt und von allen bischöflichen Rechten befreit hätte (Quelle: Scholten, AHVN Bd. 86, S. 86 a.a.O.).


1266

Die wirtschaftlichen Grundlage des Klosters wurde durch Erzbischof Engelbert II.von Falkenburg (1261-1274) gefestigt, der dem Kloster z.B. den Bau einer Windmühle genehmigte und dem Kloster das Gut Hagen (Aspel) mit einem Waldgebiet unter der Auflage schenkte, jährlich 20 Malter Roggen an das Haus Aspel abzuführen. Herzog Dietrich von Kleve unterstützte das Kloster dadurch, das er verschiedene Klostergüter von allen Lasten und Abgaben freistellte.
In der Folgezeit erhielt das Kloster weitere Schenkungen und Memorienstiftungen; es konnte aber auch durch Erwerb von Immobilien (z.B ein Haus mit Einkünften und zugehörigen Leuten in Dinxperlo (1247), Hof Overberg in Hochmehr vom Ritter von Ringenberg, Hof Vrieygen in Mecheln im Kirchspiel Gendringen (1318) oder ein Haus in Doetinchem (1352) seinen Besitz vergrößern. Häufig waren Schenkungen mit dem Klostereintritt einer Novizin verbunden, z.B. schenkte 1278 ein Schöffe von Rees, Arnold von Widetone, dem Kloster Schledenhorst, in das seine Töchter eintraten, ein Allod von 11 Morgen Ackerland zu Empel (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK Nr. 4, 1278).
Der Grundbesitz lag im wentlichen in einem Raum rd. 15 km im Umkreis um das Kloster auf der rechten Seite des Rheins zwischen Emmerich, Isselburg, Bocholt, Hamminkeln und Wesel.
Im Einzelfall gab es auch Auseinandersetzungen um Besitzansprüche: Das Kloster hatte z.B. das Gut Overkamp in Mehr (Hochmehr) als freies Gut vom Ritter von Ringenberg erworben, während die Propstei Xanten das Gut als ihren Lehnhof ansah, dann aber 1282 mit Ausnahme des jährlichen Zehnten und von einem Pfund Wachs darauf verzichtete (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK Nr. 5, 1282).
Privatbesitz war den Nonnen durchaus erlaubt, wie verschiedene Beispiele zeigten: Die Konventualin Hadewigis von Dortmund erwarb 1308 für sich und den Konvent zu Schledenhorst eine Erbrente, die nach ihrem Tod auf den Konvent übergehen sollte. Ein Henrich van Embric verkaufte 1370 einer Nonne zu Schledenhorst sein Erbrecht am Hof „ter Hoven“ zu Bedburg im Kirchspiel Millingen. Der Richter von Doetinchem übertrug 1422 einer Konventualinn eine Erbrente als Memorienstiftung (Quelle: LA-NRW, Kloster Schledenhorst, UK Nrn. 6,10 und 14). Noch 1591 behandigten die drei Chorküster des Stiftes Xanten die Nonnen Aldelheid van Hönnepel und Henrika van Tengnagel mit 12 Malter Saatland im Kirchspiel Bislich und der Auflage, jährlich am St. Victors-Fest zwei gute Hühner zu liefern (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK 24, 1591).


1280

Nach der Kamper Chronik lebten im Konvent 20 Nonnen. Vermutlich war dies die größte Belegung.

 

1366 – 1400

Das Prioratsgebäude (Beichterei) brannte 1366 und 1400 aus, dabei wurden alle Urkunden – mit Ausnahme der Gründungsurkunden – vernichtet (Quelle: Fragebogen von 1738).
Die materiellen Schäden konnten vermutlich rasch behoben werden, da das Kloster in der Lage war, z.B. 1367 einen halben Hof in Gendringen und den Zehnten eines Hofes in Aalten zu erwerben oder 1400 unter der Äbtissin Elisabeth von Hetterscheid ein Kapital von 500 Goldschilden an Henrik Proyte zu verleihen, der dafür drei Eigengüter zu Töven im Kirchspiel Haldern verpfändete (Quelle: LA-NRW, Kloster Schledenhorst, U Nr.13).


1426 - 49
Äußere Bedrohungen infolge von Fehden betrafen auch den Raum Schledenhorst:
Die Fehde zwischen Bischof Heinrich von Münster um die münsterische-klevische Grenze bei Dingden, Brünen (1426–37) war Teil eines größeren Konflikts zwischen Kurköln und Kleve, die beide um den Ausbau ihrer Landeshoheiten konkurrierten.
Das Kloster hatte während der Soester Fehde (1444-49) unter den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Erzbischof Dietrich von Moers und dem Klever Herzog zu leiden (Quelle: Germania Sacra, Neue Folge 37.1, § 12 „Epoche der westfälischen Fehden“ S.172). Das könnte bedeuten, dass das Kloster von direkten Kriegseinwirkungen verschont blieb, dennoch indirekt Schäden durch Vernichtung der Ernte oder Pachtausfälle entstanden sein dürften.
Das Kloster kaufte 1428 verschiedene Immobilienobjekte im Kirchspiel Haldern; die Verkäufer machten jedoch 1450 von ihrem Rückkaufsrecht Gebrauch.
 

 

1459
Das innere Klosterleben dürfte sich anfangs im benediktinischen Geist und unter strenger Klausur entfaltet haben. Die regelmäßigen Chorgebete, meditative Betrachtungen und die Fürbitten für das Seelenheil der Stifter zahlreicher Memorien waren wesentlicher Inhalt des kontemplativen Klosterlebens. Im Laufe der Zeit wurden aber Veränderungen bzw. Aufweichungen des strengen Klausurlebens und ein Nachlassen des religiösen Eifers nach außen als Verweltlichungen und Regelverstöße angesehen.
Da die Reform in Schledenhorst 1459 unter Mitwirkung von Nonnen aus dem Kloster Sion in Köln, aus deren Kreis eine Nonne als Priorin in Schledenhorst blieb, zustande kam, dürfte zumindest ein Teil der Schledenhorster Nonnen anfangs Widerstände gegen eine Reform mit strikter Einhaltung der Klausur, einem Leben unter Abschluß von der Außenwelt und Verzicht auf Privilegien bestanden haben. Schledenhorst war nicht der einzige Fall, dass der Kamper Abt reformunwillige Nonnen in andere Klöster versetzte, reformierte Nonnen aus anderen Klöstern in den zu reformierenden Konvent eingliederte oder die Wahl einer Äbtissin aus einem andern Konvent durchsetzte, um das Reformziel zu erreichen.
Sowohl der Kölner Erzbischof als Landesherr als auch die Herzöge von Kleve-Mark und Jülich-Berg förderten in der 2.Hälfte des 15.Jhs. Kirchen- und Klosterreformen in ihren Territorien, suchten aber auch exemte Klöster unter ihre Kontrolle zu bringen bzw. ihre weltliche Herrschaft auf kirchliche Belange auszudehnen. Sie betrachteten Reformen als innere Landesangelegenheit und die Reglementierung des geistig-sittlichen Lebens der Untertanen als Maßnahme zur Aufrechterhaltung der „öffentlicher Ordnung und Moral“. Strittig war insbesondere die Ausübung der geistlichen Gerichtsbarkeit des Kölner Erzbischofs auf den Territorien der weltlichen Herzöge. Johann von Kleve (1448 – 81) initiierte die Reformen in den Zisterzienserinnenklöstern Schledenhorst (1459), Sterkrade (1464) und Fürstenberg (1467). Später überließ der Herzog die Klosterreformen weitgehend den Ordensreformatoren. Das Generalkapitel beauftragte 1459 auf Bitten des Kölner Erzbischofs und des Herzogs von Kleve die Äbte von Marienfeld und Kamp, alle Frauenklöster in den Ländern dieser Fürsten zu reformieren (Quelle: Germania sacra, Marienfeld, S.121 a.a.O.).
Kloster Schedenhorst wurde nach der Camper Chronik 1459 am Fest der hl. Caecilia (22.Nov.) reformiert. Das Kloster erlebte eine geistige Erneuerung, nachdem offenbar alle Nonnen die Einhaltung der Klausur akzeptierten. Der Abt gewährte – wie in nahezu allen anderen Reformfällen - finanzielle Unterstützung zur Erneuerung verfallener oder durch Kriegwirren zerstörter Klostergebäude. Verfallenen Fachwerkgebäude wurden durch Steingebäude ersetzt und der Klosterbezirk durch eine Immunitätsmauer geschützt. Das Kloster erhielt großzügige Unterstützung durch Katharina von Kleve (leibliche Schwester des verstorbenen Herzogs Adolph + 1448). Der Kamper Abt gab mit Zustimmung seines Konvents mehr als 200 rheinische Gold-Gulden für den Klosterausbau
(Quelle: Keussen, Camper Chronik, De reclusio monasterii Sledenhorst, S. 324-25 a.a.O.).


1467

Die geistige Erneuerung hielt einige Zeit an, da mehrere Nonnen aus dem reformierten Kloster Schledenhorst zur Mitwirkung bei der schwierigen Reform des Klosters Fürstenberg (1467) abgeordnet wurden.


1473 - 74

Der Kamper Abt Heinrich von Ray legte 1473 Anteile einer Ordenssteuer (insgesamt 6000 Dukaten „zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der Römischen Curie“) auf die ihm unterstehenden Klöster um. Die Steuer betrug je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der 14 Kamper Frauenklöster zwischen 1 und 4 rheinische Golddukaten. Schledenhorst zählte zu den weniger bemittelten Klöstern, da es nur einen Dukaten bezahlte, während andere Klöster wesentlich mehr zu zahlen hatten (z.B. Graefental 4, Leeuwenhorst 4 und das Münsterstift in Roermond 3 rheinische Golddukaten; Quelle: Binterim u. Mooren, Nr. 436 a.a.O.).
Schledenhorst beteiligte sich aber 1474 an einer Bistumskollekte für das verwüstete Kloster Eppinghoven bei Neuss mit 5 Malter Roggen; der Konfessarius steuerte 4 rhein. Gulden bei (Quelle: Scholten, AHVN Bd. 86, S.102 a.a.O.).
Für die Folgezeit fehlen Informationen zur inneren Entwicklung des Klosters.


1543

Im Geldrischen Erbfolgekrieg (Auseinandersetzung um das Herzogtum Geldern zwischen dem Herzog der vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg und Kaiser Karl V. im Jahre 1543) ließ der Klever Herzog Wilhelm V. mit Billigung der Landstände die Kirchenschätze aller Kirchen, Klöster und Stifte zur Bezahlung der Kriegskosten beschlagnahmen (Quelle: G.Aders, Düsseldorfer Jahrbuch 1951, Bd. 45, S.269-79).
Auch wenn Abgabeverzeichnisse für das Amt Aspel nicht erhalten sind, dürfte Schledenhorst wie die Klöster Fürstenberg, Graefenthal, Sterkrade und Duissern herangezogen worden sein.


1550 – 70

Über reformatorische Einflüsse wurde nichts bekannt; das Kloster blieb katholisch, obwohl die örtliche Herrschaft Wittenhorst-Sonsfeld bereits im 16. Jahrhundert zum reformierten Glauben übertrat.

 

1574

Das Konzil von Trient (1545-63) hatte in seinem Bestreben, durch einen inneren Reformprozess die Ausbreitung des Protestantismus einzudämmen, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens beschlossen. Das Generalkapitel beschloss daher 1565, durch beauftragte Visitationskommissare alle Klöster wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten, Privateigentum abzuschaffen und alle der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher aus den Klöstern zu entfernen. In diesem Sinne visitierte der Generalabt von Citeaux, Nikolaus Boucherat (1571-85) zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich. Er besuchte das Kloster Schledenhorst am 2.Juli 1574, hier lebten 16 Nonnen einschl. Äbtissin. Das Kloster war nach seinem Bericht gut reformiert und hatte eine sehr kluge und religiöse Äbtissin (Sophia von Raesfeld), so dass weitere Maßnahmen nicht veranlaßt werden mußten (Quelle: Postina S. 225 und 261 a.a.O.) .


1586 - 1598

Das Kloster erlebte in der Amtszeit der Äbtissin Henriette v.Tengnagel unruhige Zeiten, da sich die Kämpfe der Niederländer um ihre Unabhängigkeit von Spanien mit der Konfessionspolitik des zum Protestantismus übergetretenen kölnischen Fürstbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg teilweise überschnitten und die niederländischen und spanischen Truppen die am Niederrhein besetzten Städten mit wechselnden Erfolgen als militärische Operationsbasen bis 1609 benutzten.


1598

Mit der Katastrophe im Jahre 1598, als das Kloster Schledenhorst von spanischen Soldaten geplündert wurde, die auch vor Schändungen der Klosterfauen nicht zurückschreckten (Quelle: J.D. von Steinen, S. 533-54 a.a.O.), begann der Niedergang des Klosters.  Spanische Truppen versuchten, verlorenes Gebiet am Niederrhein und in Westfalen zurückzuerobern, und drangen in die Grafschaft Mark sowie in die Stifte Essen, Werden, Münster und Osnabrück ein.  Befestigte Städte, Burgen oder Adelssitze wurden verwüstet und die Bevölkerung tyrannisiert. Auch Klöster wurden nicht geschont (Frauenklöster Schledenhorst, Marienthal bei Wesel, Vreden, Sterkrade).

Hiervon und von den Kriegsbelastungen der nächsten Jahrzehnte hat sich das Kloster bis zu seiner Aufhebung nicht mehr erholt, da es sich fortdauernd verschulden mußte.


1622 - 46

Die Geistlichen, die das Amt des Beichtvaters in Schledenhorst ausübten, waren bis etwa 1630 Ordensgeistliche des Klosters Kamp. Danach wählten die Nonnen ihre Beichtväter aber aus anderen Ordensgemeinschaften (Fraterherren oder Dominikaner aus Emmerich).

Während des 30-jährigen Krieges konnte das Kloster beim militärischen Einfall der Soldaten des Ernst von Mansfeld und Christian von Braunschweig in das niederrheinische Gebiet (1622) Zerstörungen und Plünderungen nur durch Geldzahlungen verhindern. Das Kloster war zumindest indirekt betroffen, als Soldaten des Grafen Wilh. von Nassau 1631 das Gebiet zwischen Haldern und Emmerich (Kirchspiele in der Hetter) plünderten. Mehrere Jahre später (1638)  waren es kaiserliche Truppen, die die Bevölkerung der Gebiete von Haldern und Mehr durch Plünderungen drangsalierten.  Im Konvent lebten noch 14 Nonnen.

Das Kloster verschuldete sich 1643 und 1646 bei den Eheleuten Derick Plankemann und Alheid Henselers mit einem Kapitel von 800 Talern; diese verkauften 1663 die Schuldverschreibungen des Klosters dem Richter Jacob van Flüren, der dieses Kapital bar ausbezahlte (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK 26) .
Das Kloster legte 1645 ein neues Lagerbuch mit den jährlichen Pachteinnahmen und Renten für seine umfangreichen Besitzungen an (Aspel, Haldern, Herken, Helderlohe, Loikum, Wittenhorst, Wertherbruch, Hamminkeln, Ringenberg, Mehr, Bislich, Speldrop, Mecheln, Gendringen, Rees, Isselburg, Liemers), das bis zum Anfang des 18.Jhs. fortgeführt wurde.


1654

Das Kloster war verpflichtet, die Rheindeiche im Kirchspiel Mehr zu unterhalten. Es wurde in einem langen Prozess auch verpflichtet, Deichgelder zum Unterhalt des Reeser Rheindeiches zu bezahlen.
Aufgrund der von der brandenburgischen Regierung angeodnete Besteuerung des Klerus und der geistlichen Institutionen wurde Schledenhorst mit 72 Rthl. belastet (Quelle: Scholten, AHVN S.102 a.a.O. ; zum Vergleich: Graefentahl hatte 188, Sterkrade 53 und Fürstenberg 117 Rthl. zu zahlen).

1672

Der Holländische Krieg (1672-79), in dem das Habsburger Reich zusammen mit den Niederlanden versuchte, eine Hegemonie Frankreichs in Europa zu verhindern, belastete auch das Kloster Schledenhorst, als die Armeen Ludwigs XIV. die von den Niederlanden besetzten Festungen am Rhein (Orsoy, Rheinberg, Wesel, Rees, Emmerich) eroberten und bis 1674 das Herzogtum Kleve besetzt hielten. Unter den Plünderungen und Brandschatzungen in der Umgebung von Rees (betroffen waren z.B.  die Pfarrkirche Haldern, Schloß Sonsfeld, Schloß Bellinghoven) hatte auch Schledenhorst zu leiden.
Die verursachten wirtschaftlichen Schäden führten dazu, dass das Kloster bis ins 18. Jahrhundert hinein erheblich verschuldet war. Dennoch spendete die Äbtissin Johanna Clara von Diepenbroick (1670-93) eine ansehnliche Summe zur Wiederherstellung der gebrandschatzten Pfarrkirche in Haldern und zur Beschaffung neuer Glocken.
Da der Konvent die nach der Steuermatrikel von 1676 festgelegte Abgabe zur Bezahlung der Kriegskosten nicht aufbringen konnte, wurde ein Nachlass von 124 Rtlr. gewährt (Quelle: Gravamen a.a.O., Beilagen S. 10).


1700

Die wirtschaftliche Lage des Klosters blieb bis zur Aufhebung angespannt, so dass das Kloster mehrfach (und zwar in den Jahren 1700, 1706, 1711, 1717, 1735, 1760, 1784, 1791) Fremdkapitalien aufnehmen und Höfe bzw. Nutzungsrechte an Weideflächen verpfänden mußte; teilweise dienten die Kapitalien zur Ablösung von Altschulden (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK 30, 31, 34, 35).


1709 - 17

Nach dem Tode der Äbtissin Katharina von Bronkhorst (+ 1709) wurde Ludovica Katharina van Uterwick (1709-33) zur Nachfolgerin gewählt. Papst Clemens XI. erteilte ihr eine Ausnahme, weil sie das vorgeschriebene Alter von 30 Jahren noch nicht besaß. Mit der Amtseinführung war eine Visitation des Klosters verbunden.
Die wirtschaftliche Lage war wenig zufriedenstellend: Die Äbtissin bezeichnete das Kloster als „ fast desolat“, als sie 1711 um Nachlass der veranschlagten Steuer für Weidefächen im Amt Liemers bat, wurde aber in einer Entscheidung der Preussischen Regierung in Kleve zur Zahlung der Steuer bis zum Nachweis der Exemption der Liegenschaften angehalten (Quelle: Gravamen a.a.O., Beilagen S. 54).
Ferner gingen dem Kloster die regelmäßigen Einkünfte aus dem Betrieb einer eigenen Windmühle verloren, als die Herrschaft Wittenhorst eine neue Mühle in Haldern bauen ließ und die Bauern des Dorfes hier mahlpflichtig machte. Dem Kloster wurde unterstellt, es hätte die Mühle nur zur Eigenversorgung betrieben. Das Kloster konnte nicht nachweisen, daß mit der eigenen Mühle auch ein Mahlzwang verbunden war (Quelle: Gravamina Nr. 27 a.a.O. mit Anhang S. 54). Die Beschwerden des Klosters blieben ohne Erfolg, so dass es die Angelegenheit ruhen ließ, um weitere Kosten zu vermeiden.
Die Äbtissin van Uterwick verpfändete 1711 für eine von 400 auf 700 klevische Reichstaler erhöhte Schuldsumme den Gläubigern (Eheleute Hermann Hollands und Altien Wolters) eine Hofstelle in Haldern zum freien Gebrauch an Stelle der fälligen Schuldzinsen  (Quelle: LA-NRW Kloster Schledenhorst, UK 31). Diese Eheleute gaben 1717 ein weiteres Darlehen von 500 Reichstalern.
Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage nahm der Konvent adelige Damen (vermutlich Verwandte der Nonnen) in Kost und Logie.

1733

Zur neue Äbtissin wurde Cornelia Magdalena van Bronckhorst gewählt; die im Kloster lebenden Kapitularinnen waren J. W. van Scherpenseel, B. A. van Scherpenseel, I. H. van Dorth und L. H. van Ouadt. Äbtissin und Konvent nahmen 1735 neues Kapital auf, um Altschulden abzulösen.
Über die Klostergebäude und Klosterkirche ist kaum etwas bekannt. In einem Fragebogen von 1738, der vermutlich Bestandteil einer Visitation war und in dem die Äbtissin zur Geschichte des Klosters sowie zu den personellen und wirtschaftlichen Verhältnisse Stellung nehmen mußte, wurden die äußeren Maße der Klosterkirche von rd. 10 x 30 m angegeben (Quelle: Scholten, AHVN 86, S. 96).


1757 - 82

Französische Truppen nahmen 1757 die Festung Wesel ein und drangsalierten die Bevölkerung mit ihren Forderungen nach Kontributionen und Fouragelieferungen.

Da die Pächter der Klostergüter die Kriegssteuern nicht aufbringen konnten, streckte ihnen das Kloster die verlangten Geldsummen zur Vermeidung der angedrohten militärischen Exekutionen vor. Dafür mußten die Äbtissin Hyacintha von Grotenhuis mit ihren Nonnen einem Derick van Baal eine Schuldverschreibung über 800 Reichstaler ausstellen und den Hof Overberg in der Bauerschaft Helderlohe verpfänden.

Die Grabsteine der Äbtissinnen Hyacintha Gerlina von Grotenhuis (1758-78) und Bernadina Angelica van Varo (1778–82) sind heute an der Außenfront der Schledenhorster Kapelle angebracht.


1782 – 1806

Mit Zustimmung der beiden letzten Äbte von Kamp (Eugen Reinertz und Bernard Wiegels) nahm das Kloster Schledenhorst erneut Fremdkapital auf.
Unter den Kölner Fürstbischöfen Maximilian von Königsegg-Rothenfels sowie Maximilian Franz von Österreich waren bereits Reformen inganggesetzt worden, die von den Ideen der „ Katholischen Aufklärung“  beeinflußt waren. Die angestrebte Verbesserung des Bildungs-, Schul- und Sozialwesens sollte mit den Mitteln aufgehobener Stifte und Klöster finanziert werden, die als überflüssig galten, soweit sie keine karitativen, seelsorgerischen oder pädagogischen Aufgaben erfüllten. Die Aufhebung von Schledenhorst zeichnete sich ab, zumal in den Jahren 1793–1806 die Ausgaben des Klosters größer als die Einnahmen waren und der Nachwuchs fehlte.
Nach dem Tod der letzten Äbtissin Helena Clara Constantia van Dorth (1783 – 1804) fand keine Neuwahl mehr statt. Im Konvent lebten noch vier Konventualinnen (v.Nagel, v. Schatte, v.Heupgen und v. Erich). Das Kloster wurde 1806 aufgelöst.


Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 31.01.2016