Saarn

Zeit nach der Aufhebung

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Bild : Klosterkirche vor dem Umbau 1895

1803 - 1808

Durch die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich erlitten deutsche Fürsten linkrheinische Gebietsverluste; sie sollten dafür aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 durch Kirchen- bzw. Klostervermögen entschädigt werden. Der Landesherr verfügte im März 1803 die Aufhebung aller Stifte und Klöster in Bayern sowie im September 1803 auch im Herzogtum Berg. Bis zum Jahre 1808 wurde die Aufhebung der geistlichen Grundherrschaften jedoch aufgrund der politischen Situation und der Kriegswirren nicht durchgeführt. Offensichtlich wurden anfangs verschiedene Überlegungen für die Verwendung des Klostervermögens angestellt. Ein Plan sah vor, Nonnen aus aufgelösten Klöstern an der Sieg (Zissendorf und Merten) im Kloster Saarn unterzubringen (Quelle: LAV NRW Großherzogtum Berg Nr. 1031). Nach einer anderen Überlegung sollte Kloster Saarn als Versorgungsanstalt für Töchter verdienter Staatsbeamten mit Präbenden wie beim Stift Gerresheim ausgestattet werden (Quelle: Arnold Dresen: Die Säkularisation des Stiftes Gerresheim und ihre Auswirkungen). Das Herzogtum Berg wurde 1806 mit der Gründung des Rheinbundes an Frankreich abgetreten und zusammen mit den rechtsrheinischen Teilen des Herzogtums Kleve dem Schwager Napoleons, Joachim Murat, unterstellt, der das Kircheneigentum nicht antastete. Napoleon übernahm im Frühjahr 1808 selbst die Verwaltung dieses neuen Großherzogtums Berg. Da das Kloster Saarn nunmehr im Gerichtsbezirk des neuen Kantons Duisburg lag, wurde das Kloster am 2.12.1808 auf Weisung der Regierung von der staatlichen Domänenverwaltung in Duisburg versiegelt. Damit war die Aufhebung definitiv vollzogen.


1809 - 10 

Die Domänenkammer ließ eine Aufnahme des Vermögens- und Schuldenbestandes des Klosters durchführen und setzte auf dieser Basis die Pensionen für die Klosterfrauen fest. Das Mobiliar, das Vieh bzw. die neue Ernte sowie Wald und Ländereien wurden verkauft bzw. versteigert. Die Erfassung bzw. Versteigerung der zahlreichen Ländereien zog sich noch bis 1810 wegen der schwierigen Bestandsaufnahme hin, da allein Gartengründstücke an 160 Pächter verpachtet waren. Das Vermögen der Pfarrkirche blieb dabei außer Betracht. In einem Protokoll vom 16.4.1809 wurde bestätigt, dass die Klosterkirche eine wirkliche Pfarrkirche war, über die die Abtei das Patronatsrecht ausgeübt hat. Die Äbtissin mietete den Äbtissinnenflügel des Klosters an und bliebt bis 1815 in ihrem Amtsitz wohnen.

1813

Es erfolgte die Übernahme des Klosterbesitzes durch die preußische Domänenverwaltung.

 

1815
Die preussische Regierung führte einen bereits von den Franzosen gefassten Plan aus, die Gewehrmanufaktur von Essen nach Saarn zu verlegen. Sie schloß einen Vertrag mit dem Unternehmer Trenelle aus Lüttich, der in den Klostergebäuden eine Gewehrfabrik mit bis zu 400 Beschäftigten – hauptsächlich aus belgischen Gebieten - einrichtete. Trenelle besaß auch ein Hammerwerk in der Weilermühle in Hattingen.
Ein Lageplan von 1815 (Gewehrfabrik) beschreibt die frühere Nutzung der einzelnen Gebäude der Klosteranlage, z.B. befand sich im nördlichen (später abgerissenen) Flügel des Wirtschaftsgebäudes das Bau-, Brau- und Backhaus. 
Die Äbtissin mußte 1815 ihre Wohnung verlassen und mit dem Pfarrer Heinr. Grothues kleinere Nebenräume im Kloster (damals die sog. Caplaney) beziehen. Sie zog mit dem Pfarrer 1818 in das neuerbaute Pfarrhaus und starb dort 1822 (Grabmal vor der Kirche). 
 
1818 – 25
Da mit der Säkularisation die Verpflichtungen des Klosters auf den Fiskus (staatliche Domänenkasse) übergegangen waren, wurde mit staatlichen Mitteln ein neues Pastoratsgebäude (1818) und eine neue Schule (1825) gebaut.


1840
Übernahme der Gewehrfabrik in staatliche Regie. In diese Zeit fiel die Erfindung des Hinterladergewehres (Perkussionszündung).

 
1862
Preussen verlegte die Gewehrfabrik nach Erfurt.
Die Klostergebäude blieben lange Zeit ungenutzt, bis sie von der Fa. Backhaus (Betreiber einer Mühle und eines Sägewerks) übernommen wurden.


1874
Die Firma Niederhoff & Cie. errichtete eine Tapetenfabrik im Nordflügel des Wirtschaftsgebäudes.

 
1905
Erwerb der Kloster- und Wirtschaftsgebäude durch den Industriellen August Thyssen. Das Klosterquadrum wurde als landwirtschaftlicher Betrieb verpachtet. 
 
1913
Der Nordflügel des Wirtschaftsgebäudes (Tapetenfabrik) wurde durch einen Brand zerstört.

 

1915
Rückkauf der Klostergebäude durch die kath. Pfarrgemeinde Saarn ohne die dazugehörigen Grundstücke.

 

1919-20
Der katholische Fürsorgeverein in Mülheim erwarb das Klostergut.


1925 - 31
Die Stadt Mülheim an der Ruhr wurde Eigentümer des Klostergutes.
Der nördliche Teil des Wirtschaftstrakts (seit 1913 Ruine) sowie ein Teil des Westflügels wurde für den Bau der heutige Bundesstrasse 1 (Fertigstellung etwa 1930) abgerissen. Die restlichen Gebäude wurden zu Wohnungen umgestaltet.  
 

1936 - 54
Die in der NS-Zeit entwickelten Pläne der Stadtverwaltung zur Restaurierung der Klostergebäude konnten wegen des Ausbruchs des zweiten Weltkrieges nicht realisiert werden. Die ersten Nachkriegsjahre boten außerdem keine Spielräume für Sanierungsarbeiten.

 
1958 - 60
Wiederherstellung des zerfallenen Kreuzganges durch Zusammenarbeit von Land, Diözese, Stadt und Pfarrei.

 
1963 - 65
Sanierungsarbeiten in mehreren Bauabschnitten zeigten, dass die Klosteranlage nur durch eine umfassende Restaurierung vor dem Verfall gesichert werden konnte.


1979 – 89
In den Jahren 1979 - 1989 wurde die komplette Klosteranlage als Baudenkmal restauriert und einer neuen Nutzung zugeführt.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 01.05.2016