Saarn

Gründungszeit

Saarn_Klosteransicht-800.jpg
Bild 3: Klosteranlage

Das Kloster Saarn lag auf dem Territorium der Herrschaft Broich. Diese Unterherrschaft in der Grafschaft (Herzogtum) Berg entsprach etwa der Größe des heutigen Stadtgebietes Mülheim a.d. Ruhr. Archäologische Untersuchungen auf dem Klosterareal zwischen 1979 und 1988 deuten anhand der Baureste aus vorklösterlicher Zeit daraufhin (z.B. ergrabene Kellerräume an der Kirchen-Westwand), dass am Gründungsort vermutlich schon seit dem späten 9. Jh. eine Siedlungsanlage oder ein befestigter Gutshof bestanden hat.


Die Gründung des Frauenklosters wird auf 1214 datiert. Stifter und Stiftungsmotive lassen sich nicht mehr erschließen. Das Kloster Saarn bildete ursprünglich mit dem Kloster Kaarst (später Eppinghoven bei Neuss) durch die gemeinsame erste Äbtissin Wolberna, durch die gleiche Bezeichnung „Aula s(anctae) Mariae“ und durch den gemeinsamen Grundbesitz anfangs eine Einheit. Namentlich bekannte Güter lagen bis zur Teilung des Immobilienbesitzes im Jahre 1237 linksrheinisch im Gebiet der Städte Neuss, Kaarst und Grevenbroich sowie rechtsrheinisch im Gebiet der Städte Duisburg und Mülheim an der Ruhr.
Nach der Gründungsbeschreibung zu den Klöstern Eppinghoven und Saarn in der Kamper Chronik wurde im Jahr 1214 das Kloster „aula st. Mariae“ in Karlesvorst (Kaarst) gegründet und später nach Eppinghoven verlegt. Zur gleichen Zeit oder auch etwas früher („.. eodem tempore vel paulo ante fundata..“) wurde das Kloster „aula St. Mariae“ in Saarn gegründet. Der Chronist nahm ferner an, dass beide Klöster als erste Klöster der Aufsicht des Klosters Kamp unterstellt wurden (Quelle: Kamper Chronik S. 279-280 a.a.O.). Es lässt sich heute nicht mehr erschließen, ob Saarn oder Kaarst zuerst gegründet wurde.  
Eine weitere Quelle zur Gründungsgeschichte sind zwei fast gleichlautende Textkopien mit der Jahreszahl 1216, die eine aus Eppinghoven (Anfang des 16. Jh.) und die andere aus Saarn (um 1650). Die Echtheit dieser Kopien ist jedoch strittig, die Urkundenvorlage unbekannt. Die Saarner Textkopie wurde nach der Überlieferung in einem Saarner Klosteraltar entdeckt und datiert die Eingliederung der Frauengemeinschaft in den Zisterzienserorden auf den 10. Mai 1214 (Fest der Märtyrer Gordianus und Epimachus). Die Eppinghovener Kopie nennt dagegen kein Datum, trägt aber einen Vermerk, der sich auf den Originaltext im Kloster Kamp bezieht. Ein Originaldokument ist jedoch nicht erhalten geblieben und hat vermutlich auch dem Camper Chronisten nicht mehr vorgelegen, sonst hätte er die Gründungen genau datieren können. 
In diesen sog. Wolberna-Urkunden (1216) bezeichnete sich Wolberna als erste Äbtissin des Konvents Mariensaal (aula s. Mariae) und bestätigte gleichzeitig die Inkorporation und Unterstellung unter die Aufsicht des Klosters Kamp.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016