Saarn

Zeit bis zur Aufhebung

1214 - 16
Das Kloster Saarn wurde nach der Kamper Chronik 1214 zu derselben Zeit wie das Kloster Eppinghoven oder ein wenig vorher (vgl. Gründungszeit) gegründet.
Die Äbtissin Wolberna teilte 1216 mit, dass das Kloster „Aula St. Mariae 1214“ in den Orden inkorporiert und der Aufsicht des Kamper Abtes unterstellt wurde (Quelle: Unsichere Textkopie aus dem 16.Jh. im Archiv Kath. Pfarre Saarn).

1221
Die älteste Urkunde von 1221 belegt die Einweihung des Friedhofes durch den Kölner Erzbischof Engelbert I. von Berg (1216-25). Die Unterbringung der Nonnen bereitete anfangs Schwierigkeiten, da es ferner heißt, Engelbert hätte die Enge der Verhältnisse gesehen. Gleichzeitig bestätigte Engelbert die Schenkung des sog. Buchelwaldes, um die wirtschaftlichen Grundlagen des Klosters zu festigen. Die Erstreckung des Waldgebietes ist nicht genau bekannt (vermutlich war aber das Waldareal größer als der heutige Auberg). Die Namensliste der Zeugen mit den Repräsentanten der Abteien Werden, Kaiserswerth und Gerresheim, der Domkirche in Köln, der Grafschaft Berg sowie der Herrschaften Broich und Linnep läßt die Stifter in diesem Kreis vermuten.

1223 - 28
Die Urkunde des Papstes Honorius III. vom 28.1.1223 belegt den inkorporierten Status des Klosters. Der Papst gewährte dem Kloster das Ordensprivileg (Befreiung von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs sowie von Zehntabgaben für alle Besitzungen und künftigen Rodungen; keine Unterwerfung des Klosters unter die weltliche Gerichtsbarkeit) und stellte das Kloster mit allem Grundbesitz unter seinen Schutz (Quelle: Kloster Saarn Nr.1 LA-NRW). Es wurden rechtsrheinisch der Ort, an dem das Kloster stand (Mülheim an der Ruhr), der Hof Meiderich (Duisburg) sowie linksrheinisch die Wirtschaftshöfe Kaarst und Vockrath (Neuss) mit allem Zubehör aufgeführt. Hinzu kamen noch andere nicht näher bezeichnete Besitzungen an Wald, Feldern, Weideflächen, Weinbergen, Mühlen und Gewässern.
Graf Gerhard von Geldern erklärte 1228, dass auf die Bitte seiner Mutter, Äbtissin zu Roermond, der Ritter Wilhelm von Beke (Beck) zugunsten des Klosters Saarn auf verschiedene Lehngüter zu seinem Seelenheil verzichtete (Quelle Lacomblet II, Nr. 157 a.a.O.).

1231 - 37 
Kloster Saarn erlebte einen raschen Aufschwung, so dass bereits 1231 die Trennung der Konvente in Saarn und Kaarst durch den Erwerb des Siedlungsverbandes Eppinghoven eingeleitet wurde. Der Kölner Erzbischof Heinrich I. von Molenark genehmigte 1231 dem Kloster Saarn, den Hof Genserath an das Stift Gerresheim im Tausch gegen dessen Gut Eppinghoven abzutreten, um hier eine neue klösterliche Niederlassung zu gründen. Der Gütertausch wurde mit der Unfruchtbarkeit der Äcker und der großen Entfernung sowie mit anderen ungünstigen Verhältnisse im Kaarster Bezirk begründet (Quelle: Lacomblet Nr. 175 a.a.O.). Zur Vermeidung von Nachteilen für das Stift Gerresheim war der Gütertausch mit der Bedingung verbunden, dass das Stift Ersatzleistungen aus dem Hof Vockrath erhalten sollte, sofern der Hof Genserath geringere Erträge als der Hof Eppinghoven erzielen würde. Offensichtlich zielten alle Bemühungen darauf ab, die Lebensgrundlagen beider Einrichtungen zu konsolidieren sowie die Voraussetzungen für eine Verlegung des Kaarster Klosters und gleichzeitige Trennung von Saarn zu schaffen. Die Teilung der Frauenklöster Saarn und Kaarst (Eppinghoven) und des gemeinsamen Besitzes wurde durch Abt Arnold von Kamp 1237 abgeschlossen; beide Konvente erhielten jetzt jeweils eine eigene Äbtissin.
Die Zahl der Konventualinnen stieg in diesen ersten Jahren so stark an, dass  Nonnen aus Saarn für den Aufbau des Klosters Duissern bereits 1234 abgegeben werden konnten.
 
1240
Der Grundbesitz des Klosters nahm bis zum Ende des 14.Jhs. durch zahlreiche Stiftungen zum Seelenheil der Stifter und meist zur Versorgung lediger Frauen aus den Stifterfamilien ständig zu. Viele Besitzungen lagen im Gebiet der Stadt Mülheim an der Ruhr; das Kloster hatte aber auch Stadthäuser in Köln, Neuss oder Duisburg, ferner Güter und Ländereien im linksrheinischen Erftgebiet, im Bereich der Stadt Düsseldorf, am Niederrhein und im kurkölnischen Vest. Zu den Förderern des Klosters gehörten nicht nur adelige Familien aus dem lokalen Umfeld (z.B. die Herren von Broich, Limburg-Styrum, Landsberg, Linnep), sondern auch die Herrscherhäuser der Grafschaften Berg, Jülich, Geldern oder Kleve.
Die wenigen erhaltenen Urkunden geben nur ein unvollständiges Bild des wirtschaftlichen Wachstums, z.B. übertrug der Ritter Wilhelm von Ysenberg 1240 dem Kloster Saarn das Gut Huckingen in Duisburg. Arnoldus (Vogt von Elberfeld) und seine Frau Guda übertrugen 1243 dem Kloster ihren allodialen Besitz Mulenbeken zum Unterhalt ihrer in das Kloster Saarn eingetretenen Tochter Guda (Quelle: Kloster Saarn Nrn. 3, 4 LA-NRW). Graf Dietrich von (Hohen-)Limburg schenkte 1251 dem Kloster seine Güter in Vossbeck bei Dorsten, die bisher der Ritter Heinrich v.Lohausen zu Lehen hatte (Quelle: Kloster Saarn Nr. 5 LA-NRW), und verkaufte dem Kloster 1262 teils kukltivierte, teils unkultivierte Ländereien auf der linken Seite der Ruhr (Schubert Nr. 50). Der Pfarrer zu Gerrode (Johann de Renneberg) ließ mit Zustimmung der Pfarrgenossen durch den Priester Gerardus 10 Morgen Land bei dem Hof Bontenbroich (bei Jüchen) der Abtei Saarn verkaufen (Quelle: UK Nr. 6 LA -NRW). Bereits 1236 beurkundete der Abt von St. Martin zu Köln, daß Elisabeth von Sige dem Kloster Saarn den Hof Bontenbroich (Jüchen bei Grevenbroich) schenkte und ihre Kinder auf Ansprüche verzichteten. Weil der Hof aber ein Lehen der Edelherren von Hunenbroich war, mußte das Kloster das Lehnrecht 1263 mit einer jährlichen Rente von fünf Solidi abkaufen (Quelle: Dumont, Geschichte der Pfarreien der Erzdiözese Köln, S. 261, Köln 1883; auch Lacomblet, Nrn. 210 und 539 a.a.O.). 100 Jahre später wies Wilhelm, Markgraf von Jülich, seine Amtleute zu Jüchen an, die Güter der Abtei Saarn von der Steuerschätzung auszunehmen (Quelle: UK Nr. 20 LA-NRW).
Herzog Walram von Limburg (Pfandherr über die Stadt Duisburg 1248–79) verlieh dem Kloster 1266 das Recht, die Grut zum Bierbrauen kostenlos aus Duisburg zu beziehen (Quelle: Schubert 54 a.a.O.). Der Pleban in Mintard schenkte dem Kloster 1266 den Brinkmannshof in Styrum (Schubert Nr. 55). Der Ritter Reiner von Asterlo (Asterlagen bei Emmerich) übertrugt 1276 dem Konvent zu Saarn sein Gut Walsum bei Emmerich für die Präbende seiner Nichte Odilia (Quelle: UK Nr. 10 LA NRW). Der Hof Roskothen im Dorf Saarn kam zwischen 1277–80 in das Eigentum des Klosters (Schubert Nrn. 63 und 64). Der Ritter Rutgerus von Hurst verkaufte 1282 sein Gut Heis (nahe beim Schloss Broich) mit Holzrechten im Speldorfer und im Sterkrader Wald dem Kloster (Quelle: Schubert Nr. 66)

1262

Nach einer Urkunde des Historischen Archivs der Stadt Köln (HAStK Schrein Dilles Urk. 1/1, 1262) beurkundete der Kamper Abt Albert einen Erbverzicht. Hierbei wurden die Saarner Äbtissin Agnes und die Töchter Conegundis und Beatrix einer Kölner Familie Ludolf und Elisabeth Grins genannt. Diese Äbtissin Agnes ist in der Liste der bisher bekannten Äbtissinnen noch nicht enthalten (Quelle: A.Ostrowitztki, 1993).
Elisabeth von Cleve (Eltern: vermutlich Dietrich von Kleve und Elisabeth von Brabant) schenkte 1262 den Geldbetrag, der für den Ankauf eines Teils vom Hof Bulrode (Böllert-Höfe) nötig war (Schubert 51).

1280
Die Zahl aller weiblichen Monialen betrug etwa 25 (Quelle: Kamper Chronik, S. 301 a.a.O.), damit gehörte Saarn zu den kleineren Frauenklöstern im Rheinland.

1289 - 1385
Die Urkunden dieser Zeit befassen sich mit Stiftungen, Besitzrechten, Grunderwerbungen und Rentengeschäften.
Volkwin Scherfheim und seine Frau hatten sich um 1289 mit ihrem Besitz (eine Mühle in Dümpel nahe beim heutigen Liebfrauenhof, eine Haushälfte in Duisburg und das Gut Weltersberg zwischen Saarn und Mintard) dem Kloster unterstellt; der Besitz sollte nach ihrem Tode an das Kloster fallen. Ein Rechtsstreit zwischen der Äbtissin Guda und den Verwandten der Stifter über die Nutzung des Gutes Weltersberg wurde 1303 zwar zugunsten des Klosters entschieden, jedoch durften die Aufsitzer das Behandigungsgut weiter nutzen (Quelle: Schubert Nrn. 68, 69 und 82). Der Burgvogt des Grafen von Berg auf Schloß Landsberg übertrug 1295 dem Kloster, in dem seine Tochter lebte, seine Güter in Mülheim (Heckmannshof zu Eppinghofen; Schubert, Nr. 74). Werner von Linnep überließ dem Kloster 1296 einen Zehnten (Quelle: Lacomblet Nr. 969 a.a.O.). Graf Dietrich von Limburg-Styrum schenkte 1297 dem Kloster den ihm zustehenden Zehnten vom Hof Bottenbruch in Dümpten (Quelle: Schubert, Nr. 76). Zwei Brüder - der Ritter Dietrich und der Kanoniker Hermann an der Kirche in Werden - übertrugen 1306 für den Fall des Ablebens ihre Güter in Lierenfeld ihrer Schwester Greta, Nonne zu Saarn, zu ewigem Besitz (Quelle: MH 1030/21). Der Edelherr Burckhard von Broich bestätigte dem Kloster 1329 erneut das Eigentum über den Wald Buchel (Quelle: Schubert, Nr. 93). Das Kloster erwarb 1385 den Vonscheidtshof (Quelle: Schubert Nr. 161).

Rentenkäufe bzw. -verkäufe waren im Mittelalter zur Geldbeschaffung üblich, wobei der Rentenkauf meist einer Darlehensvergabe des Käufers, der Rentenverkauf aber einer Darlehensaufnahme des Verkäufers gleichkam; als Sicherheit wurden Ländereien oder Häuser verpfändet. Die Renten konnten bar oder in Naturalien bezahlt werden. Rentengeschäfte des Klosters zeigten, dass die Äbtissin von beiden Möglichkeiten Gebrauch machte, um sich zumindest kurzzeitig Fremdkapital zur Versorgung der Klosterbewohner zu beschaffen oder angesammeltes Kapital als Kredite z.B. an Klosterpächter zu vergeben. Das Beispiel eines Rentenverkaufs zeigte deutlich, dass auch einzelne Nonnen durchaus privates Vermögen aufgrund ihrer beim Klostereintritt mitgebrachten Mitgift besaßen und sich an Geldgeschäften beteiligen konnten.
Die Äbtissin Agnes von Reinen und der Konvent verkauften 1344 „durch Not gedrängt“ eine Rente aus der Stadt Duisburg an die Abtei Kamp (Quelle: HStA Nr. 464). Ferner verkauften die Äbtissin Sophia und der Konvent 1351 an eine Saarner Nonne eine Erbrente (Korn und Vieh) und gaben ein Klostergut in Styrum als Sicherheit; die Rente sollte nach dem Tode der Nonne unter den Mitgliedern des Konvents verteilt werden (Quelle: MH 1030 / 26).  Als das Gut Böllert 1445 verkauft wurde, lastete auf dem Gut noch eine an das Kloster zu zahlende Rente von je 3 Malter Roggen, Hafer und Gerste (Quelle: MH 1030 / 53).

1380
Nach den Erkenntnissen der archäologischen Untersuchungen (1979 – 89) wurden Baumaßnahmen im ausgehenden 14.Jh. durchgeführt, die vermutlich aufgrund eines Brandes im Westflügel des Klosters notwendig wurden. Der Westflügel wurde nur unvollständig erneuert. Im Ostflügel wurde das Konventshaus erweitert.
Die dokumentierten Grundrisse deuten an, dass auf der Westseite der Bau einer neuen Klausurmauer im Vordergrund stand. Die an der Klausurmauer errichteten Gebäude wurden innerhalb von 100 Jahre wieder abgerissen oder überbaut.

1383 - 92
Der Duisburger Bürger Johann Pauwelz stiftete mit Zustimmung seiner Brüder dem Kloster Saarn unter der Äbtissin Leyvarde van Yssem seinen Zehnten zu Menden, von dem 2 Drittel für den Konvent und ein Drittel für den Apostelaltar in der Kirche zu Saarn bestimmt wurden (Quelle: UK Nr 25 LA-NRW).
Außerdem stiftete 1392 der Pfarrer Theodor Plater der Mülheimer Petrikirche (rector ecclesiae) den ihm gehörenden Teinerhof zur Fundation einer Vikarie in der Klosterkirche zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus (Schubert Nr. 171). Die Vermögensverwaltung der Stiftung lag in der Hand der Äbtissin, die auch das Patronatsrecht ausübte.
Damit erhielt Saarn neben dem Ordengeistlichen aus dem Kloster Kamp einen zweiten Geistlichen für die Betreuung der Dorfbewohner. Nach einer späteren Chronik (1825 Pfarrer Grothues ) wurde diese Stiftung auch damit begründet, dass die auf der linken Ruhrseite lebenden Einwohner bei Überschwemmungen der Ruhrauen nicht die zuständige Pfarrkirche in Mülheim besuchen konnten.
 
1397
Kloster Saarn lag auf dem Territorium der Herrschaft Broich bzw. des Kirchspiels und Gerichtsbezirks Mülheim. Diese Herrschaft war mit dem Herzog von Berg gegen den Klever Grafen verbündet. In der Schlacht von Kleverhamm unterlag der Herzog von Berg mit seinen Verbündeten, so dass das Kirchspiel Mülheim an den Grafen von Kleve zur Deckung der Kriegsschuld verpfändet werden mußte. Mülheim blieb bis 1443 in klevischer Pfandschaft, die vom Kölner Erzbischof eingelöst wurde.

1436
Es wurde über Schwierigkeiten berichtet, die die Überschwemmungen der Ruhrwiesen verursachten. Der Fluss veränderte häufig bei Hochwasser - auch in späteren Zeiten - seinen Lauf und spülte in Styrum und Menden Uferland im Besitz der Klöster Sterkrade und Saarn weg. Die Klosterpächter beschwerten sich, weil sie für abgeschwemmtes Weideland Abgaben leisten sollten.

1443

Zerwürfnisse der Herrschaft Broich mit dem Kölner Erzbischof Diertrich von Moers bzw. mit dem Herzog von Kleve als Lehnsherrn führten zwischen 1437-43 zur mehrfacher Belagerung der Burg Broich. Kloster Saarn erlitt empfindliche Schäden durch Plünderungen und Brandschatzungen zahlreicher Klosterhöfe auf dem Gebiet der Herrschaft Broich, als 1443 die Burg Broich von kurkölnischen Truppen belagert und zerstört wurde.

1450 -76
Die Klosterreformen des 15.Jahrhunderts waren Teil einer allgemein geforderten Kirchen- und Klosterreform nach den Konzilen von Konstanz (1414-18) bzw. Basel (1431–1449) und dem Ende des abendländischen Schismas. Klösterliche Lebensweisen und Privilegien wurden nach außen vielfach als Formen einer Verweltlichung und als Regelverstöße wahrgenommen, galten aber aus der Sicht der Nonnen als Gewohnheitsrechte. Die Reformen der Frauenklöster durch den Kamper Abt Heinrich von Ray (1452-83) stießen im Rheinland in den traditionellen Zisterzienserinnenklöstern (s. Eppinghoven, Saarn, Fürstenberg, Sterkrade) seit Mitte des 15.Jahrhunderts auf erhebliche Widerstände. In Westfalen bzw. in den Niederlanden gab es entsprechende Schwierigkeiten. Vor allem jüngere Nonnen waren mit Reformen nicht einverstanden, weil sie befürchteten, althergebrachte Privilegien (z.B. Privateigentum, Erbschaften, modische Bekleidung, Reisefreiheiten, Dienstboten) zu verlieren und strengere Klausurbedingungen einhalten zu müssen, unter denen sie möglicherweise nicht ins Kloster eingetreten wären.
Auch die Landesherren unterstützten bzw. initiierten diese Reformen.

Da in Saarn die Klausurregeln nicht mehr in ihrer ursprünglichen Strenge beachtet wurden, war bereits durch den Herzog Gerhard VII. von Jülich und Berg in der Zeit zwischen 1465-76 mit Hilfe einiger Nonnen aus dem Kloster Eppinghoven eine Reform eingeleitet worden, die jedoch erfolglos blieb. Der Kamper Abt unternahm 1476 einen weiteren Reformversuch mit Hilfe einiger Nonnen aus dem Kloster Sterkrade. Die Kamper Chronik, AHVN 20, 1869 S. 334, berichtet darüber wie folgt: Über das Zustandekommen der Reform anno 1476 bemühte man sich bereits viele Jahre, denn anfangs waren Nonnen aus dem 1465 reformierten Kloster Eppinghoven nach Saarn geschickt worden, um hier die Reform voranzubringen. Als dann die Saarner Äbtissin Eva von Horst (1441–76) zurücktrat (oder zurücktreten mußte ?) und die Äbtissin Margarethe von Heiden aus dem Kloster Sterkrade zur neuen Äbtissin in Saarn bestimmt wurde, konnte die Reform am 10. Mai 1476 (Fest der Märtyrer Gordianus und Epymachus) abgeschlossen werden. Die Äbtissin brachte einige Nonnen aus dem schon 10 Jahre zuvor reformierten Kloster Sterkrade mit. Außerdem stellte der Abt 100 rheinische Florentiner durch Verkauf von Kleinodien für die Erneuerung und Ausstattung der Klausurgebäude in Saarn zur Verfügung.

1478
Äbtissin und Konvent baten mit Bericht vom 5.8.1478 den Herzog Wilhelm von Jülich (1475-1511) um Bestätigung der Schatzfreiheit ihrer Höfe Herperode und Bontenbroich (bei Jüchen) sowie der Berechtigung, Klosterpferde aus dem Wildpferdebestand des Landes zu nehmen („wilde Pferde op dem Broick und darto einen Brand zu haben“). Sie bezogen sich auf die mit Hilfe des Herzogs durchgeführte Reform und begründeten ihre Bitte, dass sie bereits durch schlechte Wirtschaftsführung Verluste erlitten hätten und sehr besorgt wären, weitere Privilegien zu verlieren (Quelle: Redlich, Kirchenpolitik I. Nr.55 – S. 51: "so als dan unses closters gude durch quade regement summige verluislich sint worden und ser beswert tegen genade und privilegien uns closters").
Die Vermögensverluste des Saarner Klosters (möglicherweise durch langfristige Pachtverträge, Pachtsausfälle, Zinsausfälle bei Darlehen) hingen vermutlich mit den Veränderungen der Wirtschaftsordnung zusammen (ähnliche Beispiele auch in anderen Klöster wie z.B. Duissern, Sterkrade, Fürstenberg).
Der Herzog war mit der Reform des Saarner Klosters zufrieden. Er wies am 4.11.1478 seine Amtleute und Schöffengerichte an, den Nonnen bei der Durchsetzung finanzieller Forderungen behilflich zu sein, wo sie (die Nonnen) es nötig hätten, “weil der Herzog Zuneigung zum Kloster wegen seines geistlichen ordnungsgemäßen Lebens hege" (Quelle: MH 1030/57 a.a.O.).

1480 – 1500
Die innere Neuordnung und wirtschaftliche Sanierung des Klosters  mit Geldmitteln des Kamper Abts führten zu einer Blüteperiode. Insbesondere wurden das Konventshaus nach Norden erweitert, das Gästehaus am ursprünglichen Platz an der südwestlichen Ecke des Klosterquadrums wiederhergestellt und ein neues Wirtschaftsgebäude entlang der Klausurmauer errichtet. Nach der Saarner-Chronik wurde „auch das Dach der Kirche verbessert bzw. erhöht und ein kleiner Teil des Chores angebaut“. Vermutlich erhielt die Saalkirche anstelle der bisherigen Flachdecke ein Gewölbe aus Tuffstein.
Die Nonne Katharine von Wevelinghoven (vermutlich Stift Gerresheim) und ihre Geschwister stifteten 1500 den Altar der 10.000-Märtyrer in der Klosterkirche Saarn und fundierten die Stelle des dritten Geistlichen mit einer Erbrente von 10 Gulden, die sie von Peter Scherfheim (Scherffen-Hof, Gerresheimer Lehngut im Kirchspiel Mülheim) gekauft hatten. Die Äbtissin des Stifts Gerresheim beurkundete 1520, dass Katharina nochmals eine Geldsumme gab, für die der Hofaufsitzer jährlich 40 Gulden zur Versorgung des dritten Geistlichen zahlen mußte (Quelle: MH 1030 / 65 und 73). Dieser Altar scheint danach nicht mehr bedient worden zu sein.

1550-60
Die wenigen Katholiken im Stadtgebiet von Mülheim waren mit der Einführung der Reformation seit etwa 1555 auf die Klosterkirche Saarn oder die Schloßkapelle der katholisch gebliebenen Grafen von Limburg-Styrum angewiesen. Der Klostervikar wurde in dieser unruhigen Zeit so bedrängt, dass er sich ins Kloster zurückziehen mußte und sein Haus in protestantische Hände kam.
Trotz der bereits bestehenden konfessionellen Probleme war unter der Äbtissin Eva von Schillinck (1550-65) das Kloster Saarn so finanzkräftig, dass die Äbtissin und der Konvent mehrere Rentenkäufe tätigten, um vermutlich die eigenen Klosterpächter mit Darlehen zu unterstützen (Quelle: MH 1030 / 83, 84 und 86 a.a.O.: Kauf einer Erbrente von 5 Talern von den Eheleuten Gerit und Anna open Dick 1560 aus ihrem Gut Dickenhof in Mülheim; Kauf einer Erbrente von 5 Talern von den Eheleuten Ludwig und Gertrud Padberg 1563 aus ihrem vor Werden gelegenen Gut Padberg, um mit der Kreditsumme den Bruder Ludwigs, Heinrich Padberg, abzufinden; schließlich Kauf einer Erbrente von 2 ½ Talern von den Eheleuten Goyssen und Leen Bemers 1565 aus einem Stück Land in der Honnschaft Saarn).

1560 - 74
Fünf Klosterfrauen von insgesamt 11 (die Priorin Catharina von Geisenberg, Dorothea von Asbeck, Anna von Asbeck, Elisabeth von Virmundt, Johanna von den Hoeven) erhielten nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 das Abendmahl seit etwa 1560 unter den Gestalten von Brot und Wein. Sie erklärten nämlich um 1575, dass sie mit Billigung der Äbtissin auch den Laienkelch bereits seit 14 Jahren empfangen hätten (Quelle: von Roden, S. 16 a.a.O.: „mit believen end vorweten unser frawen meisterschen bereits an die 14 jair"). Die Äbtissin Asvera von Wittenhorst konnte diese Nonnen nicht umstimmen. Der Vaterabt Richard von Xanten (1565 / +1572) behandelte die Nonnen mit Nachsicht und ermahnte sie lediglich zum Empfang der Kommunion nach altem Brauch ( "Buß dhun und zu taffelen des Herren nach altem loblichen gebrauch gehen" ).
Das Verhalten dieser Frauen innerhalb des Nonnenkonvents war anfangs legitim, da es im Einklang mit dem Augsburger Interim (1548) und dem Augsburger Religionsfrieden (1555) sowie mit der Religionspolitik des Landesherrn von Jülich-Kleve-Berg (Herzog Wilhelm V. 1539-92) stand, der eine Erneuerung der katholischen Kirche im Geiste des Humanismus (Erasmus von Rotterdam) und die Erhaltung der religiösen Einheit durch einen Ausgleich der konfessionellen Gegensätze anstrebte. Der Herzog tolerierte die Protestanten, gab aber den Laienkelch 1558 bzw. 1562 für die katholischen Untertanen nur im Rahmen der katholischen Liturgiefeier frei (Quelle: LWL-Kulturstiftung, Digitale Fassung: Territorien der Reformation, das Herzogtum Jülich-Kleve-Berg - Die "Via media" der Herzöge bis 1543 bzw. bis 1590).

1574
Die konfessionellen Gegensätze spitzten sich erst nach der Visitation des Klosters durch den Generalabt Nikolaus Boucherat von Citeaux (1571-85) zu: Das Konzil von Trient (1545-63) hatte in seinen Bemühungen, durch einen inneren Reformprozess der Ausbreitung des Protestantismus entgegenzuwirken, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens beschlossen. Die vom Generalkapitel 1565 angeordneten Visitationen aller Klöster sollten zur Einhaltung einer strengen Observanz, zur Abschaffung des Privateigentums der Klosterbewohner und zur Entfernung aller der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher führen. Der Generalabt visitierte zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich. Er besuchte am 14.07.1574 das Kloster Saarn, in dem 11 Nonnen lebten. Nach seinem Bericht war die Äbtissin (Aswera von Wittenhorst / + 1578) vornehm und fromm und hatte auch einige ebenbürtige Nonnen. Es waren aber 5 Nonnen (lutheranae) im Kloster, die das Abendmahl unter beiden Gestalten von einem lutherischen Prediger empfingen ("quae communicabant sub utraque specie, vocato scilicet ad se concionatore lutherano, qui eis eucharistiam ministraret; quod impedire non poterat abbatissa nec vicarius noster propter lutheranos, qui dictum concionatorem eis monasterium introducebant "). Die Äbtissin und der Abt von Kamp konnten dies wegen der „Lutheranos“ nicht verhindern; vermutlich sind damit die einflußreichen Angehörigen dieser Nonnen gemeint, die den lutherischen Prediger ins Kloster hineinbrachten.
Der Generalabt ordnete an, dass die protestantischen Nonnen die Lehren Luthers unter Eid ablegen oder das Kloster verlassen müßten (Quelle: Postina S. 262 a.a.O.). Die Ausweisung der 5 Nonnen geschah vermutlich erst 1579 unter der neuen Äbtissin Margarete von Kalkum, da die Nonnen später (1582) erklärten, dass sie in Duisburg bereits 3 1/2 Jahre in Armut gelebt hätten (Quelle: von Roden § 7 a.a.O.).

1578 - 83
Nach dem Tode der Äbtissin (Aswera von Wittenhorst + 1578) verzögerte der Abt Johann Langenray die Wahl der neuen Äbtissin Margarete von Kalkum (1579 – 1601). Die Wahl kam 1579 nur durch die Drohung des Grafen Wirich VI. von Daun-Falkenstein - Anführer der  protestantischen Opposition am Niederrhein - zustande, die Einkünfte des Klosters aus den in seinem Herrschaftsbereich Broich liegenden Klosterhöfen zu sperren. Die ausgewiesenene Nonnen durften auf Vermittlung des Grafen bzw. der Landstände im Herzogtum Jülich-Berg-Kleve mit Erlaubnis der Landesregierung wieder ins Kloster zurückkehren. Die inneren Probleme waren damit nicht beendet, da die Nonnen sich aus Gewissensgründen nicht dem Abt bzw. der Äbtissin beugen und deren Anweisungen befolgen wollten. Sie wurden daher 1586 vermutlich aus der Klostergemeinschaft ausgeschlossen (Quelle: Mostert a.a.O.), hielten sich aber im Kloster auf.

1590 - 94
Die Visitationen in den Jahren 1590 und 1594 unter dem Kamper Abt Gottfried Draek (1584-1612) brachten keine Lösung der Probleme und auch keine innere Erneuerung des Klosterlebens, da die Positionen zwischen Abt bzw. Äbtissin einerseits sowie dem Grafen Wirich bzw. den protestantischen Nonnen andererseits verhärtet blieben. Der Abt beharrte auf ihre Ausweisung aus dem Kloster und verwies darauf, dass er im Kloster großen Luxus gesehen hätte. Der Äbtissin warf man vor, sie hätte sich von der gemeinsamen Tafel entfernt und würde eine defizitäre Klosterverwaltung betreiben, keine Jahresrechnung ablegen und wichtige Ämter ohne Zustimmung des Konvents besetzten. Graf Wirich bemühte sich unter Hinweis darauf, dass das Kloster von seinen Vorfahren zum Nutzen aller Klosterinsassen gestiftet worden wäre, die materielle Versorgung der protestantischen Nonnen aus den Klostereinkünften zu sichern. Er betrachtete sich als Schutzherr des Klosters, dessen Erhalt in den zurückliegenden Kriegsjahren (z.B. waren die Frauenklöster Duissern und Sterkrade im Truchsessischen Krieges zerstört worden) ihm zu verdanken wäre.
Zur Visitation durch den Abt Gottfried Draek am 6. Januar 1594 sollten die protestantischen Nonnen mit ihrem Vermögen, das sie beim Eintritt eingebracht hatten, das Kloster aber verlassen haben. Offenbar flohen die 5 Nonnen aus Sorge vor einer gewaltsamen Vertreibung nach Duisburg. Graf Wirich verletzte die Klosterimmunität, als er Klostereinkünfte und Vorräte zur Versorgung der mittellosen Nonnen konfiszieren ließ. Über das Schicksal der Nonnen in Duisburg wurde nichts bekannt. Hatten Äbtissin und Konvent bisher zum protestantisch gewordenen Haus Broich ein loyales Verhältnis, so erkannte das Kloster seit 1597 die landesherrlichen Rechte des Hauses Broich nicht mehr an, verweigerte ihm Beiträge zur Landesverteidigung gegen Übergriffe spanischer Truppen und stellte sich unter den Schutz der jülich-klevischen Regierung. Die dadurch ausgelösten Gerichtsprozesse verliefen offenbar ohne endgültige Entscheidung, da Graf Wirich 1598 von spanischen Söldnern ermordet wurde.

1600 - 19
Die inneren Probleme des Konvents blieben auch in der Regierungszeit der Äbtissinnen Anna von Baxen (~1601–08) und Margarethe von Holtrup (~1608–19) ungelöst. Erst 1619 konnte der Kamper Abt Carolus Reineri (früher Beichtvater in Saarn) die Äbtissin Margarethe von Holtrup zum Rücktritt zwingen, den Konvent zur strengen Einhaltung der Klausur verpflichten, Anna Deutsch als neue Äbtissin (1619-41) in ihr Amt einführen und die Klosterverwaltung neu ordnen.
Abt Carolus Reineri beurteilte die Notwendigkeit der Reform von 1619 aus seiner Sicht: "Wir fanden den Zustand des Klosters im Geistlichen und im Weltlichen über die Maßen zusammengebrochen". Aus den Anweisungen des Abtes ging hervor, dass die Beanstandungen im wesentlichen den auch in anderen Frauenklöstern festgestellten Verstößen gegen die Ordensstatuten entsprachen: Das Schweigegebot, die Reisebeschränkungen und die Residenzpflicht wurden kaum beachtet; es gab kein ausgeprägtes Gemeinschaftsleben mit gemeinsamen Mahlzeiten; es herrschte ein luxuriöser Lebensstil bei Kleidung, Mahlzeiten oder Festen (z.B. Profess einer Nonne).
Der Abt verbot den Nonnen, modische Kleider und Halsschmuck zu tragen. Der direkte Kontakt der Nonnen mit Gästen oder Verwandten sollte durch die Einrichtung eines Sprechzimmers unterbunden werden. Angehörige der Nonnen sollten an den Mahlzeiten der Nonnen nicht mehr teilnehmen. Durch kollegiale Entscheidungen (Mitsprache des Konvents und des Beichtvaters bei Entscheidungen der Äbtissin über Verkäufe und Verpachtungen von Klostergütern, Anleihen oder Verpfändungen) sollte die Klosterverwaltung verbessert werden.

1619 - 52
Der Erfolg der Reform von 1619 war - wenn überhaupt - wegen der unsicheren Zeiten im 30-jährigen Krieg nur von kurzer Dauer.
Die Amtszeit der Äbtissin Anna Deutsch begann mit Problemen; sie verbürgte sich 1620-21 für die Rückzahlung einer vom Beichtiger des Klosters aufgenommenen Anleihe von 100 Talern und verkaufte aufgrund der Kriegszeiten zu ihrer Entlastung dem Gläubiger den zur Vikarie gehörigen Teil des Boltenhofes (Quelle: MH 1030 / 94-95 a.a.O.).
Bezeichnend für die äußere Bedrohung des Klosters war z.B., dass sich zwischen 1629-38 abwechselnd niederländische bzw. kaiserlich-spanische Söldner im Mülheimer Gebiet aufhielten, Zerstörungen in den flußaufwärts liegenden Dörfern anrichteten und Kontributionen, Quartier und Proviant verlangten. Möglicherweise verhinderten die für das Kloster ausgestellten oranischen und spanischen Schutzbriefe (1624–28) Plünderungen des Klosters, dennoch mußte z.B. 1647 nicht nur die Herrschaft Broich Proviant an kaiserliche Truppen liefern, sondern auch das Kloster auf Anweisung des Kommandanten der besetzten Stadt Neuss Kriegskontributionen an hessische Truppen zahlen.
Die inneren Verhältnisse im Kloster verbesserten sich in der Amtszeit der Äbtissin offenbar kaum, da 1641 Anna von Deutsch „aus bestimmten kirchenrechtlichen und wichtigen Gründen“ durch den päpstl. Legaten Fabius Chisius (später Papst Alexander VII.), der u.a. mit Reformaufgaben für das Rheinland betraut war, wieder abgesetzt wurde. Was man der Äbtissin anlastete, bleibt nach dem Quellenmaterial (StA Müllheim an der Ruhr, Broich 1089 alt bzw. Broich 1011/1429 I. - IV.; Mülheimer Jahrbuch 1988, S.135-46) unklar. Die im Kloster lebenden Nonnen (die Geschwister Agnes und Anna-Gertrud von Hillen, die Geschwister Margarethe-Agnes und Odilia van Efferen sowie Anna-M. von Hogius) hatten sich beim Landesherrn über die angeblich schlechte Amtsführung der Äbtissin beschwert. Diese wehrte sich, dass die Nonnen sie verleumdet und größere Freizügigkeiten in der Handhabung der Ordensregeln und Ausübung der Klosterverwaltung gefordert hätten. Hieraus läßt sich schließen, dass die Äbtissin im Widerspruch zu den Regelungen von 1619 keine kollegialen Entscheidungen traf. Sie wurde nach Köln zur Untersuchung der Beschwerden zitiert, entzog sich dort aber einem Verhör. Die Herrschaft Broich versuchte, die Äbtissin nach ihrer Flucht aus Köln zu schützen, konnte aber nicht verhindern, dass diese später von herzoglichen Soldaten nach Düsseldorf gebracht und arrestiert wurde. Die Äbtissin unterwarf sich offenbar den Entscheidungen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit, da sie von 1641 bis zu ihrem Tod 1675 als „alte abbadissa“ weiterhin im Saarner Konvent blieb. Fabius Chisi bestätigte 1642 von Köln aus die Wahl der Nachfolgerin Agnes von Hillen.


1650 - 80
Die Saarner-Chronik (s.Literatur) berichtet über die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, dass sich Dorf und Kloster Saarn allmählich von den Folgen des „Schwedenkrieges“ erholten. Das Kloster mußte in den Notzeiten wegen fehlender Einnahmen Schulden machen und dafür Güter des Klosters und der Vikarie verpfänden. Das Kloster wurde außerdem um Besitzungen geprellt, weil Klosterhöfe von den Aufsitzern aus Not verpfändet wurden. Nach einem Güterverzeichnis lagen 37 Einzelgüter innerhalb des heutigen Stadtgebietes von Mülheim an der Ruhr, 6 Güter außerhalb (davon 3 auf linksrheinischem Gebiet).
Das Kloster erhielt von außen Unterstützung: Johannes von Hillen zu Helden (bei Venlo), vermutlich ein Bruder der beiden Saarner Äbtissinnen Agnes (+1652) und Anna Gertrud von Hillen (+1676), ließ in der Klosterkirche einen Altar errichten (Quelle: von Roden, § 24 a.a.O.).
Der Abt von Altenberg wies dem Kloster Saarn eine Nonne aus dem Kloster St.Apern (Köln) für 3 Monate zur Unterweisung neuer Novizinnen zu (Quelle: HStA D`dorf, Akten 12). 

1683
Die Reformierte Gemeinde in Saarn konnte ihre verstorbenen Mitglieder auf dem kath. Friedhof bis 1778 bestatten. Hierzu durfte mit Erlaubnis der Äbtissin die Glocke der Klosterkirche geläutet werden.

1713
Die Äbtissin Maria Magdalena von Brempt (1691–1720) veranlaßte die Errichtung der ersten Schule am Klostermarkt außerhalb der Klosterimmunität.

1720 - 41  
Unter der Äbtissin Maria Thersia von Reuschenberg (1720–41) begann eine letzte Blütezeit, in der das Kloster seine heutige äußere Gestalt erhielt. Es wurden umfangreiche Neubauten begonnen und zunächst der Westfügel des Klosters (Äbtissinnenflügel) in 1729 vollendet. Die Äbtissin war „eine strenge Frau im Lebenswandel für sich und andere sowie eine sparsame Frau, die eine bedeutende Klosterkasse zustande brachte und zugleich alle Schulden tilgte“ (Quelle: Saarner-Chronik a.a.O.). Dennoch ließ sie sich 1735 ein eigenes Wohnhaus im Klostergarten errichten. Die Äbtissin dankte 1741 aus gesundheitlichen Gründen ab und lebte noch 2 Jahre in Köln bis zu ihrem Tod 1743 von einer kleinen Leibrente. Die nachfolgenden vier Äbtissinnen ab 1741 wohnten wieder im Kloster.

1741 - 59
Unter der Äbtissin Wilhelmina von Bentinck (1741-73) wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Insbesondere wurden der Neubau des dreiflügeliges Wirtschaftsgebäudes (1755) sowie die Barockisierung der Klosterkirche (1759) abgeschlossen. In der Zeit des Absolutismus war die barocke Gestaltung der Neubauten durchaus ein Ausdruck des Führungsanspruchs des Klosters im protestantischen Umfeld der Herrschaft Broich.

1777 - 1808
Unter den liberalen Ideen der Aufklärung zeichnete sich das Ende des Klosters ab. Der letzte Beichtvater in Saarn, der aus dem Kloster Kamp kam, war Heribert Reuter (1733-85). Die Beichtväter kamen nunmehr aus den Minoritenklöstern in Duisburg bzw. Ratingen, das Amt des Rentmeisters wurde von Peter Blumenkamp (Vikar bzw. Pfarrer seit 1780) wahrgenommen. Der Hintergrund dieser Entwicklung lag vermutlich in der Kirchen- bzw. Klosterpolitik der Metropolitanbischöfe, die die Unabhängigkeit der bischöflichen Gewalt von der päpstlichen Kurie sowie die bischöfliche Jurisdiktion auch über exemte Klöster sowie deren Ordenspersonen in ihren Diözesen beanspruchten ("Emser Punktation" im Jahre 1786).
Die wirtschaftliche Lage des Klosters verschlechterte sich infolge der Besetzung des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen 1794, da der linksrheinische Klosterbesitz bei Neuss - und damit etwa die Hälfte der jährlichen Klostereinkünfte - verlorenging. Zwischen 1795-98 fand der Garnisonspfarrer von Düsseldorf, Franziskaner-Pater Udalrich Krings, 3 Jahre lang Aufnahme im Kloster Saarn (Quelle: Brzosa: Die Geschichte der kath. Kirche in Düsseldorf, 2001, Böhlau-Verlag). 
Im Hinblick auf die bevorstehende Verstaatlichung klösterlicher Vermögenswerte ließ der Landesherr (Maximilian Josef von Pfalz-Zweibrücken, bayerischer Kurfürst und zugleich Herzog von Jülich-Berg) 1799 und nochmals 1802 die Vermögensverhältnisse aller Klöster im Herzogtum Berg durch die jülich-bergische Hofkammer feststellen. Der Staat war darauf bedacht, dass ihm das Klostervermögen erhalten blieb, und verbot z.B. den Holzverkauf aus klösterlichem Besitz. Jedoch führte die politische Entwicklung in Europa und das Ende des "Alten Reiches" (1806) dazu, dass das Kloster Saarn 1808 endgültig aufgehoben und der Besitz verstaatlicht wurde.
Im letzten Jahrzehnt vor der Auflösung lebten noch 5 Konventualinnen im Kloster.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 13.02.2018