Roermond

Gründungszeit

Im 11. Jahrhunderts entwickelte sich die Grafschaft Geldern als territorialer Herrschaftsbereich. Die Grafen von Geldern (seit 1339 Herzöge) beherrschten dabei ein zersplittertes Gebiet, das aus den vier Quartieren Nijmegen (Betuwe), Arnheim (Veluwe), Zutphen und dem wirtschaftlich wichtigen Oberquartier Roermond bestand. Die Grafen waren zeitweise Schirmvögte von Köln und Geldern, der Aachener Vogtei zu Erkelenz und der Lütticher Vogteien um Roermond.
Graf Gerhard IV. von Geldern unterstützte im deutschen Thronstreit die Staufer, obwohl verwandtschaftliche Beziehungen zum Welfenkaiser Otto IV. (1209 – 18) bestanden. Aus Vergeltung entzog Kaiser Otto IV. dem Grafen alle Reichslehen und zerstörte 1213 die Stadt Roermond und den dortigen Grafenhof (villa optima). Auf den Trümmern des Grafenhofs wurde die Münsterabtei errichtet. Gerhard IV. erhielt die Reichslehen nach dem Tode Ottos (1218) zurück, nachdem er sich Friedrich II. (ab 1212 König und ab 1220 Kaiser des römisch-deutschen Reiches) unterwarf. Im Rahmen des Wiederaufbaus der Stadt Roermond gingen von der Gründung des neuen Klosters (1218) Impulse zur wirtschaftlichen und kulturellen Stadtentwicklung aus. Insbesondere entwickelten sich in der Stadt die Tuchweberei zu einem bedeutenden Handelszweig und die Münsterkirche zu einem kulturellen Mittelpunkt (Wallfahrtsort).

Die Klostergründung wurde mit der Sorge um das Seelenheil der Stifter sowie das der Eltern und Vorfahren motiviert. Sie war aber die Voraussetzung, dass die verwitwete Landesgräfin Richardis von Bayern, die Mutter des Stifters, nicht das Land verließ. Richardis hatte angekündigt, in den Orden der Zisterzienser eintreten zu wollen und ggfls. außer Landes zu gehen (Quelle: Binterim und Mooren: S. 187, Nr. 77 a.a.O.). Unter der Vierung der Klosterkirche steht das Grabmal des Stifterpaares. Erst der Enkel Gerhard`s, Otto II. von Geldern, bestimmte die neue Klosterstiftung Graefenthal bei Goch zur Familiengrabstätte des Grafenhauses Geldern.
Die Klosterkirche entsprach als Sakralbau nicht dem Baustil üblicher Kirchen von Zisterzienserinnenklöstern. Die basilikale Kirche entstand zwischen 1218 – 65 in der Übergangsperiode der Romanik zur Gotik im rheinischen Dreikonchenstil (vgl. Kirchen St.Aposteln, St.Maria-im-Kapitol, St.-Gereon in Köln oder St. Quirin in Neuss oder Münsterkirche in Bonn) und war eher als Monumentalbau und Grabeskirche für die gräfliche Familie geplant.
„Der Kirchbau erklärt sich nicht nur aus der Wertschätzung der hochadeligen Stifterfamilie für die Zisterzienser, sondern auch aus dem Bedürfnis zur Repräsentation“ (Quelle: Ambosius Schneider: Die Cistercienser, Geschichte, Geist und Kunst, 1974).

Richardis trat in den Orden der Zisterzienser ein und hatte als erste Äbtissin der Münsterabtei sowie aufgrund ihres politischen Einflusses maßgeblichen Anteil an der Gründung weiterer Zisterzienserinnenklöster am Niederrhein. Sie erhielt 1225 vom päpstlichen Legaten Konrad von Urach (vorher Abt des Klosters Villers-Bettnach) die Gründungserlaubnis für zwei weitere Frauenklöster, und zwar in Kellen bei Kleve und in Deventer. Für das geplante Kloster in Kellen hatten Mechthild und Heinrich von Smithusen bereits den erforderlichen Grundbesitz zur Verfügung gestellt. Das geplante Kloster sollte den Konvent der Benediktinerinnen aus Hönnepel bei Calcar aufnehmen, wurde aber letztlich in Zennewijnen erbaut und mit Nonnen aus dem Kloster Verschen besetzt. Die Nonnen aus Hönnepel bezogen das Kloster Ter Hunnepe (Marienhorst) bei Deventer. Darüberhinaus förderte Richardis besonders das Augustinerinnenkloster Bethlehem in ihrem bisherigen Wohnsitz Doetinchem; sie befürwortete z.B.  auch den Verkauf von Gütern des Ritters Wilhelm von Beck an das Kloster „s.aula mariae“ (Saarn).
Das Kloster Roermond war dem Adel vorbehalten. Die Nonnen hatten beim Eintritt ihre adlige Abstammung in vier Generationen der mütterlichen und väterlichen Linie nachzuweisen ("Aufschwörung"). Für die Freistellung der Nonnen zum Chorgebet war ein ausreichender Stiftungsfond erforderlich, der nur vom Adel aufgebracht werden konnte. Das Kloster wurde großzügig mit Ländereien, Gütern, Mühlenrechten und Memorienstiftungen sowie mit den Einkünften aus mehreren Pfarrpatronaten und Hausbesitzungen in Köln ausgestattet, so dass es wohlhabend und angesehen war.
Redakteur: H. Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016