Roermond

Zeit bis zur Aufhebung

1218 - 24
Nach der Chronik der Abtei Kamp wurde das Zisterzienserinnenkloster Roermond 1218 vom Grafen Gerhard IV. von Geldern (1185 – 1229) und seiner Frau Margarethe von Brabant (+1231) auf Veranlassung der verwitweten Landesgräfin Richardis von Bayern (Mutter des Grafen) auf dem gräflichen Gut oder Schloss (praedium) in Roermond gegründet. Erzbischof Engelbert I. von Köln, ein Neffe der Gräfin Richardis, konsekrierte am 1.10.1220 mit Zustimmung des Diözesanbischofs Hugo von Lüttich die vorhandene Kirche, die vermutlich von Anfang an als Grabeskirche für die gräfliche Familie bestimmt war. Das Stifterpaar wurde in der Münsterkirche begraben (Grabmal unter der Vierung der Kirche).
Das neue Kloster wurde auf Drängen des Erzbischofs und nach der Ortsbesichtigung durch die Äbte von Kamp und Villers-Bettnach 1218 in den Zisterzienserorden aufgenommen und der Aufsicht des Klosters Camp unterstellt (“et ad instantiam venerabilis Engelberti archiepiscopi Coloniensis ordini incorporata et visitationi abbatis Campensi commissa”, Quelle: Chronik der Abtei Kamp, S.280 a.a.O.).

Die gräfliche Familie und ihre Lehensträger sowie die Kölner Kirche sorgten für eine solide wirtschaftliche Ausstattung des neuen Frauenkloster und schenkten ihm umfangreiche Besitzungen sowie die daraus fließenden Einkünfte:
Der Kölner Erzbischof gewährte 1220 allen Besuchern und Wohltätern der Kirche einen Ablass (Quelle: Sloet-OB II Nr. 463 a.a.O.).
Der Edelmann Dirk II. von Altena (Herrlichkeit Altena zu Almkerk, später Teil der Grafschaft Horne) schenkte 1223 den Hof Hugten (Bauernschaft Hugten bei Maarheeze) mit allem Zubehör (Land, Wiesen, Wald, Fischteiche u.a.) der Münsterabtei (Quelle: OBGZ Nr. 1223.12.31 a.a.O.). In der Folgezeit kam es zu wiederholten Schwierigkeiten mit den Landbewohnern über die Nutzung (vor allem Torfgewinnung und Holznutzung) der unkultivierten Ländereien. Der Besitz blieb bis 1771 in der Hand des Klosters.
In einer Urkunde von 1224 bestätigte Graf Gerhard IV. von Geldern zusammen mit seiner Frau Margaretha und dem Sohn Otto, dass die Kirche auf seinem Wohnsitz in Roermond ein Kloster der Zisterzienser werden sollte, das er mit verschiedenen Gütern beschenkte, darunter das Patronat mit Zehntrechten und Wäldern von Nieukerk und Aldekerk (heute: Großgemeinde Kerken), von Wetten (Ortsteil von Kevelaer) sowie von Venray (Quelle: OB-Sloet I Nr. 475 a.a.O.).
Das Kloster erhielt außerdem eine Mühle an der Rur sowie das gräfliche Grutrecht zur Bierherstellung.

1224 - 30
Papst Honorius III. stellte 1224 die Münsterabtei in Roermond mit ihren Besitzungen unter seinen Schutz; es handelte sich um Besitzungen in Roermond, Herten, Werden, Betenrode und Wetten (Quelle: Binterim und Mooren, S. 187, Nr. 77 a.a.O.; Sloet OB II Nr. 464 a.a.O.); er bestätigte außerdem den Besitz des Hofes Hugten (Quelle: OBGZ 1224.02.09 a.a.O.).
Auch der Kölner Erzbischof Heinrich von Molenarck bestätigte 1228, dass dem Kloster die Einkünfte der Kirchen von Nieukerk und Aldekerk mit Zustimmung des Xantener Stiftkapitels übertragen wurden (Quelle: Xanten im späten Mittelalter, S.44 a.a.O.).

1230 – 65
Graf Otto II. von Geldern bestätigte dem Kloster 1230 den Besitz der Güter, die bereits sein Vater dem Kloster schenkte (Quelle: Sloet OB II Nr. 528 a.a.O.).
Äbtissin Richardis starb vermutlich auf einer Reise nach Rom (1231) und wurde in der Münsterkirche begraben (Grabplatte im Umlauf des Chores).
Hendrick Graf von Nassau und seine Frau Mechthild (eine Schwester des Grafen Otto)  schenkten 1234 dem Kloster ihre Güter bei Koblenz.  Das Marienstift zu Aachen übertrug 1236 den Hof zu Budel (ein Dorf in der Gemeinde Cranendonck) mit Zehntrechten dem Kloster Roermond in Erbpacht.
Gerhard von Wassenberg schenkte 1237 dem Kloster Zollfreiheit auf seinem Gebiet.
Graf Otto schenkte 1238 dem Kloster seinen Hof (curia) zu Eyll (Quelle: Sloet OB II Nr. 569, 589, 598, 608 a.a.O.).
Durch die Gewährung von Ablässen in 1244 und 1258 wurden der Weiterbau der Münsterkirche (insbesonder des Westwerks), der Ausbau der Klostergebäude und der Unterhalt der Nonnen finanziell gefördert.
Der Abteikomplex erstreckte sich an der Südseite der Münsterkirche und war durch einen Kreuzgang mit der Kirche verbunden. Das erste Obergeschoss der Emporenbasilika war vermutlich für die Nonnen reserviert. Die Bauarbeiten waren etwa 1265 abgeschlossen.

1240 - 1320
In dieser Periode fand eine weitere Konsolidierung des Besitzes bzw. der Einkünfte zur Bestreitung des Lebensunterhaltes von ca. 40 Nonnen adeliger Herkunft statt, die im Jahre 1300 nach der Kamper Chronik in der Münsterabtei lebten. Diese Anzahl ging aber in den späteren Jahrhunderten stetig bis auf 8 Nonnen zurück.
Über das innere Leben des Konvents oder über die Einhaltung der Regeln bzw. Lockerung der strengen Klausur sind keine Nachrichten erhalten.
Die Regelung aller weltlichen Angelegenheiten des Klosters zur Sicherung des Lebensstandards der Nonnen, insbesondere Verwaltung des umfangreichen Landbesitzes, wurde zum großen Teil von Konverserven oder Weltpriestern (Provisoren) im Namen der Äbtissin und des Konvents wahrgenommen.
Die erhaltenen Urkunden regeln überwiegend zahlreiche Ankäufe und Schenkungen von Ländereien, Befreiung verschiedener Klosterhöfe von Abgaben, Übertragung von Patronatsrechten über verschiedene Kirchen bzw. von Vogteirechten, Stiftungen zur Versorgung der Nonnen, Erbverzichte von Nonnen zugunsten der Abtei. Bei diesen Rechtsgeschäften traten besonders die Grafen von Geldern sowie adelige Familien (die Herren von Cuik, von Heinsberg, von Valkenburg, von Millen, von Born, von Spralant) oder geistliche Institutionen (wie das Kapitel von Maastricht) in Erscheinung, die gute Beziehungen zum neuen Kloster unterhielten. Der Grundbesitz konzentrierte sich auf beiden Uferseiten der Maas im näheren Umkreis um das Kloster; Streubesitz lag aber auch in der Betuwe (z.B. in Gendt und Nijmegen). In einer Reihe von Urkunden verzichteten die Eigentümer von Stadthäusern in der Stadt Köln auf ihr Eigentum zugunsten des Münsterabtei. Ferner stifteten verschiedene Familien Jahresrenten zum Unterhalt ihrer ins Kloster eingetretenen Töchter.
      Dirk van Valkenburg schenkte 1240 dem Konvent die Vogtei über den Hof zu Herten (südwestlicher Teil der Gemeinde Roermond). Das Kapitel von St.Servaas zu Maastricht übertrug 1244 seine Güter zu Echt und Stevenveert der Münsterabtei in Erbpacht während des Abbatiats der Äbtissin Oda. Der Herr von Cuik verpfändete 1246 der Münsterabtei seine Zehntrechte an alodialen Gütern in der Pfarrei Herten und schenkte dem Kloster das Patronatsrecht über die Kirche von Herten mit Zustimmung des Grafen Otto II. von Geldern. Goswyn von Millen verkaufte 1246 mit Zustimmung seines Lehnherrn Hendrik von Heinsberg dem Kloster den Zehnten zu Venlo und das damit verbundenen Patronatsrecht an der dortigen Kirche; das Kloster hatte bereits von ihm eine Mühle zu Millen mit Ländereien und Wald erhalten (Quelle: OBGZ 1148-1326 , Bd.3 Roermond a.a.O.).
    In der Zeit zwischen 1250 – 80 traten aber auch Problem- bzw. Streitfälle auf (Quelle wie vor):
    Papst Innocentius IV. erlaubte 1252 der Münsterabtei den Rückkauf von Zehntrechten, die in fremde Hände geraten waren und zu Pfarrbezirken gehörten, über die der Abtei das Patronatsrecht zustand (Quelle: OBGZ Nr.1252.02.25 a.a.O.).
    Der Offizial von Lüttich gebot 1262 der Gemeinde Leende, nicht in den Güterbesitz der Abtei in Hugten einzugreifen und verurteilte die Gemeinde zu Schadensersatz und einer Geldbuße. Außerdem wurde Gerard, Pastor von Nunhem, vom Amt suspendiert, weil er unzulässig in die Rechte der Abtissin und des Konvents über die Bauerschaft Hugten eingriff. Er wurde vor das Domkapitel in Köln geladen. Die Berufung gegen seine Suspendierung wurde 1264 verworfen, er mußte die Kosten des Verfahrens tragen.
     Das Kloster Averboden und die Münsterabtei ließen 1269 einen Streit über den gemeinschaftlichen Gebrauch des Gutes Kemerken (nahe Sterksel) durch ein Schiedsgericht entscheiden. Ein Streitpunkt war vor allem die Viehdrift über das Gelände des gemeinsam genutzten Gutsbesitzes. Im Jahr 1292 wurden unter der Äbtissin Elisabeth frühere Regelungen aufgehoben und das Gut unter den beiden Klöstern aufgeteilt.
      Zwischen der Münsterabtei und dem Pfarrer von Stevensweert gab es zwar vertragliche Regelungen über dessen Einkünfte aus den Gütern, die die Abtei in den Ortschaften Echt und Stevensweert (südöstl. von Roermond) vom Kapitel von St.Servaas zu Maastricht in Erbpacht besaß. Dennoch gab es 1273 Streit, weil Gerard van Nassau, der Vertreter des Lütticher Bischofs, auf Veranlassung des Pfarrers die dem Konvent zustehenden Zehntabgaben beschlagnahmte und dem Pfarrer übertrug (Quelle: OBGZ 1148-1326 , Bd.3 Roermond a.a.O.).

1287
Graf Reinhald I. von Geldern forderte 1287 vom Kloster die Zahlung der üblichen Landessteuern für alle neuen Schenkungen und Besitzerwerbungen.

1292 – 1300
Das Kloster unter der Äbtissin Elisabeth van Swalmen hatte 1293/94 Schwierigkeiten mit dem Pfarrer von Aldekerk über das Recht, einen Vikar anzustellen.
Die Abtei verzichtete 1295 auf ihren Zehnten aus einem Grundstück in Echt, auf dem eine Kirche und ein Friedhof angelegt werden sollten (Quelle: NBNW, Teil 5, S. 848).
Godfried van Schaephuysen (Vogt von Roermond und Kanoniker des Kapitels von St. Marie zu Maastricht) übertrug sein Patronatsrecht über die Pfarrkirche von Roermond der Münsterabtei (Quelle: OBGZ Nr.1297.12.31 a.a.O.).

1300
In den folgenden 100 Jahren wurden in den vorhandenen Urkunden hauptsächlich die Übertragung von Gütern und Ländereien (Ankäufe bzw. Schenkungen), aber auch Errichtung einer Mühle sowie Verzichtserklärungen auf Zehntansprüche zugunsten des Klosters geregelt.
Aus den Urkunden ergibt sich auch, dass zwischen 1354–80 Bela van Malborgh als Äbtissin das Kloster leitete (Quelle: NBNW, Teil 4, S. 944).

1397 - 98
In einer Fehde zwischen Geldern-Jülich und Brabant wurde die Stadt Roermond von brabantischen Söldnern eingenommen.

1415
Zu Auseinandersetzungen kam es 1415 zwischen der Gemeinde Roermond und dem Kloster wegen des Deichbaus an der Maas im Bereich des Klosterhofes „Het Ham“. Die Äbtissin Marie van Dryel hatte (unbefugterweise) der Stadt Erdabgrabungen auf einem Klostergrundstück (Molenbergh genannt) für den Deichbau gestattet. Die Abgrabungen durften nicht fortgesetzt werden.

1429
Äbtissin Marie van Dryel und der Konvent stimmten dem Rückkauf des Grutrechtes durch den Rat der Stadt Roermond zu.

1447 - 1459
Regierungszeit der Äbtissin Bela van Mierlaer (das Adelsgeschlecht stammte aus dem heutigen Meerlo in Nord-Limburg). Aus ihrer Regierungszeit blieb ein Gemälde "De Roermondse Passion" erhalten, auf dem die Äbtissin mit dem Wappen der Familie van Mierlaer-Millendonck abgebildet ist (Quelle: Internet Gen-Wiki Limburg: Van Mierlaer).

1450
Nach den Konzilen von Konstanz (1414-18) und Basel (1431–1449) und dem Ende des abendländischen Schismas fanden im westlichen Europa schrittweise Kirchen- und Klosterreformen in den Frauenklöstern der Zisterzienser im Bezirk der Abtei Kamp insbesondere in der Zeit zwischen 1450–1500 statt. Die traditionellen adeligen Frauenklöster wehrten sich meist aus Sorge um den Verlust ihrer Privilegien gegen Reformen, die vor allem eine Verschärfung der Observanz und den Verzicht auf Privateigentum vorsahen. Klösterliche Lebensweisen und Gebräuche galten nach außen vielfach als Formen einer Verweltlichung und daher als Regelverstöße, waren aber letztlich das rechtmäßige Ergebnis jahrelanger Anpassungsprozesse an gesellschaftliche Veränderungen.
Ob Reformversuche in Roermond unternommen bzw. reibungslos verliefen, ist nicht näher überliefert.

1464 - 90
Die Äbtissin Wilhelma von Kessel erreichte gleich nach ihrem Amtsantritt einen Vergleich mit dem Kapitel der Katharinenkirche in Eindhoven über die Zehntabgaben für die soeben kultivierten Abteiländerein in der Bauerschaft Hugten. Sie schloss ferner mit dem Bürgermeister und den Schöffen der Gemeinde Echt einen Vertrag über den Unterhalt der neuen Pfarrkirche von Echt.
Die Äbtissin hatte erneute Schwierigkeiten, ihre Patronatsansprüche über die Kirchen von Nieuwkerk en Aldekerk durchzusetzen; Herzog Arnold von Geldern bestätigte der Abtei 1472 aber die ihr gehörenden Rechte.
Der Grundbesitz der Abtei – wie auch der anderen 4 Männer- und 4 Frauenklöster in Roermond – hatte sich durch Ankauf, Schenkungen und Vermächtnisse beständig vergrößert. Im Jahre 1467 beschloß der Stadtmagistrat, dass Geistliche und Klöster innerhalb des Gerichtsbezirks Roermond keine Güter mehr kaufen oder erben durften. Dies erklärt, warum nach 1467 Landschenkungen an die Münsterabtei nicht mehr verzeichnet sind. Der Magistrat befürchtete eine Verringerung der Steuereinnahmen, da die Abtei von Abgaben befreit war („Tote Hand“) . Noch schärfere Maßnahmen ordnete Herzog Arnold 1472 an, denn alle Güter, die Klosterangehörige kaufen oder erben würden, sollten nach deren Tod an die Gemeinde Roermond fallen und dem Kloster höchstens noch ein Jahr der Fruchtgebrauch gehören (Quelle: Roermond um 1550).

1471 - 77
Das Herzogtum Geldern wurde 1471 an Karl d. Kühnen von Burgund verpfändet (nunmehr Vogt und Schirmherr Gelderns), der die Pfandschaft und die antiburgundische Politik Adolphs von Geldern dazu benutzte, das Herzogtum Geldern im Burgundischen Krieg (1473-77) zu annektieren und kurzzeitig wieder Adolph`s  Vater, Arnold von Geldern, als Herzog einzusetzen. Die Stadt Roermond leistete bei ihrer Einnahme durch Karl d. Kühnen keinen großen Widerstand.

1473
Der Kamper Abt legte 1473 Anteile einer Ordenssteuer (sie betrug insgesamt 6000 Dukaten „zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der Römischen Curie“) auf die ihm unterstehenden Klöster um. Die Steuer lag bei den Frauenklöstern unter der Kamper Paternität zwischen 1 und 4 rheinischen Golddukaten. Auf die Münsterabtei Roermond entfielen 3 Dukaten (Quelle: Binterim u. Mooren, Nr. 436 a.a.O.).

1482
Es entstand neuer Streit zwischen den Einwohner von Maarheeze und dem Kloster in einem schon rd. 200 Jahre anhaltenden Dauerkonflikt über die Torfgewinnung und Holznutzung in einem Heidegebiet zwischen Maarheeze und dem Hof Hugten. Nochmals im Jahre 1520 beauftragten die Nonen ihren Beichtvater, die eigenen Nutzungsinteressen zu vertreten.

1483
Der Graf von Horn verkaufte seine Fischereirechte in der „Hornse Maas“ an die Äbtissin der Münsterabtei.

1490 - 1521

Nachfolgerin der Äbtissin Wilhelmina von Kessel wurde ihre Nichte Bela von Dript (16. Äbtissin von Roermond, Quelle: Deel 4, S. 831 a.a.O.).


1520 - 58

Herzog Karl von Geldern bestätigte 1520 nochmals die Privilegien der Münsterabtei. Andererseits standen aber diese Privilegien (wie Privatbesitz, Präbenden, Freiräume für Besuchsreisen, freie Wahl der Beichväter, modische Kleidung, Diensboten) in der allgemeinen Kritik über die Lebensweise vieler Klöstern.
Vermutlich fand erst in der ersten Hälfte des 16. Jhs. eine Klosterreform statt – wenn auch nur mit kurzer Wirkung – , da unter der Äbtissin Jacoba van Erp (1520–58), die aus einer adeligen brabantischen Familie stammte, die Nonnen offenbar mehrheitlich im Geist der Observanz lebten (Quelle: Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek 1912, Deel 2, S. 440), so dass der Abt von Kamp noch 1551 zwei Nonnen der Münsterabtei bei der Reform des Klosters Ter Hunnepe bei Deventer hinzuzog.

1525
Die Klöster der Stadt Roermond mußten erstmals im Jahre 1525 Grundbesitzsteuern bezahlen, stellten aber nach einigen Jahren die Zahlungen zunächst ein. Mit diesem Vorgehen waren die Bürger nicht einverstanden, so dass insbesondere die Stadtgilden die Klosterpforten verbarrikadierten; später einigte man sich über die Steuerbelastungen.


1543

Herzog Karl von Geldern war 1492 aus seiner Gefangenschaft nach Geldern zurückgekehrt und führte von dieser Zeit an fast ununterbrochen Krieg gegen das Haus Habsburg (Maximilian bzw. Philipp der Schöne) . Die habsburgischen Statthalter konnten wenig dagegen ausrichten. Die Stände Gelderns widersetzten sich 1534 dem Versuch des Herzogs, Geldern mit Frankreich zu verbinden und nötigten ihn 1538 zur Abtretung des Landes an den Herzog von Kleve (Wilhelm der Reiche). 1543 zwang der Kaiser Karl V. den Herzog von Kleve (Vertrag von Venlo), Geldern an ihn abzutreten, das nun endgültig unter die habsburgische Herrschaft kam.  Durch die Reichsteilung Karls V. (1555/56) fielen Geldern und die Niederlande an das Königreich Spanien (ab 1648 bis 1702 nur noch das geldrische Oberquartier) mit der Folge für das Kloster Roermond, dass aufgrund des kaiserlichen Nominatierechts die freie Wahl einer Äbtissin sowie das Aufsichtsrecht des Kamper Abtes eingeschränkt war und wichtige Belange des Klosters vom Brüsseler Hof (Sitz des Statthalters) entschieden wurden.


1551 - 53
Die Geschwister Franziska und Margarethe van Rossum (Nonnen in Roermond) wurden vom Kamper Vaterabt Johannes von Hüls zur Abtei Ter Hunnepe (Deventer) abgeordnet, um dort bei der notwendigen Reform mitzuwirken.

1554
Die Entwicklung der Stadt Roermond erlitt einen großen Rückschlag durch den Stadtbrand im Juli 1554, der durch Brandstiftung entstanden war und etwa 2/3 aller Häuser in den reichen Stadtvierteln (950 von ca. 1300 Häusern) zerstörte. Die Münsterabtei – außerdem das Kloster der Kreuzbrüder - blieb vom Brand verschont, verlor aber durch den Brand seine Stadthäuser.

1559
Die Reformation hatte auf das geistige Leben der Klosterbewohner keine signifikanten Auswirkungen.
Die Reformation selbst gewann aber Anhänger in der Bevölkerung der Stadt Roermond (Lutheraner, Anabaptisten und Calvinisten). Insbesondere waren es die Calvinisten, die in Roermond als sog. „Heckenprediger“ vor allem den Reichtum der Kirche in dem von Hungersnöten geplagten Land anprangerten.
Die Gründung des Bistum Roermond 1559 war eine gezielte kirchenpolitische Maßnahme gegen die Ausbreitung der Reformation in den Niederlanden. Die burgundischen bzw. spanisch-habsburgischen Statthalter trugen dazu bei, die spanische Herrschaft in den Niederlanden zu festigen und die durch das Konzil von Trient (1545-1563) eingeleitete Gegenreformation mit Hilfe anderer Reformorden (vor allem Jesuiten, Kapuziner, Ursulinen) durchzusetzen.

1560
Nach dem Tod der Äbtissin Agnes von Barick bestätigte der Kamper Abt Ingenray die Äbtissin Elisabeth von Flodrop (1560 – 82) in ihrem Amt. Sie verdankte ihre Wahl offenbar der Stellung ihrer Familie; die Herren von Flodrop waren Erbvögte von Roermond. In ihre Regierungszeit fiel 1566 der Bildersturm in Roermond, der sich aber auf die Zerstörung der Altäre und Bilder der Kathedrale beschränkte und der durch den Versuch des Magistrats ausgelöst wurde, den lutherischen Prediger aus der Stadt zu vertreiben.

1567 – 68
In der Stadt herrschten Pestepidemien.

1572
Im 80-jährigen Krieg fanden im Oberquartier zwar keine großen Feldschlachten statt, jedoch war das Gebiet ein ständiges Durchzugsgebiet spanischer oder niederländischer Truppen, die entlang der Maas die größeren Städte Venlo, Roermond und Geldern regelmäßig belagerten oder kurzzeitig besetzten und das Umland plünderten und brandschatzten. So wurde 1572 Roermond durch Truppen unter Wilhelm von Oranien erobert. Die Übergriffe richteten sich besonders gegen den Bischofssitz sowie die Geistlichkeit der Stadt; 23 Geistliche, davon 12 Karthäuser-Mönche, wurden ermordet. Auch die Münsterkirche blieb von Plünderungen nicht verschont (Quelle: Chronik der Stadt Roermond von 1562 bis 1638).
Im Jahr 1578 war die Stadt erneut in der Gewalt der Armee der Generalstaaten. Innerhalb der Immunität der Münsterabtei waren Kessel aufgestellt, um Salpeter zur Herstellung von Schwarzpulver zu sieden.

1574
Das Konzil von Trient (1542 – 63) leitete die Bemühungen um eine Rekatholisierung, insbesondere eine Verschärfung der Observanz und Abschaffung von Privateigentum in klösterlichen Gemeinschaften, ein. Flächendeckende Visitationen der kirchlichen Institutionen galten als geeignetes Mittel zur Durchsetzung der entsprechenden Konzilsbeschlüsse. Dazu diente z.B. auch die Visitationsreise des Generalabtes der Zisterzienser, Nicolaus Boucherat (1574). Er visitierte zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich in der Absicht, eine verschärfte Observanz durchzusetzen und besuchte das Kloster Roermond am 25.8.1574. Nach seinem Bericht war das Kloster berühmt und ein sehr elegantes Bauwerk. Er hatte aber am Verhalten der 16 Nonnen und 25 Konversenschwestern nichts auszusetzen. Die Äbtissin (Elisabeth von Flodrop) sowie auch weitere Nonnen waren gebildet und treu (Quelle: Postina S. 264 a.a.O.).
       In der Folgezeit veränderten sich offenbar aber die Lebensverhältnisse des Konvents durch den fortschreitenden Prozess der Verweltlichung und den inneren Streit der Nonnen um ihre Privilegien.
1598 - 1604
Im Jahr 1598 starben 1400 Einwohner der Stadt Roermond an der Pest.
Agnes van Imstenraedt (aus einer angesehenen Adelsfamilie, Klostereintritt 1570)  wurde 1598 Äbtissin. Vor allem geriet sie während ihres kurzen Abbatiats in einen Konflikt mit dem Bischof wegen des traditionellen Kirchweihfestes, das stets Pfingsten stattfand mit einer Prozession durch die Stadt von der Münsterkirche aus. Das Patronatsfest sollte nach dem Willen des Bischofs am Dreifaltigskeitsonntag gefeiert werden und die Prozession von seiner Kathedralkirche ausgehen. Die Äbtissin hielt sich jedoch nicht an seine Anordnungen; auch hatte ihre Beschwerde beim Brüsseler Hof keinen Erfolg. Der Vorgang bot den kirchlichen Instanzen nunmehr Anlass, die Nonnen zu disziplinieren. Selbst der Papst Clemens VIII beklagte sich 1599 in einem Brief, dass die Nonnen sich nicht an die Klausurgebote hielten, keine „Zucht“ mehr im Kloster herrschte und Visitationen nicht stattfänden und er wegen der Schwäche des Ordens eingreifen müßte; er ernannte den Bisschof zum Apostolischen Visitator des Klosters, dem die Nonnen aber eine Visitation verweigerten (Quelle: C. DAMEN O.S.B. in: Bulletin van de historische Kring Het Land van Heerle, 10.J., Juli/August 1960, S.77 Agnes Abdis van Roermond).
Offenbar fügten sich die Nonnen in der Folgezeit, da weitere Mitteilungen nicht überliefert wurden. Auch setzte die einsetzende Gegenreformation mit den unrühmlichen Hexenprozessen in Roermond (1613-14) andere Schwerpunkte.

1604 - 27

Die Äbtissin Anna von Reuschenberg zu Overbach leitete seit 1604 das Kloster. Als der Kamper Vaterabt Lorenz von Bever (1622-36) die Verschärfung der Observanz im Sinne des Konzils von Trient erneuern wollte, stieß er auf den Widerstand der Nonnen und ihrer geldrischen Angehörigen. Mit den gegensätzlichen Auffassungen über die Aufnahme von nichtadeligen Nonnen war vor allem ein Streit um die Privilegien (besonders die Verteilung des Klostervermögens an die adeligen Nonnen) verbunden. Die Nonnen versuchten 1625, mit Unterstützung des Erzherzogs Albrecht die päpstliche Erlaubnis zur Umwandlung des Klosters in ein weltliches Adelsstift zu erhalten, hatten aber keinen Erfolg.
Anna von Reuschenberg galt dem Kamper Abt nicht als kooperativ und wurde 1626 abgesetzt. Die Priorin Susanna Pardo des Zisterzienserinnenklosters Sparmalie bei Brügge wurde zur Nachfolgerin nominiert. Die Deputierten aus dem Adel und den Städten des Oberquartiers beschwerten sich 1626 beim König ohne Erfolg über die Absetzung der Äbtissin. Die Statthalterin, Erzherzogin Isabella, forderte Ende 1627 den Grafen von Berg und den Rat von Geldern auf, den Kamper Abt sowie die neue Äbtissin bei der Reform der Münsterabtei zu unterstützen, und gebot der abgesetzten Äbtissin, die offenbar nicht aufhörte, Widerstand zu leisten und ihre Nachfolgerin zu diffamieren, das Kloster zu verlassen.
Anna von Reuschenberg starb am 15.08.1629 vermutlich im Benediktinerinnenkloster St.Anna in Aachen (Quelle: Inschriftenkatalog Stadt Aachen zur Grabplatte der Äbtissin im Aachener Dom). Ihre Schwester Johanna (Subpriorin en Novizenmeisterin in der Münsterabtei) verbrachte aufgrund der Vorfälle mehrere Jahre außerhalb des Klosters.

1627

Susanna Pardo, von spanischer Abstammung und Priorin der Zisterzienserinnenabtei Sparmalie bei Brügge, wurde für die Wahl zur neuen Äbtissin (1627–42) der Münsterabtei nominiert. Sie hatte das Vertrauen des Generalvikars des Zisterzienser, Bernardus Campmans, der ihre Nominierung von der Erzherzogin Isabella erreichte, um in der Münsterabtei die „Klosterzucht“ d.h. eine verschärfte Observanz im Sinne des Konzils von Trient, herzustellen. Diese Reform gelang der Äbtissin offenbar weitestgehend mit Hilfe reformbereiter Nonnen, die sie aus Brügge mitbrachte, trotz der äußeren Bedrängnisse durch den 30-jährigen Krieg und insbesondere während der Besetzung der Stadt Roermond von 1632 bis 1637 durch Truppen der Generalstaaten. Nach dem Tode der Äbtissin (1642) brachen die früheren Zwiste im Konvent offen aus.

1654 - 67
Nach dem Tod der Äbtissin A.Hermanna de Poll (1649-54) wurden die alten Privilegien der adeligen Nonnen unter dem Druck ihrer adeligen Verwandten wieder eingeführt. Der Abt der Abtei St. Bernardabtei Judocus Gillis, Generalvikar des Zisterzienserordens für die Niederlande, erhielt daraufhin vom Brüsseler Hof den Auftrag, das weltliche Leben der Nonnen und die Zänkereien der Nonnen zu beenden. Er erreichte, dass auf seinen Vorschlag Francisca d'Alsace de Boussu aus dem Zisterzienserinnenkloster „ter Kameren“ in Brüssel zur Äbtissin der Münsterabtei (1656–67) nominiert wurde. Diese übernahm nicht nur die Verwaltung einer hoch verschuldeten Abtei, sondern es ereigneten sich in ihrer Regierungszeit noch zwei große Katastrophen: Die Überschwemmungen des Durchbruchs der Rur am Hellegat 1663 (Mündungsbereich der Rur in die Maas) und der zweite großer Stadtbrand 1665) verursachten der Abtei große wirtschaftliche Schäden. Der Stadtbrand beschädigte Kloster und Münsterkirche erheblich. Insbesondere mußte die westliche Kirchenseite völlig erneuert werden, die neue laternenartige Glockentürme erhielt (Fertigstellung 1716). Die Bevölkerung wurde bis zum Jahre 1677 mit beträchtlichen Steuern zum Wiederaufbau der Stadt belastet. Seit 1662 hatte die Äbtissin noch Unannehmlichkeiten mit dem Roermonder Bischof, so dass sie 1667 das Kloster Roermond verließ, um Nachfolgerin der verstorbenen Äbtissin ihres früheren Klosters ter Kameren zu werden.

1667 - 1706
Die neue Äbtissin Maria Margaretha von Weyenhorst ex Donck, die 1667 vom Abt von Valdieu geweiht wurde, trat ein schwieriges Erbe an. Durch die anhaltenden Kriege, Plünderungen, Kontributionen und Teuerungen konnten die Klosterhöfe keine oder nur geringe Pachtzinsen bezahlen. Mehrmals mußte das Kloster Einquartierungen ertragen, obwohl es hiervon eigentlich durch den Statthalter befreit war. Der Magistrat machte die Äbtissin für die Folgen des Durchbruchs der Rur verantwortlich. Sie mußte mit Zustimmung des Hofes von Roermond und des Abtes von Valdieu erneut Schulden machen, um einer angedrohten Zwangsvollstreckung ihrer Gläubiger zu entgehen. Sie überwarf sich mit dem Bischof von Roermond, der sie 1684 vor den königlichen Gerichtshof zitierte. Im Konvent herrschten Unzufriedenheit und Streitereien. Als Roermond von 1702 bis 1716 zur Republik der Vereinigten Niederlande gehörte, überließen die Generalstaaten die Klagen der Nonnen dem Roermonder Bischof zur Entscheidung. Man entzog der Äbtissin 1702 alle Verwaltungsaufgaben und legte ihr den Verzicht auf das Amt nahe.
Die Äbtissin M.M. Weyenhorst dankte 1706 ab und verlies offenbar das Kloster, da ihr Sterbetag nicht im Nekrolog des Klosters verzeichnet ist, zusammen mit der Nonne Theodora von Lansbergh, die sich nicht fügen wollte und die nach Meinung des Bischofs seit 20 Jahren den Konvent aufwiegelte.
Der Konvent wurde auf Veranlassung des Vaterabtes von Valdieu und des Bischofs von Roermond aufgefordert, die Nonne Albertine Reede van Saesvelt aus dem Zisterzienserinnenkloster Burtscheid bei Aachen zur neuen Äbtissin zu wählen (mit 8 von 10 Stimmen gewählt), die vom Abt von Valdieu (Visitator der Klöster Burtscheid und Roermond) favorisiert und als gute Wirtschafterin bezeichnet wurde.

1706 - 28

Nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekrieges 1714 wurde das geldrische Oberquartier nochmals neu aufgeteilt. Der größte Teil des Oberquartiers fiel an Preußen, während Österreich als Haupterbe der Spanischen Niederlande nur die Stadt Roermond mit Gebieten um Weert im Westen und den Gebieten von Elmpt und Niederkrüchten im Osten umfaßte. Dieser Zustand blieb bis zum Jahr 1794 bestehen, bis französische Revolutionstruppen die südlichen Niederlande und das linke Rheinland besetzten.
Das Kloster erlebte in der Zeit bis etwa 1770 unter den Äbtissinnen Anna Francisca van der Heyden (ab 1728), genannt Belderbusch, und Maria Cecilia van Eyck de Nuenen (+1771) zunächst noch eine ruhige Phase, mußte danach unter Kaiser Joseph II. mit seiner Auflösung rechnen, da die Klöster, die sich nicht mit Schulbildung, Krankenbetreuung oder seelsorgerischen Aufgaben beschäftigten, im Sinne des „aufgeklärten Absolutismus“ überflüssig und ohne Nutzen für die Allgemeinheit waren (Josephinischer Klostersturm). Ab 1782 wurden verschiedene Klöster in Roermond aufgehoben; die Münsterabtei konnte eine Aufhebung unter ihrer letzten Äbtissin Maria Josepha de Broich (+ 1808) bis 1797 hinauszögern.

1792
Die Stadt wurde erstmals von französischen Revolutionstruppen unter General De Miranda erobert. Im März 1793 eroberten die Österreicher Roermond wieder zurück, bevor es im April 1794 endgültig von den Franzosen bis 1814 besetzt blieb.

1794 - 97
Die letzten 8 Nonnen flohen im Juli 1794 aus der Stadt und fanden Zuflucht in der Prämonstratenser-Abtei Duisburg-Hamborn. Sie kehrten im Juni 1795 wieder zurück, weil vielen Emigranten unter bestimmten Bedingungen bei einer Rückkehr das Eigentum zurückerstattet wurde. Die Nonnen mußten jedoch das Kloster nach seiner Aufhebung am 17.02.1797 endgültig verlassen.
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 25.06.2016