Netze

Zeit nach der Aufhebung

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Bild 9: Klosterkirche, Innenansicht

1552
Der Niedergang des Dorfes dürfte auch Auswirkungen auf das Kloster gehabt haben: Das Dorf Netze wurde 1552 durch den Ritter von Dalwigk mit seinen Kriegsknechten ausgeplündert. Innerhalb der Grafschaft Waldeck hatten sich kleine Adelsgeschlechter eigene Machtbereiche geschaffen, so z.B. die Herren von Dalwigk im Amt Lichtenfels. Möglicherweise handelte es sich um einen späten Racheakt für die Vertreibung der Dalwigker von den Burgen Naumburg und Weidelsburg, die von diesen Burgen aus im 15.Jahrhundert im Auftrag des Erzbischofs von Mainz das Grenzgebiet zwischen Hessen und Waldeck kontrollierten.

1553
Die Klostergüter wurden 1553 in eine gräfliche Meierei (Gutshof mit ca. 1.000 Morgen Land) umgewandelt und unter die landesherrliche Verwaltung gestellt. Graf Philipp IV. von Waldeck schloss mit Äbtissin und Konvent einen Vergleich, der den noch im Kloster lebenden Nonnen vertraglich aus den Einkünften des Gutshofes „Freien Tisch nach des Hauses Vermögen“ garantierte. Tatsächlich verbrachten die Nonnen aber ihre letzten Lebensjahre in Not und großer Armut vor allem durch die 1553 und 1567 herrschenden Pestepidemien, durch die die Ortschaft Netze weitgehend verödete. Der letzte Klosterpfarrer Otto Kurzledder beschrieb in der Netzer Klosterbibel das Leid jener Zeit: „Anno 1553 habe ich, Otto, begraben hier zu Netze 100 Menschen, den(en) Gott gnade“.

1557
Das Kloster hatte in der Vergangenheit Schulden machen und dafür z.B. die Einkünfte aus einem Besitz bei Naumburg (Altenstädt) für 40 Thaler verpfänden müssen, denn Philipp d.Ä., Graf von Waldeck, genehmigte seinem Sekretär Nikolaus Weigel, die Schuldverschreibung des Klosters Netze zu erwerben.

1565
Die letzte Äbtissin Katharina von Rhena starb 1565, die letzte Nonne 1577.

1567
Über 200 Menschen starben in Netze an der Pest.

1618 – 48

Netze wurde im 30-jährigen Krieg durch schwedische und kaiserliche Truppen so zerstört, dass von 72 Wohnstätten nur noch 22 bewohnbar waren. In Netze lebten schließlich nur noch 13 Männer.

1666
Der Turmhelm der Klosterkirche wurde durch Blitzschlag zerstört. Es dauerte 20 Jahre bis der Turm eine „Welsche Haube“ erhielt.

1763
Der 7-jährige Krieg brachte für Netze eine neue Katastrophe. Das Dorf mußte mehrere Jahre wechselnde Besatzungstruppen aus Franzosen, Hessen, Braunschweiger und Engländer ertragen. Danach waren nur noch 7 Wohnstätten bewohnbar.

1800

Die Klostergebäude mit Kreuzgang wurden abgebrochen. Hier liegt der heutige Friedhof.

1845 – 46
Die Kirche erhielt ein neues Dach mit einer geringeren Neigung als das alte Dach. Daraufhin stürzte ein Teil des Seitenschiffs mit einem Teil der Nonnenempore ein. Außerdem wurde die Nonnenempore im Mittelschiff teilweise abgebrochen, so dass heute nur etwa ein Viertel der ursprünglichen Empore noch vorhanden ist.

1975 - 77
Der Dachstuhl der Kirche erhielt wieder seine ursprüngliche Höhe. Die Grabkapelle wurde saniert.
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 18.08.2017