Netze

Gründungszeit

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Bild 4: Gotischer Flügelaltar ca. 1400 (unbekannter Meister)
Die Stammburg Waldeck gelangte im 12. Jahrhundert aus dem Besitz der Grafen von Ziegenhain durch Heirat an die Grafen von Schwalenberg, die ihr Territorium westlich der Weser zwischen Hameln, Höxter und Bielefeld dadurch im Raume Korbach, Wildungen und Waldeck erweitern konnten. Waldeck war ein Lehen des Erzbistums Mainz. Durch Erbteilung zwischen den Brüdern Volkwin und Adolf von Schwalenberg wurde 1228 das Waldecksche Gebiet von der Grafschaft Schwalenberg abgetrennt und fiel an Adolf (1228-70), der außerdem die Vogteien über die Klöster Schildesche, Falkenhagen und Netze erhielt. Adolf nannte sich nach der Burg Waldeck und gilt als als Gründer der Grafschaft. Seine Bemühungen und die seiner Nachfolger um den Ausbau der Landesherrschaft führten zu häufigen Konflikten mit den Nachbarterritorien (Erzstifte Köln und Mainz, Hochstift Paderborn) um die territoriale Vorherrschaft. Die Grenzen des Landes wurden besonders durch die Gründung bzw. Befestigung neuer Städte (z.B. Rhoden, Landau, Sachsenhausen, Freienhagen oder Wildungen) gesichert.
Nach der Stiftungsurkunde für das Kloster Netze wollten die Brüder Volkwin und Adolf von Schwalenberg für ihr Seelenheil durch großzügige Spenden von Almosen und Errichten von Kirchengebäuden Nachlass von Sündenstrafen für begangene kriminelle und lässliche Vergehen erreichen (" per largitionem elemosinarum et sanctarum edifficationem ecclesiarum tam criminalium quam venialium absterguntur delicta peccatorum"). Die angebliche Verstrickung der Grafen in den Mord an Erzbischof Engelbert I. von Köln (1225) läßt sich nicht belegen. Die Brüder wurden jedoch aufgrund ihrer Fehden mit dem Hochstift Paderborn 1227 geächtet und verloren vorübergehend ihre Paderborner Lehen. Insbesondere wurde Adolf beschuldigt, dem Bischof Wilbrand mit 100 bewaffneten Männern nachgestellt zu haben (Quelle: Varnhagen S. 286-294 a.a.O.). Die Brüder unterwarfen sich dem Paderborner Bischof und stifteten 1228 gemeinsam die Klöster Falkenhagen (Lügde) und Marienthal (Netze) für Nonnen des Zisterzienserordens. Die Klosterstiftungen dürften daher eher mit der Lösung der Grafen aus dem Kirchenbann in Verbindung stehen.
Der Name des Ortes Netze wurde erstmals 1216 urkundlich nach dem gleichnamigen Geschlecht erwähnt, das über Jahrhunderte in Netze ansässig war.

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 01.07.2018