Netze

Gründungszeit

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Bild 4: Gotischer Flügelaltar ca. 1400 (unbekannter Meister)

Die Grafen von Schwalenberg waren um 1200 die mächtigsten Herren im westlichen Wesergebiet zwischen Minden und Höxter. Ihre Herrschaft gründete sich auf den Besitz der Vogteien des Klosters Corvey und des Hochstifts Paderborn. Sie besaßen ferner die Stadt Herford als kurkölnisches Lehen und Vogteirechte über weitere Klöster (Gehrden, Herford, Marienmünster, Willibadessen, Flechtdorf). Sie gelangten außerdem in den Besitz der Grafschaft und der Burg Waldeck. Volkwin IV. von Schwalenberg erbte um 1224 die Grafschaft Waldeck, die er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Adolf bis 1228 regierte. Aufgrund einer Erbteilung (Volkwin starb 1228) erhielt Adolf I. (1228-70) die Grafschaft Waldeck und benannte sich nach der Burg Waldeck; er gilt als Stammvater des Hauses Waldeck.
Die Brüder wurden nach Fehden mit dem Hochstift Paderborn 1227 geächtet und mußten ihre Paderborner Lehen 1227 zurückgeben. Insbesondere wurde Adolf beschuldigt, dem Bischof Wilbrand mit 100 Bewaffneten nachgestellt zu haben (Quelle: Varnhagen S. 286-294 a.a.O.). Sie unterwarfen sich dem Paderborner Bischof, erhielten ihre Lehen zurück und stifteten 1228 gemeinsam das Kloster Marienthal in Netze für Nonnen des Zisterzienserordens. Die Grafen von Waldeck schufen sich damit auch ein Hauskloster und eine Begräbnisstätte.
Nach der Stiftungsurkunde wollten sie für ihr Seelenheil durch großzügiges Spenden von Almosen und Errichten kirchlicher Gebäude Vergebung von Sündenstrafen für begangene kriminelle und lässliche Vergehen erreichen  (" per largitionem elemosinarum et sanctarum edifficationem ecclesiarum  tam criminalium quam venialium absterguntur delicta peccatorum"). Die angebliche Verstrickung der Grafen in den Mord an Erzbischof Engelbert I. von Köln (1225) läßt sich nicht belegen. Die Klosterstiftung dürfte vielmehr mit der Lösung der Grafen aus dem Kirchenbann ursächlich in Verbindung stehen.
Die Stiftung fiel in die Zeit, in der die Gründung von neuen Zisterzienserinnenklöstern ihren Höhepunkt erreichte, das Generalkapitel jedoch ihre Aufnahme in den Orden verbot. Das Verbot führte vermutlich dazu, dass weitere Zisterzienserinnnenklöster in der Grafschaft Waldeck nicht mehr entstanden. Die Kirchen und Klöster in den waldeckischen Ämtern Waldeck und Wildungen unterstanden der Gerichtsbarkeit des Erzbischof von Mainz, vertreten durch den Archidiakon der Stiftskirche Fritzlar (Quelle: Varnhagen S. 64 a.a.O.).


 

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 28.03.2017