Netze

Zeit bis zur Aufhebung

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Bild 5: Grabkapelle St.Nikolaus des Fürstenhauses Waldeck

1228

Die Grafen Volkwin und Adolf von Schwalenberg statteten das Kloster bei der Gründung mit ihrer aus dem frühen 12.Jahrhundert stammende Eigenkirche in Netze sowie mit dem zugehörigen Patronat aus und verboten gleichzeitig ihren Dienstleuten die Jurisdiktion über alle der Kirche gehörenden Güter (Quelle: Varnhagen, Stiftungsbrief UB Nr. XIX a.a.O.). Das Kloster war Hauskloster und Erbbegräbnisstätte der Grafen von Waldeck sowie deren Angehörige, es wurde im Laufe seiner Geschichte großzügig vom Grafenhaus unterstützt.
Zwischen 1229-38 hatten der Kardinallegat Otto und der Kölner Erzbischof mehrere Ablässe für alle erteilt, die mit ihren Spenden zum Ausbau der Klosteranlage beitragen würden (Quelle: Hock, S. 497 a.a.O.). Die Errichtung und die Grundversorgung des Klosters wurden insbesondere durch Stiftungen des Grafen von Waldeck und seiner adeligen Dienst- bzw. Burgleute (z.B. Reinhold und Konrad Rhene, Hermann und Heinrich Brotrump, Konrad Bulemast, die Brüder Wendesack, Heinrich und Konrad von Selbach u.a.) sichergestellt, die dem Kloster in der Gründungsphase bis 1240 Ländereien und Güter in Netze und Waldeck mit den zugehörigen Einkünften übertrugen (Quelle: Varnhagen S. 50 a.a.O.).
Das Kloster erhielt nach 1236 auch das Patronat über die Kapelle in der Burg Waldeck und über die Kirche in der Stadt Waldeck, denn urkundlich bestätigte 1276 der Vizepropst von Fritzlar, dass Klosterpropst, Äbtissin und Konvent des Klosters Netze in Übereinkunft mit dem Grafen Adolf I.von Waldeck einen neuen Vikar für die Kapellen präsentiert hätten (Quelle: WUB, IV Nr. 1421 a.a.O.). Ein erster Bauabschnitt des Klosters mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden war vermutlich bis 1240 fertiggestellt.

1240 - 1300

Die Urkunden des Klosters von 1240 bis 1300 (Westfälisches Urkundenbuch Bd.IV sowie Bestand Nr. 85 des Hessischen Staatsarchivs Marburg) befassen sich mit der Übertragung bzw. dem Ankauf von Grundbesitz, Zehntrechten und Hausstätten vornehmlich im Bereich der heutigen Stadt Waldeck (z.B. Netze, Drunge, Freienhagen, Selbach, Berndorf, Nelach, Holzhausen, Dehringhausen, Sachsenhausen, Höringhausen, Bufhem) und der heutigen Gemeinde Edertal (z.B. Bergheim, Affoldern, Anraff, Böhne, Buhlen, Giflitz, Mehlen und Wellen). Ein Teil der Güter lag aber auch in benachbarten Regionen (z.B. Itter, Wolfhagen, Korbach, Naumburg und Wetzlar).
Erzbischof Siegfried von Mainz gestattete 1244 dem Kloster Netze, verpfändete Zehntrechte (abzulösen und) an sich zu bringen (Quelle: HStAM 85, Nr. 8769 a.a.O.). Die Pröpste Heinrich von Netze und Friedrich von Berich bestätigten 1251, dass Wolpert von Borken (Kanoniker in Fritzlar) den Klöstern Netze und Berich die Mühle bei Welden zum gemeinsamen Eigentum schenkte (Quelle: WUB IV, Nr. 441 a.a.O.).   Graf Adolf I. von Waldeck und seine Söhne schenkten 1261 aus ihren Einkünften zu Sachsenhausen eine jährliche Fruchtlieferung von 20 Mütte Weizen und Hafer (Quelle: WUB IV, Nr. 886). Mechthild von Arnsberg stiftete 1267 zum Andenken an ihren verstorbenen Mann Heinrich III. von Waldeck (+1267) mit ihren Kindern Adolf, Gottfried und Otto ein Jahrgedächtnis und schenkte dem Kloster für "ewige Zeiten" eine jährliche Fruchtlieferung von neun Malter (Quelle: WUB, IV Nr. 1129). Otto I. von Waldeck verkaufte 1290 dem Kloster Netze seine Güter in Nelach (Quelle: WUB, IV, 2078).
Zu den Förderern des Klosters gehörten ferner die Herren von Netze, die als Ministeriale der Grafen von Waldeck bis ins 16. Jahrhundert in Netze begütert waren und mehrfach als Zeugen erwähnt wurden.
Aus den Urkunden gehen die Namen weiterer Stifter hervor, die Lehensbesitzungen in und um Netze mit Zustimmung des Lehnsherrn, außerdem Meßstiftungen sowie Frucht- bzw. Geldleistungen oder Zehntrechte dem Kloster übereigneten (z.B. Lauterbach, Itter, Naumburg, Mühlhausen, Opholt, Brotrump, Bohne, Bulemast, Escheberg, Rhene, Bitersole, Kerickaster, Wigele-Wizele, Wiera, Nelach, Lochtscuren, Spiring, Hund, Schardenberg, Klingen, Kleinern oder Waldenstein). Teilweise stimmen die Personennamen mit mehreren Ortsbezeichnungen überein. Auch Bürger der nahen Städte Naumburg, Fritzlar oder Wetzlar zählten zu den Förderern des Klosters (Quelle: WUB, IV Nr. 1123a: der Wetzlarer Bürger Eckehard schenkte dem Kloster Netze 1267 die Einkünfte aus verschiedenen Gütern im Bereich der Stadt Wetzlar).
Die Nonnen dürften vorwiegend aus diesem Personenkreis der Ritter und Burgleute sowie der wohlhabenden Patrizierfamilien stammen. Beispiele aus der Anfangszeit des Klosters belegen bereits, dass Eltern zur angemessenen sozialen Absicherung ihrer Töchter beim Klostereintritt Geld- oder Sachleistungen dem Kloster übertrugen und die Nonnen durchaus Privatvermögen besitzen durften. Gotschalk von Mülhausen gab 1236 seiner Tochter einen Geldbetrag ins Kloster Netze mit (Quelle HStAM 85, Nr. 8762 a.a.O.). Die Edelleute Dietmar und Adelheid von Wiera übertrugen dem Kloster 1256 alle in Netze gelegenen Güter für den Lebensunterhalt ihrer in das Kloster eingetretenen Tochter (Quelle: WUB IV, 675 a.a.O.). Der Ritter Heinrich Kerickaster und seine Frau verzichteten zugunsten ihrer Tochter Enstela und des Konvents auf Lehensgüter in Netze, die sie von den Herren von Naumburg besaßen (Quelle: WUB IV, 1051 a.a.O.). Aus einer Urkunde von 1277 geht hervor, dass einer Nonne in Netze auf Lebenszeit eine Rente aus einem Haus in Paderborn zustand (Quelle: WUB, IV 1493 a.a.O.).
Die wirtschaftliche Verwaltung des Kloster lag in den Händen einflußreicher Pröpste, die bis in das 15. Jahrhundert bei den urkundlich belegten Geschäften des Klosters (Landkäufe, Verpachtungen, Kredite) namentlich genannt wurden. Vermutlich übten die Pröpste auch die seelsorgliche Betreuung der Nonnen aus. Über die Anzahl der im Konvent lebenden Nonnen gibt es für den betrachteten Zeitraum keine Nachrichten.

1280 - 87
Die vorhandene Kirche (zweischiffig und dreijochig) wurde für die Bedürfnisse der Nonnen und der Dorfbewohner umgebaut bzw. neu errichtet (Nonnenempore und Unterkirche für Dorfbewohner) und soll 1280 eingeweiht worden sein. Nur der Kirchturm aus der vorklösterlichen Zeit blieb erhalten. Aus dieser Bauphase dürfte auch die Grabkapelle
St. Nikolaus für die Grafen von Waldeck stammen, in der Angehörige der Waldecker Grafenfamilie bis 1690 bestattet wurden. Neubau und Ausstattung der Klosterkirche wurden besonders durch Spendengelder aus verschiedene Ablässen in den Jahren 1282-87 finanziert. Der Erzbischof von Mainz forderte 1287 zu weiteren Spenden für die Ausstattung (Leinen, Bücher, Kleidung und Altarschmuck) des Klosters auf (Quelle: Hock, S. 497 a.a.O.).

1300

Die Zugehörigkeit des Klosters Netze zum Orden der Zisterzienser wurde in der Stiftungsurkunde und mehrmals in verschiedenen Urkunden zwischen 1250 bis 1300 erwähnt (Quelle: WUB 4, Nrn. 682, 1805, 1913, 2003 a.a.O.). In den Waldeckschen Amtsbezirken Waldeck und Wildungen unterstanden die Klöster (Berich, Hönscheid, Netze und Werbe ) sowie die Hospitäler (in Sachsenhausen, Waldeck und Wildungen) dem Erzbischof von Mainz bzw. dem Archidiakon des Stifts St. Peter in Fritzlar (Quelle: Varnhagen S. 31, 64- 69 a.a.O.). Die Nonnen dürften nach den Statuten und Gebräuchen des Ordens gelebt und das kontemplative Leben gepflegt haben, das sie zu Fürbitten für das Seelenheil ihrer Wohltäter als Gegenleistung für die vielen Zuwendungen besonders verpflichtete.
Der Archidiakon - auch Offizial - von Fritzlar bestätigte viele Rechtsgeschäfte des Klosters bis ins 15. Jh. hinein und entschied Streitfälle, die üblicherweise in die Zuständigkeit eines Vaterabts fielen. Noch 1452 wurde Bernhard von Wolmeringhausen (Dechant in Fritzlar) als Konservator der Rechte der Zisterzienser bezeichnet, als er in einem Streitfall um 100 Schafe zu Gunsten des Klosters entschied (Quelle: HStAM, Bestand 85, Nr. 9018 a.a.O.). Schließlich lud Otto Korff, Domdechant in Münster und Konservator des Zisterzienser-Ordens, 1493 den Stiftsherrn Johannes Schacht in Fritzlar, der dem Kloster Netze ein Vermächtnis vorenthielt, und Wenselo von Dalwich, der die Mühlen bei Naumburg für sich beanspruchte, vor sein Gericht (Quelle: HStAM, Bestand Urk. 85, Nr. 9043 a.a.O.). Erst 1487 wurde Netze in den Orden der Zisterzienser inkorporiert und dem Kloster Marienfeld unterstellt.
Kloster Netze hatte durchaus Verbindung zu anderen Klöstern der Umgebung, z.B gehörte Netze zu den vielen Frauenklöstern der Zisterzienser in Westfalen, Waldeck und Hessen, die eine Gebetsgemeinschaft bildeten und Spenden und Almosen für den Wiederaufbau des Nonnenklosters Küstelberg in Glindfeld sammelten (Quelle: Seibertz, UB Nr. 480 a.a.O.). Das Kloster Werbe zahlte dem Kloster Netze ab 1245 jährlich sechs Denare für gepachtete Güter in Reinbrachtshausen. Der Pachtzins wurde offenbar nicht regelmäßig bezahlt, da Werbe 1399 versprach, dem Kloster Netze den Zins von sechs Pf. nunmehr regelmäßig zu zahlen (Quelle: HStAM, 85 Nr. 8771 , 8987 a.a.O.). Das Kloster Merxhausen verkaufte 1284 dem Kloster Netze ein Gut mit Gewässern, Wäldern, Wiesen, Fischteichen und Länderein in Mehlen (Quelle: WUB IV, 1805). Das Kloster Volkhardinghausen verkaufte 1288 sein Gut zu Rikmarenchusen (vermutlich in Waldeck-Dehringhausen) dem Kloster Netze (Quelle: WUB, IV 2003). Der Propst Berno, die Äbtissin Margarethe und der Konvent von Netze verkauften 1307 den Klosterbesitz in Kaltpach für 29 hessische Talente dem Stift Immichenhain vermutlich aufgrund der großen Entfernung (Quelle: HStAM, Immichenhain Urk. 31, 45). Das Kloster Georgenberg verkaufte 1335 an Kloster Netze seine Güter in Kleinern (Quelle: HStAM, 85 Nr. 8660 a.a.O.).
 

1300 -

Die wirtschaftliche Entwicklung des Klosters setzte sich kontinuierlich fort, so dass das Kloster bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zu einem beachtlichen Wohlstand kam. In mehr als 130 Urkunden wurden vorwiegend Landschenkungen, Meßstiftungen, Ankauf von Gütern bzw. Ländereien, Mühlen und Zehntrechten sowie Verpachtungen von Klosterländereien und Kreditgeschäfte behandelt (Quelle: HStAMarburg,
Bestand 85 Fürstentum Waldeck, Regesten).

Das Kloster nahm sog. Familiare in seine Gemeinschaft auf, die ihr Vermögen dem Kloster gegen eine lebenslange Versorgung übertrugen (Quelle: HStAM, 85 Nr. 8867: Albert und Guda Nauen vermachten ihr Vermögen dem Kloster Netze und wurden dafür in dessen Bruderschaft aufgenommen).
Die Viehzucht, insbesondere Schafzucht und Verarbeitung von Wolle, scheint eine besondere Erwerbsquelle gewesen zu sein.
Die Urkunden im betrachteten Zeitraum zeigen, dass das Kloster mit unterschiedlichen Versorgungsgütern für die einzelnen Nonnen ausgestattet wurde, über die vermutlich der Konvent verfügen konnte und die erst nach dem Tod der Nonnen endgültig in den Besitz des Klosters übergingen. Gegen Ende des Jahrhunderts wird aber deutlich, dass auch Nonnen durchaus Privatbesitz hatten (Quelle: HStAM, Bestand 85, Regesten a.a.O.): Propst Johannes von Immichenhain und Propst Berno von Netze schenkten 1305 ihrer Verwandten Gertrud, Nonne in Netze, und nach deren Tode diesem Kloster sechs Schilling von vier Plätzen in Naumburg. Dietrich von Sachsenhausen vermachte 1316 seinen Töchtern Adelheid und Gertrud, Nonnen in Netze, drei Teile einer Hufe in Welden und
13 Denare in Hagen. Gerlach Steingosse verschrieb 1322 seiner Tochter, Nonne in Netze,
25 Schilling von seinem Hause in Fritzlar. Abraham von Weldersenhusen schenkte 1336 dem Kloster Netze für seine Nichte Goda eine Hufe in Bömighausen. Johannes und Adelheid Richardi verschrieben 1351 ihrer Tochter Adelheid, Nonne in Netze, verschiedene Zinseinnahmen aus Ober- und Nieder-Elsingen auf Lebenszeit. Die Grafen Heinrich und Adolf von Waldeck übereigneten 1380 an drei Nonnen in Netze (Gelud, Emelud und Katherine Katzmann) eine Hufe in Welden.
Das Kloster zahlte aus seinem Vermögen den Nonnen auch eine Präbende, da 1378 Konrad Unruh, Propst von Netze, dem Kloster zur Aufbesserung der Präbenden mehrere Kornrenten schenkte (sechs Mutt aus dem Zehnten auf dem Berke, zehn Mutt aus angekauften Gütern und acht Mutt aus Netze). Zwei Nonnen in Netze (Kunne Ywan und Else Stringotz) besaßen offenbar eigene Geldmittel, da sie 1381 versprachen, zwei fremde Schuldverschreibungen über 24 und 20 Gl. und zehn Mutt Korn partim Zinsen einzulösen.


1325

Etwa um 1325/30 wurde die Klosterkirche (Langhaus mit breitem Hauptschiff ohne Chor und einem schmalen nördlichen Seitenschiff) um 2 Joche nach Osten verlängert. Im Zuge der Kirchenerweiterung wurde vermutlich der heutige Seiteneingang zur Kirche angelegt.
Diese Bauarbeiten wurden durch Spenden aus Ablässen, vermutlich auch aus Einzelspenden  sowie aus Krediten einzelner Nonnen bzw. Wohltäter finanziert. Allein

12 Bischöfe gewährten 1326 allen Helfern des Klosters Netze je einen Ablaß von

40 Tagen (Quelle: HStAM 85, 8849 - Der Offizial Johannes der Fritzlarer Propstei bescheinigte 1424 die Richtigkeit der Abschriften von 17 Ablaßbriefen für das Kloster Netze, ausgestellt zwischen etwa 1280 bis 1354).  Propst Johannes und Konvent verkauften 1326 zu Leibrente an die Nonnen Elisabeth und Hellenburg Slith vier Muttpartien in Sachsenhausen. Der Erzbischof Mathias von Mainz bestätigte 1326 alle bisher dem Kloster Netze gewährten Ablässe und erteilte selbst allen Wohltätern des Klosters einen neuen Ablaß (Quelle: Regesten der Erzbischöfe Mainz 1,1 n. 2757 in: Regesta Imperii Online).
Weitere Schulden des Klosters in der ersten Hälfte des 15. Jhs. standen vermutlich mit den Bauarbeiten in Verbindung, sie konnten offenbar mühelos aus diversen Einnahmen (Ablaßgeldern, Schenkungen, Kreditaufnahmen bei Nonnen) zurückgezahlt werden (Quelle: HStAM, Bestand 85). Johannes von Brandenburg bescheinigte 1332 dem Kloster Netze die Zahlung seiner Forderungen. Propst Johannes von Netze bekundete 1335, daß ein Stiftungskapital des Johannes von Mysna zur Schuldentilgung des Klosters verwendet wurde. Kloster Netze zahlte 1345 alle Schulden an Berthold Pilgrim und dessen Söhne zurück.

 

1330 - 80

Kloster Netze erhielt offensichtlich in der Zeit zwischen 1330-80 reiche Zuwendungen: Adelheid von Rrykersbroch vermachte 1330 dem Kloster einen Hof und sieben Äcker in Nelach. Werner von Westerburg schenkte 1332 dem Kloster 38 Äcker und die Zehnten von 15 Äckern in Netze. Der Rat von Fritzlar bekundete 1335, daß Johannes und Agnes von Engelitz und ihr Stiefsohn Gebens Iwan sich verpflichteten, an dessen Schwester Kunigunde (Kunne Iwan wurde noch 1389 als Nonne in Netze erwähnt) und dann dem Kloster sechs Mutt Frucht partim von vier Morgen bei Fritzlar zu zahlen. Der Rat von Naumburg bekundete 1338, daß Albert und Guda Nauen ihr Vermögen dem Kloster Netze vermachten und dafür in dessen Bruderschaft aufgenommen wurden. Der Offizial der Fritzlarer Propstei bekundete 1344, daß Gundram und Jutta von Bergheim mehrere Äcker und zwei Wohnstätten in Bergheim dem Kloster schenkten. Johann von Biedenfeld verzichtete 1349 zu Gunsten des Klosters Netze auf alle Ansprüche an einem Gut in Ottersdorf. Propst Johannes von Netze schenkte 1351 dem Kloster 200 M. für Jahresgedächtnisse nach seinem Tod. Johann und Hille Kurdes vermachten 1357 dem Kloster fünf Morgen bei Freienhagen zu Seelgerät (Jahrgedächtnisse). Richard und Gele Becker versprachen 1372 dem Kloster Netze, von neuneinhalb Morgen bei Fritzlar zehn Viertel Korn partim Pacht zu zahlen. Graf Otto von Waldeck vermachte 1377 dem Kloster Netze vier Viertel Weizen aus Selbach für Jahresgedächtnisse.
Das Kloster war dadurch offenbar finanziell in der Lage, durch den Erwerb weiterer Immobilien und Zehntrechte in der näheren Umgebung seine Wirtschaftskraft und die Bildung zusammenhängerder Wirtschaftsflächen abzusichern. Das Kloster wurde größter Grundbesitzer in Netze. Jedoch gibt es keine weiteren Nachrichten über die Wirtschaftsführung des Klosters, die Produktion landwirtschaftlicher Waren und deren Verteilung durch die Stadthäuser des Klosters.
Nach den Urkunden (Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg, Bestand 85) lagen die Landerwerbungen in Nelach, Bringhausen, Netze, Kleinern, Dieringhausen, Bohne, Welden, Bergheim, Anraff, Waldeck, Elben, Ungedanken, Selbach, Königshagen und Höringhausen. Namentlich wurden dabei die Herren von Gozmari, Westerburg, Holzheim, Twerne, Spiring, Rhena, Emelud, Recklinghausen, Immighausen, Honde, Jäger, Kaufungen, Kleinern, Lotheim, Hagemeister, Geismar, Lauterbach und Gudemann genannt.


1350 - 57

Nach der Urkundenlage entwickelten nahezu alle Nonnen eigene Geschäftstätigkeiten. In den entsprechenden Regesten für den kurzen Zeitraum von 7 Jahren sind insgesamt
18 Frauen (teils mehrfach) namentlich aufgeführt. Da an anderer Stelle noch weitere Nonnen zwischen 1330-80 namentlich verzeichnet sind (Kunigunde/Kune Ywan, Else Stringotz, Lybeche Allendorf, Katharine Katzmann, Else Wildenberg, Kune Junge sowie Geze, Alheyt und Geyze von Recklinghausen) dürfte der Konvent aus 22 bis 25 Nonnen in der Blütezeit des Klosters bestanden haben. Zu dieser Personengruppe gibt es sonst keine weiteren Zahlenangaben.
Nach den Regesten besaßen die Nonnen mehr oder weniger Privatbesitz, der in der Regel nach ihrem Tod an das Kloster fiel. Sie scheinen vorhandenes Kapital häufig in Krediten angelegt zu haben. Mehrere Fälle im betrachteten Zeitraum sind allerdings im Hinblick auf das Armutsideal der Nonnen bemerkenswert, in denen einige Nonnen persönliches Vermögen oder erzielte Gewinne zum Nutzen des Klosters (z.B. als Kerzenspende, als allgemeine Spende, als Stiftung für Jahrgedächtnisse oder als Kredit für das Kloster) oder auch als Bürgschaft für Dritte verwendeten.
Propst Johannes und Konvent verkauften 1350 an Adelheid von Wolfhagen, Nonne in Netze, zwei Schillinge von einem Hause in Netze, die sie dem Konvent spendete. Der Offizial der Fritzlarer Propstei bekundete 1351, daß mehrere Herren von Welden eine halbe Hufe in Welden an Adelheid von Sachsenhausen und Kloster Netze für 22 Pf. verkauften. Propst Johann und Konvent erklärten 1352, daß sie der Nonne Jutta von Eisenberg einen halben M. von einem Hause in Sachsenhausen schuldeten, aber Jutta diese Zinsen dem Kloster spendete. Sophie von Holzheim und Adelheid von Norderbeck verkauften 1352 an Adelheid Knorre, Nonne in Netze, und an das Kloster für 15 Pf. eine halbe Hufe in Anraff. Der Rat von Freienhagen bekundete 1352, daß Kristine Scheive ihr Gut in Selbach an die Nonnen Elisabet Hellenburg, Lutgard Keimpe und Ida von Stockheim und nach ihrem Tode an das Kloster verkauft hätte. Heinrich von Kaufungen verkaufte 1353 eine halbe Hufe in Anraff an Adelheid von Sachsenhausen und Gertrud und Ermentrud Katzmann, Nonnen in Netze, und nach deren Tod an das Kloster. Die Nonnen Gertrud von Roedin (Rhoden) und Jutta von Vöhl kauften 1355 ein Gut in Gundramshagen für sechs M., die Rente sollte nach ihrem Tode an das Kloster fallen. Sophie von Holzheim verkaufte 1353 an Hilde von Kleinern und Adelheid Knorre, Nonnen in Netze, und nach ihrem Tode an das Kloster für sechs Pf. drei Äcker in Anraff. Ernst Steinweg und Hermann Hohnstein verkauften 1356 an Adelheid von Sachsenhausen sowie Gertrud und Emelud Katzmann, Nonnen in Netze, je ein Viertel ihres Gutes in Anraff für je 16 Tal. Der Konvent bekundete 1356, daß die Nonne Mechtild Richardi siebeneinhalb Turnose in Gundramshagen gekauft und zur Beschaffung von Kerzen bestimmt hätte. Propst Johannes und Konvent des Klosters bekundeten 1357, daß die Nonne Adelheid Kurre (Knorre) den Nonnen eine halbe Hufe und drei Äcker in Anraff zu ihrem Jahrgedächtnis geschenkt hätte. Propst Johannes und Konvent bekundeten 1357, daß die Nonnen Elisabeth von Wolfhagen und Kunigund von Ritte vier Mutt Korn partim in Kleinern und einen halben M. von einer Wiese und zwei Äcker bei Sachsenhausen für
16 M. und zehn Turnose gekauft hätten und daß die Zinsen nach ihrem Tode ans Kloster fallen sollen. Guntram Meisenbug und Alf Kellner übereigneten 1357 den drei Töchtern des Letzteren (Mechtild, Grete und Kunigunde) drei Äcker in Bergheim, die nach deren Tode an das Kloster fallen sollten.

Im 13. und 14 Jh. mußten etliche Streitfälle um Nutzungsrechte bzw. Eigentumsansprüche an Gütern, die dem Kloster beim Eintritt einer Nonne übertragen wurden, geschlichtet werden. Im einfachsten Fall kam es zum Verzicht auf Eigentumsansprüche zugunsten des Klosters. Vergleiche wurden vom Kloster mehrfach durch Zahlung einer Abfindung erreicht. Es kam aber auch zu Klagen gegen das Kloster vor einem geistlichen Gericht.
Die folgenden Beispiele stammen sämtlich aus dem Bestand 85 des Hauptstaatsarchivs Marburg: Der Rat von Volkmarsen bekundete 1272, daß mehrere Angehörige der Familie von Escheberg für ihre Ansprüche auf eine Hufe in Holzhausen und sechs Plätze in Netze, die dem Kloster gehörten, entschädigt wurden. Otto Hund verzichtete 1286 auf seine Ansprüche auf Güter in Bergheim, welche Johannes von Wiera dem Kloster Netze übereignet hatte. Kuno von Holzheim verzichtete 1332 auf Anrechte an einer Hufe in Welden und auf einem Zins von 13 leichten Pfennigen in Hayn. Johann von Biedenfeld verzichtete 1349 zu Gunsten des Klosters Netze auf alle Ansprüche an ein Gut in Ottersdorf. Kloster Netze verglich sich 1350 mit Heinrich, Eckehard, Otto und Wiegand von Twernen über die Rodungen, Äcker und Holzungen in Netze. Der Konvent von Netze verglich sich ferner 1352 mit der Gemeinde Dieringhausen über die Teilung der Holzmark Rytmarinchusen. Antonius von Hancforde verzichtete 1353 auf seine Anrechte an ein Gut in Bergheim und Gottfried Terkis 1362 auf die Ansprüchen auf sechs Leines Korn partim aus Welden zu Gunsten des Klosters. Kurt Grebe verzichtete 1376 auf seine Ansprüche an ein Gut in Kleinern. Der Rat von Fritzlar bestätigte 1379, daß Gyse und Gysel Lerkind kein Anrecht auf ein Gut in Welden hätten, das ihre Mutter dem Kloster Netze übertragen hatte. Der Fritzlarer Propsteioffizial bekundete 1385, daß Vopelo Schefer das Kloster Netze auf Zahlung von 26 Tal. und sechs Viertel Korn verklagt hätte.
Das Kloster verkaufte seine Mühlen bei Naumburg um 1436 an Reinher von Dalwig und Friedrich von Hertingshausen für 300 Gl. mit dem Recht auf Wiederkauf. Die Besitzverhältnisse änderten sich aber noch im Laufe der Zeit, denn 1493 lud Otto Korff, Konservator des Zisterzienser-Ordens, den Stiftsherrn Johannes Schacht in Fritzlar, der dem Kloster Netze ein Vermächtnis vorenthielt, und Wenselo von Dalwich, der sich die Mühle bei Naumburg anmaßte, vor sein Gericht (Quelle: HStAM 85, Nr. 9043 a.a.O.).


1370

Der Flügelaltar mit 13 Bildgeschichten aus dem Leben Christi soll vom Waldecker Grafen Heinrich VI. (der Eiserne) nach der Rückkehr von einem Kreuzzug gestiftet worden sein. Das Altarbild entstand um 1370, war vermutlich Bestandteil eines Altares auf der Nonnenempore und gehört zu den bedeutenden Exemplaren der westfälischen Tafelmalerei aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.


1385 - 88

Man geht davon aus, dass bereits der Stifter des Klosters Adolf I. (1218–70) die Grabkapelle an der Südseite der Klosterkirche als Grablege für das Grafenhaus Waldeck errichten ließ und hier bestattet wurde. Von seinem Nachfolger Otto I. (+ 1305) blieb die Grabplatte erhalten. Graf Heinrich II. (1305–1344) war der erste urkundlich erwähnte Graf, der in der Kapelle bestattet wurde. Die Grabkapelle erhielt 1385 einen selbständigen und vom Kloster unabhängige Pfarrstatus mit einem eigenen Priester, der vom Grafenhaus großzügig mit Besitzungen in Netze und den umliegenden Ortschaften ausgestattet wurde (Quelle: HStAM , Bestand Urk. 85 Nr. 8970: Erzbischof Adolf von Mainz genehmigte 1385 die Errichtung der waldeckschen Kapelle in Netze). Elisabeth von Berg, die Ehefrau des Grafen Heinrich VI., legte dazu die Grundlage mit der Stiftung einer Pfründe für einen Priester, der die Nikolauskapelle zu bedienen hatte und nach dem Willen der Stifterin nicht vom Kloster versorgt werden sollte. Die Priesterstelle wurde z.B. 1388 mit einem den Herren von Immighausen abgekauften Gutsbesitz in und außerhalb des Dorfes Bulen dotiert (Quelle: Varnhage UB- Nr. 93; UB Nr. 94 a.a.O.). Das Haus Waldeck behielt sich das Recht über die Vergabe dieser Pfründe vor. Bis 1690 wurden Angehörige der Grafenfamilie in der Grabkapelle beigesetzt.

 

1400 - 60

Das Kloster hatte bis zum Ende des 14. Jahrhunderts einen beachtlichen Besitz erworben und sich zum größten Grundbesitzer in Netze entwickelt. Das bisher langsame, aber stetige wirtschaftliche Wachstum war beendet.
Kreditaufnahme und -gewährung sowie Schuldentilgungen gehörten noch in den beiden ersten Jahrzehnten zu den normalen Geschäftsvorgängen zur Steuerung der Einnahmen und Ausgaben. Kloster Netze verkaufte bzw. kaufte Renten im Jahre 1394, tilgte aufgelaufenen Schulden beim Johanniter-Hospital in Wildungen 1405 und deckte 1419 erneut seinen Finanzbedarf mit Rentenverkäufen.
Im Verlauf des 15. Jhs. veränderten sich die Lebensbedingungen offenbar so, dass Landankäufe, größere Schenkungen und Memorienstiftungen (Meßstiftungen) weitgehend ausblieben und die geschäftlichen Aktivitäten des Konvents und auch der Nonnen deutlich zurückgingen (vgl. HStAM, Bestand 85, Regesten).
Der Brand zerstörte 1419 den hölzernen Kreuzgang, der 1429 auf der Nordseite der Kirche als steinerner Kreuzgang neu errichtet wurde. Zum Wiederaufbau trugen einzelne Nonnen wesentlich bei, z.B. gaben drei Nonnen Kredite in unbekannter Höhe, da Propst Johannes und der Konvent der Nonne Henpel Probers einen halben Malter Roggen (Naturalzinsen) und den Nonnen Hille Gottingen und Luckel Gogreve zusammen einen halben Malter von der Mühle bei Naumburg verkauften (Quelle: HStAM, 85, Nr. 8998 a.a.O.).
Das Kloster mußte in der Zeit zwischen 1430-50 häufig zu Kreditaufnahmen und Verkäufen (z.B. die beiden Klostermühlen bei Naumburg) greifen. Der Zustand des Konvents läßt sich nur lückenhaft beschreiben, da die zugänglichen Quellen nichts über das klösterliche Leben, Baumaßnahmen, Strukturwandel in der Klosterwirtschaft sowie über etwaige äußere oder innere Schwierigkeiten aussagen.
Die politischen Verhältnisse im Waldecker Fürstentum waren durch Landesteilung, Familienfehden der Grafen und Besitzverpfändungen an Hessen belastet, so dass Waldeck in den 30-er Jahren unter die Lehnshoheit der Landgrafschaft Hessen geriet. Die Klöster standen im 15. Jh. unter dem Druck einer geistigen Erneuerung (z.B. Bursfelde), die als Folge der Konzile von Konstanz (1414-18) und Basel (1431–49) angestrebt wurde.
Man muß davon ausgehen, dass die Lebensweise der Netzer Nonnen und ihre Privilegien - wie in anderen Klöstern - damals in der Öffentlichkeit auf Kritik stießen und von den Reformkreisen als Verweltlichung und Verstoß gegen Ordensregeln angesehen wurden (z.B. gelockerte Klausur, fehlende Gemeinschaft, Privateigentum, Annahme von Patenschaften und Erbschaften, modische Bekleidung, persönliche Dienstboten, Reiseerleichterungen,  aufwendige Feste bei einer Profess).
Die Grafen von Waldeck (Wolrad bzw. Philipp II.) beauftragten unter Beteiligung der Bischöfe anfangs die Bursfelder Kongregation, die Klöster im Waldeckschen Land wegen angeblich desolater wirtschaftlicher Verhältnisse zu reformieren. Die Reformziele konzentrierten sich auf das Verbot von Privateigentum, auf die Gestaltung des Gottesdienstes und auf das gemeinsame Zusammenleben. Da sich der Reformprozess über Jahre hinzog, wurden letztlich die Klöster der Benediktiner der Kongegation von Bursfelde, die Klöster der Augustiner der Kongregation von Windesheim und das Kloster Netze nach der Inkorporation in den Orden der Zisterzienser (1487) dem Kloster Marienfeld unterstellt.

1468 - 84
Der Mainzer Erzbischof Adolf von Nassau, zu dessen Diözese der südliche Teil der Grafschaft Waldeck gehörte, beauftragte den Abt des Klosters Flechtdorf, das Kloster Netze zu reformieren (Quelle: HStAMarburg Bestand Urk. 85 Nr. 9027). Flechtdorf unter dem Abt Hermann Frowyn war zu dieser Zeit ein Zentrum der Erneuerung des benediktinischen Mönchtums in der Bursfelder Kongregation. Der Reformauftrag wurde damit begründet, die Nonnen in Netze hätten sich sehr von der klösterlichen Disziplin entfernt. Das Kloster wäre in geistlichen und weltlichen Dingen so zerrüttet, dass es zu einem gänzlichen Zusammenbruch kommen könnte, wenn nicht der "Unordnung, Auflösung und Ausschweifung" Einhalt geboten würde (Quelle: Nebelsieck S.147-49 a.a.O.).
Diese pauschalen Vorwürfe gegen alle Nonnen lassen sich nicht nachprüfen, da jegliche Hinweise oder Berichte der Nonnen oder Andeutungen in anderen Quellen über etwaige personelle oder wirtschaftliche Schwierigkeiten fehlen und sich der Eindruck aufdrängt, dass der Mainzer Erzbischof einen Vorwand suchte, das Kloster Netze zur Annahme der Reformziele von Bursfelde zu bewegen.
Ob der Abt von Flechtdorf eine Reform unternahm bzw. die Nonnen Widerstand leisteten, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Der Reformversuch scheint mißlungen zu sein, da Änderungen der bisherigen Geschäftspraktiken des Klosters und der Nonnen nicht erkennbar sind: Der Konvent verkaufte 1469 wiederkäuflich für zehn Gl. die Gülte (eine Grundstückssteuer) von fünf Gärten zu Netze an Heinrich Schilling, er selbst erhielt ein Darlehen von zwei Nonnen (Else Wildenberg und Kune Junge), da er 1472 wiederkäuflich an diese Nonnen - bzw. nach deren Tode an das Kloster - einen Gl. vom Rathaus zu Waldeck für 15 Gl. verkaufte. Der Konvent belastete 1478 für 10 Gl. ein Grundstück bei Sachsenhausen mit einer Kornrente (zwei Mutt Korn zu Leibgeding).
Die finanzielle Situation scheint keineswegs zerrüttet gewesen sein, denn 1484 mußten
Äbtissin und Konvent des Klosters Netze auf Grund des "Rechts der ersten Bitte" des Mainzer Erzbischofs einem Mainzer Kleriker eine Pfründe übertragen (Quelle: HStAM, Bestand 85, Nr. 9040 a.a.O.).


1487
Kloster Netze wurde 1487 reformiert und in den Orden der Zisterzienser aufgenommen.
Die Reform fand auf Initiative des Waldecker Grafen Philipp II. (1453-1524) statt, diesmal jedoch unter Beteiligung der Zisterzienser-Äbte Johannes Wineken (1478-95) aus dem Kloster Marienfeld und Heinrich von Kalkar (1483-99) aus dem Kloster Kamp.
Kloster Netze wurde der Aufsicht des Abts von Marienfeld unterstellt, der nunmehr auch die Beichtväter (Albertus von Voerden, Johannes von der Lippe und Stephan Rulle) für Netze bestellte (Quelle: Germania sacra, S. 186 a.a.O.). Marienfeld galt bei den Zisterziensern als ein regionales reformatorisches Zentrum und übenahm u.a. auch die geistliche Betreuung der Nonnenklöster Kentrup und Rengering. Der Abt von Kamp war vom Generalkapitel autorisiert, das Kloster Netze in den Orden zu inkorporieren (Quelle: Chronicon monasterii Campensis, S.343 a.a.O.).
Die Beteiligung von Nonnen aus dem Kloster Benninghausen an der Reform in Netze und die Berufung einer neuen Äbtissin aus dem Kreis der nach Netze abgeordneten Benninghauser Nonnen lassen vermuten, dass seitens der Ordensinstanzen oder des Landesherrn Druck auf die Nonnen ausgeübt wurde, die Reform anzunehmen. Nähere Einzelheiten, ob z.B. eine Vakanz der Äbtissinnenstelle abgewartet wurde oder die bisherige Äbtissin resignierte, sind nicht bekannt. Die Äbtissin Petronella von Galen des Klosters Benninghausen unterstützte noch eine Zeit lang die neue Äbtissin Elisabeth von Wenden (Welden ?) bei der Umsetzung der Reformmaßnahmen in Netze. Der Offizial der Propstei Fritzlar teilte 1488 den Geistlichen des Dekanats mit, daß die Äbtissin Elisabeth von Wenden in Netze Johannes Frederici für die Pfarrstelle in Waldeck präsentiert hätte (Quelle: HStAM 85, Nr. 9041 a.a.O.). Nonnen aus Benninghausen waren im Übrigen auch bei der Reform der Zisterzienserinnenklöster Holthausen (1483), Georgenberg/Eder (1488) und Welver (1493) beteiligt.


1487 - 1527
Wie sich die Reform insgesamt auswirkte (z.B. Baumaßnahmen für Klausureinrichtungen, Wirtschafts- oder Rechnungskontrollen, Sparmaßnahmen) ist unbekannt. Als nachhaltige Wirkung fanden jedoch eigene Kreditgschäfte einzelner Nonnen nicht mehr statt, jedenfalls enthalten die Urkunden bis zur Klosteraufhebung keine entsprechenden Nachrichten.
Die geistige und wirtschaftliche Erneuerung waren jedoch nur von kurzer Dauer, und es scheint, dass sich an der seit Jahrzehnten geübten Geschäftspraxis des Klosters nicht viel änderte: Das Kloster erhielt 1494 als Meßstiftung von Hermann von Wolmeringhausen zwei Höfe (den Hof der Herren von Twerne und den Kapellenhof). 1510 und 1514 belastete das Kloster verschiedene Güter in Niederwerbe und Waldeck erneut mit Kreditaufnahmen, andererseits war der Konvent 1519 und 1522 aber in der Lage, den verschuldeten Grafen Philipp IV. von Waldeck großzügig mit Krediten zu unterstützen.


1527
Kloster Netze wurde zusammen mit den anderen Klöstern der Grafschaft Waldeck 1527 infolge der eingeführten Reformation aufgelöst.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 24.07.2018