Mariendaal

Zeit bis zur Aufhebung

1244
Gründung des Klosters Mariendaal durch Theodor Kovelwade, Kanoniker des Altmünsters zu Utrecht. Das Kloster war für Frauen aus dem Adel bestimmt und wurde unter die Aufsicht des deutschen Klosters Kamp am Niederrhein gestellt. Die ersten Nonnen kamen aus dem Kloster St. Servatius in Utrecht.

 

1261 - 63
Die Brüder Arnold und Walewein von Alkemade bzw. Sassenheim, die das Kloster Leeuwenhorst stifteten, übertrugen zunächst dem Kloster Mariendaal ihre Besitzungen in den Pfarreien Noordwijkk und Langeveld (Lisse) in der Provinz Holland mit der Maßgabe, das neue Kloster in Noordwijkerhout zu errichten. Zuvor hatten sie den Utrechter Bischof Heinrich von Vianden gebeten, den Nonnen von Mariendaal die Annahme der Schenkung zu erlauben. Mariendaal wurde vermutlich personell entlastet, da mindestens 8 Nonnen zum Aufbau des neuen Klosters Leeuwenhorst nach Noordwijkerhout geholt wurden.


1276 - 1345
Es war eine Periode, in der die Fürstbischöfe einen Großteil ihrer weltlichen Rechte an die Bürgerschaft der Stadt Utrecht verloren, mit den Grafen von Holland und Geldern um die Erhaltung und Ausdehnung ihrer Machtbereiche konkurrierten und Gebiete des Stifts Utrecht verpfändeten.
      Die im Abschnitt „Kloster St.Servaas“ näher beschrieben äußeren Rahmenbedingungen gelten sinngemäß auch für Mariendaal.


1280

Nach der Kamper Chronik lebten 30 Nonnen im Konvent. Mariendaal entwickelte sich offenbar in den nächsten 100 Jahren zu einem blühenden Kloster.


1340

Ein zweites Filialkloster Neu-Mariendaal entstand etwa 1340 in Heesbeen bei Heusden durch die großzügige Unterstützung von Mechtild van Riede (Witwe des Edelherrn Herbarden van Riede aus Heusden, eines Vertrauten des Grafen von Holland), die zugunsten der Klostergründung Teile ihres Grundbesitzes stiftete. Die Nonnen des Gründungskonvents einschl. Äbtissin stammten aus dem Kloster Mariendaal. Die Gründung scheiterte jedoch nach dem Tode der Mechtild van Riede (1362), weil ihre Erben das Stiftungsvermögen zurückforderten , so dass die Nonnen nach Utrecht zurückkehren mußten. Nach einem langen Rechtsstreit kam es durch Vermittlung des Abtes von Kamp zur Gründung des Männerklosters Marienkroon (1384) in Heusden, dem die strittigen Güter nunmehr übertragen wurden (Quelle: Hildo van Engen: De priorij Marienkroon in Heusden in: Monastiek en Moderne Devotie en die Noordelijke Nederlande, S.107).


1383

Klostergebäude wurden durch einen Brand infolge eines Blitzeinschlags beschädigt.

1396
Die Äbtissin Mechtild von Ijsselstein (+1409) wurde noch vor 1396 als neue Äbtissin des Klosters St. Servaas nach Utrecht versetzt. Sie löste dort die zurückgetretene Äbtissin Catharina van Montfort ab (Quelle: Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek. Deel 4. S.1495 a.a.O.). Diese personellen Veränderungen erfolgten vermutlich als Druckmittel zur Durchsetzung einer strengeren Observanz im Sinne der devotio moderna, die vom Fürstbischof Friedrich von Blankenheim (1393 – 1423) unterstützt wurde und vermutlich in Mariendaal bereits Eingang gefunden hatte.

1425

Das ausgehende Mittelalter war infolge des abendländischen Schismas eine Zeit großer kirchlicher Wirren. Die Klosterreformen des 15.Jahrhunderts waren daher Teil einer breiten und allgemein geforderten Kirchenreform nach den Konzilen von Konstanz (1414 -18) und Basel (1431 – 49). Manche Lebensweisen und Gebräuche der Nonnen galten nach außen als Formen einer Verweltlichung bzw. als Regelverstöße. Das Reformziel war vor allem, Privateigentum der Nonnen abzuschaffen und diese wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten.
Klosterreformen unter dem Fürstbischof Rudolf von Diepholz (1423 – 55; vom Papst erst 1433 anerkannt) hatten auch einen politischen Hintergrund, da Diepholz die Leitung verschiedener Klöster in Utrecht mit loyalen Anhängern besetzte. Ob es im Kloster Mariendaal in der Zeit des Utrechter Schismas Probleme zwischen Anhängern des Bischofs Diepholz und des vom Papst unterstützten Zweder van Culemborg (umstrittener Bischof von Utrecht 1425 bis 33) gab, ist nicht näher bekannt
.


1451
Der päpstliche Legat Nikolaus von Kues hatte den Autrag, eine grundlegende Reform der Klöster und Stifte in den Niederlanden vorzunehmen. Er forderte im September 1451 mit seinen Reformdekreten alle Klöster im Bistum Utrecht unter Androhung des Verlustes der Privilegien zur strengen Observanz im Geist der „Devotio moderna“ auf. Insbesondere in den älteren adeligen Frauenklöstern in und um Utrecht, zu denen das Kloster Mariendaal gehörte und deren Lebensweise (Aufspaltung des Klostervermögens in Präbenden, Privatbesitz, fehlendes Gemeinschaftslebens, Freiräume für Besuchsreisen, modische Kleidung, Diensboten) nach Meinung des Legaten nicht den Ordensregeln entsprach, sollte die religiöse Erneuerung innerhalb eines Jahres erfolgen.
Die Nonnen der privilegierten adeligen Konvente bzw. auch ihre einflußreichen Familienangehörigen, die sich und ihre Vorfahren als Gönner und Beschützer der Klöster betrachteten, reagierten mit Widerständen. Herzog Philipp der Gute, Vertreter des Adels und der Bürgerschaft im Hochstifts Utrecht intervenierten zugunsten der Nonnen beim Papst, der daraufhin die Durchsetzung der Vorschriften des Legaten aussetzte (Quelle: Nederlandsch biografisch woordenboek. Deel 3, S. 656-657 a.a.O.). Jedoch ordnete 1453 Papst Nicolaus V. eine Reform von zehn Frauenklöstern (je 5 Klöster in Utrecht und 5 Klöster in den Provinzen Holland und Zeeland, darunter die vier Zisterzienserinnenklöster St.Servaas, Mariendaal, Leeuwenhorst und Loosduinen) durch einheimische Visitatoren an (Abt Jacob van Poelgeest der Abtei St.Paul zu Utrecht sowie die Kapiteldekane von St.Salvator in Utrecht und St.Pancras in Oostvoorne (Quelle: Monastiek observantisme en moderne devotie in de Noordelijke Nederlanden, S. 144 a.a.O.). Man kann aufgrund des Reformverlaufs in verschiedenen Klöstern annehmen, dass die Visitatoren zwar ihren Auftrag erfüllten, aber die Privilegien der Mariendaaler Nonnen nicht angetastet wurden, so dass Veränderungen im Sinne einer strengeren Observanz in den nächsten Jahrzehnten nicht stattfanden.

1481
Ein Jahrhundert später wurde die Abtei in der zweiten Utrechter Stiftsfehde (1481 – 83) erneut schwer beschädigt.
Das Kloster Mariendaal geriet in der Regierungszeit der Äbtissin Stephania Zoudenbalch (1475 - 84) aufgrund der politischen Situation im Stiftsgebiet von Utrecht (burgundischer Anspruch auf das Hochstift Utrecht) und der kriegerischen Auseinandersetzungen der rivalisierenden Parteien bei der sechswöchigen Belagerung der Stadt Utrecht in große wirtschaftliche Not. Das Kloster wurde ausgeplündert. Da die Höfe verbrannt und verlassen waren, geriet das Kloster nach der Kamper Chronik in große Armut, als Truppen des Erzherzogs Maximilian von Österreich die Stadt belagerte, weil sich die Bürgerschaft von Utrecht durch die burgundische Herrschaft in ihrer Selbständigkeit bedroht fühlte und dem Bischof David von Burgund den Zutritt in die Stadt verwehrte (Quelle: Keussen, Chronicon S.340 a.a.O.).

1500
Über die wirtschaftliche Gesundung bzw. eine innere Erneuerung des Klosters Mariendaal ist Näheres nicht bekannt. Es liegt aber nahe, Mariendaal mit denjenigen adeligen Frauenklöstern in und um Utrecht in Verbindung zu bringen, in denen erst nach mühevollen Reformversuchen eine Zeit lang eine innere Erneuerung einsetzte (z.B. Leeuwenhorst mit Rückgang der Besuchsreisen, Anbringen von Schlössern und Sprechgittern usw. oder z.B. die Klöster Rijnsburg und Oostbrock, die eine Zeit lang unter der Bursfelder Observanz standen). Tiefgreifenden Veränderungen der kritisierten bisherigen Lebensweise traten aber letztlich nicht ein, da die Nonnen ihre Privilegien behielten.

1519 – 56
Das Herzogtum Burgund mit seinen niederländischen Besitzungen fiel an das Haus Habsburg. Kaiser Karl V. konnte seine Machtansprüche auf die Niederlande nur mit Gewalt durchsetzen. Er schuf durch eine zentralistische Politik gegen den Widerstand der bisher selbständigen Provinzen und Städte einen Einheitsstaat, aber es gelang ihm nicht, die Glaubensspaltung zu überwinden. Vielmehr bekämpfte er die Reformationsbewegung mit Ketzeredikten und Inquisition.
Kaiser Karl V. stellte zwar die Klöster unter seinen Schutz, verfügte aber kraft päpstlicher Ermächtigung über ein Nominatierecht, das nur die Wahl einer vom Kaiser nominierten bzw. protegierten Äbtissin erlaubte und ein Mittel war, die kaiserliche Autorität im Kampf gegen die Ausbreitung der Reformation zu stärken.
Die Wahl einer Äbtissin in einem niederländischen Kloster fand seit etwa 1536 in einer Versammlung der Nonnen unter Leitung einer kaiserlichen Kommission (bestehend aus dem Statthalter und Mitgliedern des kaiserlichen Rates in Utrecht) statt.

1541 - 1547
Nach dem Tod der Äbtissin Elisabeth van Voorn (+ Juni 1541) kam der Kamper Abt Joannes Ingenray (1529 - 63) zur Wahl und Amtseinführung der neuen Äbtissin Ida Uytenham van der Haer nach Mariendaal. Ihre Wahl wurde jedoch von der Statthalterin der habsburgischen Niederlande (Maria von Ungarn, eine Schwester des Kaisers) für nichtig erklärt, so dass die Wahl in Gegenwart der Regierungskommissare wiederholt werden mußte (Quelle: Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek, Deel 4, S.797-98).

1548
Die Äbtissin Mechtild von Solms (1548 - 70) wurde vermutlich vom kaiserlichen Hof als Nachfolgerin für die verstorbene Äbtissin Ida Uytenham vorgeschlagen, da bereits zwei Brüder Kanoniker in Utrechter Kollegiatkapiteln sowie drei Schwestern Nonnen in verschiedenen Utrechter Klöstern waren. Bei der Einsetzung der Äbtissin soll sich der Abt von Kamp mit dem kaiserlichen Nominatierecht abgefunden und seine Rechte als Vaterabt nicht mehr wahrgenommen haben (Quelle: Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek, Deel 4, S.1257).

1556 – 79
Der Sohn Karls V., Philipp II. von Spanien, dem nach der Teilung des Habsburgerreiches die Niederlande zugefallen waren, führte die Politik seines Vaters gegen die Ausbreitung der Reformation fort. Die politischen und konfessionellen Gegensätze gingen in einen offenen Glaubenskrieg über, der zu Aufständen (Bildersturm 1566) und schließlich zum Zusammenschluß der sieben nördlichen Provinzen in der Union von Utrecht (sog. Generalsstaaten 1579) führte, die die protestantische Glaubensrichtung als offizielle Religion und die Unabhängigkeit der Generalstaaten von Spanien erklärte.
Das Konzil von Trient (1545 - 63) hatte in seinem Bestreben, durch einen inneren Reformprozess die Ausbreitung des Protestantismus einzudämmen, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens beschlossen. Das Generalkapitel beauftragte Visitationskommissare, alle Klöster wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten, Privateigentum abzuschaffen und alle der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher aus den Klöstern zu entfernen.
Im April 1570 leitete der Abt von Morimond (Johann Coquaeus) auf seiner Visitationsreise durch die Niederlande eine Reform des Klosters Mariendaal im Sinne des Konzils ein. Vermutlich lehnte aber der Konvent unter der Leitung der Äbtissin Mechtild von Solms (+ Dez. 1570) die Einführung einer strengen Klausur ab (wie z.B. Kloster St.Servaas; Quelle: Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek, Deel 4, S.1257). Der Verlauf der politischen Entwicklung ließ ohnehin Spielräume für Klosterreformen nicht mehr zu.

1579 - 80
Die von den Generalstaaten beschlossene Einführung der Reformation veränderte die Situation des Klosters nachhaltig: Das Kloster wurde in ein protestantisches Damenstift umgewandelt, der katholische Gottesdienst war verboten. Die Nonnen unter der letzten Äbtissin Cornelia van Poelgeest zogen nach Utrecht.
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016