Mariengarten

Zeit bis zur Aufhebung

1220

Die Einträge in den Schreinsbüchern der Pfarrei St. Kolumba in Köln ab 1220 belegen die Existenz des Klosters Mariengarten innerhalb der Stadt, ohne dass die Stifter, der Gründungsverlauf, die Wirtschaftsgrundlage oder die Herkunft der Nonnen genau bekannt sind. Die mittelalterlichen Schreinsbücher stellen die frühesten Grund- bzw. Katasterbücher dar. Die erste Urkunde des Klosterarchivs stammt aus dem Jahr 1244.
 

1233

Aus der Gründungsurkunde des Klosters Burbach (1233) ergeben sich nähere Einzelheiten über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen sich das Kloster Mariengarten infolge seiner Überbelegung und Verschuldung befand (Quelle: Burbach Urkunde vom 20.9.1233).
Zur Entlastung des Klosters Mariengarten stiftete die Patrizierwitwe Guderadis Gir das Kloster Burbach, das etwa 30 Nonnen aus dem Kloster Mariengarten aufnahm. Außerdem tilgte sie die Schulden dieses Klosters, dessen Besitz auf beide Klöster neu aufgeteilt wurde. Fünf Kölner Kleriker hatten die Abwicklung der Güteraufteilung zu überwachen. Eine ausreichende wirtschaftliche Absicherung der Nonnen des Klosters Mariengarten war notwendige Voraussetzungen für die Eingliederung in den Orden, denn ausdrücklich stimmte der Kölner Erzbischof Heinrich von Molenarck (1225-38) der Teilung nur mit Blick auf die geplante Inkorporation des Konvents in den Zisterzienserorden zu (Quelle: Hüsgen, Zisterzienserinnen in Köln, S.106 a.a.O.: Äußere Geschichte des Konvents Mariengarten).
In der Frühzeit des Jahrhunderts war Hartmann Gir († um 1232) in Köln zu einem reichen Kaufmann aufgestiegen. Seinen Nachkommen gelang durch Einheirat in die herrschenden Familien der Stadt Köln der Zugang zur städtischen Führungsschicht. Für das Kloster Mariengarten spielte nach 1230 vor allem Guderadis Gir, die Witwe des Hartmann Gir, als Mäzenin eine maßgebende Rolle; sie förderte aber auch andere religiöse Frauengemeinschaften in der Stadt z.B. durch Gewährung von Krediten (Rentenkäufe).
Der Erzbischof unterstellte im Juli 1233 die Klöster Mariengarten, Benden und Bottenbroich mit ihren Besitzungen der Obhut der Abtei von Citeaux (Quelle: vgl. A.Ostrowitzki a.a.O.). Eine förmliche Inkorporation ist für das Kloster Mariengarten nicht bekannt, fällt aber vermutlich mit der Aufnahme des Klosters Bottenbroich in den Orden 1235 zusammen. Das Kloster Mariengarten wurde 1243 erstmals in den Statuten des Generalkapitels im Zusammenhang mit einer Grundstücksache genannt.

 

1243 – 56
Die wirtschaftliche Existenz des Klosters schien auch nach der Inkorporation nicht gesichert, da das Generalkapitel sich zwischen 1243-45 mit einen geplanten Grundstückstausch zwischen dem Kloster Mariengarten und den Minoriten im Kölner Bezirk St.Severin befassen mußte. Die Angelegenheit fand dadurch ein Ende, dass die Franziskanerbrüder ein anderes Grundstück für die Vergrößerung ihrer Niederlassung in Köln erwarben.
Papst Innozenz IV. stellte 1244 das Kloster Mariengarten unter seinen Schutz und bat alle geistlichen Würdenträger, die Besitzungen des Klosters gegen feindliche bzw. ungerechte Übergriffe zu verteidigen.
In der Zeit von 1243-56 wurden von verschiedenen Bischöfen und Legaten insgesamt 16 Ablassbriefe zur Finanzierung des Lebensunterhalts und des Ausbaus der Klosterbauten verliehen (Quelle: Hüsgen S. 109 a.a.O.). Insbesondere wurde zusätzliches Kapital für die Errichtung der Klosterkirche zwischen 1244 und 1260 benötigt. Nach einem Ablassbrief des Bischofs Simon von Paderborn von 1256 war die Verwendung der Spendengelder ausdrücklich für die Vollendung des Kirchenbaus bestimmt (Quelle: Westf. Urkundenbuch, IV, Nr. 504 a.a.O.: "..ad consummationem ecclesie..").
Das Kloster wurde mit weiteren Sammelindulgenzen noch in den Jahren 1289, 1296 und 1344 unterstützt (Quelle: Hüsgen S. 46-47 a.a.O.). Die Gründe sind nicht näher bekannt, möglicherweise reichten die Einkünfte des Klosters in dieser Zeitspanne aus Stiftungen oder Landverpachtungen allein nicht aus, um die tägliche Bedarfsartikel einzukaufen, die nicht selbst erzeugt werden konnten.

1282
Das Kloster widmete sich der Aufgabe, kranke und bedürftige Personen zu unterstützen. Abtissin und Konvent von Mariengarten übertrugen z.B. 1282 dem Heiliggeisthaus nahe beim Dom - ein Hospital bzw. eine Armenherberge - einen Erbzins. Zur Versorgung bedürftiger Menschen waren dem Kloster verschiedene Renten gestiftet worden (z.B. 1461 eine Erbrente von 27 rheinischen Gulden für Seelenmessen und Armenspeisungen), die die Äbtissin Elisabeth von Titz und der Konvent von einem Kamper Mönch erhielt).

1323
Köln erlebte bereits im Mittelalter eine Blütezeit als Handels-, Kirchen- und Kulturmetropole sowie als Pilgerstadt. Der Dominikanermönch Meister Eckhart, der durch seine Lehrtätigkeit (z.B. an der Pariser Universität oder an der Ordensschule in Köln) mit seinem Gedankengut die spätmittelalterliche Mystik prägte, predigte offenbar im Rahmen seiner Lehrtätigkeit in Köln ab 1323 auch im Zisterzienserinnenkloster Mariengarten. Über die Wirkung der Predigten auf das monastische Leben der Nonnen gibt es allerdings keine Nachrichten.

1350
Kloster Mariengarten entwickelte sich zu einem der vornehmsten Klöster der Stadt Köln. Die Nonnen stammten aus städtischen Patrizierfamilien oder dem Landadel.
Insgesamt bleibt aber das Bild lückenhaft, das man sich von den Lebensverhältnissen der Nonnen machen kann. Im Zentrum des kontemplativen Lebens standen die täglichen Stundengebete, die auch die Fürbitten für das Seelenheil der klösterlichen Wohltäter als Gegenleistung für deren Stiftungen einschlossen. Andererseits genosssen die Nonnen Privilegien (Kontakte zur Außenwelt und Besuchsreisen, modische Bekleidung, aufwendige Profess-Feste, Dienstboten, Annahme von Erbschaften und Patenschaften), die in der Zeit allgemeinen Reformbegehrens als Zeichen einer Verweltlichung angesehen wurden.
Die personelle Höchstgrenze von 25 Nonnen wurde im Lauf der Jahrhunderte nicht überschritten, in Krisenzeiten jedoch deutlich unterschritten. Die Nonnen wurden beim Eintritt ins Kloster von ihren Familien durchweg mit Land- und Hausbesitz oder den Einkünften aus deratigem Besitz in Form von Renten (die häufigste Form der mittelalterlichen Altersvorsorge) versorgt. Sie verfügten zudem über regelmäßige Privateinkünfte (z.B. Leibrenten wie den sog. Spielpfennig), die aus den Mitgiften als Abfindung für geleisteten Erbverzicht ausgezahlt wurden.
Im Sterbefall der Nonne fielen diese Privateinkünfte dem Kloster anheim oder wurden zur Feier von Memorien verwendet.

Das Kloster erzielte Einkünfte aus Memorienstiftungen, aus Vermietung und Verpachtung seiner Klosterländereien, aus seinem goßen Hausbesitz sowie aus Kreditgeschäften (Quelle: Hüsgen S. 13 und 51 a.a.O.). Da eine Eigenwirtschaft des Klosters aufgrund der Lage innerhalb der Stadt nur begrenzt möglich war, mußten vermutlich viele Güter für den täglichen Bedarf hinzugekauft werden.

Der Hausbesitz war für das Kloster eine wesentliche Wirtschaftsgrundlage. Das Kloster wurde zum größten geistlichen Grundbesitzer im Schreinsbezirk Kolumba und konzentrierte sich im Lauf seiner Geschichte vor allem auf den Erwerb der Häuser, die rund um den Klosterkomplex lagen (z.B. an der Röhrergasse und Mariengartengasse, Kupfergasse und Langgasse - Quelle: Hüsgen S.58; 140 a.a.O.), auch wenn die Stadt versuchte, den Erwerb von Grund und Boden durch kirchliche Institutionen (“Tote Hand”), die Steuerfreiheit genossen, zu erschweren.
Der Landbesitz des Klosters lag weitgehend in der Kölner Bucht auf der Niederterrasse des Rheins mit Schwerpunkten im Bereich zwischen Dormagen-Pulheim-Köln sowie im Bereich von Bornheim. Ferner besaß das Kloster Weingärten am Rhein bei Honnef, außerdem eine Brauerei, deren Ausstoß allerdings vom Rat der Stadt festgelegt wurde.
Die Rentenwirtschaft war das vorherrschende Kreditgeschäft seit dem 13.Jh. und der Rentenkauf bzw. -verkauf auch für Mariengarten der übliche Weg, sich Kapital für den Lebensunterhalt, zur Finanzierung der Hauskäufe oder Ablösung von Altschulden zu beschaffen bzw. überschüssiges Kapital, z.B. aus Stiftungen oder den Mitgiften der Nonnen, zinsbringend anzulegen.
Die Vermögensverwaltung und Vertretung des Klosters vor den städtischen Schreinsbehörden oder den Gerichten lagen in Händen von Procuratoren oder Kellnern, deren Aufgaben zeitweise auch vom Beichtvater des Klosters ausgeübt wurden.


1400 - 30

In den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts wurde die Klosteranlage umfangreich renoviert. Ein Wilhelm de Herne stiftete dem Konvent 500 Gulden zur Erneuerung der Kirche, des Dachreiters, der Konventszellen, des Kapitelhauses und des Dormitoriums (Quelle: Hüsgen a.a.O., S.134). Vermutlich handelte es sich bei dem Stifter um einen Grafen Wilhelm von Horn (s. Grafschaft Hoorn in der niederländischen Provinz Limburg).

 

1450

Die Konzile von Konstanz (1414-18) und Basel (1431–49) suchten nach einem Ausweg aus der Kirchenkrise, die durch das abendländischen Schismas (1378-1417) entstanden war. Klosterreformen sollten dazu beitragen, die Klosterbewohner wieder zur strengen Beachtung der Klausurregeln und zu einem gemeinschaftlichen Leben nach den Ordensidealen zurückzuführen, da manche Lebensweisen und Privilegien der Nonnen in der Kritik standen und in der öffentlichen Wahrnehmung als Verweltlichung angesehen wurden.


1452 - 58

Die Reform des Klosters Mariengarten im Jahre 1452 stand mit der Kölner Provinzialsynode 1452 unter Leitung des päpstlichen Legaten Nikolaus von Cues in einem engen Zusammenhang, weil dort auch Klosterreformen sowohl der exemten als auch der nichtexemten Klöster beschlossen wurden. Die Klöster mußten sich innerhalb eines Jahres für eine Neuorientierung (Einhaltung der Klausur, gemeinschaftliches Leben, schlichte Bekleidung, kein Privatbesitz) entscheiden, andernfalls drohte der Verlust von Privilegien (Quelle: Hammer, Monastische Reform, S. 31 a.a.O.).
Der Kölner Erzbischof Dietrich von Moers erhielt sogar 1458 die päpstliche Erlaubnis, auch exemte Klöster wegen angeblich vorhandener Missstände zu visitieren und griff in die inneren Belange einiger Frauenklöster im Erzstift ein (z.B. Walberberg, Frauenthal, Bottenbroich), die sich wegen fehlender Einkünfte nicht mehr selbst versorgen konnten.
Verschiedene Mitteilungen über die Äbtissin Elisabeth Titz (1452–82) verweisen darauf, dass 1452 das Kloster Mariengarten "geschlossen", d.h. reformiert wurde (Quelle: Hüsgen, S.179-181 a.a.O.; Nekrologlisten und Memorial-Büchlein des Klosters). Die Wahl der Äbtissin 1452 und die Reform unter dieser Äbtissin bieten jedoch Raum für Spekulationen, dass ihre Vorgängerin resigniert haben könnte. Der Abt der Männerabtei Marienfeld (Arnold von Bevern 1443–78) leitete die Reform. Die Frage läßt sich nicht beantworten, ob alle 23 Nonnen die Reform widerspruchslos annahmen. Mariengarten wurde unter die geistliche Aufsicht des Klosters Marienfeld gestellt, das damals im Ruf eines vorbildlich reformierten Klosters stand (Quelle: Leidinger: Westfälische Zeitschrift 148, S.29 a.a.O.). Marienfeld übte die Aufsicht vermutlich nur kurze Zeit aus, da lediglich der Marienfelder Mönch Johannes Wineken (Abt in Marienfeld seit 1478) als Beichtvater im Kloster Mariengarten nachgewiesen ist (Quelle: Germania Sacra, Marienfeld, S. 185 a.a.O.).
Die Reformen der beiden anderen Zisterzienserinnenklöster in der Stadt trugen dazu bei, dass z.B. Kölner Nonnen aus dem Kloster Seyne 1459 zur Reform des Klosters Schledenhorst bei Rees abgeordnet wurden.
Weitere Reformaktivitäten insbesondere des Abts Adam Meyer von Groß St. Martin erstreckten sich auch auf die Beginen in der Stadt Köln und führten 1458 zur Neugründung eines kleinen Augustinerinnenkonvents, der innerhalb der Immunität des Klosters Mariengarten Wohnräume anmietete (Quelle: Niedersächsisches Jahrbuch, Bd. 76, S. 133 a.a.O.). Dieses Augustinerinnenkloster sorgte 100 Jahre später bei der Visitation des Klosters Mariengarten im Juni 1574 durch den Generalabt Nikolaus Boucherat für Konfliktstoff.


1459

Das Kloster war ein bevorzugter Begäbnisplatz für vermögende Bürger, die sich das Bestattungsrecht in der Regel gegen Meßstiftungen sicherten (Quelle: Hüsgen, Gräberliste Nr. 6.2.9 a.a.O.). Besondere Beachtung verdient die Grablege der Grafen von Neuenahr, die ca. 200 Jahre lang bis zum Aussterben im Mannesstamm (1589) die Erbvogtei der Stadt Köln besaßen. Aus Anlaß des Todes von Gumbrecht II. (1484) fundierten die Nachfahren einen eigenen Altar mit 4 wöchentlichen Messen aus den Einkünften eines der Stadt Köln geliehenen Kapitals von 525 Gulden, das 1665 abgelöst wurde. Das Altarbild "Maria auf der Mondsichel" (heute im Wallraf-Richartz Museum) wird der Kölner Malerschule, Meister der Heiligen Sippe um 1450 bis 1516, zugeschrieben und stellt die Familie des Grafen Gumprecht II. von Neuenahr dar.


1491 - 1514
Die inneren Verhältnisse des Klosters Mariengarten erwiesen sich bereits 1491 wieder als reformbedürftig, da der Altenberger Abt die Entfernung von Beichtvätern veranlaßte, ohne dass die Hintergründe sich heute erschließen lassen (Quelle: Hüsgen, S. 180 a.a.O.).
Die Reform des Klosters unter der Äbtissin Sophia Ellenborn (1502-1517) im Jahre 1514 durch den Abt Heinrich von Altenberg (1496-1517) bezweckte erneut eine Wiederherstellung oder Erneuerung der Klausur. Es wurden offenbar nur Ermahnungen ausgesprochen, von ungewöhnlichen Mängeln in der Klosterdisziplin war keine Rede. Die Äbtissin wurde aufgefordert,  auf die Gleichbehandlung aller Nonnen trotz bestehender Standesunterschiede zu achten. Sie sollte ferner darauf achten, dass die Nonnen keine Speisen von der Gemeinschaftstafel mitnähmen und nur schmucklose Ordenskleider trügen. Nonnen und Konversinnen wurden zu Gehorsam und Eintracht aufgefordert (Quelle: Hüsgen S. 34, 35, 79 und 181 a.a.O.; HStA, Abtei Altenberg, Nr. 908). Offenbar wurde dem Lebensstil und dem äußeren Habitus der Nonnen mehr Bedeutung beigemessen als z.B. der Frage zur Zulässigkeit von Privateigentum. Es läßt sich heute nicht mehr feststellen, ob die Anweisungen des Visitators, Kleider nach den Gebräuchen des Ordens zu tragen (insbesondere kein "krauses Hauptgezier"), beachtet wurden. Die Bekleidung der Nonnen nach dem Zeitgeschmack war auch in anderen Frauenklöstern  (z.B. Eppinghoven oder Benninghausen) Gegenstand der Kritik, ohne dass sich Konsequenzen ergeben hätten.


1517 – 74

Reformatorische Einflüsse (z.B. die Forderung nach "communio sub utraque specie") im Kloster Mariengarten oder Klosteraustritte von Nonnen sind nicht bekannt geworden. Jedoch führten vermutlich die konfessionellen Gegensätze jener Zeit dazu, dass die Konventgröße bis 1574 wegen fehlenden Nachwuchses auf den niedrigsten Stand mit

16 Nonnen zurückging. Die personelle Situation des Klosters besserte sich erst wieder seit Anfang des 17.Jahrhunderts. Der Versuch des Erzbischofs und Kurfürsten Hermann von Wied, in den 1540-er Jahren im Erzstift die Reformation einzuführen, scheiterte am Widerstand des Domkapitels und auch der Klöster und Stifte in der Stadt Köln.


1565 - 74

Das Konzil von Trient (1545-63) beschloß Reformen der Klöster, Stifte und Gemeinden als Gegenmaßnahme gegen die Ausbreitung des Protestantismus, außerdem eine Verbesserung des Ausbildungsstandes der Geistlichen und die Abschaffung des üblichen Konkubinats. Das Generalkapitel der Zisterzienser beauftragte 1565 die Äbte von Himmerod und Altenberg, Reformen in den Klöstern der geistlichen Kurfürstentümer des Reiches und des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg durchzuführen. Die Zisterzienserinnenklöster Kölns waren von der Visitationskampagne unter Salentin von Isenburg jedoch nicht betroffen. Es ist anzunehmen, dass diese Köster von den Reformäbten reformiert wurden, da der Generalabt von Citeaux, Nikolaus Boucherat (1571-85), bei der Visitation der drei Zisterzienserinnenklöster in Köln im Juni 1574 feststellte, dass die Klöster Mariengarten, Sion und Apern im Sinne der Konzilsbeschlüsse gut reformiert waren. Der Generalabt visitierte zwischen Juni – September 1574
ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich, um sich von den bisherigen Maßnahmen im Sinne der tridentinischen Reformdekrete (Strenge Beachtung der Klausurregeln, Abschaffung von Privateigentum der Nonnen, Entfernung aller der Häresie verdächtigen Personen aus den Klöstern oder entsprechender Bücher) zu überzeugen.
In Mariengarten lebten 16 Nonnen, 4 Novizinnen und 10 Konversen. Hier gab es ein Problem, da die Zisterzienserinnen innerhalb der Klosterimmunität Wohnungen an einen Frauenkonvent der Augustiner vermietet hatten. Diese Frauen trugen die Tracht der Zisterzienserinnen und benutzten die gemeinsame Klosterpforte. Da die Familienangehörigen der Augustinerinnen beliebig ein- und ausgingen, gebot der Generalabt der Äbtissin Mechtild Hannemann (1553-84), die Pforte von innen verriegeln und nur zu bestimmten Zeiten morgens und abends öffnen bzw. schließen zu lassen. Aber die Augustinerinnen setzten sich über diese Anordnung hinweg und entfernten den Riegel wieder (Quelle: Postina S. 225, 260 a.a.O.; die Niederlassung der Augustinerinnen wurde wenig später aufgehoben).

1577 - 93
Gebhard von Waldburg (Erzbischof und Kurfürst von Köln 1577-83) unternahm nochmals den Versuch, das Erzstift Köln in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln und die Reformation einzuführen. Er wurde abgesetzt und vom neuen Kölner Landesherrn, Kurfürst Ernst von Bayern (1583-1612), mit Hilfe bayerischer und spanischer Truppen im Kölnischen Krieg besiegt. Kurköln war durch die Kriegskosten hoch verschuldet.
Viele Nonnenklöster in Köln hatten im 16.Jh. Kapital auf Rentenbasis vornehmlich bei der Stadt Köln und dem Domkapitel angelegt. Mehrfache Schuldverschreibungen des Domkapitels zugunsten von Mariengarten sind zwischen 1539-68 belegt.
Da das Domkapitel die Kredite im Kölnischen Krieg nicht mehr bediente, erlitten die betroffenen Klöster erhebliche Einkommensausfälle (Quelle: AHVN, Heft 72, S. 27 a.a.O.: " weil kein Geld einging, mußten die Klöster ihre Gottesdienste einschränken bzw. ihre Armen- und Krankenpflege ganz bzw. teilweise einstellen").

1593 - 1625

Der Generalabt von Citeaux, Edmund a Cruce, fand anläßlich einer Provinzialsynode in Köln (1593) die Zisterzienserinnenklöster Mariengarten, Apern und Sion in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Absicht des Generalabts, die drei Klöster durch die Eingliederung anderer nicht mehr lebensfähiger Ordensgemeinschaften wirtschaftlich zu stützen, ließ sich nicht umsetzen. Die Verschuldung des Klosters Sion in Verbindung mit personellen Schwierigkeiten führte z.B. zur Auflösung dieses Konvents und Umwandlung des Klosters 1613 in ein Birgittenkloster. Mariengarten überstand die Krise dagegen wesentlich besser, die jedoch noch 1625 zu spüren war, als Abt Laurentius von Bever dem Antrag der Äbtissin Mechtild Neukirchen und des Konvents zustimmte, die Priesterstelle am Hochaltar der Klosterkirche aus Einkünften des Katharinenaltars zu finanzieren (Quelle: Hüsgen, S. 119 a.a.O).


1625 - 48

In der Zeit der Gegenreformation unter dem Kurfürsten und Bischof Ferdinand von Bayern (1612-50) galt Köln einerseits als Hochburg des Katholizismus, andererseits gehörten die Unterdrückung der Protestanten und die Hexenverfolgung vor allem in den Jahren 1627-30 zu den dunklen Kapiteln der Stadtgeschichte.
Die Personalsituation in Mariengarten besserte sich. Die Zahl der Konventsmitglieder stieg wieder auf 22 Nonnen an. Ein Hinweis in einer Nekrologliste über die Äbtissin Mechthild Neukirchen (1613-48) läßt aber vermuten, dass das Gemeinschaftsleben im Kloster Mariengarten bisher nachlässig gehandhabt und eine Änderung unter dieser Äbtissin vermutlich erst im Zuge der von Ferdinand von Bayern betriebenen Kirchenpolitik eingeleitet wurde (Quelle: Hüsgen, S. 341 a.a.O.: "sub hac abbatissa incoeperunt vivere in communi").
Das Kloster begann außerdem damit, seinen Hausbesitz rund um den Klosterkomplex teilweise mit Geldmitteln der Nonnen zu erweitern (Quelle: Hüsgen: S. 54, 140 a.a.O.).
Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) verhielt sich Köln neutral und war vom Kriegsgeschehen direkt nicht betroffen, auch wenn ab 1632 fremde (schwedische) Truppen sich im Kölner Erzstift aufhielten und das Land ausplünderten.
Köln galt als sichere Zufluchtstätte und nahm Kriegsflüchtlinge auf. Die Essener Fürstäbtissin Maria Clara von Spaur (1614-44) lebte z.B. im Kloster Mariengarten

15 Jahre lang im Exil, nachdem sie 1627 vor der Besetzung der Stadt Essen durch protestantische Truppen nach Köln flüchtete. Sechs Nonnen aus dem Kloster Marienthal bei Mainz, die vor schwedischen Truppen 1631 nach Köln geflüchtet waren, fanden Zuflucht in Mariengarten (Quelle: Hüsgen, S. 381 a.a.O.).


1648 – 1700

Die widrigen Zeitumstände nach dem Krieg infolge der pro-französischen Politik der Kurfürsten und der Aufenthalt französischer Truppen im Erzstift scheinen die Kaufaktivitäten und Renovierungsarbeiten des Klosters nicht beeinträchtigt zu haben. Mariengarten konnte zahlreiche Häuser an der Kupfer- und Langgasse im Anschluß an den Immunitätsbereich neu erwerben. Teilweise dienten die Häuser dazu, Kostgänger aufzunehmen.
Aus der Zeit um 1664/65 stammt die einzige zuverlässige Darstellung der Klosterkirche (Zeichnung aus dem Skizzenbuch des Justus Vinckboons, Kölnisches Stadtmuseum). In ihrer äußeren Ansicht entsprach sie der Klosterkirche Seyne in Köln bzw. der Minoritenkirche in Seligenthal (Quelle: Hüsgen, S.117 a.a.O.: Maße der KLosterkirche 37m x 19m).
Die Renovierungsarbeiten am Kapitelhaus und Refektorium sowie die Neuausstattung der Kirche (Hochaltar, Nebenaltäre, Orgel, Kommunionbank, Kirchenbänken, Beichtstühle, Kanzel, Fenster, Leuchter, Figuren) besonders am Ende des 17. bzw. am Beginn des 18. Jahrhunderts weisen auf eine Barockisierung und eine neue Prachtentfaltung der Kirche hin. Die Arbeiten wurden teilweise durch die Kölner Bildhauerfamilie Imhoff ausgeführt und durch Schenkungen verschiedener Kölner Bürger und Klostergeistliche finanziert.

1700 - 06

Mariengarten verlor einen langen Streit mit dem angrenzenden Kloster “Zum Lämmchen an der Burgmauer” um ein Stück Bauland (Teil eines Weingartens), das die Augustinerinnen zur Erweiterung von Kirche und Wohngebäude vom Kloster Mariengarten beanspruchten. Mariengarten suchte vergeblich Unterstützung bei den geistlichen und weltlichen Instanzen (Nuntius, Erzbischof, Magistrat der Stadt Köln). Die Nonnen hatten mit ihren Einsprüchen bzw. Beschwerden keinen Erfolg und mußten auf ein Stück ihres Weingartens verzichten, als 1706 die Augustinerinnen in das beanspruchte Land unter dem Schutz städtischer Ordnungskräfte eingewiesen wurden (Quelle: Hüsgen S. 138-39: "Die Abstammung vieler Nonnen des Klosters "Zum Lämmchen" aus vornehmen Kölner Familien war möglicherweise ein Motiv, dass eine ablehnende Haltung des Magistrats gegenüber Mariengarten sich aus dem Schriftwechsel der Streitparteien herauslesen lasse.")

 

1727

Mariengarten erlebte nochmals eine Blütezeit, da der Konvent seine maximale Größe von 25 Nonnen und 10 Konversinnen erreichte.

 

1744 - 80

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geriet Köln in eine Phase kultureller und wirtschaftlicher Stagnation.
In der Zeit des Siebenjährigen Kriegs (1756-63) waren französische Truppeneinheiten in der Stadt stationiert. Die Stadt wurde außerdem 1783-84 von einer folgenschweren Hochwasserkatastrophe heimgesucht, die die gesamte Innenstadt und die umliegenden Ortschaften überschwemmte.
Das Kloster mußte verschiedentlich Schulden machen, um den Geldbedarf für den Wiederaufbau alter Höfe und für die Ablösung alter Schulden zu decken (Quelle: Hüsgen S. 60 a.a.O.). Nach den liberalen Ideen des "aufgeklärten Absolutismus" galten kontemplative Klöster als unzeitgemäße Institutionen. Man stellte ihre Existenzberechtigung in Frage und strebte ihre Aufhebung sowie die Verwendung des Klostervermögens für Reformen im Sozial- und Bildungsbereich und für eine bessere Wirtschaftsföderung an. Diese Auffassungen haben vermutlich dazu beigetragen, dass die Zahl der Nonnen  successive zurückging.


1794 - 1802

Die Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen führte zu Beschränkung der Rechte geistlicher Institutionen und bedeutete gleichzeitig auch das Ende der freien Reichsstadt Köln. Die Wirtschaftslage unter der letzten Äbtissin Katharina Monheim (1780-1802) war durch die rückläufigen Einnahmen des Klosters angespannt, so dass der Konvent einen Teil des Tafelsilbers zur Deckung der Kosten für den eigenen Unterhalt sowie für Einquartierungen und Steuen verkaufen mußte.

Das Kloster wurde 1802 aufgehoben.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 18.03.2019