Mariengarten

Visitation / Geistliche Betreuung

Die Darstellung des Klosters Mariengarten im Kamper Stammbaum
St. I – Ortus sancte marie in Colonia ohne Jahreszahl - entspricht kaum dem tatsächlichen Verlauf der geistlichen Betreuung bis zur Unterstellung des Frauenklosters unter die Aufsicht des Klosters Kamp.
 
Im 13. und 14. Jahrhundert waren Äbte der Klöster Heisterbach, Altenberg und Himmerod im Kloster Mariengarten anzutreffen, die die Funktion des Vaterabts wahrnahmen. Um 1320 wurde der Abt von Heisterbach ausdrücklich als Visitator bezeichnet (Quelle: Hüsgen, S. 176 a.a.O.). Es erscheint aber auch möglich, dass die Äbte ihre Aufgaben nur "als verlängerte Arm des Generalkapitels" wahrnahmen, da Mariengarten, Burbach und Drolshagen in einer Liste (Handschrift etwa 1500 in der Uni-Bibliothek Düsseldorf) als Nonnenklöster verzeichnet sind, die unmittelbar der Abtei Citeaux unterstellt waren. Der Generalabt stand aber in der Zeit des abendländischen Schismas auf der Seite des französischen Papstes, so dass 1391 der Abt von Himmerod mit der Visitation von Mariengarten und der Einsetzung eines Beichtvaters beauftragt wurde unter dem ausdrücklichen Hinweis auf die bestehende Glaubensspaltung und auf die Tatsache, dass der bisherige Visitator (der Generalabt) nicht die Interessen des römischen Papstes vertreten könnte. Während des abendländisches Schismas (1378–1417) war den Klöstern, die zum römischen Papst hielten, der Kontakt mit Citeaux verboten.

Für das 15. Jh. lassen sich nur Einzelbeziehungen zwischen Mariengarten und verschiedenen Äbten feststellen. Der Abt von Himmerod mußte z.B. eine Angelegenheit des Klosters Mariengarten 1424 vor dem Generalkapitel verhandeln. Der Kamper Abt wurde 1424 vom Generalkapitel als Vermittler in einer Streitsache zwischen Mariengarten und Apern eingeschaltet (Quelle: Hüsgen S. 176 a.a.O.). Die Äbte von Marienstatt und Altenberg untersuchten 1425 einen Streit zischen einer Nonne und der Oberin von Mariengarten (Quelle: Germania sacra, Marienstatt, S. 108). Schließlich war es die Aufgabe des Abtes Arnoldus Kostevele (1443–78) von Marienfeld, die Reform des Klosters Mariengarten in Köln 1452 durchzuführen. Der Abt war mit der Reform der Frauenklöster Mariengarten, Bersenbrück, Kentrup und Rengering vom Generalkapitel beauftragt worden. Die genannten Klöster blieben anschließend noch eine Zeit lang in der Paternität von Marienfeld (Quelle: Germania Sacra, Die Zisterzienserabtei Marienfeld, S. 395 a.a.O.). Eine Folge der Reform in Mariengarten war vermutlich, dass der Marienfelder Mönch Johannes Wineken bis zu seiner Wahl zum Abt im Jahre 1478 als Beichtvater in Mariengarten tätig war (w.v. S.185).
Der Abt von Altenberg gab 1514 bei einer Visitation des Klosters Mariengarten dem Konvent eine neue Satzung. Etwa seit 1570 stand Mariengarten unter der Aufsicht des Klosters Kamp, das seitdem die Beichtväter in Mariengarten bis zur Aufhebung des Klosters bestellte (Quelle: Hüsgen, S. 374 a.a.O., Liste der Beichtväter).


Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 18.04.2018