Mariengarten

Gründungszeit

Köln war bereits im Mittelalter eine der größten Städte Europas und erlebte schon im 12.-13. Jahrhundert eine Blütezeit als Handels- und Kultur- und Kirchenzentrum sowie als Pilgerstadt. Noch heute zeugen von dieser Blütezeit die romanischen Kirchenbauten der Stadt. Die Herrschaft des Kölner Erzbischofs als oberste geistliche und weltliche Instanz wurde durch die entstehende städtische Selbstverwaltung im 12. Jh. allmählich abgelöst. In der Gründungszeit des Klosters Mariengarten lag die Herrschaft über die Stadt Köln bereits in der Hand einiger reicher Patriziergeschlechter (Richerzeche), die aus ihren Reihen die Bürgermeister sowie den Rat der Stadt wählten.
Die Entstehung des Klosters Mariengarten in Köln lässt sich nicht bis zur Gründung zurückverfolgen. Verschiedene Hinweise in den Quellen nach 1221 deuten auf Kontakte des Klosters mit einer Frauengemeinschaft in Riehl hin; jedoch kann man nicht mehr feststellen, ob Mariengarten zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Riel entstand oder das Kloster Mariengarten Frauen aus einem Konvent in Riehl aufnahm (Quelle: Hüsgen,S. 101-103: "Äußere Geschichte des Konvents Mariengarten").
Die weibliche Frömmigkeitsbewegung dieser Zeit erhielt ihren Ansporn durch den großen Zulauf solcher Frauen, die in Gemeinschaft ein religiöses und asketisches Leben führen wollten. Dieser Lebensform wurde damals offenbar ein hoher Stellenwert zugemessen.
Die Gründung der Kölner Zisterzienserinnenklöster fiel in eine Zeitspanne des 13.Jahrhunderts, in der der weibliche Zweig des Ordens durch zahlreiche neue Klöster eine Hochblüte erlebte, die sich wohl daraus erklärt, dass der Orden etwa seit 1200 keinen ernsthaften Widerstand gegen die seelsorgerische und wirtschaftliche Betreuung religiöser Frauengemeinschaften mehr leistete. Trotz gegenteiliger Beschlüsse der Ordensleitung (z.B. Verbot der Aufnahme von Frauengemeinschaften in den Orden 1228) wurden dennoch auf Anodnung des Papstes oder auf Vermittlung der Kurie, eines Bischofs oder Landesfürsten zahlreiche neue Klöster in den Orden aufgenommen. Die Klöster boten ihren weiblichen Bewohnern außerdem Schutz vor fremden Eingriffen in ihre Rechte, einen Bildungszugang und eine ausreichende Versorgung.
In den Beginenkonventen der Stadt Köln fanden Frauen eine religiös motivierte und eigenständige Lebensform, ohne ein Ordensgelübde ablegen zu müssen. Die steigende Zahl der Beginenkonvente in Köln war ebenfalls ein Spiegelbild für das Phänomen dieser Frömmigkeitsbewegung. Klöster und Beginenhäuser wurden vornehmlich durch die in der Stadt Köln herrschenden Patriziergeschlechter gefördert.

 

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 19.03.2019