Mariengarten

Gründungszeit

Die Herrschaft des Kölner Erzbischofs als oberste geistliche und weltliche Instanz wurde durch die entstehende städtische Selbstverwaltung im 12. Jh. allmählich abgelöst. In der Gründungsphase des Klosters Mariengarten lag die Herrschaft über die Stadt Köln in der Hand einiger reicher Patriziergeschlechter (Richerzeche), die aus ihren Reihen die Bürgermeister sowie den Rat der Stadt wählten. Gerade in der Aufbauzeit des Klosters Mariengarten wurde wichtige Entscheidungen (Kleiner und Großer Schied 1252-58) zugunsten der Bürgerschaft und der Selbstverwaltung der Stadt Köln durch die Vermittlung des Kirchenlehrers Albertus Magnus getroffen. Die erzbischöfliche Stadtherrschaft ging 1288 endgültig verloren, Köln wurde Freie Reichsstadt. Die Richerzeche verlor ihre beherrschende Stellung im ausgehenden 14. Jahrhundert durch einen von den Zünften erzwungenen Machtwechsel.

Hartmann Gir (†1232/33) war als reicher Kaufmann zu einem der größten Kölner Grundbesitzer aufgestiegen. Seinen Nachkommen gelang durch Einheirat in die amtierenden Geschlechter der Zugang zur städtischen Führungsschicht. Das Patriziergeschlecht Gir stellte bis zum Ende des
14. Jhs. mehrfach Schöffen und Bürgermeister. Die sich in Köln im 12. und 13.Jh. ausbreitenden Ordensgemeinschaften und Beginenhäuser wurden vornehmlich durch die vermögenden Patriziergeschlechter gefördert. Für das Kloster Mariengarten spielte nach 1230 vor allem Guderadis Gir, die Witwe des Hartmann Gir, als Mäzenin eine maßgebende Rolle. Vermutlich war die rasch ansteigende Zahl der Klosterbewohner im 13.Jh. ein Grund, dass unter den Rahmenbedingungen der Stadtlage die Versorgung der Nonnen Probleme bereitete und zur Verschuldung des Klosters führte. Guderadis Gir ist es zu verdanken, dass Mariengarten wirtschaftlich saniert und durch den Auszug eines Teils der Nonnen in das von ihr gegründete Kloster Marienborn in Burbach personell entlastet wurde.
Guderadis Gir leistete damit einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftliche Absicherung der in Mariengarten verbliebenen Nonnen als notwendige Voraussetzung für die beantragte Inkorporation des Klosters in den Orden. Sie unterstützte auch andere Ordenskonvente in der Stadt Köln mit Schenkungen und gründete mehrere Beguinenhäuser. Der Famlienverband Gir unterhielt in der Folgezeit jedoch engere Beziehungen zum Kloster Burbach als zum Kloster Mariengarten.
Vergleicht man die Lage der Frauenklöster unter der Aufsicht des Klosters Kamp, so erweist sich die Stadtlage von Mariengarten keineswegs als Ausnahme (vgl. zisterziensische Frauenklöster in den Städten Roermond, Utrecht, Xanten, Duisburg, Coesfeld, Bersenbrück). Außer Mariengarten gab es noch zwei weitere Zisterzienserinnenklöster (Seyne und Mechtern/Apern) in der Stadt. Darüberhinaus unterhielten auch andere Zisterzienserklöster aus dem Rheinland dauerhafte Handelsbeziehungen mit der Stadt Köln und vermarkteten in ihren Kölner Stadthäusern die Überschüsse aus der Landwirtschaft und dem Weinanbau.


 

 

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 13.03.2018