Mariengarten

Gründungszeit

    In der Gründungszeit des Klosters Mariengarten lag die Herrschaft über die Stadt Köln in der Hand einiger reicher Patriziergeschlechter, die sich bis zum Ende des 14.Jhs. die Macht teilten. Die erzbischöfliche Stadtherrschaft war durch die Entstehung von Selbstverwaltungsorganen allmählich abgelöst worden. Ursprünglich war das Schöffenkollegium die wichtigste Instanz, deren Mitglieder erzbischöfliche Beamte waren; sie übten die Gerichtsbarkeit aus, später zusätzlich auch Verwaltungsaufgaben insbesondere im Bereich des Finanzwesens.
Seit Beginn des 12.Jhs. vereinigte sich das Schöffenkolleg mit den Vorstehern der Sondergemeinden in der “ Richerzeche “, nachdem die Sondergemeinden in die Stadt Köln eingegliedert waren. Die Richerzeche war eine bürgerliche Gemeinschaft oder Bruderschaft der reichen Kaufleute, die Ordnungsaufgaben an sich zog (Verleihung von Zunftrechten, Marktaufsicht, Kontrollie von Handel und Gewerbe sowie Teilhabe an der Gerichtsbarkeit). Sie wählte vor allem die Kölner Bürgermeister sowie den Rat der Stadt; letzterer entwickelte sich zum wichtigsten Organ der Selbstverwaltung. Die Patrizierherrschaft der Richerzeche verlor jedoch ihre beherrschende Stellung im ausgehenden 14. Jahrhundert durch einen von den Zünften erzwungenen Machtwechsel.
    Vor allem war Hartmann Gir († um 1232/33) als reicher Kaufmann zu einem der größten Kölner Grundbesitzer aufgestiegen. Seinen Nachkommen gelang durch Einheirat in die amtierenden Schöffengeschlechter der Zugang zur städtischen Führungsschicht. Das Patriziergeschlecht Gir stellte bis zum Ende des 14. Jhs. mehrfach Schöffen und Bürgermeister. Die sich in Köln im 12. und 13.Jh. ausbreitenden Ordensgemeinschaften und Beginenhäuser wurden vornehmlich durch die vermögenden Patriziergeschlechter gefördert. Für Kloster Mariengarten spielte nach 1230 vor allem Guderadis Gir, die Witwe des Hartmann Gir, als Mäzenin eine maßgebende Rolle.
Vermutlich war die rasch ansteigende Zahl der Klosterbewohner im 13.Jh. ein Grund, dass unter den Rahmenbedingungen der Stadtlage die Versorgung der Nonnen Probleme bereitete und zur Verschuldung des Klosters führte. Guderadis Gir ist es zu verdanken, dass Mariengarten durch den Umzug von 31 (?) Nonnen in das von ihr gegründete Kloster Marienbronn in Burbach personell entlastet wurde und auch wirtschaftlich saniert wurde, da sie die Schulden von Mariengarten übernahm. Mit diesen Maßnahmen waren die Voraussetzungen für die beantragte Aufnahme des Klosters in den Orden erfüllt. Auffallend ist, dass der Famlienverband Gir in der Folgezeit engere Beziehungen zum Kloster Burbach unterhielt als zum Kloster Mariengarten.
      Die wirtschaftliche Lage konsolidierte sich erst nach der unruhigen Zeit im 13.Jh., in der die Stadt Köln und der Erzbischof um die Stadtherrschaft stritten. Konrad von Hochstaden beanspruchte die Stellung als höchster Richter und Landesherr der Stadt Köln. Dieser Streit wurde durch die Vermittlung des Kirchenlehrers Albertus Magnus zugunsten der Bürgerschaft zwar beendet (Kleiner Schied von 1252; im Großen Schied von 1258 wurde die oberste Gerichtsgewalt des Erzbischofs anerkannt, gleichzeitig aber auch das Selbstverwaltungsrecht der Kommune bestätigt), doch konnte Konrad 1259 die Stadtherrschaft nochmals an sich ziehen und die Macht des städtischen Patriziates gewaltsam brechen. Die erzbischöfliche Stadtherrschaft ging 1288 endgültig verloren, Köln wurde Freie Reichsstadt.
Kloster Mariengarten zählte zu den wohlhabendsten und vornehmsten Klöstern der Stadt Köln und war ein bevorzugter Begäbnisplatz für die städtische Oberschicht.



 

 

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016