Marienborn (Coesfeld)

Visitation / Geistliche Betreuung

Nach der Organisation der Zisterzienser (Charta caritatis) oblag die geistliche Betreuung eines Frauenklosters dem Abt eines nahegelegenen Mönchsklosters. Zu den Aufgaben des Vaterabts gehörten nach den Beschlüssen des Generalkapitels z.B. die jährliche Visitation, die Leitung der Äbtissinnenwahl, die Bestellung der Beichtväter und die Kontrolle der Wirtschaftsführung.

 

Das Kloster Marienborn ist im Kamper Stammbaum unter St.  I nicht bezeichnet, führt aber im Kamper Stammbaum unter St. II die Bezeichnung:  "Fons s. Mariae Coesfeldiae" ohne Jahreszahl.

 
Das Kloster stand bis ins 16. Jh. unter der Aufsicht des Klosters Marienfeld, das die Pröpste bzw. Beichtväter stellte. Die überlieferten Mitteilungen sind jedoch dürftig (Quelle: Germania Sacra, Marienfeld § 25). Die Chronik des Klosters Marienfeld aus dem 15. Jh. berichtet, dass unter dem Abt Rudolf (etwa 1230 - 55) das Kloster Marienborn Mitglied des Ordens wurde. Für das 13.Jh. wurde nur einmal Abt Winand von Marienfeld in einer Urkunde des Nonnenklosters als Zeuge erwähnt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ist der Mönch Gerhard von Lemgo aus Marienfeld als confessor (Beichtvater) in Marienborn nachweisbar.
Im Rahmen der auf päpstliche Weisung durch den Fürstbischof von Münster 1571 veranlaßten Kirchen- und Klostervisitationen zur Umsetzung der Beschlüsse des Konzils von Trient im Bistum Münster wurde auch das Kloster Marienborn visitiert. Das Protokoll vermittelt Einblicke in die inneren Verhältnisse des Konvents (Quelle: Schwarz, Akten der Visitationen, S. 92 f a.a.O.). Die Visitation von 1602 durch den Generalabt von Morimond (Visitationsbericht im Stadtarchiv Coesfeld: „Fürstlich Salm-Horstmar’sche Archiv“, Titel IV, Fach 29, Paket 11) diente  dem gleichen Zweck. In dieser Zeit steckte das Kloster Marienfeld in einer großen Krise, so dass vermutlich dem Kloster Kamp die Aufsicht über Marienborn übertragen wurde.  Beleg für die Kamper Paternität könnte sein, dass 1627 der Kamper Abt Laurentius v. Bever die Äbtissin daran hinderte, den Jesuiten in Coesfeld das Kloster Marienborn für eine Schulgründung zu verkaufen. Zu prüfen bleibt, ob der Abt hier in seiner Eigenschaft als bestätigter Generalvikar für Niederdeutschland oder als Vaterabt handelte. Eine Verbindung zu Kamp ist für die Coesfelder Zisterzienserinnen jedenfalls urkundlich nicht nachzuweisen. 

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016