Marienborn in Lippramsdorf (ab 1243 in Coesfeld)

Gründungszeit

Bischof Ludolf von Holte (1226-47) fühlte sich zur Fürsorge für das Klosterwesen verpflichtet. Er gründete das Zisterzienserinnenkloster Marienborn, war gegen Ende seiner Amtszeit maßgeblich an der Gründung weiterer Klöster (Rengering bzw. Vinnenberg) beteiligt, unterstützte den Wilhelmitenorden bei der Gründung von Groß-Burlo und übertrug dem Deutschen Orden in Münster ein Gelände zur Errichtung einer Kommende. Die Frauenklöster entstanden durch den Verzicht münsterischer Ministeriale und Burgmänner auf ihre bischöflichen Lehen, die der Bischof den neuen Klöstern übertrug. Dieser Personenkreis dürfte in erster Linie ein Interesse an der Unterbringung und standesgemäßen Versorgung seiner ledigen weiblichen Familienmitglieder gehabt haben. Die Gegenleistung der Nonnen bestand insbesondere im Gebet für das Seelenheil der Stifter.
Bischof Ludolf erhielt für die Klostergründung Marienborn die Unterstützung seiner Familie (z.B. Wicbold von Holte, ein Bruder des Bischofs) bzw. seiner Ministerialen und Vertrauten (Burggrafen, Drosten oder Vögte der bischöflichen Burgen und Amtsbezirke) oder seiner persönlichen Bediensteten. Die Zustimmung des Domkapitels war erforderlich, da die übertragenen Güter der Münsterischen Kirche gehörten; der Ort Lippramsdorf gehörte ursprünglich zu den zahlreichen Hofstellen im Bereich der Stadt Olfen, die der Bischof Wolfhelm von Münster (887 bis 895) aus seinem väterlichen Erbe dem münste­rischen Domkapitel schenkte.
Bedeutende Kirchenfürsten aus dem Geschlecht von Holte waren u.a. der Kölner Erzbischof Wigbold von Holte (1297–1304), die Fürstäbtissin Beatrix von Holte (Reichsstift Essen 1292–1327), außerdem die Bischöfe von Münster Burchard von Holte (1098–1118) und Wilhelm von Holte (1259–60).
Bischof Ludolph bestätigte in einer weiteren Urkunde 1230, dass viele adelige Gründungszeugen (z.B. Conrad von Lüdinghausen, Hermann von Werence, Konrad von Velen, Heinrich von Keppele, Gerhard Brune, Hermann von Merfeld) zu ihrem Seelenheil und zur Vergebung von Sünden im Gründungsjahr durch die Schenkung zusätzlicher Güter bzw. Zehnteinnahmen zur wirtschaftlichen Grundausstattung des Klosters beitrugen. Die Bedeutung des Hauses von Wulfen / von Lüdinghausen zeigte sich auch darin, dass es mehrfach in der Aufbauphase des Klosters durch Stiftungen in Erscheinung trat und die zweite bzw. die vierte Äbtissin des Klosters aus diesem Familienverband stammte.
Der Gründungsort lag zwischen der Lünsumer bzw. Lavesumer Mark und der Lembecker Mark am Kappenberg bei Lippramsdorf (Quelle: Darpe, Güter- u. Einkünfteverzeichnisse, 1907 a.a.O.). Äbtissin und Konvent entschlossen sich, eine Klostergemeinschaft der Zisterzienserinnen bei Welver "von neuem" zu gründen (s. Gründungsurkunde Welver). Jedoch zog wohl nur ein Teil der Nonnen nach Welver. Das Lippramsdorfer Kloster selbst wurde 1243 in die Stadt Coesfeld verlegt. Die Gründe für die Neugründung in Welver und für die Verlegung des Klosters nach Coesfeld sind heute nicht mehr bekannt. Es könnte eine Überbelegung vermutet werden, aber auch, dass eine dauerhafte Sicherheit und Versorgung der Nonnen in der waldreichen Hohen Mark nicht gewährleistet war. Es wurde sogar angenommen, dass eine Fehde zwischen den Herren von Meinhövel mit dem Bischof von Münster ursächlich für die Verlegung war (Quelle: Niesert a.a.O.).
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 12.12.2016