Marienborn in Lippramsdorf (ab 1243 in Coesfeld)

Zeit bis zur Aufhebung

1230
Ludolf von Holte, Bischof von Münster (1226-47), gründete das  Zisterzienserinnenkloster Marienborn in Lippramsdorf und übertrug dem Kloster mit Billigung des Domkapitels den Gründungsort nebst allen zugehörigen Gütern als Grundausstattung. Das Kloster erhielt die volle Markenberechtigung mit Zustimmung aller Markengenossen in der Mark von Ramestorp (Lippramsdorf) sowie in den angrenzenden Marken Lembeck, Lavesum, Haltern und Lünsum.
Gleichzeitig trugen die meisten Gründungszeugen zur wirtschaftlichen Grundausstattung des neuen Klosters bei und schenkten ihm Ländereien, bebaute Grundstücke und insbesondere Zehntabgaben aus Hofstellen im südwestlichen Münsterland zwischen Borken, Reken, Dülmen, Lüdinghausen, Ascheberg, Raesfeld und Wulfen (Quelle: WUB III, Nrn. 277, 278 a.a.O.). Sie gehörten dem Kreis der bischöflichen Ministerialen und Burgmänner an (z.B. die adeligen Herren von Werence, von Wulfen, von Velen, von Keppel, von Dingden, Brune, von Merveld), die als eigentliche Stifter anzusehen waren.
Aus diesem Personenkreis erhielt das Kloster in der Zeit des Aufbaus bis zur Verlegung nach Coesfeld weitere Unterstützung: Ritter Conrad von Lüdinghausen verzichtete 1235 zu Gunsten des Klosters auf eine Hofstelle in Südkirchen und auf Zehntabgaben aus seinen Lehen in Seppenrade, in Dülmen, in Lüdinghausen, in Senden und in Ascheberg; Ritter Udo v. Loe überließ 1243 dem Kloster die Einkünfte zweier Güter im Kirchspiel Seppenrade (Quelle: WUB III Nrn. 331, 415 a.a.O.).

1235
Nach dem Klosterkopiar inkorporierte 1235 der Abt G (uielmus von Cîteaux) im Auftrag des Generalkapitels das Kloster Marienborn auf die Bitte des Bischofs von Münster und auf Weisung des Papstes Gregor IX. in den Orden (Quelle: WUB Bd.3, Nr. 330 a.a.O.), obwohl das Generalkapitel die Aufnahme von Frauenklöstern in den Orden seit 1228 untersagt hatte.
Vermutlich wurde Marienborn der Aufsicht der Klosters Marienfeld unterstellt, da anfangs die Beichtväter (confessor oder provisor), die auch für die Verwaltung des Klosterbesitzes zuständig waren, aus Marienfeld kamen. Die Statuten des Generalkapitels berichteten für das Jahr 1235 über die Anordnung der Inspektion eines Mönchsklosters (?) Marienborn durch die Äbte von Kamp und Altenberg; da es ein solches Kloster im Bistum Münster aber nicht gab, dürfte sich die Inspektion auf den Nonnenkonvent in Lippramsdorf bezogen haben (Quelle: Hock S. 74 a.a.O.).
Die personelle und wirtschaftliche Entwicklung ermöglichte dem Kloster, in weniger als
20 Jahren ein Filialkloster in Welver zu gründen. Zwischen 1238 und 1241 kaufte nämlich der Marienborner Konvent unter der Äbtissin Mechthild von Walter von Soest (Vogt der Stadt Soest und Stiftsvogt von St. Patrokli) Grundbesitz in Welver, um dort "eine Klostergemeinschaft von Neuem zu gründen" (vgl. Gründung des Klosters Welver). Der Kauf wurde 1241 bestätigt, während nach einer Kopiarnotiz von Welver der Gründungskonvent mit Marienborner Nonnen bereits 1238  in Welver ankam. Die erste Äbtissin Mechtild des Klosters Marienborn bzw. Coesfeld  leitete in Personalunion auch das Filialkloster in Welver bis 1254 (vgl. Welver: Amtseinführung der Äbtissin Ascela).

1243
Noch im Jahre 1243 wurde der Standort in Lippramsdorf aufgegeben und das Kloster Marienborn in die Stadt Coesfeld auf einen Hausplatz des Pämonstratenserklosters Varlar verlegt, weil der erste Standort für die dauerhafte Sicherheit und Versorgung der Nonnen in der waldreichen Hohen Mark vermutlich ungeeignet war.
Die Stadt Coesfeld hatte sich von einem Haupthof des Klosters Varlar aus entwickelt. Alle Bürger, denen dieses Kloster einen Hausplatz einräumte, hatten hierfür jährlich einen Erbzins (Wortgeld) zu zahlen. Marienborn zahlte ein Wortgeld von 12 Denaren (Quelle: Darpe, Wortgeldregister von 1358, S. 110 a.a.O.).
Bis ins 15.Jh. hinein hielt die Unterstützung des Klosters durch adelige Familien aus dem Münsterland unvermindert weiter an. Wie die Urkunden aus dieser Zeit belegen (s. Westfälisches Urkundenbuch III und Coesfelder Urkundenbuch), erreichte das Kloster einen wirtschaftlichen Wohlstand durch zahlreiche Schenkunken von Grundbesitz, Memorienstiftungen, Zehntabgaben und Kornrenten. Vor allem die zahlreichen Zehnten an Felderträgen und Vieh aus vielen bebauen Grundstücken (teils als Erben bezeichnet) waren eine wesentliche wirtschaftliche Grundlage des Klosters. Anfangs lagen Grundbesitz und Zehnthöfe in Klostennähe z.B. in den Kirchspielen Lippramsdorf, Haltern, Wulfen, Lembeck und Reken. Im Laufe der Zeit kamen Grundbesitz und Zehnthöfe im südwestlichen Münsterland im Raum zwischen den Städten bzw. Ortschaften Ochtrup, Winterswijck, Borken, Bocholt, Vreden, Hamminkeln, Coesfeld, Laer, Schöppingen, Billerbeck, Havixbeck, Reken, Raesfeld, Seppenrade, Lüdinghausen, Ascheberg, Nord- und Südkirchen, Senden bis Haltern hinzu.
Die meist adeligen Stifter waren vorwiegend in diesem genannten Bereich des Hochstifts Münster ansässig, z.B. die Burggrafen von Rechede, die Ritter von Keppel (Burgleute des Kastels Nienborg), die Ritter von Langen und Holthusen, von Oer, von Gemen, von Lüdinghausen, von Raesfeld, von Loe, von Werence oder die Edelherren von Steinfurt, von Ahaus, von Hagen bzw. Stockem (bei Schöppingen), von Wulfen, von Billerbeck und Nottuln sowie von Schonebeck (Appelhülsen). In den meisten Fällen verzichteten die Stifter auf Lehen der Münsterischen Kirche, die die Bischöfe als oberste Lehnherren (Ludolf von Holte 1244-46; Otto zur Lippe (1247-59); Gerhard von der Mark (1261-72); Everhard von Diest (1275-1301) dem Kloster übertrugen. Das Wortgeld-Register von 1302 verzeichnete die damaligen Besitzungen und Einkünfte des Kloster Marienborn (Quelle: Franz Darpe: Güterverzeichnisse a.a.O.).
Die Klostergemeinschaft erlebte auch Schwierigkeiten z.B. mit der Stadt Coesfeld oder mit zahlungsunfähigen Klosterpächtern: Durch eine vertragliche Regelung im Jahr 1253 zwischen dem Konvent und der Stadt blieb das Kloster gegen eine jährliche Gebühr von allen sonstigen städtischen Diensten für seine bisher erhaltenen städtischen Besitzungen und von den ortsüblichen Bürgerpflichten befreit. Neuerwerbungen sollten aber der städtischen Besteuerung voll unterliegen. Auch verpflichtete sich das Kloster, der Coesfelder Bürgerschaft Wagen und Pferde bei Bedarf zur Verfügung zu stellen (Quelle: WU III Nr. 564 a.a.O.). Bischof Otto von Münster forderte die Pfarrer der Diözese 1256 auf, das Kloster bei Forderungen gegen säumige Pächter durch Andohung der Exkommunikation zu unterstützen; Bischof Everhard drohte 1285 säumigen Klosterpächtern ebenfalls mit Exkommunikation (Quelle: WUB III, Nrn. 616 und 1770 a.a.O.).
Der Konvent war für seine geistliche Betreuung auf Priester angewiesen. Die Beichtväter bzw. Pröpste (Provisoren) kamen aus dem Männerkloster Marienfeld und übernahmen anfangs auch die rechtlichen Vertretung und Vermögensverwaltung des Frauenklosters. Namentlich sind nur einige Mönche bekannt: Alrad 1275–1289; Johannes 1302; Gerhard von Lemgo 1306, der das überlieferte Kopiar verfaßte (Quelle: Germania sacra Marienfeld S.180 a.a.O.). Sie wurden nach Urkunden des 14.Jahrhunderts (Quelle: WUB III, Nr. 1086, 1152, 1198 a.a.O.) häufig von einem weltlichen Priester (auch als "unser Priester" oder "unsere Brüder" oder als "famulus" bezeichnet) oder einem Laienmitglied des Klosters (procurator) unterstützt.
Die Zahl der adeligen Nonnen ist nicht näher bekannt, dürfte aber - wie in anderen Frauenklöstern - auf 20 bis 25 Nonnen ohne das erforderliche Dienstpersonal begrenzt gewesen  und bis ca. 1400 deutlich zurückgegangen sein.
Mehrere Beispiele aus dem 13.-14. Jh. zeigen, dass die Nonnen beim Klostereintritt von ihren Familien mit einer Mitgift versorgt wurden bzw. die Nonnen auch über Privatbesitz verfügen konnten, der erst nach ihrem Tod an das Kloster fiel:  Die Edelfrau Alheidis von Ahaus übertrug 1260 einer Nonne in Marienborn ein Erbe unter der Bedingung, dass dieses Erbe später dem Klosters zufallen sollte. Dietrich von Groenlo (Burgmann in Ahaus) übertrug 1276 seiner Schwester im Kloster Marienborn eine Grundstück als Präbende. Der Ritter Rembert von Stochem (Burgmann des Kastels Nienborg) übertrug dem Kloster 1279 für seine dort eingetretene Enkelin ein Gut, das er zuvor durch Übertragung anderer Güter an den Bischof von Münster aus der Lehnsbindung gelöst hatte. Der Edelherr Walter von Holthausen überließ 1295 seinen beiden Töchtern beim Klostereintritt die Nutznießung eines Hauses am Markt in Coesfeld, das erst nach deren Tod an das Kloster fallen sollte (Quelle. WUB III Nrn. 663, 791, 1072, 1515 a.a.O.). Der Konvent beschloß 1370, dass eine Nonne (Kornschreiberin) über die Einkünfte aus einer Schenkung verfügen durfte, und er verkaufte 1383 einer Mitschwester eine Rente (Quelle: Coesfelder UB Nrn. 222 und 239 a.a.O.).    
 
1349-50
In Coesfeld herrschte die Pest, an der 3/4 der Stadtbevölkerung starben (Quelle: Sökeland S. 43 a.a.O.), so dass diese Zeit mit großer Not auch für das Kloster verbunden war.

1369
Über den Ausbau der Klosteranlage und die kirchlichen Einrichtungen ist kaum etwas bekannt.  Das Kloster besaß 1302 nur eine Kapelle. Bischof Otto von Münster verlegte das  Kirchweihfest der Kapelle damals auf den Sonntag nach der Pfingstoktav.

1400
Um 1400 war der wirtschaftliche Höhepunkt des Klosters erreicht (s. auch Regesten des Klosters Marienborn), danach erfolgten nur noch geringe Veränderungen des Grundbesitzes.
Über die inneren Verhältnisse des Klosters existieren keine Nachrichten, etwa über die Zahl der Konventsmitglieder oder die Entfaltung des inneren Klosterlebens. Zwar waren regelmäßige Chorgebete, meditative Betrachtungen und die Fürbitten für das Seelenheil der zahlreichen Stifter wesentlicher Inhalt des kontemplativen Klosterlebens, doch war eine Ausprägung der asketischen Lebensweise der adeligen Nonnen im benediktinischen Geist, in strenger Klausur und Abschluß von der Außenwelt unter den Lebensbedingungen des Klosters in der Stadt von Anfang an nicht zu erwarten.
Zwar führte das Gedankengut der „Devotio Moderna“ in Coesfeld 1424 zur Gründung des Schwesternhauses Marienbrink ("Schwestern vom gemeinsamen Leben"), doch fehlen Nachrichten, ob sich das Zisterzienserinnenkloster Marienborn ebenfalls dieser spätmittelalterlichen Frömmigkeitsbewegung gegen eine Verweltlichung von Kirche und Klöstern anschloß.

1450 - 58
Es kam zu erneuten Schwierigkeiten zwischen Kloster und Stadtmagistrat um den städtischen Grundbesitz des Klosters; die Stadt befürchtete einen Verlust ihrer Einkünfte wegen der Steuerfreiheit geistlicher Institutionen.
Die Münsterische Stiftsfehde (1450-58) brachte für das Kloster Marienborn unruhige Zeiten und Existenzsorgen, da die Stadt direkt in die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des Bischofs Walram von Moers und des Gegenkandidaten Erich von Hoya um den Bischofsstuhl von Münster und die weltliche Herrschaft im Stiftsgebiet hineingezogen wurde (z.B. Schlacht bei Varlar 1454) und sich die Machtverhältnisse in Coesfeld in dieser Zeit mehrmals verschoben, abhängig davon, welche Partei gerade die Oberhand behielt (Quelle: Darpe, Geschichte der Stadt Coesfeld).

1478 - 95
Die Klosterreformen in der 2.Hälfte des 15.Jahrhunderts, die in den Klöstern aller geistlichen Orden durchgeführt wurden, waren Teil einer generellen Reform nach dem Ende des abendländischen Schismas bzw. des Konzils von Basel (1431–49) mit dem Ziel, die Monialen wieder zur Einhaltung einer strengen Observanz und Beachtung des Armutsideals zu veranlassen. Veränderungen der Lebensweise und  Privilegien der Nonnen galten schlechthin als Verweltlichung und Niedergang der Klosterzucht. Der Abt des Kosters Marienfeld war schon in der Mittte des 15.Jhs. vom Generalkapitel beauftragt worden, die ihm unterstellten Klöster zu reformieren. Das Kloster Marienborn wurde erst nach 1478 vom Abt Johannes Wineken (1478–95) aus Marienfeld reformiert, in dessen Amtszeit auch Reformen weiterer Frauenklöster (Gravenhorst, Rengering, Holthausen, Vinnenberg, Netze) stattfanden (Quelle: Germania Sacra, S. 395-98 a.a.O.).  Eine zuverlässige Aussage über die inneren Verhältnisse und die Wirkung der Reform in Coesfeld ist aufgrund fehlender Nachrichten nicht möglich. Jedoch dürften nach den allgemeinen Erfahrungen in anderen traditionellen adeligen Frauenklöstern sich die Nonnen zunächst gegen Reformen gewehrt haben, da die geforderte Erneuerung der Klausur den Verlust legitimer Privilegien und die Einschränkung einer standesgemäßen individuellen Lebensführung (z.B. Verzicht auf Privatbesitz, auf Annahme von Erbschaften, auf Beteiligung an den Ertragsüberschüssen des Klosters, auf modische Bekleidung und Reisefreiheiten) bedeutete.

1498
Zur Erinnerung an den Ursprung des Klosters Marienborn ließen die Herren des Hauses Ostendorf in der Hohen Mark auf dem heutigen Tannenberg eine Kapelle errichten, aus der die Wallfahrtskirche Sankt Annaberg (bei Haltern) hervorging.
    (Das Haus Ostendorf war ein landtagsfähiges Rittergut in Lippramsdorf, das Bernhard Bitter und seine Frau Gertrudis von Ostendorf im frühen 14.Jahrhundert zum Offenhaus des Fürstbischofs von Münster machten).

1505
Aufzeichnungen des Klosters Marienborn enthalten die vom hochadligen Haus Ostendorf an das Kloster in Coesfeld abzuführenden Abgaben, welche von 12 Höfen in den Bauenschaften von Lippramsdorf, Haltern und Wulfen zu leisten waren.
 
1530
Bereits 1530 resignierte die Äbtissin Anna Kerkering und trat zurück. Da sie erst 1539 starb (Quelle: Äbtissinnenliste bei Darpe a.a.O.), bleibt zu vermuten, dass es im Konvent Probleme gab und die Äbtissin sich den äußeren Veränderungen durch die Reformation nicht gewachsen fühlte bzw. zum Rücktritt gedrängt wurde.
Die Einführung der Reformation hing vom Verhalten des Adels bzw. des städtischen Magistrats ab, sofern diese in ihren Machtbereichen das Kirchenpatronat besaßen und damit einen protestantischen Prediger bestimmen konnten. Da das Patronatsrecht über die Pfarrkirchen in Coesfeld beim Kloster Varlar lag, schloss sich der städtische Rat der Reformation nicht an. Der Rat verhinderte dadurch, dass die Wiedertäufer in Coesfeld Fuß fassen konnten und es zu offenen Unruhen kam. Gleichwohl fand die Reformation in Coesfeld im Laufe der Zeit dennoch Anhänger unter den Ratsmitgliedern und in der Bevölkerung, und es blieb die steuerliche Bevorzugung der Geistlichkeit und der Klöster in der Stadt ein ständiger Kritikpunkt.

1539
Das erhaltene Güterverzeichnis des Klosters, das im Rahmen einer Landesschatzung 1539 aufgestellt wurde, gibt einen Einblick in die Besitzverhältnisse des Klosters. Die Landesschatzung diente jedoch dazu, auch von den geistlichen Institutionen Gelder zur Finanzierung der Kriegskosten und Abtragung der Schulden des Fürstbischofs Franz von Waldeck (Bischof von Münster 1532-53) oder zur Unterhaltung der Befestigungsanlagen der Stadt Coesfeld einzutreiben
(Quelle: Darpe a.a.O.; Sökeland S. 59 a.a.O.).

1570
Das Kloster Marienborn in Coesfeld blieb in den Wirren der Reformation als katholische Institution bestehen.
Zur Durchführung der Reformdekrete des Konzils von Trient (1545-63) setzte das Generalkapitel Visitatoren ein. So beauftragte der Abt Johannes von Morimond 1570 den Abt des friesischen Klosters Klaarkamp mit der Visitation aller Ordenshäuser in den Niederlanden, in der Diözese Münster und in den westfälischen Gebieten (Quelle: Kohl, NF 37.2 S. 93 a.a.O.). Es läßt sich jedoch nicht mehr feststellen, ob der Abt das Kloster visitierte.
Auf päpstliche Weisung veranlaßte 1571 Johann von Hoya, Fürstbischof von Münster 1566-75, Kloster- und Kirchenvisitationen in seinem Bistum zur Umsetzung der Beschlüsse des Konzils, um die genaue Beachtung der Ordensregeln (z.B. Wiederherstellung des Gemeinschaftslebens, Abschaffung des Privateigentums, Klausur der Nonnen) sicherzustellen, häretische Schriften zu beseitigen, die Amtsausübung und den Bildungsstand der Geistlichen zu verbessern und das übliche Konkubinat abzuschaffen. Bei der Visitation des Klosters Marienborn am 3.9.1571 durch die bischöflichen Kommissare trat das innere Leben des Konvents erstmals deutlich hervor. Sie fand in Gegenwart der seit 1541 regierenden Äbtissin Adelheid Travelmann, der Priorin Lucia von Heyden, der Küsterin Anna Korten und der Seniorin des Konvents Gertrud Plonies nach einem festgelegten Visitationsschema (Beantwortung eines Fragenkatalogs) statt. Es ergaben sich zwar keine gravierenden Beanstandungen der religiösen Verpflichtungen, dennoch folgte das klösterliche Leben keineswegs den strengen Klausurregeln. Zwei Nonnen waren in der Vergangenheit in den Laienstand getreten und hatten das Kloster verlassen („quod duae exierunt abjecto habitu sc. Margaretha Welpendorpp et Hardewich de Olden“). Die hergebrachte Gottesdienstordnung und die Gebetsvorschriften wurden beachtet. Das Schweigegebot nach den Regeln wurde aber nicht so streng beachtet, es gab für die Nonnen keine Reisebeschränkungen und auch kein ausgeprägtes Gemeinschaftsleben, z.B. speiste die Äbtissin mit den Nonnen gemeinsam nur an kirchlichen Hochfesten, da sie schon „lange einen privaten Tisch“ hatte. Die geringen Einkünfte des Klosters reichten gerade für den Lebensunterhalt der Nonnen aus. Von den 14 Mitgliedern des Konvents waren 3 Nonnen verreist. Es gab keine Bibliothek, nur ein paar alte Bücher waren vorhanden (Quelle: Schwarz, Akten der Visitationen, S. 92 f a.a.O.).
Nachhaltige Veränderungen des klösterlichen Lebens im Sinne der Konzilsbeschlüsse traten in den folgenden Jahrzehnten aber nicht ein. Dies dürfte auf die im Bistum herrschenden Widerstände gegen die Annahme der Konzilsdekrete zurückzuführen sein, deren Umsetzung praktisch erst mit den Reformedikten des Kurfürsten Ferdinand von Bayern (zugleich Bischof von Münster 1612-50) erfolgte (Quelle: Germania sacra NF 37.2; § 77 a.a.O.).

1587 - 1602
Die Situation des Klosters war schwierig, weil nach der Liste der Äbtissinnen (vgl. Darpe, Einkünfteverzeichnis S. 8 a.a.O.) in wenigen Jahren mehrere Äbtissinnen nach nur kurzen Amtszeiten starben (Adelheid Travelmann + 1587, Katharina von Corde + 1588, Johanna von Eschede + 1589, Margarethe von Epinkhausen +1602).
Die Situation der Stadt, und damit auch die Lage des Klosters, war insbesondere 1598/99 durch die Auswirkungen des 80-jährigen Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien auf das westliche Münsterland äußerst angespannt, als spanische Truppen von November 1598 bis Mitte 1599 im Oberstift überwinterten und die meisten Städte besetzt hielten. Spanisches Militär lagerte in dieser Zeit in der Stadt Coesfeld und mußte von der Bevölkerung versorgt werden. Man muß davon ausgehen, dass vom Kloster Marienborn zusätzliche Steuern bzw. Zwangsgelder nicht nur für die Unterhaltung der Verteidigungsanlagen der Stadt, sondern auch zur Versorgung fremder Truppen eingefordert wurden. Nach Abzug der Spanier richtete sich der Unmut der Bevölkerung über die drückenden Belastungen daher teils gegen die eigene Stadtverwaltung, teils aber auch gegen die geistlichen Institutionen, da "die Befreiung der Klöster und der Geistlichkeit von städtischen Dienste endlich aufhören solle" (Quelle: Sökeland, S. 127 a.a.O.).
Die Wahl der Äbtissin Heilwig von Bellinghof wurde im Jahre 1602 nach dem Tode ihrer Vorgängerin Margaretha von Epinkhausen bestätigt.
Der Generalabt von Morimond, Claudius Masson, hielt sich 1602 in Westfalen auf. Er war vor allem an der Abtswahl des in wirtschaftliche und personelle Schieflage geratenen Klosters Marienfeld beteiligt (Quelle: Germania sacra, Marienfeld S. 111 a.a.O.). Er besuchte auch verschiedene Nonnenklöster (z.B. Marienborn, Wormeln), um sie im Sinne des Konzils von Trient zu einer strengen Observanz zu verpflichten, die Einflüsse der Reformation zu beseitigen und das Privateigentum der Nonnen abzuschaffen. Die Ordensregeln scheinen in Marienborn großzügig ausgelegt worden zu sein, denn der Generalabt versuchte,  die Einhaltung einer strengen Observanz durch Bekanntgabe neuer Statuten durchzusetzen. Jedoch fehlen Nachrichten über die Wirkung dieser Reformmaßnahme, vermutlich änderte bzw. verbesserte sich die Lage des Klosters dadurch aber nicht. Der Generalabt erklärte außerdem verschiedene Geldgeschäfte der (verstorbenen) Äbtissinnen für ungültig (vgl. Darpe, Einkünfteverzeichnis S. 9 a.a.O.), die wohl aus Not, jedoch nicht durch Misswirtschaft zur Verschuldung des Klosters am Ende des 16.Jahrhunderts beitrugen.

1601 - 23
Auf Anordnung des Papstes wurde bereits 1601 im Fürstbistum Münster eine Kommission geistlicher Räte eingerichtet, die in den verschiedenen kirchlichen Bereichen - u.a. auch im Bereich der Klöster - Reformen im Sinne des Konzils von Trient (1545-63) durchführen sollte. Doch erst unter Ferdinand von Bayern, Erzbischof von Köln und Bischof von Münster (1612-50), gelang es, den Katholizismus mit Hilfe der Jesuiten und Kapuziner wieder zur Geltung zu bringen, nachdem sich die Truppen der katholischen Liga um 1623 in den meisten Städten des Oberstifts festgesetzt hatten. Coesfeld wurde insbesondere durch die Gründung eines Jesuitenkollegs ein Zentrum für die Rekatholisierung. Die Tätigkeit der Jesuiten wurde jedoch in der Zeit der hessischen Besetzung der Stadt Coesfeld von 1633 bis 1650 wieder unterbrochen.
Der Jesuit J.Steill war bereits seit 1621 mit der Verwaltung der beiden Coesfelder Pfarrkirchen beauftragt worden. Nach seiner Auffassung wären die meisten Bürger der Stadt Coesfeld "häretische Katholiken" geworden, außerdem hätten die Pröpste von Varlar als Pfarrherren sich kaum noch um das religiöse Leben in der Stadt gekümmert. Die Gleichgültigkeit vieler Bürger gegenüber dem traditionellen Glauben war aber eine Folge der Kriegszeiten und äußeren Not, des Einflusses der Reformation auf die Bevölkerung, der Lebensweise des Klerus und der zwiespältigen konfessionellen Haltung mehrerer Bischöfe von Münster.

1623 – 50
Die Äbtissinnen Katharina von Hake (1614–31) und Anna von Viffhusen (1631-37) hatten das Kloster durch die schwierige Zeit des 30-jährigen Krieges zu führen.
Katharina von Hake hatte sich bereit gezeigt, die Klostergebäude den Jesuiten zu verkaufen, die geeignete Gebäude für die Errichtung ihrer Niederlassung und Gründung eines Gymnasiums in Coesfeld suchten. Der Verkauf wurde aber durch den Camper Abt Laurentius v. Bever verhindert.
Coesfeld mußte im 30-jährigen Krieg die Einquartierung fremder Truppen ertragen und ihren Unterhalt bestreiten: Kaiserliche Truppen lagen 1623 in der Stadt zum Schutz des Hochstifts gegen die Söldnertruppen des Her­zogs Christian von Braunschweig. Die Besetzung der Stadt durch hessische (protestantische) Truppen von 1632 bis 1650 stürzte die Stadt und auch das Kloster in den Ruin  (hessische Truppen besetzten im Winter 1632 auch die Städte Dülmen, Haltern,  Dortmund, Unna und Werl, da der Schwedenkönig Gustav Adolf dem hessischen Landgrafen für gewährte Kriegsunterstützung u.a. die Fürstbistümer Münster und Paderborn verspochen hatte); die Stadt verlor in dieser Zeit die Hälfte ihrer Einwohner, und das bisherige Wirtschaftsleben brach zusammen.
Nach dem Tode der Anna von Viffhusen (+ 1637) wurde 1638 Ursula von Graffen aus dem Kloster Kentrup (gestorben erst 1651) zur Äbtissin berufen, die schon nach einem Jahr durch die aus dem Kloster Saarn stammende Sybilla von Birgel abgelöst wurde (Quelle: Liste der Äbtissinnen bei Darpe a.a.O.).
Über den inneren Zustand des Konvents gibt es keine konkreten Nachrichten. Die Berufung von Nonnen aus fremden Klöstern zu Äbtissinnen bedeutete aber, dass aus dem Coesfelder Konvent niemand zur Übernahme der Klosterleitung zur Verfügung stand und das Kloster aufgrund der Kriegszeiten und Schulden seine Attraktivität als Versorgungsstätte unverheirateter adeliger Frauen verloren hatte.

1650 - 85
Es folgte eine wirtschaftliche und kulturelle Erholung der Stadt unter dem Bischof Christoph Bernhard von Galen (1650–78), der die entvölkerte und verarmte Stadt von den Hessen freikaufte und Coesfeld zur landesfürstlichen Residenz und Festung ausbauen ließ. Er verfolgte nicht nur die Wiederherstellung der konfessionellen Einheit in seiner Diözese, sondern auch die Erneuerung einer strengeren Observanz der Frauenklöster. In dem langen Abbatiat der Sybilla von Birgel (1639-85) erholte sich auch das Kloster langsam von den Kriegsfolgen. Die Äbtissin starb 1691,  trat aber bereits 1685 aus Altersgründen zurück (Quelle: Stadtarchiv Düren Az.: B 709/2722 mit Bezug auf eine Coesfelder Gerichtsurkunde von 1688, in der die wegen ihres hohen Alters zurückgetretene Äbtissin des Klosters Marienborn in Coesfeld vor ihrer Profeß in Saarn die Abtretung ihres Kindesteils am Gut zu Urfeld an ihre Nichte Ursula Margarete von Birgel bestätigt.)
Der Abt von Kamp bestätigte 1668 dem Adeligen-Jungfern-Kloster in Coesfeld die vom Bischof v. Galen erlaubte Anlage eines Kirchhofs für Soldaten und andere Ausländer.
Nach dem Tod des Bischofs (+1678) setzte der Niedergang der Stadt wieder ein, da die bischöfliche Residenz und Festung in Coesfeld auf Betreiben des Dompapitels aufgegeben wurden.
Das Generalkapitel des Ordens, an dem der Abt von Marienfeld 1683 in Paris teilnahm, beschloss abermals, die inkorporierten Frauenklöster „ad strictam clausuram“ zu verpflichten (Quelle: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Marienfeld S.124 a.a.O.). Die Zeitumstände der folgenden Jahrzehnte lassen aber vermuten, dass dieses Ziel nicht mehr zu erreichen war.

1678-1750 
Das Kloster hatte unter der wirtschaftlichen Rezession und Überschuldung der Stadt Coesfeld zu leiden. Handel und Verkehr gingen zurück, und die Bevölkerung verarmte.
Alle Versuche der Landesregierung im 18. Jahrhundert, das wirtschaftliche Leben der Stadt wieder zu aktivieren, schlugen fehl. Allerdings zählte das Kloster noch immer zu den größten Grundbesitzern in der Stadt, da es nach dem Wortgeldverzeichnis für die Jahre 1694 -1700 Abgaben an das Kloster Varlar zu zahlen hatte, die etwa 10-fach größer waren als die Durchschnittsabgabe eines eingesessenen Bürgers.    

1750- 61
Die 35. Äbtissin Maria Gertrud v. Brockhausen zu Bolwerk (1710-50) dankte "nach löblicher Regierung" aus Altersgründen ab.
Das Kloster gewann unter der Äbtissin Francisca von Beverforde (1750–88) einen Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht in Wetzlar gegen die Herrschaft Raesfeld zu Ostendorf wegen erheblicher Pachtrückstände; die Herrschaft hatte vom Kloster eine Reihe von Bauerhöfen angepachtet, ließ diese Höfe verfallen und zahlte die Pacht nicht.
Unter dieser Äbtissin wurde ab 1754 eine neue Kirche gebaut, deren Bau durch Beiträge des Kurfürsten Clemens August von Bayern (zugleich Erzbischof von Köln und Bischof von Münster), der Priore von Gross- u. Klein-Burlo, der Karthause zu Weddem u.a. unterstützt wurde (Quelle: Darpe, S. 7 a.a.O.); jedoch gibt es über die Fertigstellung und Gestaltung der Kirche keine Informationen. Infolge der Kriegsereignisse des 7-jährigen Krieges und Besetzung der Stadt Coesfeld 1761 durch französische Truppen (der Kurfürst stand auf der Seite Frank­reichs, so dass das Stift Münster aus Sicht der brandenburgischen und hannoverschen Gegener als Feindesland galt) geriet das Kloster in Schulden. Nach dem Truppenabzug war ein Drittel der Häuser Coesfelds unbewohnt oder verwüstet; Coesfeld erlebte einen wirtschaftlichen Tiefpunkt.

1780
Aufgrund des liberalen Gedankengutes des aufgeklärten Absolutismus, das den Nutzen der kontemplativen Klöster in Frage stellte, zeichnete sich ab, dass das Kloster keine Chance zum Überleben hatte, insbesondere versuchte der Vertreter des Kölner Kurfürsten in Westfalen, der Landdrost Hermann von Spiegel, staatliche Reformen zu erreichen, die durch Aufhebung aller Köster und Stifte finanziert werden sollten.
Trotz seiner schlechten finanziellen Verhältnisse beherbergte und versorgte das Kloster insbesonders im Jahre 1796 französiche Priester bzw. Ordensleute, die nach der Revolution ausgewiesen wurden und in die rechtsrheinischen geistlichen Territorien flohen.

1803
Kloster Marienborn wurde aufgelöst.








Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 11.08.2017