Marienborn in Lippramsdorf (ab 1243 in Coesfeld)

1230 – 1803

Lage des Klosters
Stadt Coesfeld: Bereich zwischen der heutigen Schüppenstraße, Süringstraße und Poststraße. Nachrichten über die ursprüngliche Lage des Klosters in der Hohen Mark sind nicht erhalten. Aufgrund einerb Such- und Grabungsaktion im Jahre 1962 wurden Gebäudefundamente aus dem 13. Jh. im Bereich einer Mulde südlich des Bensberger Bergs etwa 200 m südwestlich einer Quelle am Bornweg in der Bauerschaft Born (heute: Eppendorf im Kirchspiel Lippramsdorf) dem Kloster zugeordnet.

Erhaltenes Erbe
Vom Kloster ist nichts erhalten geblieben.

Kurzgeschichte
Ludolf von Holte, Bischof von Münster (1226–47), gründete 1230 im südwestlichen Münsterland in der Hohen Mark bei Lippramsdorf (Haltern/Westf.) das Zisterzienserinnenkloster Marienborn. Die Klostergründung lag im Grenzbereich der Territorien der Bischöfe von Münster und Köln. Bischof Ludolf sorgte für eine solide wirtschaftliche Grundausstattung und übertrug dem Kloster den Gründungsort mit allen zugehörigen Gütern sowie die Markenberechtigung an der Lippramsdorfer Mark und den angrenzenden Marken. Zahlreiche bischöfliche Ministerialen beteiligten sich an der wirtschaftlichen Grundausstattung des Klosters und überließen ihm Grundbesitz und Zehntrechte. Die Namen bekannter Äbtissinnen und Konventualinnen lassen erkennen, dass das Kloster anfangs adeligen Frauen aus den Familien der Ministerialen im Dienst der Bischöfe von Münster vorbehalten war. Die personelle und wirtschaftliche Entwicklung des Klosters Marienborn vollzog sich so rasch, dass das Kloster nach kurzer Zeit Grundbesitz in Welver (bei Soest) aus dem Besitz des Vogts Walther von Soest erwarb und darauf ein Filialkloster gründete.
Der Standort in Lippramsdorf wurde nach 15 Jahren aufgegeben und das Kloster 1243 unter Beibehaltung des Namens Marienborn auf eine sog. Wortstätte des Klosters Varlar nach Coesfeld verlegt. Ein erhaltenes Güterverzeichnis von 1302 gibt Einblick in die damaligen umfangreichen Besitzverhältnisse des Klosters.
Die Nonnen besaßen in Coesfeld keine Pfarrrechte. Nachrichten über Kloster- bzw. Kirchenbauten haben sich nicht erhalten. Über die Größe des Konvents bzw. seine innere Entfaltung in der Frühzeit ist nichts bekannt. Es ist auch nicht zu erwarten, dass unter den städtischen Lebensbedingungen die Zisterzienserideale eine reine Ausprägung fanden. Das Kloster dürfte nach dem abendländischen Schisma unter dem Einfluss der „devotio moderna“ gestanden haben, die in Coesfeld zu Gründung weiterer Frauenklöster führte. Die Notwendigkeit und die Wirkung der Klosterreform am Ende des 15.Jahrhunderts lassen sich wegen fehlender Nachrichten nicht erschließen. Die Visitation in 1571 bestätigte, dass die Klausurregeln von den
14 Konventualinnen bereits in der Vergangenheit großzügig gehandhabt wurden.
Das Kloster überlebte die Wirren der Reformation als katholische Institution, geriet aber in den Sog des ab 1600 anhaltenden wirtschaftlichen Niedergangs der Stadt - mit Ausnahme der kurzen Blütezeit der Stadt unter Bischof Christoph Bernhard von Galen (1650 -78) -, so dass es bis zur Aufhebung in ständigen Existenzsorgen lebte. Der spanisch-niederländische Krieg störte seit ca.1580 die Handelsbeziehungen zwischen Coesfeld und den Niederlanden empfindlich; Plünderungen und Beutezüge der Kriegsparteien durch das Münsterland führten zur Verarmung der Region. Ein Brand zerstörte 1591 Teile der Stadt Coesfeld. Die spanische Besetzung 1598/99 brachte eine Zeit großer Not, die sich im 30-jährigen Krieg unter kaiserlicher (1623) und hessischer Besatzung (1633 -50) zum Schaden des Klosters fortsetzte.
Die Spuren der Reformation sollten mit Hilfe der Jesuiten bzw. Kapuziner überwunden werden, die 1627 Niederlassungen in Coesfeld gründeten. Die Äbtissin hatte sich zwar bereit gezeigt, das Kloster Marienborn den Jesuiten für ihre Niederlassung zu verkaufen, jedoch wurde der Verkauf vom Kamper Abt verhindert. Die katastrophale Situation der Stadt - und damit auch des Klosters - dauerte im 18.Jahrhundert fort, da alle Bemühungen, das wirtschaftliche Leben der Stadt zu beleben, erfolglos blieben. Die noch in Coesfeld lebenden Bürger waren überwiegend verarmt, viele Häuser standen leer oder waren verwüstet. Dazu kamen noch weitere Kriegslasten durch den 7-jährigen Krieg.
Das Kloster wurde 1803 aufgehoben.
 


Nutzung

Heute befindet sich auf dem früheren Klosterareal eine Einkaufspassage mit Tiefgarage.

 

Beachtenswertes

Darstellungen der Klosteranlage, Kunstgegenstände bzw. sehenswerte Einzelstücke der Kirchenausstattung sind nicht bekannt.

 

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

Äbtissinnenliste (vgl. Darpe, außerdem Westfl. Klosterbuch)

 

Kontakt - Infos

Stadtarchiv Coesfeld

 

WEB-Links

1.   Geschichte der Stadt Coesfeld mit Hinweisen auf die Gründung des

      Klosters

      Marienborn in Lippramsdorf

2.   Grundausstattung, Grunderwerb und Zehntrechte des Klosters

      Marienborn

3.   Lage des Kloster in der Hohen Mark 

4.   Kloster Marienborn (Uni-Münster, PDF-Datei)

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 23.05.2017