Leeuwenhorst

Gründungszeit

Im Mittelalter entstanden in den zum Reichsgebiet gehörigen Niederlanden souveräne weltliche und geistliche Fürstentümer. Die Grafen von Holland und Zeeland hatten bis zur burgundisch-habsburgischen Herrschaft eine führende Position im Gebiet zwischen dem Rhein-Maas-Delta und dem Ijsselmeer. Aus diesem Grafenhaus stammte der römisch-deutsche König Wilhelm von Holland (1247-56), der am Ende der Staufer-Zeit auf Betreiben des Papstes Innozenz IV. zum Gegenkönig gegen Kaiser Friedrich II. gewählt wurde. Sein Sohn Floris V. war Landesherr in der Gründungsphase des Klosters Leeuwenhorst.
Zu den einflußreichen Vasallen bzw. Vögten der Grafen von Holland gehörten u.a. die Herren von Noordwijk sowie die Herren von Alkemade, die mit dem gräflichen Hause verwandt waren. Walewein von Alkemade, der Vater der beiden Klosterstifter, hinterließ seinen 4 Söhnen Arnold, Walewein, Dirk und Floris, die sich teilweise auch nach ihrem Wohnsitz Sassenheim benannten, umfangreiche Ländereien in der Region von Leiden, Oestgeest, Noordwijk, Sassenheim und Lisse, aber auch in der Region „Westland“ in der Provinz Süd-Holland (Maasland, Monster, Wateringen, Poeldijk). Arnold und Walewein stifteten ihre Besitzanteile, die in den Pfarrbezirken von Noordwijk und Langeveld (Lisse) sowie im Westland lagen, als Grundausstattung für das neue Kloster. Die Mutter der Stifter, Clara van Noordwijk, trat nach dem Tode ihres Mannes Walewijn van Alkemade in das Kloster Rijnsburg ein, wo sie auch Äbtissin wurde.
Stiftungsmotive der Brüder Arnold und Walewein waren das „ Seelenheil ihrer Eltern und die Hoffnung auf Belohnung in der Ewigkeit “. Vermutlich war die Klosterstiftung auch eingebunden in die Erschließung, Kultivierung und Entwässerung des Sumpf- und Moorlandes im Bereich der Nordseeküste, denn im 13. Jahrhundert entstanden die ersten Polder zum Schutz der hier lebenden Menschen gegen Überflutungen.
Leeuwenhorst war in den ersten Jahrhunderten ein Kloster, das der Versorgung adeliger Frauen aus dem Grafenhaus Holland und Zeeland oder aus Geschlechtern diente, die in verwandtschaftlichen Beziehungen oder in einem Treueverhältnis zu den Grafen standen. Die Grafen hatten offenbar das Recht, Präbenden aus dem Klostervermögen zu verteilen. Häufig waren die Novizinnen beim Klostereintritt noch Kinder, die nicht das vorgeschriebene Mindestalter hatten. Erst gegen Ende des 15.Jahrhunderts wurden unter der burgundisch habsburgischen Herrschaft auch Familien aus anderen Regionen (Utrecht, Geldern, Oberijssel) begünstigt, die sich zum Landesherrn loyal verhielten und deren Töchter in Leeuwenhorst eintreten konnten.
Leeuwenhorst war das letzte von 19 Zisterzienserinnenklöstern, die im Verlauf der mittelalterlichen religiösen Frauenbewegung in den Niederlanden gegründet wurden. Nach dem Fundationsbuch des Beginenhofs in Haarlem gründete Arnold von Alkemade (Pastor in Haarlem) auch den Beginenkonvent in Haarlem. Das Kloster Mariendaal bei Utrecht war vermutlich überbelegt, da Arnold den Gründungskonvent (die Zahl der Nonnen schwankt je nach Quelle zwischen 8 und 12 Nonnen) von Mariendaal nach Leeuwenhorst geholt haben soll; die erste Äbtissin Mabilia van Wulvem stammte vermutlich auch aus diesem Kreis
(Quelle: Geertruida de Moor, S.28 a.a.O.).

Die Herren von Sassenheim / Alkemade unterhielten offenbar auch gute Beziehungen zu anderen geistlichen Institutionen, da Dirk van Sassenheim 1282 in seinem Testament Vermächtnisse zugunsten mehrerer Frauenklöster in Utrecht (St. Servaas, Mariendaal, St. Catharina, das Wittevrouwenkloster, Beginenkonvent) festlegte.
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016