Leeuwenhorst

Zeit bis zur Aufhebung

1261
Die Brüder Arnold von Sassenheim (Pastor in Haarlem) und Walewein von Sassenheim (oder Alkemade) stellten ihren Grundbesitz in Noordwijk und in Langeveld (Lisse) für die Gründung eines Zisterzienserinnenklosters zur Verfügung.

1262
Die adeligen Stifter übertrugen die Güter „für die Seelenruhe ihrer Eltern und in der Hoffnung auf ewige Belohnung“ der Abtei Mariendaal bei Utrecht zur Errichtung des neuen Klosters an der Nordseeküste in Leeuwenhorst.
Der Utrechter Bischof hatte 1262 auf die Bitte Arnold`s den Nonnen von Mariendaal erlaubt, die Schenkung anzunehmen; er bestätigte zu Beginn des Jahres 1263 die Schenkung (Quelle: Urkundenbuch Stift Utrecht, Nr. 1577, S. 327).

1272  - 75
Nach dem Tode Arnold`s betrachteten sein Bruder Floris und anderen Erben die Stiftung wegen fehlerhafter Ausführung des Stifterwillens als unrechtmäßig. Die Äbtissin von Mariendaal und Floris ließen den Konflikt durch eine Vermittlungskommission (6 Utrechter Geistliche) entscheiden: Leeuwenhorst durfte alle Güter unter der Bedingung behalten, dass der Aufbau des Kloster erfolgen und die Klostergemeinschaft innerhalb von 6 Jahren in den Orden aufgenommen würde.
Das Generalkapitel ordnete im Rahmen des Inkorporationsverfahrens zweimal eine Ortsbesichtigung an. Die erste Besichtigung durch die Äbte von St.Bernhard-an-der-Schelde und von Klaarkamp in Friesland verlief erfolglos; offenbar entsprachen die klösterlichen Wohnverhältnisse nicht den Anforderungen an ein gemeinschaftliches Leben der Nonnen unter Klausurbedingungen (insbesondere war der Abschluß von der Außenwelt eine wesentliche Bedingung für eine Inkorporation). Erst die zweite Besichtigung durch die Äbte von Bloemkamp in Friesland und Boudelo bei Gent ergab ein positives Ergebnis, so dass die Voraussetzungen für eine Aufnahme des neuen Klosters in den Orden der Zisterzienser erfüllt waren.
Der Bau des Klosters war ca. 1274 vollendet.
Der Landesherr der Provinzen von Holland und Zeeland, Graf Floris V., bestätigte die Schenkungen der Herren von Sassenheim. Er befahl seinen Vögten, das neue Kloster zu beschützen. Das Kloster wurde nach dem Fundatiebuch von Haarlem 1275 in den Orden inkorporiert.

1276
Papst Innozenz V. stellte das Kloster Leeuwenhorst mit allen Gütern unter seinen Schutz.
 
1280
Die Kamper Paternität ist seit dem Jahr 1280 belegt (Visitation des Abtes Giselbert von Kamp); nach der Kamper Chronik lebten 25 Nonnen im Konvent. Das Kloster Kamp stellte die Beichtväter für Leeuwenhorst; von Rutger von Rheinsberg (+1318 in Leeuwenhorst) stammte die sog. „Kamper Bibel“ mit beeindruckenden Miniatur-Malereien. Viele Beichväter blieben nach dem Ende ihrer Amtszeit in Leeuwenhorst und ließen sich als "proveniers" vom Kloster versorgen. Die Äbtissin hatte das Recht, die Kapläne, die Laienbrüder und -schwestern sowie die Rentmeister anzustellen. Es waren stets zwei Weltgeistliche vorhanden. Die Äbtissin hatte einen eigenen Kaplan, der meist auch ihr Sekretär war. Der zweite Kaplan zur Betreuung der übrigen Konventualinnen begann seine Laufbahn in der Regel als Schulmeister im Dienst des Klosters.

1282

Die Abteikirche war fertiggestellt.

 

1340

Die Verwaltung des Klostervermögens und die Leitung der Höfeverbände mit den drei Zentren in Sassenheim, Monster und Poeldijk lagen in der Frühzeit des Klosters in Händen von Laienbrüdern (Rentmeistern und Unterrentmeistern), jedoch wurde im 14.Jahrhundert das System der Eigenbewirtschaftung wegen fehlender Laienbrüder aufgegeben. Klosterbesitzungen wurden häufig gegen Jahreszinsen auch an Kleriker verpachtet. Da der Verlust von Grundbesitz in der damaligen Zeit eine Gefahr für den Bestand des Klosters bedeutete, forderte Papst Benedikt XII (1334-42 in Avignon) die Dekane der Utrechter Kollegiatstifte auf, für die Rückgabe einiger Güter des Klosters Leeuwenhorst zu sorgen, die von Klerikern widerrechtlich in Besitz gehalten wurden (vgl. auch entsprechende Entwicklung 1339 der Klöster Graefentahl,  Fürstenberg und Sterkrade).
Seit Beginn des 15.Jahrhunderts wurden Rentmeister aus dem weltlichen Stand angestellt, die meist ein anderers öffentliches Amt innehatten und über Finanzerfahrungen verfügten. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Rentmeister und Äbtissinnnen wirkten sich dabei nicht immer zum Vorteil des Klosters aus.


1340 - 49
Zwischen 1340–49 wurde ein Krankenunterkunft gebaut, die durch eine Stiftung eine eigene Kapelle mit einem von der Abtei angestellten Priester zur Betreuung der Kranken erhielt und die fortlaufend von vielen adeligen Familien unterstützt wurde.
Seit etwa 1300 waren in Leeuwenhorst sog. Proveniers (Familiare) anzutreffen. Es handelte sich um ältere Menschen, die sich gegen eine Bezahlung bzw. Vermögensstiftung bis zum Lebensende vom Kloster versorgen ließen oder als Gegenleistung für frühere Dienste versorgt wurden. Meist waren es ehemalige Beichtväter oder Laienbrüder des Klosters, aber auch begüterte Weltgeistliche, Verwandte der Nonnen oder frühere Klosterbedienstete. Vielfach profitierte das Kloster von zusätzlichen Stiftungen der Proveniers (Quelle: Geertruida de Moor, S.109-23 a.a.O.).
Auch in anderen Klöstern waren ähnliche Verhältnisse anzutreffen, dass bemittelte „Kostgänger“ (häufig Verwandte der Nonnen) eine lebenslange Altersversorgung für eine entsprechende Geldleistung erhielten.

1340 stiftete außerdem der Pastor von Voorhout ein Spital in Noordwijk, das vorwiegend unter dem Patronat des Klosters stand.


1373

Die Abtei hatte zu dieser Zeit 18 Konventualinnen.


1400

Zahlreiche Reformbemühungen im ausgehenden 14. Jh. sowie im 15.Jh. waren eine Folge der „Devotio moderna“ bzw. der Konzile von Konstanz (1414–18) und Basel (1431–49) nach dem Ende des abendländischen Schismas und führten zu einer Gründungswelle neuer Gemeinschaften (Windesheimer Kongregation der Augustiner; Kongregation von Sibculo der Zisterzienser) oder neuer Klöster (vornehmlich Tertiarierklöster). Allen Reformbemühungen gemeinsam war das Ringen um die Einhaltung einer strengen Observanz, eines klösterlichen Lebens in Abgeschiedenheit von der Außenwelt sowie des Verzichts auf Privatbesitz.
Dauerhafte Reformergebnisse waren in dem adeligen Frauenkloster Leeuwenhorst aus Sorge um den Verlust von Privilegien nicht zu erwarten. Nicht allein das Kloster als Gemeinschaft verfügte über Grundbesitz und Vermögen, sondern auch die einzelnen Nonnen erhielten Präbenden aus dem Klostervermögen zum Lebensunterhalt oder durften Erbschaften annehmen.

1412 - 27

Die Ideen der "devotio moderna" dürften die Lebensweise der Nonnen unter der Äbtissin Heilwich van Oosterwijk (1412-27) eine Zeit lang beeinflußt haben. Die Zahl der Nonnen ging sprunghaft von 29 auf 21 zurück. Ob dies eine Folge verschärfter Klausurmaßnahmen oder aber einer Pestepidemie zu Beginn der Regierungszeit der Äbtissin war, läßt sich nicht mehr erschließen (Quelle: Geertruida de Moor, S. 163/164 a.a.O.). Die jährlichen Zuwendungen (Spielgelder), die die Nonnen aus dem Klostervermögen für persönliche Bedürfnisse erhielten, wurden jedoch eingeschränkt, ein Zeichen dafür, dass die Klosterregeln strenger beachtet wurden.
Dem Kloster wurden aber auch finanziellen Lasten auferlegt, z.B. Beiträge 1414 durch den Papst für das Konzil von Basel, 1426 durch Philipp von Burgund, 1427 durch Bischof Zweder von Kulenburg für die Errichtung des Wallfahrtsortes Noordwijk (St.Jeron).
Das Kloster war durch den Konflikt zwischen Jacoba von Bayern (Landesherrin der Grafschaften Holland, Zeeland und Hennegau 1417-33) und ihrem Neffen Herzog Philipp III. von Burgund unmittelbar betroffen und stand auf der Seite der Landesherrin, weil es sich den Steuerforderungen des Herzogs (vergeblich) widersetzte. Hierbei dürfte der Parteienstreit zwischen „Hoekse und Kabeljauwse“ eine Rolle gespielt haben, der sich zum Konflikt „für bzw. gegen eine burgundische Herrschaft“ ausweitete und dazu führte, dass die Landesherrin ihre Herrschaft 1433 an Philipp abtreten mußte. Bei den Fehden im Raum zwischen Rotterdam und Leiden (1422 –27) blieben die Klostergebäude von Kriegshandlungen zwar verschont, doch mußten Söldnertruppen vom Kloster versorgt werden. Verwahrlosungen und Schäden traten jedoch bei den Pachthöfen zum Nachteil des Klosters auf.


1430
Der politische Machtwechsel zeichnete sich beim Kloster Leeuwenhorst deutlich daran ab, dass unter der Äbtissin Mechthild van der Does (1428–41) Novizinnen aufgenommen wurden, deren Familien auf der burgundischen Seite standen.

 

1441
Unter der Äbtissin Wilhelmina van Aa (1441–60) wurden größere Umbauten innerhalb der Klosteranlage ausgeführt. Hierzu leisteten die Äbtissin sowie auch Familienmitglieder der Nonnen finanzielle Beiträge; insbesondere wurden der Kapitelsaal umgebaut und aufwendiger Silberschmuck angeschafft.


1450
Das ausgehende Mittelalter war eine Zeit großer kirchlicher Wirren (Zusammenbruch der kichlichen Einheit durch das abendländische Schisma, Konflikt um den Primat des Papstes). Es dürften maßgeblich aber die gesellschaftlichen Veränderungen (Geldwirtschaft, Bedeutung der Städtegründungen, Verarmung des Adels) dazu beigetragen haben, dass auch in Leeuwenhorst – wie in den meisten anderen Klöstern – die Statuten des Ordens im Lauf der Zeit nicht mehr im vollen Umfang beachtet wurden. Die Klosterreformen des 15.Jahrhunderts waren Teil einer breiten und allgemein geforderten Kirchenreform nach den Konzilen von Konstanz (1414-18) und von Basel (1431–49), da das klösterliche Leben nach außen vielfach als Verweltlichung bzw. Niedergang der Klosterzucht wahrgenommen wurde. Reformen zielten auf insbesondere auf Observanz und Verzicht von Privatbesitz ab.
Reforminitiativen gingen von verschiedenen Seiten aus, z.B. sollten durch die Mission des päpstlichen Legaten Nikolaus von Kues im Jahre 1451 verschiedene (auch exemte) Frauenklöster in den Niederlanden im Geist der „Devotio moderna“ innerhalb eines Jahres erneuert werden. Das angestrebte Reformziel wurde aber wegen der Widerstände nicht erreicht, so dass 1453 Papst Nicolaus V. die Anweisungen des Legaten aufhob und zur Reform von 10 Frauenklöstern (je 5 Klöster im Stift Utrecht und 5 Klöster in den Grafschaften Holland und Zeeland, darunter die drei Zisterzienserinnenklöster St.Servaas, Mariendaal und Leeuwenhorst) eine lokale Reformkommission aus dem Abt der St.Paul-Abtei zu Utrecht und den Kapiteldekanen von St.Salvator in Utrecht und St.Pancras in Oostvoorne einsetzte (Quelle: Archiv Vrouwenkloster in „Het Utrechts Archief“).
Es ist unbekannt, ob Reformatoren überhaupt in Leeuwenhorst waren. Die Nonnen waren zumindest beunruhigt, durch bevorstehende Reformen ihre bisher erworbene Privilegien zu verlieren und Gebräuche aufgeben zu müssen, die zur legitimen Gestaltung des Klosterlebens gehörten (z.B. Reisen mit religösen Hintergrund wie Wallfahrten oder Priesterweihen, Familienbesuche, Tauffeiern, eigene Dienstboten, Annahme von Erbschaften, Beteiligung der Nonnen an den Ertragsüberschüssen des Klosters). Zwei Leeuwenhorster Nonnen gingen nach Utrecht, um sich im St.Servaas-Kloster über zu erwartende Reformmaßnahmen zu informieren (Quelle: Geertruida de Moor, S.166 a.a.O.). Zwar gab es gewisse Anzeichen einer inneren Erneuerung, da zwischen 1450-60 die Klausurmaßnahmen verschärft wurden (Anbringen von Sprechgitter, keine Wallfahrten zu den nächsten Wallfahrtsorten in Noordwijk oder s-Gravenzanden, Reduzierung von Besuchsreisen), aber die Reformbemühungen hatten keinen nachhaltigen Erfolg.

1453
Die Grafschaft Holland war 1433 Teil des burgundischen Reichs geworden. Seitdem traten auch Fauen aus adeligen Geschlechtern, die in der Gunst der Burgunder Herzöge standen, als Nonnen in Leeuwenhorst ein.
Das Kloster hatte einerseits Schulden bei Kaufleuten in der Stadt Leiden, erbrachte andererseits aber finanzielle Leistungen, teils auferlegte Steuern (z.B. 1453 für den geplanten Türkenkreuzzug zur Verteidung von Konstantinopel), teils freiwillige Hilfeleistungen (z.B. 1450 für den Wideraufbau des abgebrannten Dorfes Noordwijk, 1463 für das abgebrannte Kloster Hertogenbosch, 1474 für das geplünderte Kloster Gnadenthal bei Neuss oder 1495 für das abgebrannte Kloster Jesse bei Groningen). Insgesamt entwickelte sich in den Jahrzehnten bis 1480 wieder ein gewisser materieller Wohlstand durch den Bau neuer Viehställe oder die Zunahme des Viehbestandes an Kühen, Schafen und Schweinen; außerdem wurden wieder Tauffeste besucht, Tagesfahrten oder Wallfahrten gemacht, Dienstboten gehalten sowie ein von der Abtei bezahlter Schulmeister 1460 angestellt.
Erhaltenen Rechnungsbelege aus dem 15. Jahrhundert zeigen, dass die Klosterpächter z.B. Korn und Käse lieferten, während andere Produkte zum Lebensunterhalt wie Holz, Fleisch, Erbsen, Milch, Butter und Gemüse hinzugekauft wurden. Der Energiebedarf zum Heizen, Kochen, Backen, Waschen, Bierbrauen  wurde weitgehend durch Torfgewinnung gedeckt.

1470 – 84
In der zweiten Stiftsfehde von Utrecht (Konflikt zwischen David von Burgund und Franz von Brederode um den Utrechter Bischofsstuhl 1481-83) hatte das Kloster unter umherziehenden Söldnern zu leiden, die die Stadt Leiden 1481 besetzt hielten und dem Kloster Geldzahlungen und Versorgungsgüter abnötigten. Man schenkte z.T. den Söldnern auch Geld, um sie vom Kloster fernzuhalten. Insbesondere schadete dem Kloster der Konflikt zwischen der Äbtissin Agnes van de Boekhorst (1470–84) und dem 1481/82 entlassenen Rentmeister, der sein Amt eigenmächtig wahrnahm und sich dadurch bereicherte, dass er von den Klosterpächtern ungerechtfertigte Abgaben verlangte. Das Kloster mußte Teile seines Grundbesitzes und Viehbestandes verkaufen sowie Arbeitskräfte entlassen, um finanzielle Verpflichtungen erfüllen zu können.

1484
In der Regierungszeit der Äbtisin Eustachia van Brakel (1484–93) hatte anfangs das Kloster nicht nur unter den im letzten Jahrzehnt entstandenen finanziellen Problemen zu leiden, sondern leistete 1484 auch noch Steuerabgaben an David von Burgund zur Finanzierung der Kriegskosten, die der Fürstbischof in der zweiten Utrechter Stifsfehde machte.

1488
Ein neuer Reformversuch wurde vom Grafen Johann von Egmond initiiert (kaiserlicher Statthalter der Provinzen Holland, Zeeland und Westfriesland seit 1483), der den Abt von Kamp, Heinrich von Heyden, bat, für die Einhaltung der Klausur in Leeuwenhorst zu sorgen. Die Kritik richtete sich - wie in anderen Klöstern auch - gegen die Verweltlichung des Klosterlebens (Aufspaltung des Klostervermögens in Präbenden, Privatbesitz der Nonnen, fehlendes Gemeinschaftslebens, Freiräume für Besuchsreisen, modische Kleidung, Diensboten, Haustiere beim Chorgebet). Die Lebensweise der Nonnen stand sicherlich nicht mit allen Klosterregeln in Einklang, war aber doch das rechtmäßige Resultat einer jahrzehntelangen Anpassung des Klosterlebens an gesellschaftliche Veränderungen. Die Äbtissin wohnte getrennt von den übrigen Nonnen. Die Monialen hielten sich mit Zustimmung der Äbtissin häufig außerhalb des Klosters auf (Besuchsreisen zu Verwandten, Teilnahme an Priesterweihen, Hochzeitsfeiern, Taufen oder Wallfahrten). Dagegen wurde das spirituelle Leben mit regelmäßigen Gebetsverpflichtungen und caritative Verpflichtungen für Pilger, Waisenkinder, arme oder kranke Menschen oder Proveniers nicht beanstandet.
Eine Veränderung der Lebensweise der Nonnen war aber erst mit der Reform von 1493 verbunden.


1493
Nach dem Tode der Äbtissin Eustachia van Brakel (+ 1493) leitete der Kamper Abt Henricus von Kalkar die Wahl der neuen Äbtissin Gisberta von Vianen (1493-97). Gleichzeitig visitierte er auf Bitten des Statthalters Johann von Egmond sowie des Pastors von Noordwijk und des Magistrats von Leiden das Kloster und mußte feststellen, dass die Nonnen ohne strengen Abschluß von der Außenwelt lebten. Als Druckmittel zur Durchführung der Reform wurden die Priorin und zwei Nonnen aus dem bereits reformierten Kloster Fürstenberg (Xanten) für einige Monate in den Leeuwenhorster Konvent eingegliedert. Aus Protest gegen die Forderung nach strenger Observanz verließen 13 Nonnen “auf Bedenkzeit” das Kloster. Sie suchten Unterstützung bei Hermann van Lockhorst, dem Generalvikar des Bischofs von Utrecht, und kehrten erst nach einem Jahr aufgrund der Vermittlungen des Priors von Ijsselstein und des Abtes von Boneffe (Petrus de Quaye) nach Leeuwenhorst zurück, um sich den Reformmaßnahmen zu unterwerfen.
Die Camper Chronik berichtet nur:
Anno domini 1493 in festo sancti Panthaleonis facta fuit reformatio et inclusio monialium in monasterio Lewenhorst in hollandia. ubi duplo maior pars monialium clausuram acceptaverat et VIII pro deliberatione exiverunt. sollicitante ad hoc et adjuvante nobili viro Johanne comite de Egmonda locum tenente in Hollandia et Zelandia etc. ex commissione serenissime domini maximilianis regis Romanorum ac eciam illustrissimi principis philippi filii eius.archiducis Austrie.ducis Burgundie Brabantie et comitis Flandrie etc. Et fuerunt illic directe reformatrices moniales de monasterio Fürstenbergh (Quelle: Camper Chronik S. 347 a.a.O., De reformatione et inclusio monasterii Lewenhorst in hollandia).

Die Reform bewirkte, dass den Nonnen einige zeitlich begrenzte Zugeständnisse gemacht wurden. Sie blieben aber für mehrere Jahrzehnte in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und mußten auf finanzielle Zuwendungen für den persönlichen Bedarf (z.B. Kleidergeld) verzichten, da das Kloster für ihre Bekleidung sorgte. Die Nonnen durften nicht mehr individuelle modische Kleider tragen, sondern nur noch eine einheitliche schwarze Nonnentracht. Außerdem waren Residenzpflicht, gemeinsame Mahlzeiten, Benutzung eines gemeinsamen Schlafsaals, Vermeidung von Kontakten zur Außenwelt (Sprechgitter in den Besuchsräumen) obligatorisch. Der Konvent bat bereits 1494 den Abt von Kamp um Milderung dieser Klausurbedingungen (Quellen: Nieuw Nederlandsch biografisch Woodenboek, Deel 3, S. 1308-09; Visitationsbriefe des Abts von Kamp aus den Jahren 1488 und 1494 befinden sich im Archiv von Warmond; außerdem Chronik der Abtei Camp a.a.O. S. 347).

1497 –1527
Nach dem Tod der Äbtissin Gijsberta van Vianen wurde innerhalb eines Monats Adriana van Roon zur Äbtissin (1497–1527) gewählt, deren Familie dem städtischen Patriziat von Dordrecht angehörte. Sie führte die Klosterreform energisch durch und übernahm selbst die wirtschaftliche Verwaltung des Klosters. Durch ihre Umsicht erholte sich das Kloster von der Rezession der zurückliegenden Jahre und ertrug außerdem die steuerlichen Belastungen und Kontributionen zur Finanzierung des Krieges zwischen Kaiser Karl V. und dem Herzog Karl von Geldern um die Erbansprüche auf Geldern (1494 bis 1528), so dass am Ende ihrer Regierungszeit das Kloster dennoch schuldenfrei war.
Auf die Initiative der Äbtissin ging die Gründung einer Schule 1501 zurück. Sie erhielt vom Abt von Morimond das Recht, Beichtväter nach ihrer Wahl zu wählen, außerdem auch größere Entscheidungsbefugnisse in wirtschaftlichen Angelegenheiten (z.B. bei der Ausführung der einsetzenden Bauaktivitäten). Das spirituelle Leben erlebte eine Erneuerung;  Kirche und Kloster wurden renoviert und erhielten neue Glasfenster und Gemälde (z.B. stammte das Gemälde „Das letzte Abendmahl“ aus dieser Zeit).
Mit der allmählichen Zunahme des Wohlstandes verband sich wieder eine Lockerung der Klausurbestimmungen. Der Abt von Morimond gewährte 1504 den Nonnen Erleichterungen bei Besuchsreisen. In 1505 berief die Äbtissin mit Zustimmung des Kamper Abts den Klosterkaplan Dirk Spangert zu ihrem Beichtvater, Privatsekretär und Notar. Dienstpersonal war ab 1510 wieder zulässig. 1512 erhielt das Kloster vom Vaterabt die Erlaubnis, Güter ohne Zustimmung des Abtes zu belasten oder zu veräußern. Etwa 1516 wurden anstelle des gemeinschaftlichen Schlafraums 16 Einzelzellen eingerichtet.

Nach den mühevollen Versuchen, das adelige Kloster Rijnsburg der Benediktinerinnen unter die Bursfelder Observanz zu stellen, scheiterte offenbar 1519 der Versuch des neuen Fürstbischofs Philipp von Burgund (1516- 4), Einfluss auf das Kloster Leeuwenhorst unter dem Vorwand einer päpstlicher Visitationserlaubnis für exemte Klöster zu gewinnen.
Das Kloster kaufte um 1505 weiteren Grundbesitz in der Region Noordwijk an, jedoch dienten die Erträge zur Finanzierung des andauernden Krieges zwischen dem Kaiser und Karl von Geldern. Die nördlichen Gebiete der Niederlande waren dadurch besonders betroffen. Das Kloster stand auf der Seite des Kaisers. Die Tatsache, dass die Bevölkerung größere Steuerlasten zu tragen hatte als das Kloster, förderte im übrigen nicht das Ansehen des geistlichen Standes. Das Kloster zahlte 1518 dem Kaiser eine Steuer zur Finanzierung des Kriegs. Söldner erhielten vom Kloster immer wieder Trinkgelder, um vom Kloster fernzubleiben. 1528 erhielt der Kaiser vom Kloster ein Darlehen. Vor allem Marten van Rossum (Heerführer des Herzogs von Gelderland und seines Nachfolgers Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg) plünderte und brandschatzte im Auftrag Gelderns die Umgebung von Leeuwenhorst, so dass die Nonnen vorübergehend nach Leiden oder Haarlem flüchteten.


1527
Nach dem Tod der Äbtissin Adriane von Roon (+1527) wurde Elisabeth von Baaxen zur Äbtissin (1527–31) gewählt. Die kaiserlichen Kommissare bedrängten die Nonnen, Elisabeth von Baaxen zu wählen, weil sich ihre Familie aus dem gegnerischen Gelderland loyal zum Kaiser verhielt.
Kaiser Karl V. stellte zwar die Klöster unter seinen Schutz, doch griff er nachhaltig in das Recht des Konvents auf freie Wahl einer Äbtissin ein. Nur die vom Kaiser vorgeschlagene Kandidatin konnte gewählt werden (Nominatierecht). Auch in anderen Fällen zeigte sich (Roermond, Servaas und Mariendaal bei Utrecht), dass nur Frauen aus kaisertreuen adeligen Geschlechtern als Kandidatinnen vorgeschlagen wurden und gewählt werden konnten. Der Kamper Abt Johannes Ingenray von Hüls (1529-63) war gehalten, die Anweisungen des kaiserlichen Hofes in Brüssel für die Wahl der Äbtissin in Leeuwenhorst zu befolgen.
Das Kloster wurde mehrfach zwischen 1534 und 1542 mit Steuerabgaben zur Verteidigung von Konstantinopel gegen die Türken (Türkensteuer) belastet. Die fälligen Beträge (teilweise bis zur Hälfte des Jahreseinkommens des Klosters an Pachtzinsen) konnten nur durch den Verkauf von Ländereien aufgebracht werden (Quelle: Geertruida de Moor, S.400 a.a.O.).

1528
Unter der Äbtissin Elisabeth van Baaxen wurden einige Reformmaßnahmen aufgehoben, so dass die Klosterdisziplin wieder verflachte: Die Nonnen bekamen gegen 1530 erneut Kleidergeld, um selbst für ihre Kleider zu sorgen. Das äußere Leben wurde wieder luxuriös.

1531 - 54

In der Zeit der Äbtissin Gisberta van Waardenburg (1531–54) trat eine grundlegende Veränderungen der Lebensweise der Nonnen ein, als 1533 ein Haus mit eigenen Wohnungen für die Nonnen gebaut wurde und diese anfingen, ein individuelles Leben zu führen. Die Abtei hörte auf, eine eigene Landwirtschaft zu betreiben, und verkaufte 1545 mit Billigung des Kamper Abtes Johannes Ingenray den Viehbestand.

1536
Die Klosterkirche erhielt einen neuen Hauptaltar, ein Geschenk des Klosterkaplans Dirk Pietersz Spangert.

1554
Gisberta von Waardenburg resignierte 1554 aus Krankheitsgründen und trat zurück.
Kaiser Karl V. wies die Leeuwenhorster Nonnen an, Johanna van der Does zur Äbtissin zu wählen. Der Wechsel verlief offenbar ohne Beteiligung des Kamper Abtes (Quelle: Geertruida de Moor, Verborgen und Geborgen, S. 362 a.a.O.).
Johanna van der Does leitete das Kloster in der Zeit des Kampfes der Niederlande um die Unabhängigkeit von der spanischen Herrschaft. Sie war die dritte Äbtissin aus dem einflußreichen adeligen Geschlecht van der Does. Schon Vater und ein Bruder waren Rentmeister in Leeuwenhorst, bevor sie nach dem Tod des Bruders die Vermögensverwaltung des Klosters selbst übernahm.
Das Kloster hatte sich zu einem säkularisierten Damenstift entwickelt. Die Nonnen führten das Leben von Stiftsdamen mit eigenen Haushaltungen und erhielten eine jährliche Rente von 100 Gulden zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes z.B. zum Ankauf von Fleisch, Bier oder Käse. Sie hatten sogar getrennte Kornvorräte; einige Nonnen hielten sich allein oder zusammen eigene Milchkühe. Gemeinsame Mahlzeiten fanden daher kaum noch statt. Zumindest Äbtissin, Priorin, Kellermeisterin und Küsterin hatten eigene Dienstboten. Der Lebensstil war luxuriös (Quelle: M. Dicks, S. 173 a.a.O.; Geertruida de Moor, S.177 f a.a.O.).

 

1563
Anfang 1563 wurde die Abtei das Opfer eines nächtlichen Überfalls von protestantischen Bilderstürmern, die aus der Stadt Leiden gekommen waren und das Kloster plünderten.

1565 - 71

Nach dem Konzil von Trient (1545 - 63) beauftragte das Generalkapitel 1565 den Abt von Morimond (Johann Coquaeus) mit Reformen der niederländischen Klöster; er war dazu mit weitreichenden Vollmachten des Königs Philipp II. von Spanien ausgestattet. Der Generalabt kam im Mai 1570 nach Leeuwenhorst, um das Kloster im Sinne der Beschlüsse des Konzils zu einer strengen Observanz zu verpflichten, und forderte u.a. Einhaltung der Klausur sowie die Rückkehr zum ursprünglich weißen Ordenshabit.
Der Kamper Abt Richard von Xanten schwächte 1571 die Anordnungen des Generalabts wieder ab und erlaubte den Nonnen, unter den Voraussetzungen (Gebräuche, Lebensgewohnheiten, Kleidung) weiterzuleben, die bei ihrem Eintritt in das Kloster bestanden.

1572 - 74
Mit der Eroberung der Provinzen Zeeland und Holland durch die Geusen (1572) begann die zweite Phase des Kampfes um die Unabhängigkeit des Landes von Spanien. Aus Furcht vor Plünderungen suchte die Äbtissin Johanna van der Does mit 23 Nonnen Schutz in der Stadt Leiden. Sie fanden Unterkunft im St. Michielskloster, konnten aber wieder zurückkehren.
Die Landesregierung der Provinz Holland, die sich aus Abgeordneten der Ritterschaft und der sechs größten Städte Dordrecht, Haarlem, Delft, Leiden, Amsterdam und Gouda zusammensetzte, beschlagnahmte den Besitz der Frauenklöster Leeuwenhorst und Rijnsburg und wollte ihn zur Finanzierung des Kriegs gegen Spanien verkaufen.
Die Nonnen aus Leeuwenhorst und Rijnsburg flüchteten 1574 nach Leiden, da die Geusen während der Belagerung der Stadt Leiden durch spanische Truppen beide Klöster zerstörten und die Polder fluteten, um den Spaniern keine Möglichkeit zu geben, militärische Stützpunkte zu bilden. Die letzte Äbtissin aus Leeuwenhorst, Johanna van der Does, starb 1574 während der Belagerung der Stadt.

1574
Die letzten Nonnen aus Leeuwenhorst lebten 10 Jahre lang in der Stadt unter ärmlichen Verhältnissen; sie hatten kein Einkommen und wurden von ihren Gläubigern bedrängt. Ein Teil der Nonnen wurde protestantisch oder heiratete.

1579 - 86

Die 7 nördlichen Provinzen der Niederlande vereinigten sich in der Utrechter Union (sog. Generalstaaten), die 1581 ihre Unabhängigkeit vom Landesherrn Philipp II. von Spanien erklärte, den Calvinismus als Staatsreligion einführte und den katholischen Ritus verbot. Das Kloster Leeuwenhorst wurde in ein protestantisches Damenstift umgewandelt, das formal bis 1795 (Bataafsche Revolution) weiterbestand.
Das Interesse des Adels, die Einkünfte aus dem Klostervermögen als Präbenden zur Versorgung unverheirateter junger weiblicher Standesmitglieder zu verteilen, führte letztlich dazu, dass 1586 die Klostergüter der Ritterschaft von Holland in West-Friesland unterstellt wurde.


Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 29.06.2016