Leeden

Zeit nach der Aufhebung

1537-38

Graf Konrad von Tecklenburg führte 1537 die Reformation in seiner Grafschaft ein; er hatte eine Frau aus dem Hause Hessen und fühlte sich dem protestantischen Landgrafen Philipp von Hessen verbunden, so dass er als erster von allen Grafen Westfalens die evangelische Lehre annahm. Die angeodnete protestantische Abendmahlsfeier stieß teilweise auf erheblichen Widerstand. Einige Klöster (z.B. Osterberg und Herzebroch) widersetzen sich erfolgreich der Reformation; außerdem blieben die Orte des Tecklenburger Landes katholisch, die zur Diözese Münster gehörten.
Kloster Leeden wurde 1538 in ein freiweltliches simultanes Damenstift umgewandelt. Das Klostervermögen wurde in Präbenden für adelige Stiftsdamen (Äbtissin, neun weitere protestantische Stiftsdamen und eine katholische Stiftsdame) aufgeteilt (Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, A 197 Stift Leeden). Der Graf setzte im übrigen die Wahl seiner Halbschwester Katharina zur Äbtissin durch.
Die Stiftsdamen wohnten in 4 stiftischen Wohnhäusern mit eigenen Haushaltungen. Hiervon ist heute nur noch das Äbtissinnenhaus erhalten. Den Frauen blieb es unbenommen, eigene Rechtsgeschäfte abzuschließen. Nach einem Regest von 1607 verkaufte das Kapitel der Kollegiatkirche St. Johann zu Osnabrück der Elisabeth de Backe (Jungfer im Stift Leeden) eine Rente von 1 Molde Roggen und 1 Molde Gerste zu Merkendorf im Kirchspiel Leeden (Quelle: DWUW a.a.O.).


1543 - 49
Eine erlassene protestantische Kirchenordnung wurde wieder außer Kraft gesetzt, als Kaiser Karl V. dem Grafen bis 1549 die Grafschaft aberkannte. Der Bischof von Osnabrück, Franz von Waldeck, mußte die Rekatholisierung des Klosters Leeden versprechen.
 
1568-1630
In einem Regest von 1568 über die Entlassung von Stiftsangehörigen aus der Eigenhörigkeit wurden Gertrud van Heven (Äbtissin), Sophia van Moppen (Kellnerin) und Katharina Grothues (Küsterin) namentlich erwähnt (Quelle: DWUD a.a.O.).

Vermutlich wurden kirchliche Kunstwerke bereits am Weihnachtsfest 1578  in einem Bildersturm zerstört.

Kloster Leeden wurde 1578 zu einer Steuerzahlung von 60 Reichstalern (im Vergleich Kloster Osterberg 40 T.) wegen der auf dem Reichstag zu Regensburg 1576 beschlossenen Türkensteuer veranschlagt (Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, 6; Laufzeit: 1578 Okt.).
Das Stift erhielt unter dem Grafen Arnold V. von Tecklenburg 1585 eine neue (calvinistische) Klosterordnung. Die protestantische Äbtissin legte 1594 die äußeren Zeichen ihres Amtes ab.
Der 80-jährige Krieg (1568-1648) zwischen Spanien und den Generalstaaten spielte sich zeitweilig auch in der habsburgisch-spanisch beherrschten Grafschaft Lingen ab, die insbesondere zwischen 1597 bis 1605 von Truppen der Generalstaaten unter Moritz von Oranien besetzt war. Durch die wechselseitigen Plünderungszüge der Kriegsparteien waren die Grafschaften Lingen und Tecklenburg sowie das Stift Osnabrück betroffen. Zwar wurden Übergriffe auf das Kloster Leeden nicht bekannt, doch dürfte die Not der in den Grafschaften betroffenen Klosterbauern auch die wirtschaftliche Situation des Klosters verschlechtert haben.

1629–33
Kaiser Ferdinand II. erließ im 30-jährigen Krieg angesichts der militärischen Erfolge der katholischen Liga gegen die protestantische Union 1629 das Restitutionsedikt, das die Protestanten zur Rückgabe eingezogener Kirchengüter zwang.
Nachdem kaiserliche Truppen 1630 gewaltsam Kloster und Kirche in Leeden besetzten, mußten Äbtissin und Stiftsdamen das Kloster verlassen (Maria von Langen, Elisabeth Grothus, die Geschwister Judith, Margarethe und Anna Maria von Mönster, Agnes Droste, Bertha von Diepenbrock und die Jungfer de Bake (Elisabeth de Bake); ihnen wurden die Präbenden entzogen. Die Bitte der Stiftsdamen um Unterhalt hatte keinen Erfolg; ebenso blieb der Hinweis auf den Überfall des Klosters und den Raub von

8 Pferden durch Fleckensteinsche (elsässische) Kriegsleute ohne Beachtung.
In Leeden wurde wieder katholischer Gottesdienst eingerichtet. Der Osnabrücker Bischof von Wartenberg (1625-1661), der die Rekatholisierung rigoros betrieb, übertrug 1631 die Klostereinkünfte von Leeden dem neu gegründeten Klarissenkloster in Osnabrück. Die Verhältnisse in Leeden veränderten sich 1633 wieder zugunsten der protestantischen Seite, nachdem die vorrückenden Schweden das Stiftsgebiet besetzten. Vermutlich gingen in dieser unruhigen Zeit die meisten Urkunden des Klosters Leeden verloren (Quelle: Goldschmidt S. 101 a.a.O).

1648

Der Status des Klosters als simultanes Stift nach den Verhältnissen des „Normaljahres 1624“ (sog. Volmarsch'er Durchlag) wurde endgültig festgeschrieben und blieb bis zu Auflösung des Stifts 1812 bestehen. Die Äbtissin besaß Disziplinargewalt über alle Stiftsangehörigen; nur ihr war es erlaubt, männliche Dienstboten zu halten.


1666

Kirchenrenovierung und Verlagerung der Orgel.

 

1674 - 1765
Die enge Bindung des Stiftes Leeden an die Grafen von Tecklenburg wurde 1674 gelockert. Das Grafenhaus verzichtete auf gewisse Vorrechte (Jägerbeköstigung und Hundefütterung), behielt aber das Recht der „Ersten Bitte“ (Vorschlagsrecht zur Wahl einer Äbtissin aus der gräflichen Familie). Das Stift mußte versprechen, nur Schwestern oder Töchter des Grafen von Tecklenburg als Äbtissinnen zu wählen
Die Grafschaft Tecklenburg fiel 1707 an Preussen. Damit ging auch das gräfliche Recht der „Ersten Bitte“ an das Königreich Preussen über.
Ein Brand beschädigte 1717 die Kirche, die ein neues Gewölbe erhielt.
In Regesten von 1702 und 1743 wurden die Äbtissinnen Emilia Charlotte Gräfin zu Bentheim-Tecklenburg sowie Sophia Johanna Gräfin von Bentheim-Tecklenburg (Äbtissin seit 1713) genannt (Quelle: DWUW a.a.O.). Letztere stiftete mit Zustimmung des preußischen Königs einen Stiftsorden, den die Stiftsdamen bei offiziellen Anlässen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zum Konvent zu tragen hatten.
Nach einem Regest von 1765 mußten Luise von Wulff (Seniorin) und die Capitular- Fräulein des Stiftes Leeden sich 2000 Reichstaler leihen und dafür in der Bauerschaft Gaste ihren Hof Meyer zu Warnbergen verpfänden (Quelle: DWUD a.a.O.).

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Foto: Jörg Birgoleit (Tecklenburg)

1774
Das Amt der Äbtissin wurde nur einer Prinzessin aus dem Hause Hohenzollern übertragen (1. Prinzessin Friederike von Preußen 1774-91, Tochter des Königs Friedrich Wilhelms II.; 2. Prinzessin Auguste von Preußen 1791-97, Halbschwester von Friederike; 3. Prinzessin Louise Wilhelmine Amalie von Preußen, 3-jährige Tochter des Prinzen Louis von Preußen). 

1802-07
Die bergische Verwaltung verbot die Aufnahme von Novizinnen.
 
1812
Unter der französischen Verwaltung wurde das Stifts endgültig aufgehoben und ging in preussischen Besitz über.
 
1815–19
Die Stiftsgebäude wurden nach ihrem Verkauf (1815) abgebrochen, nur das 1489 erbaute Abteigebäude (heutiges Stiftshaus) blieb erhalten. Der preussische König schenkte der Gemeinde die alte Stiftskirche, weil die an die Stiftskirche angebaute Gemeindekirche baufällig war und abgerissen werden musste.
 
1852

Nutzung des Stiftshauses als Obdachlosenhaus und Wohnhaus.
 
1945
Zerstörung der Stiftskirche durch Kriegseinwirkungen
 
1954-85
Wiederherstellung der Stiftskirche 1954. Die erhaltenen Teile der Südwand der usprünglichen Stiftskirche wurden in den Neubau eingefügt.
Das Stiftshaus wurde 1973 durch Beschluß des Gemeinderates auf unbestimmte Zeit dem Heimatverein Leeden überlassen und 1985 in die Denkmalliste der Stadt Tecklenburg als ältestes Gebäude im Umkreis aufgenommen.
Redakteur: H. Dickmann - Aktualisierung: 25.08.2016