Leeden

Zeit bis zur Aufhebung

1240

Kloster Leeden wurde vom Grafen Otto I. von Tecklenburg (1209–63) gestiftet; er schenkte dem Kloster als Grundausstattung seinen Oberhof Leeden mit der zugehörigen Eigenkirche und übertrug dem Kloster 1240 die im Bistum Minden gelegene Kirche zu Alswede mit dem zugehörigen Patronatsrecht. Eine Gründungsurkunde für das Kloster Leeden ist nicht überliefert, jedoch geht aus der Schenkungsurkunde vom 5.8.1240 für die Kirche in Alswede hervor, dass Graf Otto das Kloster Leeden erst kurz zuvor gründete ("quod ibi paulo ante fundavimus"; OUB II, Nr. 401 a.a.O.). Vermutlich wurde wegen der großen Entfernung zwischen Kloster und Alsweder Kirche im Jahre 1295 das Patronatsrecht gegen einen Hof in Lotte getauscht. 
Die wenigen Regesten für die Zeit von 1243 bis 1248 lassen erkennen, dass Graf Otto und seine Schwiegersöhne, die Grafen von Oldenburg und Bentheim, außerdem Bischof Engelbert von Osnabrück (1239-50) sowie Ministeriale der Grafen bzw. der Osnabrücker und Münsterischen Kirche weiterhin die materiellen Grundlagen des Klosters festigten und ihm Ländereien, Fischteiche, Wälder und Zehntrechte stifteten, auf die die bisherigen Lehensträger zugunsten des Klosters verzichteten. Diese Schenkungen lagen z.B. in den Kirchspielen bzw. Bauerschaften Recke, Greven, Wellingholzhausen. Außer den Grafen wurden als Stifter namentlich Johannes in Hesepe (Bramsche), Lubert von Bevergen sowie Ludolf von Gesmold genannt (Quelle: OUB II, 441, 469, 473, 514, 573 a.a.O.). Tatsächlich war der Kreis der Stifter aus westfälischen Ministerialenfamilien wesentlich größer. Einige Stifterfamilien wählten die Klosterkirche auch als Begräbnisplatz (vgl. Grabplatte von Budde in der Klosterkiche 1290).
 

1250 - 1450

Zur Größe des Konvents in seiner Anfangszeit gibt es keine Angaben. Die Konventualinnen lebten nach den Regeln der Zisterzienser, unterstanden jedoch bis zur Inkorporation des Klosters in den Orden der Zisterzienser (1491) der bischöflichen Aufsicht. Leeden war schon 1258 in der Lage, Nonnen für das neu gegründete Zisterzienserinnenkloster Segenstal in Vlotho abzugeben.
Die Klostergemeinschaft war 1370 von einer Brandkatastrophe betroffen. Die beschädigten Klosterkirche erhielt bei der Restaurierung anstelle der ursprüngliche Flachdecke eine Gewölbedecke. Nach 1400 baute man für die Gemeinde eine eigene Kirche an der Nordseite der Klosterkirche an, so dass nach außen zwei Kirchen mit getrennten Satteldächern entstanden, die innen nur durch eine bis zur Kanzelhöhe reichende Scheidewand getrennt waren.

Die wirtschaftliche, geistige und personelle Entwicklung des Klosters in den ersten Jahrhunderten ist in ihren Einzelheiten weitgehend nicht mehr bekannt, da im Dreißigjährigen Krieg viele Urkunden verloren gingen; sie dürfte aber anderen westfälischen Frauenzisterzen vergleichbar gewesen sein.
Das Kloster war Grundherr zahlreicher Besitzungen, die teils in Klosternähe (z.B. in den Bauerschaften Oberberge bzw. Loose) lagen, teils sich über die gesamte Grafschaft verteilten, und von Klosterprovisoren verwaltet wurden. Dadurch beeinflußte das Kloster die dörfliche Entwicklung Leeden`s und die Besiedlung der Umgebung.
Der Konvent dürfte sich überwiegend aus adeligen Frauen zusammengesetzt haben, die den Familien der Ministerialen der Tecklenburger Grafen und der Osnabrücker und Münsterischen Kirche entstammten. Die Nonnen lebten zwar nach den Statuten des Zisterzienserordens, jedoch war das Kloster bis 1491 nicht in den Orden eingegliedert. Es unterlag daher nicht der geistlichen Betreuung eines Männerklosters, sondern stand vermutlich unter der Aufsicht diözesaner Instanzen. Ebenso ist die Bestellung der Beichtväter nicht mehr feststellbar.
Das kontemplative Leben in Abgeschiedenheit von der Außenwelt sowie die Pflege des Gottesdienstes und der Gebetsverpflichtungen bestimmten den Tagesablauf der Nonnen. Darüberhinaus bot das Kloster den Nonnen Schutz und Versorgung und war der regionale Mittelpunkt für Kultur und Bildung.
Kloster Leeden war - wie andere Klöster - mit Privilegien und Vermögen ausgestattet, so dass den Nonnen ein standesgemäßes Leben möglich war. Wie Regesten aus dem 15. Jahrhundert zeigten, waren Privateigentum und private Rechtsgeschäfte durchaus erlaubt: Zur Zeit der Äbtissin Margarete von Rechten (1473/76) verkaufte der Knappe Gert von Münster vor dem Richter zu Tecklenburg der Gisela von Münster, Klosterjungfrau zu Leeden, auf Lebenszeit eine jährliche Rente aus Eigengütern im Kirchspiel Lengerich, die später an das Kloster fallen sollte. Außerdem verkauften 1476 der Knappe Johann von Münster zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder Ludwig der Äbtissin und dem Konvent für 32 Mark eine jährliche Rente von
2 Goldmark Osnabrücker Währung aus ihrem Eigengut in der Bauerschaft Ringel im Kirchspiel Lengerich (Quelle: DWUW a.a.O.).


1455 – 90

Nach dem Ende des abendländischen Schismas (Konzile von Konstanz 1414-18 und Basel 1431-49) versuchten verschiedene Reformbewegungen der Benediktiner, Augustiner und Zisterzienser unter dem Einfluss der "Devotio moderna" das klösterliche Leben im Geiste der ursprünglichen Regeln der Ordensstifter zu erneuern.
Die Osnabrücker Bischöfe Konrad von Diepholz (1455-82) und Konrad IV. von Rietberg (1482-1508) strebten eine Erneuerung der geistlichen Gemeinschaften in ihrer Diözese nach den strengen Regeln der Bursfelder Kongregation an (vgl. Reformen in den Klöstern Herzebrock, Malgarten, Oesede), die erst nach Widerständen und meist nach Einsetzung einer neuen Äbtissin aus einem fremden Kloster zum Anschluß des reformierten Klosters an Bursfelde führte (Quelle: Linneborn S.90 a.a.O.).
Es läßt sich nicht ausschließen, dass die Ordensregeln in Leeden im Laufe der Zeit weniger streng beachtet wurden. Manche Klostergebräuche und Lebensgewohnheiten der Nonnen, die bisher zur legitimen Gestaltung des Klosterlebens gehörten, wurden nunmehr als Niedergang der „Klosterzucht“ angesehen. Man kann davon ausgehen, dass der Landesherr bzw. Bischof auch in Leeden um 1480 eine Reform initiierte, die zunächst am Widerstand des Konvents scheiterte (Quelle: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, A 197 Stift Leeden).

1491
Ein neuer Reformversuch fand in Leeden vermutlich auf Initiative des Grafen Konrad IV. von Tecklenburg statt, diesmal unter Beteiligung von (ungenannten) Reformatoren aus dem Orden der Zisterzienser. Die Kamper Chronik schilderte die Auffasung der Reformatoren, dass das Kloster Leeden, das bisher unter bischöflicher Aufsicht stand, "viel von der Beachtung der Ordensregeln abgewichen wäre"; konkrete Missstände oder Regelabweichungen wurden jedoch nicht erwähnt (Quelle: Kamper Chronik, S. 346 a.a.O.:
 „ Anno domini 1491 reformatum et reclusum fuit monasterium monialium dictum leden in Osnaburgensi dyocesi. quod multum abberaverat ab observantia ordinis. et stetit sub episcopo ordinario. Sed cooperante comite de Teclenborch iterum subiectum fuit ordini et incorporatum per abbatem Campensem auctoritate Capituli generalis“ )
.

Nach anderen vergleichbaren Fällen handelte es sich meist um bekannte Vorwürfe, die hauptsächlich das Privateigentum der Nonnen, fehlendes Gemeinschaftsleben, den Verfall von Klostergebäuden oder finanzielle Schwierigkeiten und weniger die Pflege des Gottesdienstes oder der Gebetsverpflichtungen betrafen.
Die Nonnen akzeptierten diesmal offensichtlich die Forderungen nach Einhaltung einer strengen Klausur als Voraussetzung für die Inkorporation des Klosters in den Orden der Zisterzienser, andernfalls hätten sie das Kloster verlassen müssen. Das Generalkapitel hatte 1491 den Kamper Abt Heinrich von Calcar (1483–99) ermächtigt, das Kloster in den Orden aufzunehmen. Die Zugehörigkeit des Klosters Leeden zur Bursfelder Kongregation (vgl. O.zu Höhne: Das Kloster Bersenbrück, Bd.2, S.891) erscheint daher unwahrscheinlich. Es ist jedoch nicht bekannt, welchem Vaterabt das Kloster Leeden unterstellt wurde.
Die Reform hatte vermutlich eine Neuordnung der finanziellen Verhältnisse sowie Baumaßnahmen zur Erhaltung der Klostergebäude zur Folge, da gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Klosterkirche im spätgotischen Stil umgebaut wurde.

1503
Nach einem Regest von 1503 verzichteten die Nonnen des Klosters durch Zahlung einer Abfindung an die Eltern der im Kloster lebenden drei Geschwister Hoberg von 5 1/2 rhein. Goldgulden auf alle Ansprüche, die der Konvent auf das Erbgut der Geschwister Hoberg hätte stellen können - Geschwister Anna Hoberg (Äbtissin), Margaretha Hoberg (Küsterin) und Leneke Hoberg (Jungfer), außerdem Maria Krachte (Priorisse), Anna Burkes (Kellnerin) und sämtliche Konventualinnen des Klosters Leeden -  (Quelle: DWUD a.a.O.).

1538
Das Kloster Leeden wurde protestantisch und in ein freiweltliches simultanes Damenstift umgewandelt.
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 25.08.2016