Netze

1228 – 1529 Kloster im Tal der Hl. Maria (Mariental)

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Bild 1: Klosterkirche Mariental in Netze

Lage des Klosters

Waldeck - Netze

 

Erhaltenes Erbe

Vom Kloster Netze blieb nur die Klosterkirche mit einem Wehrturm aus der vorklösterlichen Zeit erhalten.

 

Kurzgeschichte

Das Kloster Marienthal in Netze wurde 1228 für Zisterzienser-Nonnen sowie als Hauskloster des Waldecker Grafenhauses von den Brüdern Volkwin IV. von Schwalenberg und Adolf I. von Waldeck gestiftet. Es war das einzige Kloster in der Grafschaft Waldeck, das von den Grafen selbst gegründet wurde. Seine historische Bedeutung erhielt das Kloster dadurch, dass Angehörige des Grafenhauses zwischen 1268 und 1677 in einer an der Südseite der Klosterkirche angebauten Grabkapelle bestattet wurden.
Die wesentlichen Existenzgrundlagen des Klosters wurden bei der Gründung durch die Übertragung der Kirche in Netze sowie durch Stiftungen und Erwerbungen von Grundbesitzungen in Netze und in der Umgebung dieses Ortes in der 2.Hälfte des 13. Jahrhunderts gelegt. Es waren vor allem die Grafen von Waldeck, die das Kloster nachhaltig unterstützten, aber auch zahlreiche Familien des niederen Adels, die zu den Gefolgsleuten und Burgmännern der Grafen zählten und in der Grafschaft begütert waren. Die Konventualinnen stammten hauptsächlich aus diesem Personenkreis, sie befolgten nach dem Willen der Stifter die Regeln der Zisterzienser. Das Kloster stand jedoch unter der Jurisdiktion des Erzbischofs von Mainz und wurde  nach einer Reform erst 1487 in den Orden der Zisterzienser aufgenommen. Da die Grafschaft Waldeck sich der reformatorischen Lehre anschloß, wurde Netze zusammen mit den übrigen waldeckischen Klöstern 1527 aufgelöst. Das Klostervermögen ging weitgehend auf die neugegründete evangelische Pfarrei in Netze über. Die letzten Nonnen durften im Kloster wohnen bleiben, lebten infolge der Zeitverhältnisse, insbesondere der Pestepidemien zwischen 1553–67, jedoch in großer Armut.

Nutzung
Die ehemalige Klosterkirche ist heute evangelische Pfarrkirche.

 

Beachtenswertes

Kulturhistorisch wertvolle Einzelstücke der Kirchenausstattung aus der Klosterzeit sind erhalten: 

  1. Bildtafel eines gotischen Flügelaltars:
    Nach ungesicherter Überlieferung soll der Waldecker Graf Heinrich der Eiserne den Flügelaltar mit 13 Bildgeschichten aus dem Leben Christi nach seiner Rückkehr 1357 von einem Kreuzzug gestiftet haben. Vermutlich war die Bildtafel Bestandteil des Altares auf der Nonnenempore. In der künstlerischen Gestaltung bestehen Parallelen zu den Bildern des Konrad von Soest (z.B. Bad Wildungen oder Marienkirche in Dortmund). Die Bildtafel blieb erhalten, weil sie in Kriegsjahren vor fremden Zugriffen versteckt wurde.
  2. Nikolaus-Grabkapelle, in der zahlreiche Mitglieder des Waldecker Fürstenhauses begraben wurden,
  3. Altarblock, Gotische Marienfigur,
  4. Taufstein,
  5. Glocke,
  6. Barockkanzel,

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

Die Netzer Klosterbibel 1380–1565 mit Äbtissinnenliste und Eintragungen zur Zeitgeschichte befindet sich im Staatsarchiv Marburg, das Klosterarchiv im fürstlichen Waldeckschen Archiv in Arolsen.

 

Kontakt – Infos

Besichtigungsmöglichkeiten in Absprache mit der Evang. Kirchengemeinde Waldeck-Netze

 

WEB-Links

Infos und Bilder über Netze "Kloster Marienthal"

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 22.01.2016