Mariengarten

1220 – 1802 : Hortus sanctae Mariae, Colonia

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Bild 1: Ansicht des Klosters Mariengarten (etwa 1660-65), Skizzenbuch des Justus Finckenbaum, mit freundl. Genehmigung Rheinisches Bildarchiv der Stadt Köln

Lage des Klosters

Stadt Köln

 

Erhaltenes Erbe

Von der Klosteranlage Mariengarten in Köln ist nach Abbruch und städtebaulichen Veränderungen nichts mehr erhalten. Das Klostergelände wird von den Gebäuden des Westdeutschen Rundfunks überdeckt und von der Tunisstraße durchschnitten. Die heutige Kapelle „Maria ad Ortum“ an der Ecke der Straßen „Burgmauer“ und „Mariengartengasse“ erinnert noch an das Kloster.

 

Kurzgeschichte

Die Urspünge des Klosters Mariengarten sind nicht bekannt, seine Existenz in der Stadt Köln ist aber um 1220 bereits urkundlich belegt. Um 1230 war der Konvent überbelegt und verschuldet. Guderadis Gir aus einer Kölner Patrizierfamilie übernahm 1233 die Schulden des Klosters Mariengarten und stiftete zur personellen Entlastung dieses Klosters eine neue Niederlassung in Burbach (Hürth-Burbach), in das ein Teil der Nonnen aus Mariengarten übersiedelte.
Der Ausbau des Klosters Mariengarten war 1260 weitgehend vollendet. Es zählte zu den vornehmsten Klöstern der Stadt und war vor allem für Frauen aus Familien der ministerialen und adeligen Führungsschicht sowie des wohlhabenden städtischen Patriziats bestimmt. Diese Familienkreise förderten das Kloster weiterhin durch Schenkung von Ländereien und Memorienstiftungen zum standesgemäßen Unterhalt der eingetretenen Familienmitglieder sowie zum eigenen Seelenheil.
Obwohl die Nonnen an die strengen Regeln der Klausur gebunden waren, dürfte ein weltabgeschiedenes Leben innerhalb der Stadt kaum möglich gewesen sein. Der Klosterstandort ließ eine ausgeprägte Eigenwirtschaft nicht zu, so dass viele lebensnotwendige Güter hinzugekauft werden mußten und der große Hausbesitz des Klosters in der Stadt ein wichtige Lebensgrundlage war. Hier berührten sich vor allem städtische fiskalische Interessen mit der Steuerfreiheit für geistliche Besitzungen.
Auch in Mariengarten wurden Klosterreformen im 15. und 16. Jh. nach dem abendländischen Schisma bzw. der Reformation durchgeführt, um das innere Leben im Sinne der Konzile von Basel (1431-49) und Trient (1542–63) durch strenge Einhaltung der Klausur zu erneuern. Die Reformation scheint einen gravierenden Einfluss auf das Leben der Nonnen nicht ausgeübt zu haben.
Außergewöhnliche Vorkommnisse traten im Ablauf der langen Geschichte des Klosters nicht auf. Mariengarten blieb aufgrund der Lage innerhalb der befestigten Stadt von Zerstörungen oder Plünderungen, z.B. in der Zeit des Kölner Kriegs oder des 30-jährigen Kriegs, verschont, so dass das Kloster zeitweilig ein Zufluchtsort für fremde Nonnen war.
Die Beziehungen zwischen Mariengarten und einem Vaterabt sind bis 1571 unübersichtlich, erst ab 1571 stand Mariengarten ohne Unterbrechung unter der Aufsicht des Klosters Kamp, das die Beichtväter stellte. Mariengarten wurde 1802 im Zuge der Säkularisation aufgehoben.

 

Beachtenswertes

Kunstgegenstände bzw. beachtenswerte Einrichtungen aus der früheren Kirchenausstattung befinden sich heute in verschiedenen Museen:

  1. Wallraf-Richartz-Museum, Köln
    (Altartafel mit Maria auf der Mondsichel und der Familie der Grafen von Neuenahr, Meister Hl. Sippe, Köln, 1484) 
  2. Bayerische Gemäldesammlung, München
    (Tafelbild Thronende Maria mit Kind, vier Jungfrauen und Engeln, um 1400)
  3. Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
    (Tafelbild Madonna mit der Erbsenblüte)
    (Quelle: Jahrbuch Colonia Romana, 1996, Margrit Jüsten-Hedtrich)
  4. Deutsche Staatsbibliothek Berlin
    Hier befinden sich die beiden Nekrologe des Klosters ( bis 1800), in denen wertvolle Hinweise zur Ausstattung der Kirche mit Altären, farbigen Fenstern, Wandteppichen, Votivbildern, Statuen, Bänken, Leuchtern, Eisengittern und liturgischen Geräten sowie auf die Äbtissinnen zu finden sind.

Erhalten blieb die Orgel (eine Brüstungsorgel aus der Zeit um 1700 nach dem Totenbuch des Klosters), die sich heute in der ev. Martin-Luther-Kirche in Langenfeld-Reusrath befindet. Die Orgel ist mit etwa 350 Jahren eine der ältesten im Rheinland.


Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen
vgl. Literatur: Hüsgen 

 

Kontakt – Infos

  1. Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, 
  2. Bistumsarchiv Köln, 
  3. Förderverein Romanische Kirchen e.V. in Köln

WEB-Links

St. Maria ad Ortum (Wikipedia)

 

Redakteur: H. Dickmann - Aktualisierung: 13.03.2018