Graefenthal

1248 - 1802 : vallis comitis

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Bild 1: Abteigebäude, Zeichnung von Cornelius Pronk um 1732, Ansicht Graefenthal von Südwesten, mit fr. Genehmigung der Staatl. Graphischen Sammlung München

Lage des Klosters

Goch - Graefenthal (Niederrhein)

 

Erhaltene Erbe

Vom ursprünglichen Kloster sind noch Restbauten (Ost- und Nordflügel mit Kreuzgang, Torhaus, Remise, Taubenhaus und Umfassungsmauer) erhalten.

 

Kurzgeschichte

Das Kloster Graefenthal wurde etwa 1248 von Graf Otto II. von Geldern (1229-71) gestiftet. Es zählte in seiner Frühzeit zu den einflussreichsten Frauenklöstern am Niederrhein. Die kulturhistorische Bedeutung dieses Klosters lag bis 1376 in seiner Bestimmung als Begräbnisstätte der Herzöge von Geldern und der Angehörigen. Das Kloster entfaltete sich durch die Förderung der Grafen bzw. Herzöge von Geldern und Kleve, der Angehörigen der Nonnen sowie aufgrund der eigenen Wirtschaftstätigkeit so schnell, dass es durch zahlreichen Grundherrschaften, Dotationen, Memorienstiftungen und Mitgiften zu beachtlichem Wohlstand kam und trotz der häufigen Fehden am Niederrhein eine Blütezeit bis in Spätmittelalter hinein erlebte.
Über die inneren Verhältnisse des Klosters ist nicht viel bekannt. Sieht man seine Entwicklung aber im Kontext mit anderen traditionellen Frauenklöster der Zisterzienser  im Rheinland, in Westfalen oder in den Niederlanden, so dürften die Klausurbestimmungen in Graefenthal nicht jederzeit vorbildlich beachtet worden und die adeligen Nonnen durchaus  auf die Erhaltung ihrer Privilegien bedacht gewesen sein.  Der wirtschaftliche Niedergang des Klosters im ausgehenden 15. Jahrhundert hatte verschiedene Ursachen: Naturkatastrophen, Pestepedemien, Kriegseinflüsse mit Verwüstung der Klostergüter und vermutlich auch des Kloster (1474) sowie Hungersnöte. Zwar gab es immer wieder auch Erholungsphasen, jedoch erreichte das Kloster bis zur Aufhebung nicht mehr seine frühere Bedeutung.
Die Lage des Klosters hatte sich in der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts so verschlechtert, dass das Kloster nur durch Landverkäufe und neue Schulden seine Existenz sichern konnte. Die Wirren der Reformation und die Auswirkungen der Kriege (Truchsessischer Krieg sowie Spanisch-Niederländischer Krieg) spiegelten sich im drastischen Rückgang der Zahl der Nonnen von 18 im Jahre 1574 auf 9 Nonnen im Jahre 1612 wider. Graefenthal hatte seine Attraktivität eingebüßt, dennoch blieb das Kloster als katholische Institution erhalten.
Das Kloster geriet im 30-jährigen Krieg weiter in wirtschaftliche Bedrängnisse , so dass sich der Konvent 1649 zu einer sparsamen Lebensweise entschließen und bis 1695 mehrfach Grundbesitz verkaufen und erneut Schulden machen mußte. In einer kurzen Erholungsphase stieg die Zahl der Nonnen nach dem Ende des Krieges nochmals auf 15 Nonnen an, die dann aber bei 8 bis 9 Nonnen - im Jahre 1786 sogar nur noch 6 Nonnen - stagnierte. Zwar war in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts das Kloster wirtschaftlich wieder in der Lage, Ländereien zu kaufen und erforderliche Erneuerungbauten (z.B. Neubau des Dormitoriums, Bau des Torhauses, Ausstattung der Klosterkirche) auszuführen, jedoch konnten  die Belastungen durch Kriegskontributionen in der Zeit des 7-jährigen Krieges nur durch neue Schulden ausgeglichen werden.
Das Kloster wurde nach 550 Jahren aufgrund des Konsularbeschlusses der französischen Regierung 1802 aufgelöst. Klostergut und Wirtschaftsgebäude wurden in Aachen versteigert. Die Klosterkirche wurde abgebrochen; Abbruchmaterial und Inventar dienten der Errichtung der Pfarrkirche in Pfalzdorf.


Nutzung

Nach der Säkularisation erwarb die Familie Sinstedden das Klosterareal und betrieb hier ein Landwirtschaftsgut bis zum Jahre 1961. Es folgte danach ein mehrfacher Besitzerwechsel.

Beachtenswertes

Einzelstücke der Kirchenausstattung, die nach der Aufhebung des Klosters in andere Pfarreien gelangten, sind:

  1. Seitenaltar und Kanzel aus der 2.Hälfte 17. Jh. sowie Skulpturen
    (heute Hochaltar kath. Pfarrkirche St. Martinus, Pfalzdorf)
  2. Votivrelief der Äbtissin Beatrix von Honseler etwa 1530
    (heute kath. Pfarrkirche St. Vincentius, Asperden)
  3. Schnitzfiguren (heute St. Stephanus in Kessel)

Ein Altarretabel gelangte 1761 in die Kapelle "St. Maria an der Heiden" in Elmpt-Overhetfeld (Niederkrüchten).

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen
Vgl. Literatur: Scholten, Das Cistercienserinnenkloster Graefenthal oder vallis comitis zu Asperden im Kreise Kleve, Kleve 1899

 

Kontakt – Infos
1)  Stadtarchiv der Stadt Goch,
2)  Förderverein Kloster Graefenthal e.V.

 

WEB-Links
1)  Geschichte des Klosters Graefenthal


Redakteur: M.Peperkorn - Aktualisierung: 21.08.2016