Schledenhorst

1241 – 1806

Bild 1: Abtei Schledenhorst um 1840, mit freundl. Genehmigung des Stadtarchivs der Stadt Rees

Lage

Haldern (Kr. Rees)

Eine kleine Kapelle liegt unmittelbar an der Kreisstraße Haldern – Hamminkeln.

Eine Hinweistafel auf das frühere Kloster ist vorhanden.

 

Erhaltenes Erbe

Von der Klosteranlage (Bild 1) ist nichts erhalten geblieben. Nach der Aufhebung bauten Nachbarn des Klosters aus dem Abbruchmaterial die Kapelle Schledenhorst am Eingang zum ehemaligen Klosterareal (Bild 2).

Kapelle Schledenhorst, Denkmalliste der Stadt Rees, 14.07. 1982

Kurzgeschichte

Stifter des Klosters Schledenhorst war der Ritter Bernhard von Rees, der dem Kloster Gevelsberg ursprünglich seinen freien Besitz in Empel (Stadt Rees) zur Errichtung eines Klosters für eine Frauengemeinschaft übertrug. Da dieser Gründungsversuch in Empel aus nicht mehr bekannten Gründen auf Schwierigkeiten stieß, schenkten Bernhard und dessen Bruder Heinrich dem Konvent ihre Güter in Schledenhorst (Haldern), die sie dort vom Kölner Erzbischof als Lehen besaßen, für die Ansiedlung des Klosters in Schledenhorst.
Das Kloster wurde 1249 in den Orden der Zisterzienser aufgenommen und der Abtei Kamp zur geistlichen Betreuung unterstellt. Die Klosterfrauen kamen aufgrund der Namen weiterer Stifter und Wohltäter vorwiegend aus den in der Umgebung des Klosters wohnenden Adelsfamilien.
Im Zuge der Kirchen-und Klosterreformen im 15.Jahrhundert nach dem Ende des abendländischen Schismas wurde 1459 Schledenhorst als erstes Frauenkloster unter der Abtei Kamp reformiert. Wie in vielen anderen traditionellen Frauenklöstern hatten sich die Lebensverhältnisse in Schledenhorst verändert, so dass es vermutlich Widerstände gegen die Erneuerung einer strengen Observanz gab, da mit Hilfe von reformgesinnten Nonnen aus dem Kölner Kloster Sion die Reform durchgeführt wurde. Schledenhorst erlebte für einen Zeitraum von mehr als 100 Jahre eine neue wirtschaftliche und geistige Blüte. Vor allem wurde das Kloster durch die Mitglieder des Hauses Kleve unterstützt, so dass verfallene Fachwerkgebäude durch feste Steinbauten ersetzt und eine Klausurmauer um die Klosteranlage gezogen werden konnten. Die religiöse Erneuerung des Klosters ermöglichte es, mehrere Nonnen für die schwierige Reform des Klosters Fürstenberg (1467) abzugeben. Die innere Verfassung des Klosters war nachhaltig so gefestigt, dass es in der Zeit der Reformation den katholischen Status behielt.
Die Kriegsereignisse am Niederrhein seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert mit Plünderungen und Verwüstungen des Klosters und seiner Liegenschaften (z.B. 1587 bzw. 1598 im spanisch-niederländischen Krieg, in der Zeit des 30-jährigen Krieges oder 1672 im spanischen Erbfolgekrieg) waren die Ursachen des ständigen wirtschaftlichen Niedergangs. Von den Schäden und Bedrängnissen erholte sich das Kloster nicht mehr. Das Kloster geriet durch mehrfache Aufnahme von Fremdkapitalien im 18. Jahrhundert in große Schulden; teilweise dienten die Geldanleihen zur Ablösung von Altschulden, teilweise auch dazu, den verarmten Klosterpächtern das Geld zur Bezahlung der Kriegssteuern vorzustrecken. Die kurzfristigen Friedensperioden reichten für eine wirtschaftliche Erholung nie aus, so dass die Abtei bis zur Aufhebung in ärmlichen Verhältnissen lebte.

 

Nutzung

Auf dem Klostergelände befindet sich heute ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Reiterhof.

Der Grundriß vermittelt eine Anschauung von der Anordnung der Klostergebäude. Die Klosterkirche hatte etwa die Maße von 25 m x 9 m. Über das äußere Erscheinungsbild der Klosteranlage ist wenig bekannt. Bilder existieren nicht mit Ausnahme einer Zeichnung des Klosterkomplexes von 1840 im „Heimatkalender für den Kreis Rees, 1924“.

 

Beachtenswertes

Einzelstücke der Kirchenausstattung nach der Aufhebung sind erhalten:

  • Die Kreuzigungsgruppe mit Altarfiguren des Klosters aus dem 15. Jahrhundert in der heutigen Kapelle hat historischen Wert.
  • Schnitzfiguren gelangten zur Haldener Pfarrkirche.
  • Als die Kirche in Haldern für einen Neubau 1893 abgebrochen wurde, fand man in einem Abstellraum ein unbekanntes dreiteiliges Altarbild, das sich heute im Besitz des Westfälischen Landesmuseums in Münster befindet und dem Meister von Schöppingen (etwa 1445) zugeordnet wird. Der ursprüngliche Aufstellungsort steht nicht fest; der Standort des „Haldener Altars“ (auch Billerbecker Altar) im Kloster Schledenhorst kann aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden. 
  • Kabinettorgel von etwa 1780 aus dem Kloster Schledenhorst,
    Orgelbauer Johannes Stephanus Strumphler, Amsterdam,
    Orgelmuseum der Universität Leipzig

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

vgl. Literatur: Scholten

 

Kontakt - Infos

1) Stadtarchiv Rees

2) Heimatverein Haldern e.V.

 

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016