Welver

1238 – 1809

Doppelkirche
Bild 1: Doppelkirche

Lage des Klosters

Die Stadt Welver liegt zwischen den Städten Hamm (Westf.) und Soest.

 

Erhaltenes Erbe

Teile der Klosteranlage (Doppelkirchen und Abteigebäude) sind trotz baulicher Veränderungen noch vorhanden.

 

Kurzgeschichte

Die Geschichte des Zisterzienserinnenklosters Welver begann mit dem westfälischen Kloster Marienborn in Lippramsdorf (später Coesfeld), das in Welver ein neue Klosterniederlassung gründete. Dazu verkauften der Stadtvogt Walther von Soest und seine Frau Sophia dem Kloster Marienborn ihre Güter in den Ortschaften Welver, Klotingen und Scheidingen und schenkten aus ihrem Besitz der klösterlichen Neugründung vor allem ihre Eigenkirche zu Welver mit allen Einkünften als Gründungsausstattung (Quelle: UK Seibertz, Nr. 216 a.a.O.). Das Frauenkloster wurde 1245 in den Orden aufgenommen und dem Kloster Kamp unterstellt. Kloster Welver hatte eine fundierte wirtschaftliche Basis und war vornehmlich für Frauen aus den im Umkreis des Klosters lebenden adeligen Familien (märkische bzw. kurkölnische Burgmänner bzw. Ministeriale oder städtische Patrizier) bestimmt. Die Zahl sämtlicher Klosterbewohner war um 1300 auf 50 Personen begrenzt. Die innere Entwicklung des Klosters wurde durch den Einfluss der gesellschaftlichen Veränderungen im ausgehenden Mittelalter sowie durch den Wunsch der Nonnen nach einem standesgemäßen Leben und nach Erhaltung ihrer Privilegien als zunehmende Verweltlichung wahrgenommen. Nach langen Widerständen der Nonnen gegen Reformen, die im 15.Jahrhundert allgemein den Verzicht auf Privateigentum und die Wiederherstellung einer strengen klösterlichen Observanz zum Ziel hatten, fand 1493 eine religiöse Erneuerung des Klosters statt, die jedoch nicht lange dauerte, da bereits 1533 in der Soester Börde die Reformation eingeführt wurde. Das Kloster konnte sich als katholische Institution zwar behaupten, mußte aber neben dem katholischen Pfarrer einen lutherischen Vizekurator für die protestanisch gewordenen Bewohner von Welver einstellen. In der Zeit dieses Simultaneums (1565-1697) gab es mehrmals kurze Phasen, in denen die katholische Seite die Oberhand zurückgewann. Ende 1649 wurde die Kirchengemeinde endgültig evangelisch; damit hatte das Kloster seinen 100-jährigen Kampf um die Erhaltung der dem Kloster inkorporierten katholischen Pfarrei verloren. Den Nonnen blieb für ihren Gottesdienst nur die Nonnenempore. Der Klostergeistliche (bisher katholischer Pfarrer in Welver) durfte für die wenigen Katholiken, die nunmehr zur Gemeinde St.Patrocli in Soest gehörten, offiziell keine kirchlichen Handlungen ausüben. Der Neubau der Klosteranlage im barocken Stil (1685) war ein Ausdruck der wirtschaftlichen Erholung und des Führungsanspruchs des Klosters im protestantischen Umfeld der Börde. Die bestehenden konfessionellen Spannungen trugen dazu bei, dass eine neue Klosterkirche 1697-1701 unmittelbar neben der alten Klosterkirche (jetzt evangelisch) gebaut wurde. Eine eigenständige katholische Pfarrgemeinde in Welver entstand jedoch erst wieder im Jahre 1807. Das Kloster wurde 1809 aufgehoben.

 

Nutzung

Die romanische Klosterkirche St. Albanus und Cyriakus (rechts im Bild) von 1238 ist seit 1649 die evangelische Pfarrkirche von Welver. Dicht daneben (links im Bild) steht die katholische Klosterkirche St.-Bernhard von 1697.  Die Abteigebäude wurden als Schule, Krankenhaus und Pflegeheim genutzt. Das frühere Haus der Äbtissin ist heute das kath. Pfarramt, das ehemalige Backhaus gehört dem Heimatverein Welver.

 

Beachtenswertes

Die Doppelkirche und die noch vorhandenen Gebäude der Klosteranlage bilden mit den umliegenden Fachwerkhäuser das sehenswerte Klosterdorf Welver.

 

Beachtenswerte Einzelstücke der Kirchenausstattung sind noch erhalten:

Alte - evangelische - Klosterkirche mit Knippinck-Altar von 1615, gotischem Chorgestühl und romanischem Taufstein.

Neue - katholische – Kirche mit barocker Ausstattung, mit Totenschilden verschiedener Äbtissinnen, Chorgestühl, flämischer Madonna 16.Jh. nach dem Vorbild Roger van der Weyden.

Der Marienaltar der Nonnenempore befindet sich in der Pfarrkirche St.Dionysius in Thülen.


Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

Äbtissinnen-Liste in: Westfälisches Klosterbuch; aus Urkunden und Akten sind

29 Äbtissinnen namentlich bekannt.

 

Kontakt - Infos

1) Evangelische Kirchengemeinde Welver, Im Hagen 33, 59514 Welver

2) Katholische Kirchengemeinde Welver, Klosterhof 7, 59514 Welver

3) Heimatverein Welver e.V.

 

 

WEB-Links

1)  Geschichte der Gemeinde und des Klosters Welver



 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 14.04.2016