Ter Hunnepe

( Honepa oder Marienhorst ) 1225 – 1579/1794

Torgebäude der Abtei Ter Hunnepe
Zeichnung von Bartus Korteling, ca. 1900
Deventer "Museum De Waag"
Bild-Nr. 0349
mit freundlicher Genehmigung

Lage des Klosters

Südöstlich von Deventer zwischen den Ortschaften Colmschate und Epse

 

Erhaltenes Erbe

Von den Gebäuden der 1578 zerstörten Klosteranlage ist nichts erhalten geblieben. Es existiert lediglich eine Zeichnung vom früheren Torhaus des Klosters. Außerdem befinden sich Teile des Klosterarchivs (1225 -1581) und das Stiftsarchiv (1581-1813) im Reichsarchiv der Provinz Overijssel in Zwolle.

 

Kurzgeschichte

Das Kloster Ter Hunnepe wurde 1225 von Richardis von Nassau (Witwe des Grafen Otto I. von Geldern und erste Äbtissin des Klosters Roermond) auf den Gütern des Ludolf van den Brande bei Deventer gegründet. Es unterstand dem Kloster Kamp und wurde vermutlich 1238 in den Orden aufgenommen.
Eine Brandkatastrophe vernichtete bereits 1253 die Klostergebäude. Die Nonnen fanden mit Hilfe des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden eine Unterkunft im Kloster Fürstenberg in Xanten; dieses Kloster wurde einige Jahre später an den Konvent Ter Hunnepe verkauft. Ein Teil der Konventualinnen kehrte um 1263 in das wiederhergestellte Kloster Ter Hunnepe zurück; anschließend wurden die Klöster Fürstenberg und Ter Hunnepe rechtlich und wirtschaftlich geteilt.
Ter Hunnepe lag an der Grenze zwischen den Grafschaften Zutphen (Geldern) und Overijssel (Oberstift Utrecht) ca. 2 km südöstlich von Deventer auf geldrischem Boden. In den ersten Jahrhunderte wurden nur Frauen aus dem regionalen Adel von Geldern und Kleve, seit der habsburger Herrschaft auch aus Overijssel aufgenommen. Bekannte Familiennamen waren z.B. van Voorst, van Heekeren, van Ittersum, van Keppel. van Bronckhorst, van Lintelo, Sloet, van Bijland. van Rossum, van Alkemade.
Die Klostergründung war nicht nur ein Ort für ein gemeinschaftliches Leben alleinstehender frommer Frauen, die hier im Gebet, in Besinnung und Abgeschiedenheit von der Außenwelt nach der benediktinischen Lebensmaxime lebten, sondern auch Kulturträger, eine Versorgungseinrichtung für die Töchter des regionalen Adels und eine Stätte der Armenfürsorge. Das Kloster spielte eine wirtschaftliche bzw. politische Rolle bei der Erschließung der morastreichen Veen-Gebiete und beim Ausbau des Handelsweges von Deventer nach Westfalen, ferner beim Schutz des Landes gegen Überflutungen und bei der Grenzsicherung zwischen Geldern und dem Oberstift Utrecht.
Ter Hunnepe kam in seiner Frühzeit durch Kauf, durch zahlreiche Stiftungen oder durch das Vermögen, welches die Nonnen beim Klostereintritt als Mitgift mitbrachten, zu ansehnlichen Grundbesitzungen, die vorwiegend in Gelderland und Oberijssel lagen. Nach 1400 war diese Entwicklung rückläufig. Das Kloster gehörte seit etwa 1420 der Kongregation von Sibculo an, der sich ca. 20 Zisterzienserklöster in den Niederlanden anschlossen, um ein observantes Leben im Geist der „Devotio moderna“ zu führen. Dies änderte sich mit Beginn des 16. Jahrhunderts, als das Kloster von Katastrophen (Überflutungen, Brände und Kriegseinwirkungen) heimgesucht wurde  und das Land in der Zeit der geldrischen Kriege zwischen Karl von Geldern gegen die burgundisch-habsburgische Herrschaft bis 1538 nicht zur Ruhe kam.
Veränderungen in der Lebensweise der Nonnen, die Verschuldung des Klosters und der Verkauf von Klosterbesitz führten dazu, dass 1565 Maßnahmen zur wirtschaftlichen Sanierung des Klosters getroffen wurden, die de facto die Umwandlung des Klosters in ein Damenstift bedeuteten, in dem die Nonnen fortan wie Regularkanonikerinnen lebten.
Als die Truppen der Generalstaaten zu Beginn des Kampfes der Niederländer um ihre Unabhängig von der spanischen Krone die Stadt Deventer 1578 eroberten, wurde auch das Kloster zerstört. Die Klosterbewohner zogen sich nach Deventer zurück und schlossen sich hier offensichtlich unter dem Druck der Verhältnisse der reformatorischen Lehre an.
Die Ruinen der Klostergebäude wurden im Laufe des 17. und 18.Jh. langsam abgebrochen und als Quelle für Baumaterial ausgebeutet. Ter Hunnepe blieb als protestantisches Damenstift bzw. als eine reine Versorgungeinrichtung für junge Mädchen aus verarmten Adelsfamilien der Provinzen Overijssel und Gelderland fortbestehen, die mit festen Präbenden aus den Erträgen der Klostergüter unterstützt wurden. Über die Verteilung von 12 Präbenden (später nur noch 10) entschieden die Ritterschaften dieser Provinzen, die auch die Äbtissinnen (abwechselnd aus Geldern und Overijssel) nominierten. Das Stift behielt die Verwaltung seiner Güter bis zur Aufhebung unter Napoleon im Jahre 1811. Die Güter wurden mit den staatlichen Domänen vereinigt und an die bisherigen Pächter verkauft.

 

Beachtenswertes

Einzelstücke der Kirchenausstattung oder des Klosters Ter Hunnepe sind nicht bekannt bzw. erhalten. Unter dem Chor der Kirche von Bathmen befindet sich die Grablege des Hauses Dorth.
In der Kirche entdeckte man bei Restaurierungarbeiten im Jahre 1870 unter den verputzten Wänden des Chorraumes Wandgemälde, die vermutlich aus der 2. Hälfte des 15. Jhs. stammen und in der Zeit des Bildersturms mit einem Kalkverputz verdeckt wurden. Auf einem Wandgemälde „Zehntausend Märtyrer“ von 3m x 7m sind auch die Stifter (eine Äbtissin des Klosters und ein Herr aus dem Hause Dorth) abgebildet.

 

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

 

Kontakt - Infos

Archeologische Werkgemeenschap voor Nederland

 

WEB-Links

1) Wassermühle zu Markvelde im Klosterbesitz

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016