Roermond

1218 – 1797 Onze Lieve Vrowe Munsterkerk

Lage des Klosters
im Zentrum der Stadt Roermond  
 
Erhaltenes
Von der Abtei Roermond ist nur die Münsterkirche (Liebfrauenkirche) mit romanischen und gotischen Bauelementen im Bauzustand von 1864 erhalten. 
Kurzgeschichte
Das Zisterzienserinnenkloster Münster in Roermond wurde 1218 vom Grafen Gerhard IV. von Geldern (1185 – 1229) und seiner Frau Margarethe von Brabant auf Veranlassung der verwitweten Landesgräfin Richardis von Bayern, Mutter des Grafen, gegründet. Das Kloster bestand bis 1797. Die Gründung stand im engen Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Stadt Roermond, die 1213 im deutschen Thronstreit durch Kaiser Otto IV. zerstört wurde. Beim Wiederaufbau der Stadt begann man 1218 auf den Trümmern des gräflichen Anwesens auch mit dem Bau des Frauenklosters, dessen monumentale Kirche als Begräbnisstätte für die Familie der Grafen von Geldern bestimmt war (Grabmal des Stifterpaares unter der Vierung der Kirche). 31 Äbtissinnen in Folge leiteten das Kloster in seiner rd. 600-jährigen Geschichte. Die überregionale Bedeutung der Abtei für den Adel läßt sich daran erkennen, dass eine Novizin beim Eintritt in das Kloster ihre adelige Abstammung über vier Generationen nachweisen mußte (Aufschwörung).
Das Kloster war in den ersten Jahrhunderten wohlhabend und einflußreich, weil es das Patronatsrecht über zahlreiche Pfarreien der Umgebung ausübte. Allerdings führten Torfgewinnung und Holznutzung auf unkultierten Heideflächen des Klosters zu Dauerkonflikten zwischen Anwohnern und Kloster. Das Kloster war nach außen ein kultureller Mittelpunkt für die Landbevölkerung, ein Zufluchtsort für die Armen der Stadt sowie ein bekannter Wallfahrtsort. Über die innere Situation des Konvents bzw. über eine Reform vor allem in der 2.Hälfte des 15.Jh. nach dem abendländischen Schisma wurde praktisch nichts überliefert. Ein wesentlicher Grund dürften die häufigen Unruhen infolge der inneren Auseinandersetzungen der Landesherren um ihre Herrschaftsansprüche über Geldern gewesen sein. Eine Klosterreform in Roermond fand vermutlich erst in der 1.Hälfte des 16. Jahrhunderts statt, deren Wirkung aber nur von kurzer Dauer war.
Von 1543 bis 1702 stand die Stadt unter burgundisch bzw. spanisch-habsburgischer Herrschaft, die sich besonders gegen die Ausbreitung der Reformation richtete. Die Ausübung des kaiserlichen Nominatierechts durch die Statthalter der Niederlande schränkte die freie Äbtissinnenwahl sowie das Aufsichtsrecht des Kamper Vaterabtes ein. Die Kriegseinwirkungen in Roermond seit Beginn des Kampfes um die Unabhängigkeit der Niederlande, innere Querelen zwischen adeligen und nichtadeligen Nonnen, die Hexenprozesse sowie die Katastrophen durch Stadtbrände und Überschwemmungen ließen das Kloster im 17.Jahrhundert kaum zur Ruhe kommen. Um 1600 war der Verweltlichungsprozess in der Abtei bereits so fortgeschritten, dass die danach folgenden Versuche, mit Hilfe der von der spanischen Landesregierung benannten Äbtissinnen eine verschärfte Observanz im Sinne des Konzils von Trient (1545-63) durchzusetzen, keinen dauerhaften Erfolg hatten. Nur die Reform unter der Äbtissin Susanna Pardo vermutlich kurz nach ihrer Wahl 1627 konnte die inneren Widerstände im Konvent durch Mitwirkung reformbereiter Nonnen, die die Äbtissin aus Brügge mitbrachte, unterdrückt werden. Die inneren Querelen im Konvent - teils aus Sorge um den Erhalt alter Privilegien, teils aus Unzufriedenheit über die schlechte Wirtschaftslage aufgrund der großen Katastrophen - blieben letztlich bestehen. Die Folge war, dass die Äbtissinnen im 17.Jahrhundert (mit Ausnahme von Susanne Pardo) zum Schluß entweder abgesetzt wurden oder abdanken mußten (Anna von Reuschenberg wurde 1626 abgesetzt; Franziska d`Alsace de Boussu verließ 1667 das Kloster nach 11-jähriger Amtszeit; Maria Margarethe von Weynhorst wurde von ihrer Leitungsbefugnis 1702 entbunden und dankte 1706 ab). Auch der Versuch der Nonnen, das Kloster in ein adeliges Stift umzuwandeln, wurde vermutlich wegen der prekären finanziellen Lage des Klosters nach dem Stadtbrand 1665 vereitelt. Die zerstörte Abtei mußte sich für den Wiederaufbau hoch verschulden und erholte sich nie vollständig.

Das Kloster wurde 1797 infolge der französischen Besetzung des linken Rheinlandes aufgehoben. Die 8 Monialen, darunter die Äbtissin, mußten das Kloster verlassen. 1798 wurde das Inventar des Klosters und der Kirche versteigert. Das Haus der Äbtissin wurde als Gefängnis benutzt, die Klostergebäude bis zum Abbruch 1924 als Gendamerie-Kaserne. Die Münsterkirche erhielt durch den Anbau der Glockentürme unter dem Roermonder Architekten Pierre Cuypers in der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre heutige Gestalt.
Bild 1: Klosterkirche heute

Nutzung

Die Klosterkirche wird benutzt als Filialkirche von St. Christoffel, der Kathedrale von Roermond.

Die Abteikirche kann besichtigt werden.

 

Beachtenswertes

Die Munsterkirche als romamisch-gotisches Bauwerk gehört zu den schönsten Bauten dieser Art in den Niederlanden und ist den Kirchen St. Quirin (Neuss) und St. Apostel (Köln) vergleichbar.

Beachtenswerte Einzelstücke der Kirchenausstattung, die nach der Aufhebung erhalten blieben, sind:

  • Grabmal des Stifterpaares Gerhard IV. von Geldern (+1229)
    und Ehefrau Margarethe von Brabant (+ 1231)
  • Skulpturen und Altaraufsätze aus dem 16.Jh.
  • Wandmalereien
  • Bleiglasfenster
  • Holzskulptur Maria mit Kind (ca. 1500),
    bekannt als 'Onze Lieve Vrouw Vogelsangh'

Verzeichnis der Konventualinnen, Äbtissinnen

  vgl.  Munsterabdij - Wikipedia

 

Kontakt - Infos

6040 AX Roermond (NL), Markt 31, Gemeentearchief

 

WEB-Links 

1) Münsterabtei (Geschichte, Architektur, Grabmal des Stifterpaares) (niederländischer Text)


Redakteur: H. Dickmann - Aktualisierung: 17.05.2017