Holthausen

Zeit bis zur Aufhebung

Gut_Holthausen_Slg_Duncker-700x500.jpg
Bild 2: Klostergut Holthausen um 1860 (Sammlung Alexander Dunker)

1243 - 52

Die Vettern Bertold d. Ä. und Bertold d. Jü. von Büren gründeten 1243 das Zisterzienserinnenkloster Holthausen. Der Standort des Klosters lag nicht in der Stadt Büren, wie nach der Fundationsurkunde angenommen werden könnte, sondern von Anfang an auf einem bischöflichen Haupthof in Holthausen bei Büren (dazu s. Schaten: S.118 a.a.O: "Verkauf des Haupthofes 1269 an die Äbtissin und die Monialen des Ordens der Zisterzienser, die nun dort lebten").
Die Edelherren leisteten dem Fürstbischof Verzicht auf ihre Patronatsrechte über die Kirchen in Büren und Holthausen sowie auf die zugehörigen Ländereien zugunsten des Klosters, so dass Bischof Bernhard IV. von Paderborn 1243 dem Kloster beide Kirchen in der Stadt Büren, die Kapelle vor der dortigen Burg und die Kapelle (oder Kirche) in Holthausen mit allem Zubehör sowie das Land, auf dem das Kloster lag, mit Wäldern, Wiesen, Teichen und Bewohnern übertrug (Quelle: WUB 4, Nr. 326: a.a.O.: "ecclesias utriusque oppidi in Buren, capellam ante castrum in Buren, capellam in Holthusen prope Buren cum suis pertinentiis et aream, in qua cenobium situm est").
Die dem Kloster übertragenen Kirchenpatronate mit ihren Einkünften stellten die wirtschaftliche Grundausstattung des Klosters sicher. Die Nonnen verpflichteten sich, in Holthausen und 4 weiteren Klöstern ein jährliches Seelenamt für den Bischof und seine Eltern und Geschwister zu halten. Die Edelherren entschädigten den Bischof mit Ländereien in Wichmodeberg (eine Wüstung in der Ortschaft Steinhausen bei Büren) für dessen Verzicht auf die Lehenshoheit über das Klosterareal; sie erhielten die Ländereien aber als Lehen zurück (Quelle: WUB, IV 326 a.a.O.).
Papst Innozenz IV nahm 1245/1246 das Kloster in seinen Schutz und bestätigte ihm seine Besitzungen und Rechte (Quelle: WUB, V 446, 456 a.a.O.).
Bischof Simon von Paderborn gestattete 1249, daß im Kloster auch zur Zeit eines Interdikts die Meßfeier bei verschlossenen Türen stattfinden dürfte (Quelle: WUB, V, 512 a.a.O.).
Die Patronatsrechte des Klosters über die Kirchen zu Büren sowie der Besitz der Kapelle in Holthausen mit zugehörigen Ländereien wurde mehrmals bestätigt (Quelle: WUB, IV, 495, 502 a.a.O.):
- 1249 durch den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (bei Auseinandersetzungen zwischen den Fürstbischöfen von Köln und Paderborn im Mittelalter stand die Herrschaft Büren meist auf der Seite des Kölner Kurfürsten)
- 1252 durch Bischof Simon von Paderborn und das Domkapitel, außerdemdurch den päpstlichen Legat Hugo von Lüttich.
- außerdem 1311 durch den Papst Clemens V.

1252 - 1300
Zahlreiche Urkunden belegen die Zugehörigkeit des Klosters Holthausen zum Orden der Zisterzienser, auch wenn eine förmliche Inkorporation des Klosters in den Orden nicht überliefert ist. Der Abt von Bredelar beurkundete vor allem im 13. Jh. mehrere Kauf- bzw. Schenkungsvorgänge. Er übte bis 1500 die Visitationsrechte aus und war mehrmals als Zeuge oder Schlichter bei Streiterein des Klosters um Besitzrechte beteiligt. Holthausen stand seit etwa 1500 unter der Aufsicht des Klosters Marienfeld, das die Beichtväter für Holthausen (in ununterbrochener Folge erst seit 1634) bis zur Aufhebung dieses Klosters stellte (Quellen: Germania sacra: Bredelar S.138; Germania sacra: Marienfeld S.183-84 a.a.O.).
Es bestanden außerdem Kontakte zu anderen Frauenklöstern der Zisterzienser in den an das Hochstift angrenzenden Gebieten. Die Nonnen von Holthausen erhielten in der Bauzeit ihres Klosters, die bis rd. 1270 dauerte, geistige und finanzielle Unterstützung durch eine Gebetsverbrüderung mit den Nonnen in Himmelpforten, Benninghausen, Welver, Fröndenberg und Wormeln. Die Äbtissinnen dieser Klöster versprachen noch 1259, alle Wohltäter, die zum Bau der Klosterkirche in Holthausen beitrügen, in die Gebetsgemeinschaft aufzunehmen, da die Almosen zur Fertigstellung des Klosters in Holthausen nicht ausreichen würden und es den Nonnen nicht möglich wäre, die Kirche ohne Hilfe der Gläubigen zu errichten (Quelle: Oberschelp S. 220 a.a.O.). Über die Bauten des 13. Jahrhunderts sind nähere Angaben nicht vorhanden.
Nach den Urkunden zwischen 1250 und 1300 gaben zahlreiche Schenkungen dem Kloster die nötige Existenzgrundlage. Insbesondere die Herren von Büren und ihre Nachfahren statteten Holthausen mit Gütern und Rechten (z.B. Marken-, Trift- und Fischereirechte) aus. Sie verkauften dem Kloster die Mühle bei Büren und schenkten ihm die Mühle in Weine. Sie übertrugen dem Kloster 1265 den Zehnten, der ihnen noch aus dem (bischöflichen) Haupthof, auf dem das Kloster lag, zustand (Quelle: WUB, IV, Nr.1040 " ..decima curie in Holthusen in quo claustrum situm est.."). Die Nonnen erwarben vom Paderborner Bischof Simon von Lippe 1269 mit Zustimmung des Domkapitels diesen Haupthof endgültig, weil der Bischof als Landesherr des Hochstifts mit dem Verkauf vieler kirchlicher Besitzungen seine zahlreichen Fehden finanzierte (Quelle: Schaten S. 118 a.a.O.). Die Edelherren schenkten ferner Güter in Heddinghausen, Swinfelde, Ahden und Holthausen, außerdem einen halben Zehnten aus Hoven. Das Kloster erhielt Brenn- und Bauholz aus den Wäldern der Edelherren.
Zum Personenkreis der Wohltäter gehörten geistliche Herrschaften (der Bischof von Paderborn, der Abt von Helmershausen, verschiedene Priester) sowie adelige Häuser aus der Umgebung (z.B. Arnsberg, Rudenberg, Rietberg, Störmede, Lankenstrot ) und ihre Gefolgsleute, ferner reiche Büger der Stadt Soest. Der Ritter Bernhard von Holthusen versorgte 1271 eine Tochter beim Klostereintritt mit einem Gut in Holthausen.
Die klösterlichen Güter, Ländereien, Wälder und Mühlen lagen in den Dörfern rund um Büren (z.B. Ahden, Steinhausen, Brenken, Weine, Heddinghausen, Siddinghausen, Barkhausen, Swinfelde und Weiberg) sowie auch auf dem Gebiet der heutigen Stadt Geseke im damaligen kurkölnischen Herzogtum Westfalen.
 

1308 - 37
Das Kloster besaß nicht nur die Patronatsrechte über die Bürener Kirchen, sondern auch das Patronat über die Kirche des später wüstgefallenen Dorfes Dorslon (nördlich von Marsberg). Der Ritter Albert von Amelungessen verkaufte 1308 seine Höfe (curtes in villa Dorslon) und das Patronatsrecht dem Kloster Holthausen (Quelle: "Die Ältere Diözese Paderborn, B. II").
Außerdem wurde 1337 dem Kloster das Patronat über die neue Sakramentskapelle zu Büren übertragen.

 

1350 - 1450
Die Urkunden aus der Frühzeit des Klosters enhalten zahlreiche Nachrichten über Schenkungen, über Memorienstiftungen oder über Erwerb und Verpachtung von Grundbesitz bzw. Kreditgeschäfte. Über die inneren Verhältnisse des Klosters und das religiöse Leben der Nonnen ist praktisch nicht bekannt.
Verschiedene Ereignisse zeigen, dass die Klostergüter Übergriffen von außen ausgesetzt waren. In der 1.Hälfte des Jhs. gelangten Teile des Grundbesitzes unberechtigt in fremde Hände, so dass aufgrund einer Beschwerde der Nonnen Papst Innozenz VI. den Dechanten der Kirche des Stifts St.Martin (?) 1359 beauftragte, dem Kloster Holthausen die "verlorenen" Güter zurückzuholen (Quelle: Schaten, S. 358 a.a.O.). Eine Urkunde aus dem Jahre 1376 berichtete von einem Viehdiebstahl (Pferde, Ochsen, Kühe, Schweine), für den die Täter dem Kloster eine Entschädigung zahlen sollten.
Auffallend waren nach der Urkundenlage die Kreditgeschäfte des Klosters bzw. einzelner Nonnen in der Zeit zwischen 1370 bis 1450 insbesondere mit Bürgern der Städte Rüthen und Geseke. Selbst die Städte Rüthen bzw. Warstein nahmen Darlehen beim Kloster auf (Quelle: Oberschelp, S. 224-26 a.a.O.: "im 15. Jahrhundert war es offenbar der Normalfall, daß die Holthauser Nonnen persönliche Einkünfte hatten, die meist auf dem beim Eintritt ins Kloster mitgebrachten Gut beruhten").  Möglicherweise betrieben Kloster und einzelne Nonnen mit vorhandenen Eigenmitteln diese Geldgeschäfte nur deshalb, weil sie von der damaligen Agrarkrise (Bevölkerungsrückgang durch Pest und Fehden im Paderborner Land, Aufgabe vieler Höfe, Wüstungsbildungen) betroffen waren und von den Einnahmen aus der bisherigen Eigenwirtschaft  allein nicht mehr leben konnten. Manche Nonne erhielt von Verwandten eine persönliche Zuwendung zur Altersversorgung in Form einer Korn- bzw. Geldrente (Abgeltung für ein gewährtes Darlehen).
Der Klostereintritt einer Nonne war nicht in jedem Fall religiös motiviert, z.B. machte Bischof Johann I. von Hoya 1397 von seinem Recht der "ersten Bitte" in seiner Diözese Gebrauch, um die Tochter seines Cellerars im Kloster Holthausen unterzubringen. Das Kloster nahm auch sog. Familiaren, d.h. Einzelpersonen oder Familien in die Klostergemeinschaft auf, die sich mit ihrem Eigentum in den Dienst bzw. Schutz des Klosters stellten und ihr Eigentum dem Kloster vermachten oder sich in das Kloster "einkauften", um als Gegenleistung lebenslang versorgt zu werden. Offenbar besserte das Kloster dadurch seine Einnahmen ebenfalls auf.

 

1450

Das religiöse Leben der Nonnen wurde im 14. und 15.Jh. nicht mehr mit der ursprünglich geforderten Strenge beachtet. Es scheint, dass z.B. die Reformbewegung der "devotio moderna", die von den Niederlanden ausgehend auch in westfälischen Klöstern zur strengeren Beachtung des Armutsideals führte, in Holthausen keine Veränderung des inneren Klosterlebens bewirkte.
Die Klosterreformen des 15.Jahrhunderts waren Teil einer allgemein geforderten Kirchenreform nach den Konzilen von Konstanz (1414-18) und Basel (1431-49) bzw. dem Ende des abendländischen Schismas. Manche Verhaltensweise der Monialen war im Lauf der Zeit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen mit Billigung der Vorgesetzten angepaßt worden, erschien aber nach außen als Verweltlichung und Regelverstoß (z.B. Privateigentum, individuelles Leben, Annahme von Erbschaften und Taufpatenschaften, modische Bekleidung).
Ein wesentliches Reformziel war vor allem, das Privateigentum der Nonnen abzuschaffen und diese wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten. Nachrichten über Reformversuche in Holthausen (z.B. im Zusammenhang mit den Reformen westfälischer Klöster der Benediktiner im 15. Jahrhundert und Anschluß an die Bursfelder Kongregation oder der Augustiner und Anschluß an die Windesheimer Kongregation) wurden nicht überliefert. Man kann aber nach den Erfahrungen aus anderen Frauenklöstern nicht davon ausgehen, dass solche Versuche durch Visitatoren des Zisterzienserordens in Holthausen nicht stattfanden. Die Umstände der späteren Reform von 1483 sprechen dafür, dass die Nonnen Widerstände gegen geplante Veränderungen ihrer Lebensbedingungen aus Sorge um den Verlust ihrer Privilegien leisteten.


1481 - 83
Erst 1481 war von einer bevorstehenden Klosterreform in Holthausen die Rede (Quelle: Westf. Klosterbuch, S. 468 a.a.O. - Oberschelp: S. 227 Fußnote 71). Es ist nicht näher bekannt, ob die Äbtissin Elisabeth von Langenol (1475-81) verstarb oder zum Rücktritt veranlaßt wurde. Die Kamper Chronik berichtete, dass eine Reform erst im Oktober 1483 (am „Fest der elftausend Jungfrauen“) durch den Abt Johannes Wineken von Marienfeld (1478 – 95) zustande kam und das Amt der Äbtissin mit der Nonne Elisabeth von Wreden aus dem bereits reformierten Kloster Benninghausen neu besetzt wurde. Sie wurde bei der Reform von mehreren Nonnen aus dem Kloster Benninghausen sowie eine Zeit lang auch von der Äbtissin Anna Ketteler des Klosters Benninghausen unterstützt (Quelle: Chronik der Abtei Camp, S. 341 a.a.O. : "Anno domini 1483 circa festum XI millium virginum facta fui reformatio et inclusio monialium in monasterio dicto Holthusen iuxta oppidum Buren in Westphalia. Et fuerunt illic transmisse moniales reformatrices cum nova abbatissa dicta Elisabeth Wreden ex monasterio nostro Benynchusen. assistente ibidem ad tempus domina Anna Ketelers abbatissa prefati monasterii Benynchusen. Sub dispositione domini Johannis abbatis Campi sancte marie. qui ibidem confessorem disposuit" ).
Die Einsetzung einer Äbtissin aus einem fremden Konvent diente, wie auch andere Frauenklöster zeigten, letztlich als Mittel, den Widerstand der Monialen gegen eine Reform zu brechen und die Nonnen zur Beachtung strenger monastischer Lebensformen zu bewegen. Zwar kam es in der Folgezeit vereinzelt vor, dass Nonnen von ihren Angehörigen weiterhin eine persönliche Zuwendung erhielten (z.B. lebenslange Leibrente UK 121 HStA a.a.O.), jedoch scheint die Reform bewirkt zu haben, dass zumindest Privatgeschäfte der Nonnen untereinander oder mit Dritten nicht mehr abgeschlossen wurden.

Gleichzeitig wurde Holthausen unter die Aufsicht des Klosters Marienfeld gestellt. Der Wechsel der Paternität hing mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Klosters Bredelar und dem Zusammenbruch des Ordenslebens seiner Mönche zusammen. Marienfeld und die ihm unterstellten Zisterzienserinnenklöster Kentrup und Holthausen führten schon 1490 Ablaßgelder an den apostolischen Geldsammler des Ordens, den Mainzer Kanoniker Sigismund Venitzer, ab (Quelle: Leidinger: Kloster Marienfeld, U 1469: in Westfälische Zeitschrift 148). Der Abt von Marienfeld wurde noch 1543 in einem Pachtvertrag über ein Gut vor der Stadt Geseke als Visitator des Klosters Holthausen bezeichnet (Quelle: HStA, UK 137 a.a.O.). Danach fehlen Nachrichten über Beziehungen des Klosters Holthausen zum Kloster Marienfeld, da die Nonnen in der Zeit der Reformation teils zur calvinistischen Konfession übertraten, teils mit der neuen Lehre sympathisierten. Erst seit 1634 kamen die Beichtväter (Confessare) für Holthausen wieder in ununterbrochener Folge aus dem Kloster Marienfeld (Quelle: Germania Sacra, S. 183 a.a.O.). 


1550
Die Reformation konnte sich im Fürstbistum Paderborn ausbreiten, insbesondere in den Kirchspielen, in denen die protestantischen Grundherrschaften das Kollationsrecht zur Besetzung der Pfarrstellen hatten. Die Edelherren von Büren hatten schon früh die protestantische Lehre angenommen. Sie etablierten die neue Lehre für mehrere Jahrzehnte in ihrem Territorium bis zur Gegenreformation unter dem Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“ und führten um 1550 die Reformation in der Stadt Büren, in den drei Dörfern Siddinghausen, Steinhausen und Hegensdorf sowie in der Burgkapelle der Wewelsburg ein.
Die Folge dieser Entwicklung war, dass die neue Lehre auch unter den Nonnen des Kloster Holthausen ihre Anhänger fand.

 

1569
Der zuständige Archidiakon (Dompropst Wilhelm von Westfalen) versuchte 1569-70, die calvinistischen Prediger seines Sprengels zu entfernen (Quelle: Keller Nr. 567, 570, 575 a.a.O. "Beschwerden des Dompropst beim Fürstbischof Johann von Hoya gegen die Pastoren von Büren, Steinhausen und Wevelsburg wegen Ketzerei und Forderung auf Beseitigung der Neuerungen").
Auch der Paderborner Fürstbischof Salentin von Isenburg forderte 1575 die Edelherren von Büren auf (Johann d. Ä., Johann d.Jü. und seinen Bruder Sylvester), die „sektiererischen und verführerischen" Prädikanten in Büren und auf der Wewelsburg zu entlassen. Die Edelherren beriefen sich aber darauf, dass sie und ihre Vorfahren seit mehr als 20 Jahren die neue Lehre ungestört ausgeübt hätten (Quelle: Keller, Nr.594, 595 a.a.O.).   Im Übrigen verwundert es sehr, dass Johann von Büren zum weltlichen Vertreter des Bischofs im Hochstift ernannt wurde und als Calvinist die katholischen Interessen seines Landesherrn vertreten mußte, was sich nur damit erklären läßt, dass die Bürener Herren versuchten, durch ein landesherrliches Kirchenregiment ihre eigene Machtstellung auszubauen.
Seit Mitte des Jahrhunderts wurden bereits mehrere protestantische Prediger in der Stadtkirche Büren angestellt (Quelle: Spanken S. 11 a.a.O.). Ob diese Prediger gegen den Willen der Äbtissin Walburg Roers als Patronatsherrin (1567-74) oder mit ihrer Zustimmung eingesetzt wurden, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Dagegen stellte die Äbtissin Johanna von Stockhausen (1574 als Äbtissin genannt - vgl. HStA a.a.O., UK 146) auf Wunsch Joachim`s von Büren 1594 den calvinistischen Prediger Degenhard Rötteken in der Stadtkirche von Büren an (Quelle: Strunck S. 590-92 a.a.O.).


1596 - 98

Der Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg (1584-1618) erreichte durch seine absolutistische Herrschaft, dass der Protestantismus innerhalb des Hochstifts Paderborn zurückgedrängt wurde.
In Büren eskalierte der Konflikt: Zunächst drohte der Bischof nur mit Strafen gegen den Prediger der Stadtkirche, schließlich setzte er 1596 den Prediger gegen den Protest Joachim`s von Büren ab. Er unterwarf ferner bis 1608 die weitgehend protestantischen Stände und Städte und zwang die Patronatsherren, nur noch katholische Pfarrer anzustellen, so dass sich das katholische Bekenntnis allmählich gem. den Beschlüssen des Konzils von Trient (1545–63) wieder durchsetzte.
Er initiierte 1597 die Reform des Klosters Holthausen im Sinne des Tridentinums, durch die die weitere Annäherung des Klosters an die protestantische Lehre unterbunden wurde. Aus der Sicht der katholischen Reformer war das Kloster in geistlicher und personeller Hinsicht zerrüttet (Quelle: Strunck: Annalen S. 590 a.a.O.: "..a primaeva disciplina regularis observantia deviaverat.."). Aber das Kloster war weder aufgehoben, noch waren die Bindungen an den Vaterabt abgerissen.
Dietrich forderte 1597 den Kamper Abt Gotfried Draeck (gleichzeitig Ordensvikar für Niederdeutschland und Sachsen) auf, Holthausen zu visitieren und zu reformieren. Es gab einige Nonnen, die bereits zum Protestantismus (Calvinimus) übergetreten waren und ihre Ordenskleidung abgelegt hatten, und andere Nonnen - darunter die Äbtissin Anna von Stockhausen -, die noch unschlüssig waren bzw. eine zwiespältige Haltung einnahmen (Quelle: Strunck, Annalen S. 590f a.a.O. : "..ut jam aliquae..ad Lutherum Calviniumve transgressae fuerint;  aliae vero, inter quas Abbatissa erat, abjecta jam veste religiosa in periculo propinquo starent.." ). Abt Gotfried Draeck delegierte die Reform an die Äbte von Hardehausen und Marienfeld und betonte dabei ausdrücklich, nicht in die Rechte des Vaterabtes von Marienfeld eingreifen zu wollen.


1598
Die Äbtissin Joh von Stockhausen starb zu dieser Zeit. Dieser Umstand kam den Reformatoren gelegen,  Katharina von Brandis aus dem Kloster Himmelpforten als neue Äbtissin in Holthausen einzusetzen, die bis 1625 im Amt blieb. (Himmelpforten spielte damals unter den westfälischen Zisterzienserinnenklöstern eine führende Stellung bei der Reform anderer Klöster z.B. in Welver und Drolshagen.) An der Reform in Holthausen waren zwei weitere Nonen aus Himmelpforten (Ursula Brandis und Anna von der Knippenberg) beteiligt, außerdem zwei Nonnen aus dem Kloster Wormeln, die der Cellerar von Hardehausen dorthin brachte. Der an der Reform beteiligte Abt von Bredelar berichtete aus seiner Sicht von großen Schwierigkeiten, die Verhältnisse in Holthausen neu zu ordnen (Quelle: Strunck, S.592 a.a.O.).
Die weitere Entwicklung des Klosters dürfte dadurch beeinflußt worden sein, dass aufgrund der gegenreformatorischen Maßnahmen des Landesherrn nach dem Tode Joachim`s von Büren (+1610) dessen Witwe Elisabeth von Lohe und ihr Sohn Moritz von Büren zum katholischen Glauben übertraten. Hierduch wurden Konflikte um die Besetzung der Bürener Pfarrstelle entschärft. Andererseits fehlen Nachrichten, ob die protestantischen Nonnen das Kloster verließen oder sich mit der geistlichen Obrigkeit über den Verbleib im Kloster einigten. Auch läßt sich nicht feststellen, ob die Nonnen zur strengen zisterziensischen Lebensform mit Besitzlosigkeit, Einhaltung einer strengen Klausur, gemeinschaftlichem Zusammenleben und Abgeschiedenheit von der Außenwelt zurückfanden und auf Privilegien verzichteten. Ebenso fehlen Angaben über die personelle Lage des Klosters.

 

1616 - 59
Die finanzielle Situation des Klosters blieb angespannt. Nach einem Brand der Sakramentskapelle in Büren erlaubte Dietrich von Fürstenberg 1616 den Nonnen, die mit dieser Kapelle verbundene Pfarrstelle aufzulösen und die Einkünfte mit denen des Klosters zusammenzulegen, da die Mittel des Klosters zur Unterhaltung eines Priesters nicht ausreichten. Es entstand dadurch das Sacellanat (Kaplanei) zu Holthausen, das auf Vorschlag der Äbtissin meist mit weltlichen Priestern besetzt wurde; es wurden von 1642 bis 1803 namentlich 20 Geistliche nachgewiesen (Quelle: Germania sacra Marienfeld S. 147 a.a.O).
Die Äbtissin Katharina Brandis mußte sich gegen Ende ihrer Amtszeit mehrmals Geld zum Unterhalt des Klosters leihen (Quelle: HStA Düsseldorf, UK 149 und 149a a.a.O.).
Das Kloster verzichtete 1634 auf das Patronatsrecht über die Bürener St.Nicolaus-Kirche zugunsten des letzten Edelherren Moritz von Büren.
Wirtschaftliche Schwierigkeiten waren bereits seit 1580 durch den Truchsessischen Krieg entstanden, insbesondere aber durch den 30-jährigen Krieg mit seinen Begleiterscheinungen wie Einquartierung von Soldaten, Kontributionsforderungen, Plünderungen und Verwüstungen der Höfe, Entvölkerung der Dörfer, Verödung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Nur langsam erholte sich das Kloster.
Im Urkundenbestand NRW werden zahlreiche Obligationen aufgeführt, die darauf hindeuten, dass letztlich alte Schulden durch neue abgelöst wurden oder neue Schulden bis zur Klosteraufhebung für die Lebenshaltung der Nonnen oder Durchführung von Baumaßnahmen nötig waren.
Im Westfälischen Klosterbuch werden die Visitationen von 1650 und 1659 erwähnt, jedoch ohne nähere Angaben. Vermutlich wurde der Äbtissin - wie auch in anderen Fällen - die jährliche Rechnungslegung und den Nonnen die strenge Beachtung der Klausur (z.B. gemeinsame Mahlzeiten, keine Kontakte zur Außenwelt, Reisebeschränkungen, schmucklose Kleidung) vorgeschrieben.

1700

Mit dem Umbau der Klosteranlage im Barockstil unter Verwendung von Teilen der ursprünglichen Gebäude begann eine bescheidene neue Blüte. In der Zeit des Absolutismus war die barocke Architektur ein Mittel der Kirche, ihre Macht, Repräsentation und moralische Autorität zu demonstrieren. Wegen unzureichender Eigenmittel lieh sich das Kloster zum Neubau der Klosteranlage 600 Taler vom Kloster Vinnenberg (Quelle: HStA Düsseldorf, UK 154 a.a.O.:  "Äbtissin Clara Martha Sickmann, Priorin Maria Elisabeth Hoene und Kellnerin Anna Maria Wickede verkauften für 600 Taler eine Geldrente aus dem gesamten Klostereigentum an die Äbtissin des Klosters Vinnenberg"). Die Umbaumaßnahmen zogen sich vermutlich bis 1738 hin. Noch in den Jahren 1734 (Äbtissin Eva Maria Elisab. Klotz, Priorin A.S.Timmerscheid), 1735 (Priorin Eva Severina Holtgreve und 1737 (Priorin C.M. Schnitter) mußte sich das Kloster zur Fertigstellung des Kirchenbaus Geldbeträge beim Abt von Hardehausen ausleihen (Quelle: HStA Düsseldorf, UK 158).
Eine Jahreszahl 1738 im Kreuzgang deutet auf die Fertigstellung der Klosteranlage hin, jedoch fehlen Nachrichten über die Lebensverhältnisse der Nonnen während der langen Bauzeit, die ein weltabgewandtes klösterliches Leben wohl kaum zuließ.

 

1756 - 80
Die Zeit des Siebenjährigen Krieges brachte zunächst neue Rückschläge. Insbesonder im Jahre 1761 litt die Bürener Landbevölkerung unter den Durchmärschen der Soldaten der Kriegsparteien (Franzosen unter Marschall Broglie,  Alliierte unter Herzog Ferdinand von Braunschweig). Das Kloster war zumindest durch fehlende Einnahmen indirekt betroffen, jedoch beruhigte sich die Wirtschaftslage.

Die wirtschaftliche Erholung ließ es zu, dass in der Klosterkirche 1764 eine neue Brüstungsorgel eingebaut wurde, die bis heute erhalten blieb (Quelle: Westf. Klosterbuch a.a.O.), und die Kirche 1773-78 renoviert wurde. Die Ausstattung (Hochaltar, Kanzel, Statuen, Nonnenempore, Chorgestühl) stammte aus der Werkstatt des Bürener Bildhauers und Malers Johann Leonhard Falter.


1780 - 1803
Aufgrund des liberalen Gedankengutes des aufgeklärten Absolutismus, das den Nutzen der kontemplativen Klöster in Frage stellte, zeichnete sich ab, dass das Kloster Holthausen nicht überleben würde. Der Paderborner Landesherr Franz Egon von Fürstenberg förderte zwar im Sinne seiner Zeit Reformen im Schul- und Gesundheitswesen, setzte sich aber für den Erhalt der Klöster im Bistum Paderborn nicht ein.
Das Fürstbistum Paderborn wurde nach dem zweiten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich 1801 dem Königreich Preußen zugesprochen und 1802 von preußischen Truppen besetzt, noch bevor es durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 endgültig an Preußen fiel. Preussen betrieb sofort die Klosteraufhebung zur Sanierung der Staatsfinanzen. Aufgrund der politischen Entwicklung dauerte es noch bis 1810 bis zur endgültigen Aufhebung des Klosters Holthausen.


Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 28.02.2017