Graefenthal

Visitation / Geistliche Betreuung

Nach der Organisation der Zisterzienser (Charta caritatis) oblag die geistliche Betreuung eines Frauenklosters dem Abt eines nahegelegenen Mönchsklosters. Zu den Aufgaben des Vaterabts gehörten nach den Beschlüssen des Generalkapitels z.B. die jährliche Visitation, die Leitung der Äbtissinnenwahl, die Bestellung der Beichtväter und die Kontrolle der Wirtschaftsführung.

 

Das Kloster führt die Bezeichnung:

 

Im Kamper Stammbaum unter St. I: 

Vallis Comitis vel Nouum claustrum in ducatu cliuensi 1260

 

Im Kamper Stammbaum unter St. II:

Vallis Comitis dict. Neuw Kloester prope Gocham 1260

 

Das Visitationsrecht stand dem Abt des Klosters Kamp zu. Für die Betreuung zwischen 1280 und 1565 durch den Kamper Abt sind Hinweise vorhanden (Wiedergabe der Urkunden bei Scholten).

 

Nach dem Ende des abendländischen Schismas ordnete das Generalkapitel in der Mitte des 15. Jhs. eine Reform aller Frauenklöster an. Für Grafenthal ist eine Reform explizit nicht überliefert, vermutlich deshalb nicht, weil das Kloster im Burgundischen Krieg zerstört wurde.

Die erhaltenen Visitationsprotokolle (z.B. 1574, 1612, 1655 bei Scholten) zeigen keine gravierenden Regelverstöße gegen das monastische Lebens auf. Diese drei Visitationen wurden aber nicht durch Kamper Äbte geleitet.
Nach dem Konzil von Trient (1542–63) visitierte der Generalabt von Citeaux, Nicolaus Boucherat, zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich. Sein Bericht über das Kloster Graefenthal läßt jedoch auf interne Spannungen schließen, da die Äbtissin gegen das selbstgefällige Verhalten einiger Nonnen aus sehr vornehmen Familien nichts unternahm, weil sie Repressalien durch die Angehörigen dieser Nonnen fürchtete. Auf die Bitte des Generalabtes sicherte der Herzog von Kleve der Äbtissin schriftlich seinen zukünftigen Schutz zu (Literaturquelle: Postina S. 261 a.a.O.).

1612 visitierte der Abt des Klosters Bettnach (Metz) im Auftrag des Generalabtes das Kloster. Der Abt von Altenberg leitete die Visitation von 1655 in seiner Eigenschaft als Ordensvikar, er wurde vom Kamper Abt Petrus Polenius unterstützt.


Der Einfluss des Abtes von Kamp wurde zurückgedrängt, als im 18. Jh. die Wahl der Äbtissin in Gegenwart eines preussischen Kommissars durchgeführt wurde und die preussischen Könige sich die Wahlbestätigung vorbehielten.

 

 

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016