Graefenthal

Gründungszeit

Bild 3: restaurierter Nordflügel
Graf Otto II. von Geldern (1229-71) - ein Enkel der Stifterin des Klosters Roermond - stiftete auf Drängen seiner ersten Frau Margarethe von Kleve (+1251) das Kloster Graefenthal (auch Neukloster genannt). Die Stiftungsmotive sind wegen der fehlenden Stiftungsurkunde nicht genau bekannt. Sie waren sicherlich von religiöser Art, jedoch lag die Bedeutung dieses Klosters bis 1376 darin, dass der Graf das Kloster zum Begräbnisplatz für die Herzöge von Geldern aus dem Adelshaus „Wassenberg/Flamenses“ und ihre Angehörigen bestimmte. In einem Zeitraum von 125 Jahre wurden zwischen 1251 bis 1376 hier 13 Grafen, Gräfinnen und Herzöge von Geldern bestattet. Die geldrisch-wassenbergische Linie des Hauses Geldern starb 1376 aus. Das erhaltene Grabmal des Stifters Graf Otto II. von Geldern (1229-1271) kennzeichnet die Begräbnisstätte im Chor der früheren Klosterkirche. Die Grabplatte wird von 6 Löwen getragen; ein Schutzdach soll das Grabmal vor Witterungseinflüssen schützen. Es erwarben aber auch Angehörige anderer Adelsgeschlechter ihre Grabstätten in der Klosterkirche. Das Kloster war außerdem für die Versorgung lediger Frauen aus dem regionalen Adel bestimmt und bot den Nonnen die Möglichkeit, ein standesgemäßes und gesichertes Leben zu führen. Die Nonnen hatten beim Eintritt in das Kloster ihre adelige Abstammung in 4 Generationen nachzuweisen.
Graf Otto beabsichtigte ursprünglich, ein Zisterzienserinnenkloster auf einer Hofstätte in Krickenberg (vermutlich auf dem Gelände der zerstörten Burg Altkrickenbeck) in der Pfarre Leuth zu errichten. Er tauschte für diesen Besitz sein Eigentum „Deversdunch“ in der Pfarre Grefrath 1251 mit dem Kölner Erzbischof (Quelle: Lacomblet II, Nr. 375 a.a.O.). Nach dem Aussterben des Grafengeschlechtes Krickenbeck um 1200 war das Land Krickenbeck (Ortschaften Herongen, Wankum, Grefrath, Hinsbeck, Lobberich und Leuth) an die Grafen von Mark gekommen, die das Land 1243 an die Grafen von Geldern verkauften. Die Burg Altkrickenbeck wurde vermutlich zwischen 1243 und 1247 in den "Isenberger Wirren" zerstört. Otto ließ den ursprünglichen Plan fallen, denn er schenkte seine Burg Rott an der Niers bei Goch im Kirchspiel Asperden den aus Roermond kommenden Zisterzienserinnen unter einer Äbtissin Agnes als einstweilige Niederlassung, nachdem sein Lehnsträger Ritter Stephan von Pleze (Plees) auf das Burglehen verzichtete und dafür mit anderen Gütern im Kirchspiel Kessel entschädigt wurde (Quelle: Scholten, U Nr.53 a.a.O.). Der Aufbau einer neuen Klosteranlage auf dem Burggelände war etwa 1260 abgeschlossen.
Graefenthal wurde großzügig mit Besitzungen ausgestattet und kam zu einen raschen Wohlstand durch die vielen Vermächtnisse und Zuwendungen der Grafenhäuser Geldern und Kleve, aber auch der Vasallen bzw. Ministerialen dieser Grafen sowie wohlhabender Bürger aus den Städten Goch, Kleve, Nijmegen.  Neben den religiösen Motiven spielte das Kloster auch eine Rolle bei der Gewinnung von Neuland sowie beim Deichbau an Maas und Rhein. Der Kauf des Waldgebietes Kamerforst bei Hassum 1280 war z.B. mit der Auflage verbunden, das Waldgebiet zu kultivieren. Im weiteren Verlauf entstanden hier drei neue Hofanlagen. Im Jahre 1311 mußte der Propst von Emmerich einen Streit des Klosters mit dem Ritter Dirk von Groinoven und Patronatsherr der Kirche von Beuningen um den Novalzins aus Ländereien in Beuningen schlichten, soweit sie auf Kosten des Klosters kultiviert worden waren (Quelle: OGZ 1311.06.03 a.a.O.).
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.07.2016