Graefenthal

Zeit bis zur Aufhebung

1248

Die Gründung des Zisterzienserinnenklosters Graefenthal durch Graf Otto II. von Geldern wird auf die Zeit um 1248 datiert; eine Stiftungsurkunde ist nicht erhalten.


1250  - 55

Papst Innozenz IV. ermächtigte 1250 den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238 – 61), den Beichtvater für das Kloster Graefenthal zu bestellen. Er verlieh der Äbtissin und dem Konvent das Recht, Grundbesitz sowie anderes bewegliches und unbewegliches Vermögen zu erwerben, anzunehmen und zu behalten. Ferner stellte er das Kloster mit seinem vorhandenen Besitz unter seinen Schutz (Quelle: OGZ Nrn. 1250.07.13, 1250.07.15 und 1250.08.08).
Die Erlaubnis des Kölner Erzbischofs für das Mutterkloster Roermond, eine Kirche nebst Kloster auf dem vom Grafen von Geldern geschenkten Gut Graefenthal zu errichten, wurde erst im Jahre 1252 ausgestellt. Gleichzeitig erlaubte der Erzbischof für den Fall seiner Verhinderung die Einweihung von Altar und Friedhof auch durch einen anderen Bischof und gewährte allen Gläubigen einen Ablass, die mit Spenden zum Bau der Abtei beitrügen (Quelle: OGZ Nr. 1252.10.31). Ottos verstorbene erste Frau Margarethe von Kleve (+ 1251) konnte bereits im Chor der neuen Klosterkirche bestattet werden. Zur Finanzierung der Baukosten wurden zwischen 1250–58 weitere Ablässe vom Papst Alexander IV sowie von den Bischöfen von Köln, Utrecht, Lüttich, Münster und Osnabrück gewährt.  Die Güter und Zuwendungen, mit denen Graf Otto das Kloster ausstattete, umfaßten insbesondere
- mehrere jährliche Kornrenten (1252), die er aus dem novalen Zehnt (Rodungszehnt)

  zu Lempt (Goch) und aus den gräflichen Gütern in Andelst (bei Valburg in der Betuve)

  und Mook (südlich von Nijmegen) erhielt mit der Maßgabe, dass diese Zuwendungen

  von seinen    Nachfolgern  durch gleichwertige andere Leistungen ersetzt werden

   könnten (Quelle: OGZ Nr. 1252.03.31),
- die Burg Rott bei Asperden (1255) mit allem Zubehör als bleibender Aufenthaltsort für

  die Nonnen,
- ein befestigter gräflicher Wirtschaftshof (vorher an Gerhard verpachtet) und noch

  andere Höfe (vorher an Hermann verpachtet),
- der Pachtzins aus gräflichen Ländereien in Lempt (Goch),
- das Patronat über die Kirchen zu Gendt, Angeren und Doornenburg mit dem dritten

  Teil der Zehnteinkünfte, außerdem die Patronate über die Kirchen zu Leuth (Nettetal)

  und zu Kessel (Quelle: OZG 1256.06.17B) sowie
- die Fischerei in der Niers zwischen Asperden und Keldunck (Quelle: OGZ 1255.06.30).
Mit den Patronatsrechten waren nicht nur das Recht zur Besetzung der Pfarrstellen bzw. die Verpflichtung für den Erhalt der Kirchen verbunden, sondern auch der Anspruch auf Einkünfte aus dem Kirchenvermögen.


1254 - 56

Der Papst gewährte 1254 dem Kloster das Ordensprivileg, er stellte 1256 das Kloster unter seinen Schutz und bestätigte dem Konvent und seiner aus Roermond stammenden Äbtissin Agnes den Besitz der von Graf Otto II. geschenkten Güter (Quelle: OGZ  1254.10.08; 1256.06.15).


1258 - 65
Das Kloster verfügte außer den Stiftungsgütern bereits über weiteren Grundbesitz,
z.B. angepachtete Liegenschaften in Asperden, in Veert sowie zahlreiche Hofplätze im "Reich von Nijmegen" (in und um Nijmegen)  bzw. im sog. „Land zwischen Maas und Waal“.
Der Pastor Ricolf von Oberasselt übertrug 1258 alle seine Güter an den Provisor Cuno der Münsterabtei Roermond unter dem Vorbehalt des Fruchtgebrauchs (Quelle: OGZ 1258.03.19). Später konnten Zerwürfnisse zwischen den Verwandten des Stifters (Arnold Praet und seine Brüder) und dem Kloster über Besitzansprüche auf diese Güter in einem Vergleich beigelegt wurden (Quelle: OGZ 1275.04.19). Auch andere Wohltäter in und um Nijmegen statteten das Kloster mit weiteren Liegenschaften, Häusern, Renten u.a. aus. Die Äbtissin erklärte 1265, dass das Kloster bereits vor 25 Jahren zwei Pachthöfe zu Asperden und Veert vom Utrechter Domkapitel erhalten hätte (Quelle: OSU-III- Nr.1680 a.a.O.).

Zwischen Klostergründung und Inkorporation 1260 vergingen jedoch 12 Jahre, weil vermutlich die erforderlichen Bauten zur Einhaltung der Klausurbestimmungen nicht fertiggestellt waren. Graefenthal war in dieser Zeit vom Mutterkloster Roermond abhängig und wurde von dessen Provisor Cuno nach außen vertreten. Nach Agnes von Roermond war Jutta von Gennep die erste vom Konvent gewählte Äbtissin. Mit der Inkorporation wurde Graefenthal dem Kloster Kamp unterstellt (Quelle: HStAD: Kloster Kamp, Nr. 143), das seitdem die Beichtväter stellte. Aufgrund der vielen Memorien- und Meßstiftungen waren im Laufe der Zeit zusätzliche Weltpriester (bis zu vier) zur Bedienung der Altäre erforderlich.


1266

Bischof Hendrik I. von Utrecht schenkte 1266 mit Zustimmung des Domkapitels dem Kloster weitere Anteile aus den Einkünften der Kirche von Gent. Aus diesen Einkünften war der Weltpriester dieser Kirche, dem die Ausübung der Seelsorge oblag und der vom Kloster präsentiert werden durfte, zu bezahlen. Das Kloster wurde außerdem ermächtigt, auch die Weltpriester für die Filialkirchen in Angeren und Doornenburg zu bestimmen (Quelle: OGZ 1266.09.25).


1275 - 76

Zwischen dem Kloster und dem Pfarrer von Leuth entstanden Unstimmigkeiten über die vom Kloster dem Pfarrer zu leistenden Unterhaltszahlungen. Graf Rainald von Geldern bat 1275 den Kölner Erzbischof, die Verteilung der Einkünften der Kirche von Leuth zwischen dem Kloster und dem Pfarrer für seine Seelsorgedienste festzusetzen (Quelle: OGZ 1276.03.04 ). Der Erzbischof bestätigte dem Kloster seine Besitzungen und beauftragte den Propst von St. Severin in Köln (auch Dekan von Straelen), die Verteilung zu regeln.
Die Herren von Tegelen, die die Vogtei über Leuth besaßen, erhoben auch Anspruch auf das Patronat. Zwar verkaufte Reiner von Tegelen 1289 die Vogtei mit allen zugehörigen Gütern und Rechten dem Kloster (Quelle: OGZ 1289.01.17). Der Streit über das Patronat wurde vom Kamper Abt erst 1291 entschieden, die unberechtigten Ansprüche der Herren von Tegelen wurden zurückgewiesen (Quelle: OGZ 1289.08.17).

 

1280
Der Erwerb zahlreicher Grundherrschaften (Schenkungen und Ankäufe) und Memorienstiftungen führten zu raschem Wohlstand und wirtschaftlicher Expansion.
Es waren vor allem die geldrisch-klevischen Herrscherhäuser, ihre Ministerialen aus den regionalen Adelshäusern sowie auch die Städte Goch und Kleve, die die Abtei und die Abteigüter mit Privilegien unterstützten, z.B. Befreiung der dem Kloster gehörenden Höfe von Dienstleistungen, auf die der Landesherr Anspruch hatte, Befreiung von Wege- und Wasserzöllen sowie von unregelmäßigen und regelmäßigen Steuern (Beden, Schatzungen und Aczisen), ferner besondere Zuwendungen (z.B. Freistellung einzelner Klosterhöfe von Abgaben an den früheren Lehnherrn, Schenkung von Jahresrenten, Weinlieferungen, Übertragung von Erbrechten).
Propst, Dekan und Kapitel von St.Salvator in Utrecht übertrugen 1280 den ihrer Kirche zustehenden Zehnten von Asperden und einige Güter dort dem Kloster Graefenthal. Hiermit waren vorher der gräfliche Koch Marselius und nachfolgend dessen Sohn Wilhelm belehnt; Wilhelm verzichtete auf die Lehen zu Gunsten des Klosters (Quelle: OGZ 1280.07.23B a.a.O.).
Der Hauptteil der Klostergüter lag in den Bauerschaften nahe beim Kloster (Gennep, Gaesdonck, Hommersum, Hassum, Asperden, Kessel, Goch). Das Kloster kaufte 1279 vom Grafen Rainald I. den Wald Kamerforst bei Hassum. Das Geld dazu gab die Vögtin von Straelen als Anniversarium mit der Auflage, das Waldgebiet zu kultivieren (Quelle: Scholten a.a.O., Urkunden Nrn. 35, 40).
Klosterländereien konzentrierten sich ferner auf Gebiete in und um Nijmegen (Overasselt, Heumen, Worsum bzw. Gent, außerdem Stadthäuser in Nijmegen),  auf Gebiete zwischen den Flüssen Maas und Rhein westlich von Nijmegen (Deest, Winssen, Druten, Afferden, Puiflijk, Leeuwen) sowie auf Gebiete im Bereich der Ortschaften Bracht, Breyell, Lobberich, Kaldenkirchen, Leuth, Veert, Weeze, Kevelaer. Schließlich lag noch ein Besitz-Schwerpunkt mit Weinbergen und Höfen im Raume Sinzig bzw. Bad-Bodendorf am Mittelrhein.
Die Mitgiften, die die ins Kloster eintretenden Nonnen zu ihrer Versorgung von den Eltern erhielten, trugen zum Wohlstand des Klosters bei: Das übliche Eintrittsgeld konnte auch durch andere Zuwendungen (z.B. Leibrenten) ersetzt werden, wie folgende Beispiele zeigten: Der Ritter von Heumen schenkte 1268 dem Kloster eine jährliche Rente für die Aufnahme seiner Tochter. Graf Dietrich VIII übertrug 1303 eine Zinseinnahme aus einem Hof als Mitgift für seine vom Kloster aufgenommene Tochter. Die Äbtissin Catharina van Groesbeek (1400–12) erhielt 1367 beim Eintritt in das Kloster von ihrem Vater (Schöffe und Richter in Nijmegen) eine Leibrente aus Gütern zu Puiflijk (Quelle: Scholten a.a.O., Urkunden Nrn. 21, 96, 267).
Die adeligen Nonnen besaßen durchaus Privatvermögen, über das sie selbst verfügen konnten: Nach verschiedene Urkunden verpachteten einzelne Nonnen eigene Ländereien oder wurden damit behandigt (Quelle: Scholten, Urkunden Nrn. 221, 223, 272 a.a.O.).
Nach der Kamper Chronik lebten um 1280 rd. 50 Monialen im Kloster Graefenthal (Quelle: Kamper Chronik, S. 301 a.a.O.; im Gegensatz zu den Männerklöstern, für die in der Chronik die Anzahl der Mönche und Konversen getrennt ausgewiesen wurde, dürften bei den Frauenklöstern in der Gesamtzahl der Monialen sowohl die Professnonnen als auch die Laienbrüder und -schwestern enthalten sein).

 

1291
Das Kloster festigte seine wirtschaftlichen Grundlagen 1291 und erwarb das Lehngut Hommersum (ein Gebiet zwischen Gennep und Goch) mit allen zugehörigen Bewohnern, Wäldern, Länderein einschl. der Viller Mühle sowie dem Patronatsrecht über die Kirche von Hommersum mit der Kapelle Hassum von Johann von Reifferscheid und Malberg, einem Verwandten des Grafen von Geldern; letzterer verzichtete als Lehensherr auf alle ihm zustehende Abgaben aus diesem Besitz. Kirche und Kapelle wurden 1300 dem Kloster einverleibt, ferner die Bezüge des neuen Pfarrers in Hassum festgesetzt (Quelle: Scholten S. 90 a.a.O. nebst Urkunden Nr. 56, 78, 100). Dieses Gebiet mit den Veen um Gennep war für die Torfgewinnung wichtig.
Erst nach 30 Jahren wurden die Differenzen zwischen den Söhnen des Johann von Reifferscheid und dem Kloster beigelegt. Die Söhne erhoben Ansprüche auf den ehemaligen Lehensbesitz unter dem Vorwand, dass ihr Vater das Lehngut Hommersum mit allem Zubehör ohne Einwilligung seiner Frau verkauft hätte. Der Kamper Abt verkaufte 1291 dem Kloster Graefenthal verschiedene Güter in Bracht, Lobberich, Kaldenkirchen und Breyell.
Ein Streit war zwischen dem Kloster und Steven von Plees (dem Jüngeren) entstanden, der Besitzansprüche auf das Land erhob, auf dem das Kloster stand und das einst seinem Vater gehörte, sowie auf einige andere Güter in der Pfarrei Asperden (Quelle: Scholten S. 65 a.a.O.). Der Streit wurde 1291/92 durch einen Schiedspruch und eine Verzichtserklärung seitens des Ritters von Plees sowie seiner Schwester und seines Schwagers beigelegt (Quelle: OGZ 1291.09.21 und 1292.11.06).

1300
Die meisten Urkunden des 14. Jahrhunderts regelten Ankäufe und Schenkungen von Ländereien, Häusern, Renten, Verpachtungen, Memorienstiftungen sowie Befreiung der dem Kloster verkauften Lehngüter von allen Lasten. In Einzelfällen ließ das Kloster insolvente Klosterpächter pfänden oder gewährte andererseits Darlehen.
Graf Rainald von Geldern schenkte 1301 dem Kloster eine Mühle an der Niers zum Seelenheil seiner Eltern und Ehefrauen Irmegard und Margarethe (Quelle: Urkunde Nr. 3 LA-NRW). Graf Diedrich VIII von Kleve verlieh 1302 dem Kloster die Freiheit von allen Wege- und Wasserzöllen auf seinem Territorium. Das Domkapitel zu Utrecht verkaufte 1307 dem Kloster Graefenthal seinen Hof bei Veert sowie das Patronat über die Kirche zu Veert mit allen zugehörigen Liegenschaften, Wäldern und Zehntrechten, außerdem auch seine Güter und Wälder in Asperden bei Goch mit dem zugehörigen Kirchenpatronat (Quelle: Scholten a.a.O. Urkunde Nr. 115).
Die Kirche in Asperden nebst den ihr gehörenden Zehntrechten wurde 1320 dem Kloster inkorporiert (Quelle: Scholten a.a.O. Urkunden Nrn. 135,137). Der Edelherr Otto von Cuik befreite 1326 das Kloster von allen Abgaben für die auf seinem Territorium liegenden Klostergüter.
In der ersten Hälfte des 14.Jhs. erfolgte nach den Urkunden auch ein erheblicher Besitzzuwachs des Klosters im „Reich von Nijmegen“ (Stadt Nijmegen, die Ortschaften Overasselt, Worsum, Heumen) sowie im  „Land zwischen Maas und Waal“ (Ortschaften Gent, Deest, Winssen, Leeuwen, Druten, Afferden, Puiflijk). Dabei wurden zwischen 1300–45 mehrfach Bruder Dirk (auch der „graue Mönch von Worsum“) bzw. Bruder Gerhard van Deest als Provisoren des Klosters bezeichnet, die die Klostergüter in diesem Gebiet verwalteten. Weiterer Besitz des Klosters konzentrierte sich im Raum Sinzig bzw. Bad-Bodendorf. Hier erwarb das Kloster zwischen 1301 bis 1380 Weinberge und Ackerland durch Schenkungen und Ankäufe. Der deutsche König Albert nahm 1307 die in Sinzig gelegenen Güter unter seinen Schutz (Quelle: Lacomblet III, Nr. 53 a.a.O.).
In einem Urbar aus dem Jahre 1381 sind die Einnahmen des Klosters aus seinen Besitzungen umfassend aufgeführt (Scholten: Das Kloster Graefenthal, Anhang a.a.O.).
Es gab aber auch Probleme: Der Thesaurar zu Emmerich forderte 1336 im päpstlichen Auftrag den Pfarrer zu Sinzig auf, die Zehntschuldner des Klosters Graefenthal zur Zahlung der verweigerten Zehnten und Abgaben anzuhalten (Quelle: LA-NRW, Graefenthal Nr. 15).

1340
Dem Kloster Graefenthal wurden offensichtlich Ländereien „entfremdet“. Wie dies konkret geschah und ob entfremdete Güter zurückgegeben wurden, ist heute nicht mehr festzustellen. Im Mittelalter war der Grundbesitz nahezu jeder geistlichen Institution davon betroffen. Klostergüter kamen häufig durch Lehnspacht, Erbpacht, Verpfändung oder Verkauf sowohl rechtmäßig als auch unrechtmäßig in die Hände von Klostervögten, weltlichen oder geistlichen Dienstleuten des Klosters oder Klosterpächtern.
Papst Johannes XXII forderte bereits 1317 den Thesaurar der Kirche von Xanten auf, die dem Kloster Graefenthal entfremdeten Ländereien zu reklamieren (Quelle: Scholten Urkunde Nr. 130 a.a.O.). Ferner forderte 1342 Papst Clemens VI den Thesaurar der Stifskirche in Emmerich auf, alle Güter, welche dem Kloster Graefenthal entfremdet wurden, zu reklamieren (Quelle: Scholten a.a.O., Urkunde Nr. 176; s. auch Fürstenberg, Sterkrade, Mariendaal, Leeuwenhorst).
Der Papst forderte 1348 ferner den Propst von Emmerich auf, Graefenthal gegen ungerechte Bedrückungen zu schützen (Scholten a.a.O., Urkunde Nr. 188).

1350
Der Bruderkrieg zwischen Rainald und Eduard von Geldern um die Landesherrschaft in Geldern ab etwa 1350 brachte dem Kloster Graefenthal unruhige und beschwerliche Zeiten. Da Johann von Kleve für Reinald Partei ergriff, brandschatzte Eduard aus Rache das Klever Land. Man kann davon ausgehen, dass zumindest Teile der Besitzungen des Klosters Graefenthal in Geldern verwüstet und Ernteerträge vernichtet wurden. Das Kloster stand offensichtlich auf der Seite des Grafen Eduard von Geldern, da es ihm und dem Herrn von Cuyk 1353 zur Bestreitung der Kriegskosten eine Geldsumme von 500 Schilden auslieh (Quelle: Scholten: Nr.192 a.a.O.).  Das Kloster dürfte außerdem unter den Pestepedemien, Hungersnöten oder Überschwemmungen in jener Zeit (vgl. Fürstenberg) gelitten haben.

1365
Das Kloster war in der "Gocher Heide" markenberechtigt und nutzte das Heidegebiet ebenso wie die Markengenossen der umliegenden Dörfer zum Plaggen- und Torfstechen und als Weideland. Es kam bis zur Mitte des 17. Jhs. häufiger zum Streit zwischen Kloster und der Stadt Goch über die Nutzung der Heide, da die Schafzucht und die Produktion von Wolle und Tuch für die Region von großer wirtschaftlicher Bedeutung waren. Als die Stadt das Wollmonopol an sich zog, bestätigte sie aber dem Kloster ausdrücklich die traditionell ausgeübte Tuchweberei.
Die Stadt Kleve bestätigte 1386 dem Kloster ein Steuerprivileg,  keine Wegegelder und Aczisen zahlen zu brauchen.

1376
Die Bestimmung des Klosters als Grabstätte des geldrischen Grafenhauses endete im Jahr 1376 mit dem Tod des kinderlosen Herzogs Rainald III. (+ 1371) bzw. seiner (Halb)-Schwester Isabella von Geldern, Äbtissin in Graefenthal (+ 1376).

1400
Das innere Klosterleben entsprach in seiner frühen Entwicklung sicherlich den benediktischen Grundsätzen. Das regelmäßige Chorgebet, die meditativen Betrachtungen und Fürbitten für das Seelenheil der Stifter zahlreicher Memorien waren wesentlicher Inhalt des kontemplativen Klosterlebens. Dennoch besaßen die Nonnen Privilegien und passten ihre standesgemäße Lebensführung den jeweiligen Lebensbedingungen an. So war privater Güterbesitz durchaus erlaubt (Quelle: Scholten a.a.O., Urkunden Nrn. 221, 272). Außerdem konnten die Nonnen Eltern und Verwandten besuchen, an Tauffeiern und Wallfahrten teilnehmen oder Erbschaften oder Patenschaften annehmen. Der Fleischgenuss bei einem Aufenthalt außerhalb des Kloster war erlaubt (Quelle Scholten a.a.O., Urkunde Nr. 263). Weinrationen gehörten zum klösterlichen Speiseplan. Der Herzog Reinald von Geldern schenkte 1343 dem Kloster jährlich 4 Fuder Wein aus den Einnahmen der Zollstation Lobith am Rhein (Quelle: Scholten a.a.O., Urkunde Nr. 179), und der Herzog von Jülich gestattete 1435 dem Kloster die zollfreie Durchfuhr von jährlich 6 Fuder Wein an der Zollstelle Düsseldorf. Manche Privilegien wurden im Laufe der Zeit nach außen sicherlich als Verweltlichung des monastischen Lebens wahrgenommen, jedoch haben sich Nachrichten über Reformeinflüsse der "Devotio moderna" oder Widerstände gegen Reformversuche in Graefenthal bis zur Mitte des
15. Jahrhunderts nicht erhalten.

1448
Die Reformen der Klöster in der 2.Hälfte des 15.Jahrhunderts waren Teil der Kirchenreform nach dem Konzil von Basel (1431–49) und dem Ende des abendländischen Schismas. In den meisten traditionellen Zisterzienserinnenklöstern unter der Aufsicht des Klosters Kamp (vgl. Eppinghoven, Schledenhorst, Fürstenberg, Sterkrade, Saarn, Welver, Leuwenhorst) konnte Abt Heinrich IV. von Ray (1452 - 83) nur mit Mühe (in allen Fällen mit Unterstützung von Nonnen aus anderen bereits reformierten Klöstern oder nach Austausch der Äbtissinnen, teilweise auch mit staatlicher Unterstützung) das Reformziel erreichen, weil viele Nonnen sich aus Sorge vor dem Verlust von Privilegien (z.B. Besitz von Privateigentum, Annahme von Erbschaften, Beteiligung der Nonnen an den Ertragsüberschüssen des Klosters, modische Bekleidung, Reisefreiheiten) zunächst weigerten, Reformen anzunehmen.
Angeblich bedurfte Graefenthal "wegen seines guten Geistes" keiner Reform (Quelle: Scholten, S.113 a.a.O.); wahrscheinlicher ist es aber, dass die Klausurregeln nicht immer streng beachtet wurden. Die Nonnen hatten z.B. 1448 in der Amtszeit der Äbtissin Elisabeth von Broichhausen (1442-69) sogar die römische Kurie um Entscheidung gebeten (Quelle: Scholten a.a.O, Urkunden Nrn. 294, 295), ob regelmäßige jährliche Einkünfte (das sog. "Spielgeld" für private Bedürfnisse - etwa für Bekleidung) gegen das Armutsgelübde verstoßen würden. Aus dem Verhalten der Nonnen, die die Zuständigkeit des Kamper Abts unterliefen, sprach eher die Sorge vor dem Verlust von Privilegien als ein Gewissenszweifel wegen eines evtl. Bruchs des Ordensgelübdes.
Nicolaus von Cues (noch Archidiakon von Brabant) entschied im Auftrag des Kardinallegaten für Deutschland, Johannes Carvajal, dass die Nonnen ohne Gewissensbisse ihre Lebensweise beibehalten dürften und nicht wegen eines Verstoßes gegen das Gelübde getadelt werden könnten, wenn die jährlichen Zuwendungen z.B. aus einem gemeinsamen Fundus (ex communi repositorio) ausgezahlt würden.
Den Nonnen wurde noch 1448 die Annahme von Erbschaften erlaubt, andererseits verbot der Kamper Abt 1481 den Nonnen, Taufpatenschaften an Kindern adeliger Eltern zu übernehmen (Quelle: Scholten Nrn. 295 und 308 a.a.O.).

1465 - 74
Das Kloster Graefenthal geriet vermutlich schon in der Regierungszeit des Herzogs Adolph von Geldern (1465-71) in Schwierigkeiten, als die Herzöge Adolph von Geldern und Johann von Kleve ihre Fehde zwischen 1466-69 in Vergeltungsfeldzügen mit Verwüstungen geldrischer bzw. klevischer Ländereien austrugen. Adolph hatte nach der Entmachtung seines Vaters Arnold (Herzog von Geldern 1423-65) gewaltsam die Herrschaft an sich gerissen. Johann von Kleve befehdete seinen Neffen Adolph, um die Befreiung des gefangenen Schwagers Arnold zu erreichen. Arnold war nochmals Herzog von 1471 bis 1473. Da er nur teilweise seinen Herrschaftsanspruch durchsetzen konnte, verpfändte er das Herzogtum Geldern an Karl von Burgund, der das Land mit Unterstützung des Herzogs Johann von Kleve eroberte. Johann erhielt für geleistete Kriegshilfe verschiedene geldrische Landgebiete endgültig (z.B. Wachtendonk, Weeze, Goch), so dass das Kloster Graefenthal 1473 vom Herzogtum Geldern zum Herzogtum Kleve kam.
In einer Kurzbeschreibung über die Grafen und Herzöge des Landes Kleve aus dem Jahre 1655 wurde berichtet, dass "das Kloster im Kölnischen Krieg merklich ruiniert wurde und Herzog Johann (von Kleve) es 1474 reparieren ließ" (Quelle: Egbert Hopp a.a.O., S. 118 a.a.O.); außerdem belehnte der Herzog 1474 das Kloster mit dem Hof Yssem in Asperden (Quelle: Scholten, Nr. 305 a.a.O.). Es wurden jedoch keine Angaben über das Ausmaß der Schäden, die finanziellen Belastungen oder die Bewohnbarkeit des Klosters überliefert. Graefenthal war jedoch erstaunlicherweise in der Lage, im Jahre 1473 den ihm vom Kamper Abt auferlegten Anteil von 4 Rthl. an einer allgemeinen Ordenssteuer (Quelle: Binterim und Mooren, Nr. 436 a.a.O.: Ordenssteuer zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der römischen Kurie“ ) bzw. im Jahre 1474 einen überdurchschnittlichen Kollektenbeitrag von 4 1/2 Rhtl. zur Unterstützung des Klosters Eppinghoven, das während der Belagerung der Stadt Neuss durch Karl von Burgund im Kölnischen Krieg 1474 verwüstet wurde, zu leisten (Quelle: Kamper Chronik S. 333 a.a.O.).

1485 - 1500
In den letzten 15 Jahren des 15. Jhs. führten Missernten infolge mehrfacher Sturmflut-Katastrophen im Gebiet zwischen Maas und Waal zu großen wirtschaftlichen Rückschlägen.

1503 -
Ein Votivrelief aus der Klosterkirche (heute in St. Martin, Goch-Asperden) zeigt den Konvent des Klosters Graefenthal unter Führung ihrer Äbtissin Beatrix von Honseler (+1536). Zur Zeit dieser Äbtissin versuchte der Kamper Abt, Mönche seines Klosters in Pfarrstellen unterzubringen, für die das Kloster das Patronat besaß. Die Äbtissin verwahrte sich vermutlich gegen solche Eingriffe in ihre Patronatsrechte, da auf Weisung des Papstes Julius II. (1503-13) der Propst von S.Kunibert und der Dechant von St.Severin in Köln die Angelegenheit untersuchen sollten (Quelle: Scholten a.a.O., Urkunde 311).
Die Äbtissin Beatrix sowie auch ihre Nachfolgerin Sophia von Wachtendonck (+ 1557) zeichneten sich einerseits durch eine sparsame Wirtschaftsführung aus. Sie zahlten andererseits aber jeder Nonne aus den Klostereinkünften Präsenzgelder für die Teilnahme am Gottesdienst oder am gemeinschaftlichen Chorgebet (Quelle: Scholten S. 49-51 a.a.O. : "aus Vorsorge zur Anfachung des religiösen Eifers der Nonnen bzw. zur Erhaltung der Ordensstrenge und Mehrung des Gottesdienstes"). Diese Handhabung zeigt aber letztlich, dass die adeligen Nonnen sich nicht regelmäßig am täglichen Chordienst beteiligten und von einer strengen Beachtung der Ordensregeln keine Rede sein kann.

1542 - 51
Das Kloster geriet wirtschaftlich zunehmend unter den Druck neuer Steuerforderungen, z.B. durch eine Reichssteuer (Türkenhilfe) oder durch Landessteuern, mit der der Klever Herzog Wilhelm V. (1539–92) den Dritten Geldrischen Erbfolgekrieg mit Kaiser Karl V. im Jahre 1543 finanzierte. Der Herzog ließ außerdem mit Billigung der Landstände die Kirchenschätze von Kirchen, Klöstern und Stiften in seinem Territorium zur Bezahlung der Kriegskosten beschlagnahmen (vgl. auch Sterkrade, Schledenhorst, Duissern). Es ist nicht mehr bekannt, ob Graefenthal Wertgegenstände ablieferte, das Kloster mußte aber zumindest ersatzweise größere Geldsummen aufbringen (Quelle: Scholten, S. 54 a.a.O.). Der Herzog drohte sogar damit, Klostergüter ggfls. zu pfänden.  Er verlor diesen Krieg und mußte seine Ansprüche auf Geldern aufgeben und alle Versuche unterlassen, die Reformation im Herzogtum Kleve einzuführen (Vertrag von Venlo 1543). Dies könnte erklären, dass Graefenthal als katholische Institution erhalten blieb. Das Kloster wurde 1574 sogar zu einer Abgabe von 150 Rthl. für die Hochzeitaussteuer klevischer Prinzessinnen herangezogen.  Die Priorin Eva von Wachtendonk (ab 1565 Äbtissin) legte vermutlich aus diesen Gründen ein Bestandsverzeichnis (Zinsbuch) aller Pachthöfe zur besseren Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben des Klosters an.

1565 - 74
Der Kamper Abt Richard von Xanten visitierte das Kloster Graefenthal 1565 anlässlich der Wahl der Äbtissin Eva von Wachtendonck. Er stellte 20 Nonnen, den Kassenbestand und die vorhandenen sakralen Einrichtungen für den Gottesdienst fest, und empfahl den Nonnen, alles zu bewahren und zu vermehren (Quelle: Scholten a.a.O., Urkunde Nr. 315). Wie die Urkunde zeigt, ging er jedoch auf die Lebensweise der Nonnen, ihre Gebräuche oder die Beachtung der Klausurgebote nicht ein.
Aufgrund der Konzilsergebnisse von Trient (1542–63) beschloss die Ordensleitung 1565, durch eine Reform der Klöster die „häretischen“ Einflüsse der Reformation zu beseitigen, die strenge Observanz der Ordensregeln sowie die Abschaffung des Privateigentums der Konventsmitglieder durchzusetzen; dafür setzte das Generalkapitel besondere Visitatoren ein (Quelle: Postina S. 225 a.a.O.). Der Generalabt von Citeaux, Nicolaus Boucherat, visitierte zwischen Juni und September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich mit dem Ziel, überall die Befolgung einer strengeren Observanz durchzusetzen. Er besuchte am 4.Juli 1574 das Kloster Graefenthal, in dem 18 Nonnen einschl. Äbtissin,
5 Novizinnen und 7 Laienschwestern lebten. Sein Bericht ließ erkennen, dass er ideale Verhältnisse nicht antraf. Das Kloster war zwar hoch angesehen und sehr vornehm, es hatte auch eine gebildete und religiöse Äbtissin sowie einige ihr ebenbürtige Nonnen. Jedoch waren die jüngeren Nonnen überheblich und selbstgefällig, weil sie aus den vornehmsten Familien des Landes stammten. Die Äbtissin wagte nicht, diese Nonnen zurechtzuweisen, und gab ihnen mehr oder weniger aus Furcht vor den Eltern nach. Der Generalabt verordnete dem Konvent strengere Klausurregeln und informierte den Herzog über diese Visitation; der Herzog sicherte der Äbtissin seinen zukünftigen Schutz zu (Quelle: Postina S. 261 a.a.O.).
Die nachfolgenden Krisenjahre lassen vermuten, dass von dieser Reform eine nachhaltige Wirkung letztlich nicht ausging.

1583 - 1612
Das Kloster Graefenthal war aufgrund der anhaltenden religiös-politischen Auseinandersetzungen am Niederrhein in seiner Existenz bedroht (Spanisch-Niederländischer Krieg bzw. Truchsessischer Krieg mit Plünderungen und Kontributionsforderungen durchziehender spanischer oder niederländischer Truppen - vgl. Überfälle auf die Klöster Duissern, Sterkrade, Schledenhorst, Fürstenberg sowie die Grafeninsel bei Wesel, Zerstörung des Klosters Kamp 1586 -).
Die Äbtissin Anna von Honseler (1588–1606) mußte der spanischen Besatzungsmacht 1589 mitteilen, dass der Konvent nur durch Landverkäufe und neue Schulden zu erhalten wäre. Mit Zustimmung des Kamper Abtes wurde Grundbesitz in Overasselt verkauft und Schulden in Höhe von 2000 brabantische Gulden gemacht. Spanische Truppen kontrollierten ca. 20 Jahre lang bis 1609 das niederrheinische Gebiet. Graefenthal wurde zwar nicht verwüstet und blieb katholisch, büßte aber in dieser Zeit seine Attraktivität für die Versorgung adeliger Töchter ein, denn die Zahl der Konventualinnen verringerte sich zwischen 1565 und 1612 von 18 auf 9 Nonnen. Unter diesen Umständen überrascht die Feststellung des Abtes zu Villers-Bettnach (Metz), Matthias Duma, der als beauftragter Visitator den Zustand des Klosters Graefenthal bei einer Visitation am 18.7.1612 vortrefflich und die Anweisungen von 1574 strikt eingehalten fand, gleichzeitig aber beanstandete, dass die Äbtissin das gemeinschaftliche Refektorium nicht aufsuchte (Quelle: Scholten, S. 53 a.a.O.).

1618 – 47
In den unruhigen Zeiten des 30-jährigen Krieges war Goch und die Umgebung teils von holländischen, teils von spanischen bzw. französischen Truppen mit länger dauernden Einquartierungen besetzt; unter dieser Last verarmte die Bevölkerung allmählich. Kriegskontributionen und Missernten beschwerten das Kloster erheblich, so dass es ab 1637 neue Schulden machen und Renten sowie Höfe mit Zustimmung des Kamper Abtes Petrus Polonius (1636-64) verkaufen mußte. Trotz der Schutzbriefe, die das Kloster vom Kaiser bzw. vom Kurfürsten von Brandenburg besaß, mußte es neue Kriegsabgaben  1643 an den Kaiser Ferdinand III. und 1645 an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm leisten.
    Das Kloster verlor 1647 das Patronat über die Kirche zu Kessel an den Freiherrn von Neukirchen-Nievenheim (Amtmann von Goch und Gennep), dem der Gerichtsbezirk von Kessel unterstellt wurde. Der Konvent entschloss sich wegen der angespannten Wirtschaftslage - der Viehhof innerhalb der Klosterimmunität war abgebrannt - zu drastischen Sparmaßnahmen für alle Klosterbewohner (z.B. nur noch eine gemeinsame Küche für den gesamten Klosterbereich; Verzicht der Geistlichen auf eigenes Dienstpersonal). Nur kurzzeitig stieg 1649 die Zahl der Nonnen wieder auf 15 an, die dann bis zur Klosteraufhebung bei 8 bis 9 Nonnen (im 7-jährigen Krieg nur noch
6 Nonnen) stagnierte.

1652 - (1697)
Verschiedene Streitereien des Klosters mit der Stadt Goch oder dem Freiherrn von Nievenheim zu Driesberg zogen sich über Jahrzehnte hin und standen in einem engen Zusammenhang mit den konfessionellen Gegensätze jener Zeit. Die Stadt besaß seit 1362 das Gruit-Recht sowie auch das Mahlrecht mit der Verpflichtung, keinen Mahlzwang zu Lasten des Klosters auszuüben. Das Kloster hielt sich jedoch nicht immer an diese Regelung und ließ in Asperden z.B. 1533 oder 1652 Bier zum allgemeinen Ausschank brauen, so dass sich die Stadt mit der Einführung eines Mahlzwangs für die Bewohner der Ämter Goch und Asperden revanchierte, die ihr Korn bisher auf einer Klostermühle mahlen ließen, nunmehr auf den städtischen Mühlen mahlen lassen mußten. Erst nach einem fast 20 Jahre dauernden Prozess wurde 1688 den Bewohnern der angeordnete Mahlzwang erlassen, schließlich 1723 von der preussischen Verwaltung trotz der Proteste des Klosters doch endgültig eingeführt (Quelle: Scholten, S. 128 a.a.O.; außerdem Gravamen Nr. 64 a.a.O. mit Adjuncta).
Auf die Beschwerde des Klosters über die Verletzung seiner Jagdrechte durch den Freiherrn von Nievenheim zu Driesberg im Jahre 1697 setzte der König von Preussen zwar 1710 eine Untersuchungskommission ein, das Verfahren verlief aber im Sande (Quelle: Gravamen Nr. 53 a.a.O.).

1655 

Angesichts der Zeitumstände sowie der Probleme und Schulden, die das Kloster hatte, erscheint es unwahrscheinlich, dass die Nonnen streng nach den Klausurregeln lebten, auch wenn bei der Visitation im Jahre 1655 durch die Äbte Peter Polenius (Kloster Kamp) und Johann Blanckenberg (Kloster Altenberg) angeblich nichts zu tadeln war (Quelle: Scholten, S.113 a.a.O.).

1672
Der Holländische Krieg (1672-79), in dem das Habsburger Reich zusammen mit den Niederlanden versuchte, eine Hegemonie Frankreichs in Europa zu verhindern, belastete auch das Kloster Graefenthal erheblich, als die Armeen Ludwigs XIV. die von den Niederlanden beherrschten Festungen am Rhein (Orsoy, Rheinberg, Wesel, Rees, Emmerich) eroberten und auf ihren Durchzügen durch das Herzogtum Kleve dem Kloster große Schäden zufügten. Scholten berichtete im Einzelnen über Wald- und Feldschäden, Viehdiebstahl, Brandschatzungen, Ausgaben für Sauvegarden und Fouragelieferungen sowie über die Pachtausfälle, die das Kloster insbesondere im Jahre 1679 leisten bzw. hinnehmen mußte (Quelle: Scholten. S. 57 a.a.O.). Die Wirtschaftslage des Klosters war dadurch so angespannt, dass das Kloster 1680 ein Darlehen zur Beseitigung der Schäden aufnehmen und noch 1695 eine Reihe von Wirtschaftshöfen bei Nijmegen verkaufen mußte.

1705
Für etwa 50 Jahre trat eine Zeit relativer Ruhe mit einer wirtschaftlichen Erholung ein, so dass die Abtei wieder in der Lage war, Ländereien zu kaufen und Umbauten der Klosteranlage im barocken Stil im Jahre 1711 vorzunehmen, die im bescheidenen Maße eine Tendenz zur Repräsentation und Prachtentfaltung (s. Bild 1) zeigten.

1757 – 71
Die Lage des Klosters verschlechterte sich erneut dramatisch, weil es im 7-jährigen Krieg (1757–63) Matrikularbeiträge und Fouragelieferungen für durchmarschierende oder in den Winterquartieren liegenden französischen Truppen aufzubringen hatte (z.B. war der Ort Kessel wiederholt von fremden Truppen besetzt). Infolge dieser Belastungen mußte das Kloster 14457 Reichstaler Schulden machen.
Die Äbtissin Charlotta von Gelder (1748–81) schätzte im Jahre 1771 die Einkünfte der Abtei auf ca. 8000 Reichstaler (Quelle: Scholten, S.114 a.a.O.). In ihrer Amtszeit wurden umfangreiche Erneuerungsarbeiten (z.B. Neubau des einsturzgefährdeten Dormitoriums, Errichtung des Torhauses, Ausstattung der Kirche durch Hochaltar, Orgel, Chorgestühl) ausgeführt.

1761
Die Kapelle "St. Maria an der Heiden" in Elmpt-Overhetfeld (Niederkrüchten) beherbergt einen flandrischen Schnitzaltar aus dem Kloster Graefenthal, der in der Werkstatt des Schnitzers Johannes de Valle und des Malers Jan Pree aus Antwerpen (ca. 1525-1545) vermutlich auf Bestellung der Äbtissin Beatrix von Honseler angefertigt wurde.
Die Äbtissin Charlotta von Gelder überließ 1761 ihrer Schwester Freiin Adelphine von Geloes (Besitzerin des Schlosses Dilborn) das Altarretabel.
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Foto: Klaus Erdmann, 2015
(m.fr.Zustimmung, unverändertes Foto aus GenWiki)

1780
Aufgrund des liberalen Gedankengutes der "Aufklärung" drohte dem Kloster Graefenthal die Aufhebung. Kontemplative Klöster galten in dieser Epoche als unnütze Institutionen, deren Vermögen verstaatlicht und besser für Reformen im Staatswesen verwendet werden sollten.

1790

Die Auswirkungen der französischen Revolution waren für die Nonnen erkennbar, da in Goch 1794 zahlreiche französische Emigranten (mehr als 40 Priester) lebten.
Französische Revolutionstruppen annektierten 1794 das linke Rheingebiet. Die Militärverwaltung belastete die geistlichen Einrichtungen in erheblichem Maße mit Kontributionen (Holz, Vieh, Lebensmittel, Einquartierungen) zum Unterhalt der eigenen Truppen. Da der Beichtvater nicht mehr aus dem Kloster Kamp kam, wurde der Vikar Franz Christoph Horsterman Beichtvater und Rentmeister im Kloster Graefenthal. Ab 1797 wurde das linke Rheingebiet in das französische Rechts- und Verwaltungssystem eingegliedert. Seitdem konnte das Kloster nicht mehr frei über seine Besitzungen verfügen.

1802
Anders als im rechtsrheinischen Gebiet fand die Säkularisation in den seit 1798 bestehenden linkrheinischen Departements im Jahre 1802 statt, nachdem im Vertrag von Luneville (1801) das linke Rheinland Bestandteil Frankreichs geworden war. Sämtliche Klöster wurden durch Konsularbeschluß vom 9.6.1802 aufgelöst. Der Klosterbesitz Graefental (etwa 6300 Morgen Land und 36 Bauernhöfen) wurde verstaatlicht.
Bei der Aufhebung lebten noch 11 Konventualinnen im Kloster, außerdem 1 Beichtvater,
3 Vikare und weiteres Dienstpersonal (insgesamt 43 Personen). Die letzte Äbtissin Adolphine Maria van Reets legte ihr Amt im August 1802 nieder.
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 15.09.2016