Fürstenberg

Visitation / Geistliche Betreuung

Nach der Organisation der Zisterzienser (Charta caritatis) oblag die geistliche Betreuung eines Frauenklosters dem Abt eines nahegelegenen Mönchsklosters. Zu den Aufgaben des Vaterabts gehörten nach den Beschlüssen des Generalkapitels z.B. die jährliche Visitation, die Leitung der Äbtissinnenwahl, die Bestellung der Beichtväter und die Kontrolle der Wirtschaftsführung.

 

Das Kloster führt im Kamper Stammbaum

unter St. I die Bezeichnung:

Fürstenbergh vel mons principis in ducatu cliuensi 1253

unter St. II die Bezeichnung:

Mons Principis Fürstenberg prope Xantos 1253

 

Das Visitationsrecht stand dem Abt des Klosters Kamp zu. Für die Betreuung durch den Kamper Abt sind Hinweise vorhanden.
 
Es wurden die "Clevischen Länder" am 17. 2.1444 und 6. 7.1445 durch Bullen des Papstes Eugen IV. "von aller geistlichen Gewalt des (Kölner) Erzbischofs losgesprochen, so dass es sprichwörtlich hieß: Der Herzog von Cleve ist Papst in seinen Ländern." Der Kölner Erzbischof Dietrich von Moers (1414-63), der politisch die kurkölnische Vormachtstellung insbesondere im Kampf gegen das Herzogtum Kleve widerherstellen wollte, wurde als Anhänger des Gegenpapstes Felix V. und als Vertreter der konziliaren Theorie (vgl. abendländisches Schisma) vom Papst Eugen IV. abgesetzt, jedoch vom nachfolgenden Papst Pius II. (1458–64) wieder eingesetzt.
Der Hauptzweck der staatlichen Eingriffe jener Zeit in kirchliche Institutionen (vgl. z.B. Reform Schledenhorst in 1459 bzw. Fürstenberg in 1467) durch die Klever Grafen waren nicht in erster Linie religiöse Gründe, sondern die Handhabung des „jus episcopale“. Die Grafen betrachteten die Reformen als innere Landesangelegenheit (vgl. Literatur: Dicks, S. 364-65).
Das Generalkapitel ordnete die schriftliche Information der weltlichen Fürsten von beabsichtigten Visitationen und Reformen auf deren Territorien an, damit die Visitatoren das Land auch ungehindert betreten konnten. Die Vistatoren wurden angewiesen, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, falls sich Konvente einer Reform widersetzen sollten.

Nach dem Konzil von Trient (1542–63) setzte die Gegenreformation ein. Flächendeckende Visitationen galten als geeignetes Mittel, die Durchführung der Konzilsbeschlüsse zu überwachen (z.B. Visitationskampagne im Erzstift Köln unter dem Erzbischof Salentin von Isenburg (1569) bzw. Visitationsreise des Generalabtes von Citeaux, Nicolaus Boucherat (1574). Der Generalabt besuchte das Kloster Fürstenberg 1574, dessen Reform wegen vieler Regelabweichungen geboten war und das offensichtlich nur mit polizeilicher Unterstützung des Herzogs von Kleve im Sinne der Konzilsbeschlüsse reformiert werden konnte.
 
 
 
 
 
 
 
 
Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016