Fürstenberg

Zeit bis zur Aufhebung

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Bild : Agnetenkloster in Xanten, Wohnort der Zisterzienserinnen vom Fürstenberg, Quelle: 700 Jahre Stadt Xanten (1928)

1253

Die Nonnen des abgebrannten Zisterzienserinnenklosters Ter-Hunnepe bei Deventer fanden eine Unterkunft im Kloster Fürstenberg in Xanten. Sie hatten sich an den Abt Gottfried von Siegburg sowie an den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden gewandt und um Überlassung des Klosters Fürstenberg gebeten.


1259

Gegen den Willen der Benediktinerinnen verkaufte der Siegburger Abt Gottfried am 7.8.1259 das Kloster Fürstenberg mit allen zugehörigen Ländereien und Rechten und mit Zustimmung des Kölner Erzbischofs an die Nonnen von Ter-Hunnepe unter der Bedingung, die Versorgung der verbleibenden Benediktinerinnen und ihrer Konversen einschl. Auszahlung der üblichen Präbenden zu übernehmen. Außerdem verkaufte der Abt den Zisterzienserinnen seinen Hof in Birten (Quelle: Binterim und Mooren III Nr. 141, 142, 143 und 144 a.a.O.).


1263

Mit Unterstützung des Bischofs von Utrecht war das Kloster bei Deventer wiederaufgebaut worden, so dass einige Nonnen von Xanten nach Deventer zurückkehrten.
Nach der Kamper Chronik (Quelle: Chronik der Abtei Camp, S. 290 a.a.O.) erfolgte nunmehr die offizielle Teilung des Konvents einschl. Gütertrennung zwischen den Klöstern Fürstenberg und Ter Hunnepe (1263). Beide Klöster standen anfangs noch unter der Leitung einer gemeinsamen Äbtissin (Clementia von Bersenbrüggen). Die Kamper Paternität ist seit 1263 urkundlich belegt. Die Äbte von Altenberg, Heisterbach und Marienstatt verpflichteten im Auftrag des Generalkapitels den Kamper Vaterabt, die Sonderrechte des Nonnenklosters sicherzustellen und gegen den kölnischen Archidiakon Propst Otto von Xanten und ungenannte Kleriker vorzugehen, da diese die Privilegien der Fürstenberger Nonnen missachteten.


1263 - 1300

Das Zisterzienserinnenkloster Fürstenberg erlebte in dieser Zeitspanne einen raschen Aufschwung. Zum Personenkreis der Wohltäter zählten insbesondere die Klever Grafenfamilie, verschiedene geistliche Stiftsherren des Stifts Xanten, Ritter und Edelleute aus der Umgebung sowie reiche Bürger aus der Stadt Xanten. Die vorhandenen Urkunden über Vermächtnisse zugunsten des Klosters (z.B. Renten oder Anniversarien in Geld oder Naturalien zum Seelenheil der Stifter), Überlassung von Ansprüchen, Landschenkungen und Ankauf von Ländereien trugen zur Verbesserung der Klostereinnahmen sowie zu einen gewissen Wohlstand bei.
Zu den größeren Eigentumsübertragungen zählten z.B. der Klosterhof Eger in Büderich, ein gräflicher Hof in Wesel, der Hof ter Wyerd (Meiershof) in Borth oder ein Landgebiet zu Dornick (Emmerich) mit Gebäuden und Ackerland (Quelle: Binterim 3.Teil Nr.130, Nr. 159, Nr. 177, Nr. 195, Nr. 227; 4.Teil Nr. 267 a.a.O.; außerdem Scholten, S.125 a.a.O.). Strittige Besitzansprüche zwischen dem Kloster und dem Ritter Theoderich von Veen auf einige Ländereien (Monichland genannt) und auf den Hof Lothe (Lottmanns-Hof in Xanten) wurden zugunsten des Klosters durch den Verzicht des Ritters auf seine Ansprüche entschieden (Quelle: Binterim 3.Teil Nr. 221 a.a.O.).
Nach der Kamper Chronik lebten 30 Nonnen um 1280 auf dem Fürstenberg. Im Jahre 1284 fand der letzte Gottesdienst in der Kapelle der Benediktinerinnen statt. Die letzten Benediktinerinnen konnten wegen ihres Alters nicht mehr die Treppe zu ihrer eigenen Kapelle im Kloster hinaufsteigen, so dass sie am Gottesdienst der Zisterzienserinnen teilnahmen.


1340

Das Kloster Fürstenberg ging dazu über, Grundbesitz gegen Jahreszinsen zu verpachten (Quelle: Scholten, S.127 a.a.O.). Die Gründe lagen in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, fehlenden Konversen und in der Rückkehr zu einer feudalen Wirtschaftsordnung. Papst Benedikt XII. ordnete eine Annulierung langfristiger Pachtverträge aus Sorge vor einer Verarmung des Klosters an und beauftragte 1340 den Stiftsdechanten zu Essen, alle Personen, die so in den Besitz von Gütern oder Gerechtsamen des Klosters Fürstenberg gekommen wären, durch Strafandrohungen zur Rückgabe des klösterlichen Eigentums zu bewegen (Quelle: Binterim II, Nr. 350, S. 197 a.a.O.). Jedoch gibt es hierzu keine weiteren Nachrichten.
Entsprechende päpstliche Anordnungen ergingen z.B. auch bei den Klöstern Graefenthal,  Sterkrade, Mariendaal, Leeuwenhorst.


1350 - 92

Das Kloster Fürstenberg hatte in seiner Frühzeit durchaus ausreichende Einnahmen aus seinen Wirtschaftshöfen (Grangien) und Nutzungsrechten. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts verarmte das Kloster unter den im Raume Xanten herrschenden Pestepidemien und Hungersnöten infolge anhaltender Überschwemmungen und Ernteausfällen.
Die Stadt Xanten wurde 1362 im Krieg zwischen Herzog Eduard von Geldern (Regierungszeit 1361-1371) und Graf Johann von Kleve fast völlig zerstört. (Eduard von Geldern führte einen Bruderkrieg gegen seinen älteren Bruder Reinald um die Herrschaft in Geldern. Da Johann von Cleve für Reinald Partei ergriff, brandschatzte Eduard aus Rache das Klever Land und die Stadt Xanten. Eduard wurde durch die Grafen von der Mark sowie die Grafen von Moers unterstützt.)
Die Wirtschaftslage des Klosters erreichte 1370 einen Tiefstand, da das Kloster zahlungsunfähig war und eine vom Papst Gregor XI. erhobene Steuer aus Armut nicht zahlen konnte. Die Äbtissin Mechtilde Schnucks (1359 – 99) beeidete am 5.7.1370 am St. Nikolausaltar im Dom zu Xanten, die Steuer nicht entrichten zu können. Die Klöster Hagenbusch und Bedburg hatten vergleichbare wirtschaftliche Probleme und leisteten den Offenbarungseid schon einen Tag früher (Quelle: Binterim 4.Teil, Nr. 381, S.266 a.a.O.).
Die Verhältnisse blieben danach weiterhin angespannt. Die Grafen von Moers überfielen und brandschatzten die Stadt Xanten samt Umgebung im Jahr 1373.
Der Kölner Erzbischof forderte 1375 wegen der Finanzmisere im Stift Xanten neue Steuern vom Klerus und von den kirchlichen Institutionen. Es wurde der Äbtissin aber erst nach ihrer Beschwerde bei der Kölner Kurie ausdrücklich bestätigt, dass das Kloster wie bisher keine Zehntabgaben an den Erzbischof zu entrichten brauchte.
Das Auswirkungen der Hochwasserfluten des Rheins und der Pest in den Jahren 1374 bis 1376 stellten für das Kloster Fürstenberg vermutlich eine ernsthaftere Existenzbedrohung dar als die politischen Spannungen zwischen Kleve und Kuköln. Mit dem 1378 beginnenden Schisma stand der Kölner Erzbischof Friedrich von Saarwerden als geistlicher Herr des Stiftes Xanten auf der Seite des Papstes; der Klever Graf Adolph, gleichzeitig Stiftsvogt von Xanten, versuchte den Einfluß des Erzbischofs auf seinem Hoheitsgebiet (vor allem die Ausübung der geistlichen Gerichtsbarkeit) mit Unterstützung des Gegenpapstes in Avignon zurückzudrängen. Die Kontrahenten beendeten im Jahre 1392 ihren Streit, so dass sich das Kloster Fürstenberg erst jetzt langsam von den Folgen der Krisenjahre und auch eines Inderdikts erholen konnte. 

Unter diesen Krisenbedingungen dürfte es den Nonnen unmöglich gewesen sein, stets ein Klosterleben in Askese, Armut und Meditation streng nach den Regeln des Ordens zu führen.


1400 - 60

Nachrichten über die innere Entwicklung des Klosters in dieser Zeit fehlen. Die Reform des Klosters Fürstenberg von 1467 ließ erkennen, dass die Nonnen die Klausurregeln im Lauf der Zeit weniger streng beachteten und das klösterliche Leben nach außen als Verweltlichung wahrgenommen wurde.
Die Klosterreformen des 15.Jahrhunderts waren nach dem Ende des abendländischen Schismas Teil einer allgemein geforderten Kirchenreform auf den Konzilen von Konstanz (1414 – 18) und Basel (1431 – 49). Das Ziel war vor allem, Privateigentum der Nonnen abzuschaffen und diese wieder zu einer strengen Observanz zu verpflichten. Dieses Ziel wurde im Kloster Fürstenberg 1467 nur unter großen Schwierigkeiten und Anwendung von Druckmitteln erreicht, nachdem der Kamper Abt Heinrich IV. von Ray (1452 - 83) zuvor bereits andere Frauenklöster (Schledenhorst 1459, Eppinghoven 1465, Sterkrade 1465) mühsam reformiert hatte. Die Reformaktivitäten des Abtes legten offen, dass es in den traditionellen Zisterzienserinnenklöstern in den Herzogtümern Berg-Jülich bzw. Kleve seit Mitte des 15.Jahrhunderts erhebliche Widerstände gegen die geforderten Reformen angesichts der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen oder aus Sorge vor dem Verlust von Privilegien (z.B. Besitz von Privateigentum, Annahme von Erbschaften, Beteiligung der Nonnen an den Ertragsüberschüssen des Klosters, modische Bekleidung, Reisefreiheiten) gab. Auch in Westfalen bzw. in den Niederlanden gab es entsprechende Schwierigkeiten.

1460 - 67

Das Kloster Fürstenberg soll 1460 zerstört und mit Hilfe des Herzogs bis 1467 wieder hergestellt worden sein (Quelle: Bärsch, S. 173 a.a.O.; außerdem Scholten AHVN 86 S. 128 a.a.O., jedoch in beiden Fällen keine Angaben, ob z.B. das Kloster noch bewohnbar war oder nicht).
Die Äbtissin Stina von Aldenhoven (1455-65) schied 1465 aus dem Amt aus (oder mußte ausscheiden ?). Jedenfalls scheiterten die Versuche des Abtes, eine Reform in Fürstenberg zuerst mit Hilfe mehrerer Nonnen aus dem bereits reformierten Kloster Gnadenthal bei Neuss und anschließend mit Hilfe mehrerer Nonnen aus dem bereits reformierten Kloster Schledenhorst durchzuführen. Die Stelle der Äbtissin in Fürstenberg blieb deshalb zwei Jahre lang bis 1467 vakant. Diejenigen Nonnen, die eine Reform und ein Leben nach den strengen Regeln ablehnten, verließen das Kloster teils freiwillig, teils wurden sie auf Weisung des Herzogs durch weltliche Ordnungshüter ausgewiesen ("aut ex commissione prefati ducis Cliuensis brachio seculari et armata manu educte fuerunt"). Gleichwohl kehrten alle Nonnen zurück und unterwarfen sich den Ordensregeln; sie hatten vermutlich auch keine andere Wahl (Quelle: Keussen, Chronik des Klosters Kamp, S. 328 a.a.O.).
Auf Druck des Herzogs Johann I. von Kleve-Mark (1448-81) konnte am 21.März 1467 (Fest des hl. Benedikt) die Klosterreform abgeschlossen und Katharina von Weyenhorst (1467-79) zur Äbtissin gewählt werden. Der Herzog initiierte bzw. unterstützte Klosterreformen zur Verbesserung der religiösen Verhältnisse in seinem Territorium, suchte aber auch seine Herrschaft auf kirchliche Belange auszudehnen. Er betrachtete die Unterstellung der Klöster unter die Landesverwaltung, den Anspruch auf Ausübung eines Visitationsrechts und die Reglementierung des geistig-sittlichen Lebens zur „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Moral“ als eine landeshoheitliche Aufgabe. Er trachtete auch danach, den Klöstern seines Territoriums wegen ihrer Steuerfreiheit (sog. "Tote Hand") den Erwerb zusätzlicher Ländereien zu erschweren (vgl. auch Sterkrade oder Schledenhorst im Herzogtum Kleve).


1473 - 74

Die wirtschaftlichen Verhältnisse blieben angespannt. Der Kamper Abt legte 1473 einen Teil einer vom Generalkapitel beschlossenen Ordensteuer auch auf die ihm unterstehenden 14 Frauenklöster um. Die Höhe dieses Steueranteils läßt einen Rückschluß auf den Wohlstand der einzelnen Klöster zu (Duissern, Benninghausen und Eppinghoven zahlten je 1 rheinischen Dukaten; Saarn und Sterkrade je 1 Dukaten und 6 Albos; Fürstenberg, Welver und Schledenhorst hatten je 1 ½ Dukaten zu tragen. Die genannten Klöster gehörten zu den weniger bemittelten Frauenklöstern, während Mariendaal 2 Dukaten, Roermond, Ter Hunnepe und Servatius je 3 und Graefenthal sowie Leeuwenhorst je 4 zahlten (Quelle: Binterim und Mooren, Nr. 436 a.a.O.;  die beschlossene Steuer von insg. 6000 Dukaten sollte „zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der römischen Kurie“ dienen).

Fürstenberg konnte 1474 bei einer Kollekte für das Kloster Eppinghoven, das durch den "Burgundischen Krieg" in Not geraten war, keinen Beitrag leisten.

1493
Die Reform von 1467 hatte eine nachhaltige Wirkung, weil auf Veranlassung des Kamper Abts Heinrich von Kalkar die Priorin und 2 Nonnen aus dem Kloster Fürstenberg für einige Monate die Reform des Klosters in Leeuwenhorst 1493 unterstützen mußten (Quellen: Dicks, S. 364/65 a.a.O.; Scholten, S.129 a.a.O.).

 
1499

Das Kloster Fürstenberg geriet erneut in akute Not, nachdem 3000 Soldaten des Herzogs von Kleve („arbeitslose“ Landsknechte) zum Herzog Karl von Geldern überliefen (Karl führte ab 1492 fast ununterbrochen Krieg um seine Herrschaftsansprüche auf Geldern gegen die bestehende burgundisch-österreichische Vorherrschaft.) und in Xanten und in der Umgebung große Verheerungen anrichteten sowie das Kloster brandschatzten. Das Kloster konnte kaum die Mittel für den Lebensunterhalt der Nonnen und die Erneuerung von Gebäuden aufbringen und mußte daher noch 1517 bzw. 1527 unter der Äbtissin Agnes von Hissfeld Renten und Klostergüter veräußern (Quelle: Scholten S. 126 a.a.O.).


1543
Der Klever Herzog Wilhelm V. (auch Herzog von Geldern, da Karl von Geldern keine Erben hatte) ließ 1543 mit Billigung der Landstände die Kirchenschätze aller Kirchen, Klöster und Stifte zur Bezahlung der Kosten seines Krieges gegen Kaiser Karl V. beschlagnahmen. Der Kaiser erhob seinerseits Ansprüche auf Geldern und zwang Herzog Wilhelm zur Abtretung Gelderns, das nun endgültig mit den habsburgischen Niederlanden vereinigt wurde. Zwar fehlen Nachrichten, aber es ist anzunehmen, dass auch Fürstenberg von der Beschlagnahme - ebenso wie andere Frauenklöster im Herzogtum Kleve (vgl. Duissern, Sterkrade, Graefenthal) - betroffen war.

1550

Die Äbtissin Elsa von Lipperheide (erwähnt 1550; resignierte 1585) geriet mit dem Magistrat von Xanten in Konflikt wegen des Weinausschanks an Freunde bzw. Gäste und des Verkaufs von Korn, ohne hierfür städtische Gebühren zu zahlen.


1562  - 74

Das Kloster nahm den Charakter eines Damenstifts an. Die Nonnen hatten sich dem damaligen Lebensstil und der Mode angepasst und lebten nicht mehr nach den strengen Ordensregeln. Vom Generalkapitel wurde bereits am 27.4.1562 die luxuriöse Kleidung der Religiosen beanstandet (Quelle: Postina, S. 261, Fußnote 24, a.a.O).
Das Konzil von Trient (1545 - 63) hatte in seinem Bestreben, durch einen inneren Reformprozess die Ausbreitung des Protestantismus einzudämmen, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens beschlossen. Das Generalkapitel beauftragte daher 1565 Visitationskommissare mit der Reform aller Klöster, um eine strenge Observanz  durchzusetzen, Privateigentum abzuschaffen und alle der Häresie verdächtigen Personen oder entsprechende Bücher zu entfernen. In diesem Sinne visitierte der Generalabt von Citeaux, Nikolaus Boucherat (1571 - 85) zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich.
Er besuchte das Kloster Fürstenberg am 30.6.1574, in dem 16 Nonnen einschl. Äbtissin lebten, und berichtete, er hätte kaum ein Kloster gefunden, das so sehr von den (zisterziensischen) Gebräuchen abgewichen wäre wie Fürstenberg. Insbesondere entsprachen nach seiner Aufassung die Lebensgewohnheiten und die Kleidung - mit Ausnahme des seidenen Velums (Schultertuch) - nicht den Regeln ( „Vix unum reperi monasterium difformatius quantum ad mores, amictum et vestitum“). Die Nonnen wehrten sich gegen eine Reform und drohten sogar mit der Einflussnahme ihrer Eltern. Boucherat ordnete zwar die Verweisung einiger Nonnen in andere Klöster sowie die Überführung reformierter Nonnen aus anderen Klöstern zum Kloster Fürstenberg an, um mit Hilfe dieser Druckmittel eine Verschärfung der Observanz durchzusetzen. Er konnte jedoch ohne die Zustimmung des Herzogs nichts erreichen und überließ die Ausführung dem Kamper Abt, denn er bemerkte dazu, dass der Herzog die erbetene Unterstützung seinem Vikar, dem Kamper Abt, nicht abgeschlagen hat  (Quellen: Postina S. 261 a.a.O.; außerdem Dicks, S. 172 a.a.O.).
Offenbar traten keine Veränderungen in der Lebensweise der Nonnen ein. Die Abtei auf dem Fürstenberg wurde bereits zu Beginn des Truchsessischen Krieges (1583 – 88) von spanischen Truppen zerstört. Die Äbtissin Elsa von Lipperheide resignierte 1585; eine neue Kleiderordnung wurde erst 1727 wieder eingeführt.


1583

Der Konvent unter der Äbtissin Jda von Budberg (1585 – 90; gestorben in Essen) fand nach der Zerstörung des Klosters Zuflucht in Xanten und lebte in der Folgezeit mit Einwilligung des Herzogs Johann Wilhelm IV. von Kleve im Kloster St. Agnes zusammen mit den ansässigen Franziskanerinnen und nach 1591 eine Zeit lang auch mit den Benediktinerinnen des Klosters Hagenbusch, die durch die Kriegswirren in Not und Schulden gerieten und ihr Kloster verlassen mußten.
Elisabeth von Götterswick aus der Abtei St.Servaas (Utrecht) wurde 1607 als Äbtissin des Klosters Fürstenberg (1607-16) eingesetzt. Die Tatsache, dass eine Nonne aus einem fremden Kloster als Äbtissin postuliert wurde, zeigt, dass der Konvent seine inneren Probleme (Entwicklung zum stiftischen Leben im 16.Jahrhundert, vergeblicher Reformversuch, Vertreibung, räumliche Beengung in der Stadt, Schulden, Existenzsorgen) allein nicht lösen konnte und sich Abt, Bischof und Herzog eine wirtschaftliche und geistige Erneuerung des Konvents von der Einsetzung der Äbtissin erhofften.
Die Zisterzienserinnen erwarben 1606 eine Hälfte des Klosters von den beiden letzten Franziskanerinnen und einige Jahre später das gesamte Kloster. Der Kölner Erzbischof Ernst von Bayern genehmigte 1606 den Kauf der Klostergebäude und einiger unmittelbar benachbarter Gebäude. Der Kauf wurde aus dem Verkauf des Abbruchmaterials der zerstörten Klosterkirche auf dem Fürstenberg, aus dem Verkauf von Renten und einer Geldanleihe finanziert. Die Zisterzienserinnen ließen das Konventsgebäude im Renaissancestil erneuern. Über dem Türeingang war zu lesen, daß die Äbtissin Elisabeth von Götterswick das Gebäude errichten ließ.


1597 – 99

Die Bevölkerung der Stadt Xanten und der Umgebung litt unter den Plünderungen und Brandschatzungen niederländischer und spanischer Truppen große Not.  In der Zeit des Kampfes der Niederlande um die Unabhängigkeit von Spanien hatte der spanische Heerführer Mendoza ein Heer zusammengestellt, das die von Niederländern besetzten Gebiete im Klever Land zurückerobern sollte; dabei kam es zu wechselvollen Kriegserfolgen. 1598 kaufte sich die Stadt Xanten frei, wurde aber ein Jahr später von Spaniern eingenommen.

1608

Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters in der Stadt waren offensichtlich angespannt, da die Äbtissin Elisabeth von Götterswick die Steine (Tuffsteine) des zerstörten Klosters auf dem Fürstenberg als Baumaterial verkaufen ließ, eine Rente veräußerte und von einem Xantener Bürger 300 Taler zum Ankauf des Agnetenklosters auslieh.
     In Xanten war die Ausbeutung der römischen Stadtruinen üblich und wurde noch weit in das 17. Jh. hinein betrieben, da die Tuffsteine der Ruinen als Baumaterial und für Steinmetzarbeiten begehrt waren. Stadt und Stift Xanten konnten durch den Verkauf der Tuffsteine ihre Einnahmen verbessern. Insofern ist der Verkauf der Steine des zerstörten Klosters in 1608 (bzw. auch später in 1671) nicht ungewöhnlich, auch wenn der Verkauf bissig kommentiert wurde: <Und so rinnen die Reste der Römer durch die Kehlen der Nonnen auf und davon.>
 
1618 – 48
Die Äbtissin Anna von Rossum (1579 – 1669), die 1616 zur Nachfolgerin der verstorbenen Äbtissin Elisabeth v. Götterswick gewählt wurde, führte in ihrer langen Regierungszeit von 50 Jahren das Kloster durch die Wirren des 30-jährigen Krieges, der für die Stadt Xanten und ihre Umgebung eine lange Leidenszeit bedeutete. Das Kloster war hiervon betroffen, da es die ständig geforderten Geldmittel für Einquartierungen und Kontributionen zum Schluß nur noch durch Geldanleihen aufbringen konnte (Quellen: Stadtchronik; außerdem Scholten, S.130 a.a.O.).
Während in der Zeit von 1622 – 30 niederländische oder spanische Truppen bzw. Truppen aus Mansfeld die Stadt Xanten und ihre Umgebung drangsalierten, wurde die Stadt zwischen 1630 – 40 von kaiserlichen Truppen (darunter die gefürchteten Kroaten unter Isolani) bedrängt. Alle forderten Verpflegung, Quartiere oder Schutzgelder. Hessische Truppen (1641- 45) plünderten die Stadt Xanten, erpreßten Kriegskontributionen und brachen die Stadtmauer ab. Xanten war am Ende des 30-jährigen Krieges verarmt, wehrlos und entvölkert. Nach dem Westfälischen Frieden wurde die Situation für die Bevölkerung in Xanten und der Umgebung zunächst nicht besser, da sie immer wieder Opfer von Plünderungen marodierender Soldaten wurde.

1658 - 78
Die Wirtschaftslage blieb lange angespannt, da 1658 weitere Schulden zur Bezahlung von Steuerforderungen und Beseitigung der Schäden durch frühere Brandschatzungen gemacht werden mußten (Quellen: Scholten, S.130 a.a.O.). Wegen ausgefallener Pachtgelder verkaufte 1671 die Äbtissin Brigitta Wilhelma von Backum (1669 – 78) die auf dem Fürstenberg noch stehenden Kirchtürme (Tuffsteine) für 1115 holländische Gulden als Baumaterial. 
Die Äbtissin benutzte den Verkaufserlös teils zur Schuldentilgung, teils zum Bau der Quirinuskapelle auf dem Fürstenberg im Jahre 1672 zur Erinnerung an das zerstörte und abgebrochene Zisterzienserinnenkloster.
Die französische Rheinarmee unter Ludwig XIV. hielt die linksrheinischen Teile des Herzogtums Kleve zwischen 1672 - 79 besetzt. Das Kloster der Zisterzienserinnen in der Stadt Xanten wurde durch die Kriegereignisse in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere kam es zu neuen Verschuldungen infolge der Belastungen durch Einquartierungen, Kontributionen, Brandschatzungen von Klostergütern und rückläufige Einnahmen.
Langfristig erholte sich das Kloster von den Kriegsbelastungen und Schulden der nächsten Jahrzehnte bis zu seiner Aufhebung nicht mehr.

1690
In einem jahrzehntelangen Streit zwischen dem Kloster und dem Amt Bislich ging es um die Steuerfreiheit für eine Rheinweide des Klosters bei Bislich. Die brandenburgische Regierung zu Kleve hatte das Kloster u.a. auch zur Zahlung einer Steuer für die Rheinweide veranschlagt. Auf die Beschwerde des Klosters war in mehreren Entscheidungen zwischen 1690 - 1700 vom Kurfürsten die Steuerfreiheit bestätigt worden, da die Weide zu den klösterlichen Fundationsgütern zählte. Kleve entschied 1722 jedoch anders, dass nämlich das Kloster weiterhin zur Steuerzahlung veranschlagt bleiben sollte (Quelle: Gravamen Nr. 26 a.a.O. nebst Anhängen).

1692

Unter dem Abbatiat von Magdalena Franziska v. Draeck (1692 – 1706) trat eine gewisse Verbesserung der Lage ein, da das Kloster viele Schulden tilgen konnte; die Ablösung aller Schulden dauerte aber noch bis zum Jahre 1772. Die Kreuzkapelle wurde 1699 umgebaut und ist in diesem Bauzustand (Wappen der Äbtissin M.F.B. von Draeck an der Fassade der Kapelle) erhalten geblieben.
Das Kloster beherbergte und versorgte bis zur Aufhebung - wie andere Frauenklöster auch -  adelige Kostdamen zur Verbesserung seiner Einnahmen.

1700
Die Besetzung der Stadt Xanten und ihre teilweise Zerstörung durch französische Truppen zu Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges (1702 - 14) brachte für das Kloster nur Not und Bedrängnisse, als französische Truppen unter dem Marschall Boufflers vor Xanten bzw. unter Tallard auf dem Fürstenberg zur Bewachung der Grenze der spanischen Niederlande lagerten.
 
1706 - 27
Maria Josephina v. Zulpen von Vaudemont, 1706 zur Äbtissin gewählt, starb bereits nach 9 Monaten. Ihre Nachfolgerin Margaretha de Zulpen (1707-27) war gehalten, eine von der preussischen Regierung 1722 verordnete Steuer zur Landesverteidigung auf alle Güter der geistlichen Institutionen bis zum Nachweis der Exemption zu zahlen (Quelle: Gravamina Clivensia Nr. 26).

1727 - 48
Maria Elisabeth Bernhardine v. Bruininck von Beest wurde am 9. Mai 1727 zur Äbtissin gewählt. Sie veranlaßte die Nonnen, wieder die ursprünglich weiße Kleidung zu tragen. Sie starb 1748 und wurde in der Kapelle auf dem Fürstenberg (Grabplatte heute im Boden vor der Kapelle) begraben. Über sie wurde berichtet, dass sie sich besonders um Arme bemühte (Quelle: Binterim und Mooren a.a.O., Nr. 141, S.273-74).

1758 - 84
Das Kloster überlebte vermutlich 1758 unbeschadet eine Beschießung der Stadt Xanten im siebenjährigen Krieg durch die mit Preußen verbündeten Hannoveraner. Viele Häuser der Altstadt wurden dabei zerstört. 
Wilhelmine Helena Constantia v. Heerman von Hollewinden bei Gröningen wurde am 16.12. 1758 zur Äbtissin gewählt. Sie war die letzte Äbtissin und erlebte noch die Aufhebung des Klosters im Jahre 1802; sie soll im hohen Alter in Roermond gestorben sein. In ihrer Amtszeit deutete sich bereits an, dass das Kloster sich von innen überlebt hatte. Es lebten 1784 nur noch 5 weitere Konventualinnen im Kloster (Anna Scholastika v. Reilard, Antoinette v. Andlau, Franziska v. Lieskirchen, Benedikta von Linsingen und Bernhardina v. Leyda). Der Rentmeister des Klosters Johann Martin Houben war zugleich Pastor in Birten.

1794- 1802
Französische Revolutionstruppen eroberten die Stadt Xanten und richteten einen französischen Verwaltungssitz ein (Kanton im Arrondissement Kleve des Roerdepartements). Preussen trat im Frieden von Basel 1795 seine linksrheinischen Gebiete an Frankreich ab. Die Besetzung führte zu Beschränkung der Rechte aller geistlicher Institutionen. Das Kloster blieb zwar noch bewohnt, aber die Steuerbelastung war erdrückend. 1802 kam durch Konsularbeschluß der franz. Regierung die Aufhebung.

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016