Eppinghoven

Gründungszeit

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Bild 2: Altartafel 1
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Bild 3: Altartafel 2, Bilder aus der Werkstatt des Meisters von St.Severin, InvNr.1982.97 mit frdl. Genehmigung des Clemens-Sels-Museums in Neuss

Das Zisterzienserinnenkloster Karlesforst (später Eppinghoven) wurde nach ungesicherten Quellen 1214 in Kaarst gegründet. Vor der Verlegung des Klosters nach Eppinghoven (1237) bildete Kaarst mit dem Kloster Saarn eine Wirtschaftseinheit unter der gemeinsamen Äbtissin Wolberna, daher wird auch auf die Gründungszeit des Klosters Saarn Bezug genommen. Stifter und Stiftungsmotive lassen sich heute nicht mehr erschließen.  Die Klosterkirche (oder die „Weiße Kirche“) lag zwischen Kaarst und Willig und existierte noch bis ins 18.Jh. hinein, wie alte Kirchenrechungen belegten (Quelle: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein II, S.297).
Im Mittelalter bestanden im Gebiet der unteren Erft zwischen Neuss, Mönchengladbach und Grevenbroich zahlreiche kleine territoriale Herrschaftsbereiche (z.B. die Herrschaften Helpenstein, Dyck, Myllendonk, Liedberg, Wevelinghoven, Hülchrath, Erprath). Nach den Urkunden aus dem 13. Jahrhundert zählten diese Herrschaften zu den Förderern des Klosters, sie schenkten oder verkauften dem Kloster Grundbesitzungen oder verzichteten auf Lehnrechte zugunsten des Klosters. Allerdings dienten einzelne Verkäufe adeliger Grundherren eher dazu, Geldforderungen anderer Gläubiger zu befrieden.
Es lässt sich heute nicht mehr erschließen, ob Saarn oder Kaarst 1214 zuerst gegründet wurde.  Neben der Kamper Chronik als Quelle berichten zwei fast gleichlautende Textkopien (sog. Wolberna-Urkunden) mit der Jahreszahl 1216 über die Klostergründung „Aula St. Mariae“, die eine aus Eppinghoven (Anfang des 16. Jh.) und die andere aus Saarn (um 1650). Die Echtheit dieser Kopien ist strittig. Die Eppinghovener Kopie nennt kein Inkorporationsdatum, trägt aber einen Vermerk mit Bezug auf das Originaldokument im Kloster Kamp, das jedoch nicht erhalten geblieben ist und vermutlich auch dem Camper Chronisten nicht vorgelegen hat, sonst hätte er beide Gründungen genau datieren können. In diesen Urkunden bezeichnete sich Wolberna als erste Äbtissin des Konvents Mariensaal und bestätigte gleichzeitig die Inkorporation in den Orden und die Unterstellung des Klosters unter die Aufsicht der Abtei Kamp. Eine Ortslage wurde jedoch nicht angegeben.
Zu den Motiven der Aufgabe des Standortes und der Umsiedlung von Kaarst nach Eppinghoven heißt es in der Zustimmung des Erzbischofs zum Gütertausch von 1237, dass Äbtissin und Konvent von Saarn wegen der Unfruchtbarkeit der Äcker und der großen Entfernung sowie anderer ungünstiger Umstände beabsichtigen, eine neue Kirche (= Kloster) gründen zu wollen. Offensichtlich zielten alle Bemühungen darauf ab, die Lebensgrundlagen beider Konvente zu konsolidieren sowie die Voraussetzungen für eine Verlegung des Kaarster Konvents nach Eppinghoven und gleichzeitige Trennung von Saarn zu schaffen.

Beide Einrichtungen waren für weibliche Mitglieder der regionalen adeligen Familien bestimmt. Zum klösterlichen Leben im benediktinischen Geist gehörte besonders das Gedenken der Nonnen an ihre Gönner, da die zahlreichen Stiftungen meist mit der Verpflichtung zu regelmäßigen Fürbitten für das Seelenheil der Stifter verbunden waren.    

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016