Eppinghoven

Zeit bis zur Aufhebung

Eppinghoven(2).JPG
Bild 4: Ansicht des Abteigebäudes

1214 - 16
Nach der Chronik der Abtei Kamp entstand 1214 in Karlesforst (Kaarst bei Neuss) ein Nonnenkloster mit dem Namen „aula sanctae Mariae“ (Mariensaal), das später nach Eppynchoven (Neuss-Eppinghoven) verlegt wurde. Der Chronist berichtete weiter, dass zu derselben Zeit oder ein wenig vorher ( „.. eodem tempore vel paulo ante fundata..“) das Nonnenkloster Saarn mit demselben Namen „aula sanctae Mariae“ gegründet wurde (Quelle: Kamper Chronik, S. 279-280 a.a.O.). Er nahm ferner an, dass beide Gründungen als erste Klöster der Aufsicht der Abtei Kamp unterstellt wurden.
Die Äbtissin Woberna teilte 1216 mit, dass das Kloster Aula St. Mariae 1214 in den Orden inkorporiert und der Aufsicht des Kamper Abtes unterstellt wurde (Quelle: Unsichere Textkopie aus dem 16.Jh. im Kopiar des Klosters Eppinghoven, Lacomblet II, Nr. 216 Fußnote zu Nr. 216).


1218 - 28
Abt Johannes von Kamp und die Äbtissin W. in Carlesvorst beurkundeten 1218 die Zahlungsverpflichtungen einer klosterhörigen Frau am Fest der Apostel Petrus und Paulus (29. Juli). Bei der Äbtissin W. dürfte es sich um Wolberna handeln, die noch 1237 die gemeinsame Leitung der Konvente in Saarn und Kaarst ausübte.
Die Konvente von Saarn und Kaarst verfügten anfangs über gemeinsamen Grundbesitz mit Wirtschaftshöfen im Gebiet von Grevenbroich, Kaarst, Neuss, Duisburg und Mülheim.
Die päpstliche Schutzurkunde von 1223  (ohne Angabe eines Ortsnamens) führt neben dem Klosterstandort (Saarn) mit allem wirtschaftlichen Zubehör namentlich die Wirtschaftshöfe Karlesforst (Kaarst), Vockrath (westl. von Neuss), Meiderich (Duisburg) im Besitz des Zisterzienserinnenklosters „Saal der hl. Maria“ sowie pauschal weiteren Besitz an Wäldern, Äckern, Wiesen, Weinbergen, Gewässern und Mühlen auf (Quelle: Schubert, Nr. 36 a.a.O.).
Papst Gregor IX. stellte 1228 den Konvent Mariensaal unter den Schutz des Kölner Erzbischofs Heinrich von Molenarck (1225-38). Dieser beauftragte den Propst von

St. Marien in Neuss und 2 Kanoniker des Gereonstifts mit der Ausführung und Kontrolle seiner Anordnungen.
Graf Gerard von Geldern bekundete 1228, dass auf die Bitte seiner Mutter Richardis (Äbtissin von Roermond) der Ritter Wilhelm von Beck auf Besitzungen verzichtet hätte, die an Eppinghoven verkauft wurden  (Quelle: Lacomblet II, Nr. 157 a.a.O.).


1231

Der Kölner Erzbischof Heinrich von Müllenark genehmigte einen Gütertausch zwischen der Abtei Saarn und dem Damenstift Gerresheim: Saarn erwarb den Wirtschaftshof Eppinghoven einschl. Mühle vom Stift Gerresheim durch Tausch gegen seinen Hof Genserath, um in Eppinghoven eine neue klösterliche Niederlassung zu gründen. Der Tausch war mit der Bedingung verbunden, dass das Stift Gerresheim aus dem Hof Vockrath Ersatzleistungen erhalten sollte, wenn der Hof Genserath geringere Erträge als Eppinghoven erzielen würde. Der Hof Genserath (diesseits der Erft gelegen) soll zwischen Hülchrath und Neukirchen gelegen haben und war ursprünglich ein Geschenk des Neusser Ehepaares Sibert von Dülken und Gisela, das 1242 auch sein Haus in Neuss und weitere Besitzungen für ein Armen-Hospital stiftete.
Die Übersiedlung der Nonnen von Karlesforst nach Eppinghoven erfolgte in der Zeit zwischen 1231 – 37. Gleichzeitig übertrug das Stift Gerresheim 1231 dem Kloster Eppinghoven noch einen zweiten Hof jenseits der Erft gegen eine jährliche Abgabe von 18 Malter Weizen und 6 Malter Hafer (Quelle: Lacomblet II, Nr. 175 a.a.O.). Es erscheint fraglich, dass es sich hierbei um das kurkölnische Lehen Broichsteden im Bezirk Kaarst handelte (andere Auffassung in AHVN II, S. 297 a.a.O.), da das Kloster aus dem Güterbesitz Broichsteden (vgl. 1237) jährlich eine Haferrente von 60 Malter an die Burg Hostaden zu liefern hatte (Lacomblet II, Nr. 854 a.a.O.).

1234 - 36

Papst Gregor IX. gestattete 1234 dem Konvent, für die Wohltäter des Klosters Begräbnisstätten einrichten zu dürfen; wegen fehlender Ortsbezeichnung könnte dieses Privileg für beide Klöster zutreffen.
Kaiser Friedrich II. (Barbarossa) sicherte 1236 dem Kloster in Eppinghoven den Schutz des Reichs zu.
1237 - 38
Kloster Eppinghoven wurde von Saarn getrennt. Der Abt Arnold von Kamp beurkundete die Trennung und die Aufteilung des gemeinsamen Klosterbesitzes (Quelle: Schubert, Nr. 41; Lacomblet II, Nr. 175 ; HStAD Eppinghoven Urk.11).
Papst Gregor IX. nahm 1237 die Abtei Eppinghoven mit allen vorhandenen Besitzungen, d.h. den Klosterstandort Hof Eppinghoven, die Grangien Hemmerden, Brustaden (=Broichsteden), Vockrath und Kaarst mit allen zugehörigen Liegenschaften,  sowie auch andere Besitzungen (Wiesen, Weinberge, Waldbestand, Fischteiche, Mühlen) und außerdem die zukünftigen Erwerbungen in seinen Schutz (Quelle: Lacomblet II, Nr. 216 a.a.O.).
Zwischen 1226-37 stand der Hof Hemmerden im Besitz des Neusser Bürgers Theoderich Lange (Quelle: Lacomblet II, Nr. 139 a.a.O.) und kam durch Schenkung oder Kauf um 1237 in den Besitz des Klosters Eppinghoven.
Das Kloster Eppinghoven erwarb 1237 den Roisdorfer Hof (ältester Hof auf Neusser Stadtgebiet) aus dem Besitz des verschuldeten Edelherrn Konrad von Dyk (Quelle: Lacomblet II, Nr. 222 a.a.O.).
Der Edelherr Florentinis von Wevelinghoven und Frau schenkten 1238 der Abtei Eppinghoven 3 Morgen Land zwischen Ruschen und Glehn und eine Erbrente aus ihrem Hof zu Röckrath (Lacomblet II, Nr. 235 a.a.O.).


1259 – 96
Die Urkunden dieser Zeit behandeln vorwiegend Angelegenheiten, die geschenkte bzw. erworbene Güter betrafen. Das Kloster wurde zum größten Grundherrn im Gebiet von Holzheim, Grefrath und Umgebung.
Die Geschwister von Alfter überwiesen der Abtei Eppinghoven 1259 mehrere Bürger der Stadt Neuss als künftige Wachzinspflichtige (Quelle: Lacomblet II, Nr. 483 a.a.O.).
Der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1238–1261) bestätigte 1261 das bereits von seinem Vater Lothar dem Kloster gewährte Privileg, dass alle Güter, die das Kloster in der Grafschaft Hostaden (Hochstaden) erwerben sollte, aus der Kölner Lehensabhängigkeit ausscheiden durften.
Das Kloster tauschte 1262 seine Besitzungen zu Priesterrath (Jüchen) mit anderen Besitzungen zu Schlich (Ortsteil Langerwehe bei Düren), die ein Konrad von Scamne als Lehen vom Edelhern Dietrich von Millendonk besaß (Quelle: Lacomblet II, Nr. 518 a.a.O.).
Die Herren von Randerath erließen 1262 den der Abtei geschenkten Gütern zu Herdt die Zinspflicht (Quelle: Lacomblet II, Nr. 524 a.a.O.).
Der Kauf des Roisdorfer Hofes wurde 1263 von Ludolf, Sohn des Konrad von Dyk, bestätigt. In einem Besitzstreit zwischen Kloster und Stift Gerresheim forderten 1269 die geistlichen Schlichter (Kölner Domdekan Ricolf und Domkanoniker Suevus) die Äbtissin von Eppinghoven auf, das Urteil dem Kamper Vaterabt zur Kenntnis zu geben.
Der Edelherr Ludolf von Dyck verzichtete mit seinen Kindern zu seinem Seelenheil und das seiner Eltern auf die Lehnherrlichkeit über 27 Morgen Land im Bezirk von Eppinghoven und Rutforst (1269), welche Wilhelm von Berg (Berghausen) und Thomas vom Emminchoven besaßen, zugunsten der Abtei, außerdem über 25 Morgen Land zu Hemmerden (1270), welche Wilhelm von Berghausen der Abtei verkaufte. Gerhard von Dyck entließ 1296 eine der Abtei verkaufte Hofstätte mit Ackerland zu Henichoven (unbekannter Ort) aus dem Lehensverband für ein Jahrgedächtnis für sich und seine Eltern (Quelle: Lacomblet II, Nrn. 590, 602 und 961 a.a.O.).

1280
Das Kloster erlebte einen raschen Aufschwung. Die Konventsstärke lag nach der Kamper Chronik bei 24 Nonnen.

 

1315 –49

Wirtschaftliche Rückschläge durch Misserntern und Hungersnöte traten in den Jahren 1315 -17 auf und zwangen das Kloster zu Überschuldungen und zu größeren Landverkäufen. Die Äbtissin Eufemia verkaufte z.B. ihren Hof Neukirchen (in Kaarst) an die Pfarre Kaarst und Klosterbesitzungen in Kaarst, Krefeld, Anrath, Osterrath und Willich an den Kamper Vaterabt. Die Probleme schienen 1342 überwunden, da nach 1342 wieder Renten und Grundbesitz (z.B. Gut Berge im Kirchspiel Holzheim) vorwiegend mit Geldmitteln erworben wurden, die von Konventualinnen zur Verfügung gestellt wurden.
Die Auswirkungen der Pestepidemie 1349 auf das Kloster sind nicht näher bekannt.

 

1384
Es gab offenbar einen langen Rechtstreit zwischen dem Stift Gerresheim und dem Kloster Eppinghoven um Zahlungen aus dem zum Stift Gerresheim gehörenden Haupthof Obereppinghoven in der Pfarre Holzheim, dem 10 Höfe unterstanden. Die Äbtissin Aleyt Walraven und der Konvent zu Eppinghoven schlossen 1384 mit der Äbtissin Richarden von der Sleyden und dem Kapitel zu Gerresheim einen Vergleich, durch den sich das Stift verpflichtete, dem Kloster Eppinghoven eine Jahresrente aus dem Stiftshof zu Obereppinghoven zu zahlen (Quelle: NRW-LA, Gerresheim Nr.135).


1450
Die im 14. - 15. Jahrhundert einsetzenden Reform- und Observanzbestrebungen waren Teil einer breiten und allgemein geforderten Kloster- und Kirchenreform nach dem Konzilen von Konstanz (1414-18) und Basel (1431–49). Das klösterliche Leben wurde nach außen vielfach als Verweltlichung bzw. Niedergang der Klosterzucht wahrgenommen. Reformziele waren vor allem die strenge Beachtung der Ordensregeln (Observanz) und die Abschließung der Klöster von der Außenwelt. Die zahlreichen Reformbemühungen wurden von den geistlichen und weltlichen Landesherren unterstützt bzw. initiiert, die gleichzeitig aber versuchten, innerhalb ihrer Territorien die Jurisdiktion auch auf exemte Klöster bzw. den Einfluss auf kirchliche Belange auszudehnen. Insbesondere war die Vergrößerung des steuerfreien Grundbesitzes geistlicher Institutionen ein wesentlicher Kritikpunkt.

1465
Das Kloster wurde am 19.April 1465 unter der Äbtissin Margaretha von Averdonk durch den Kamper Abt Heinrich von Ray (1452-83) reformiert. Vermutlich wurde die Reform bereits vom Kölner Erzbischof Dietrich von Moers (1414–63) initiiert.
Aus den getroffenen Maßnahmen läßt sich erkennen, dass das observante Klosterleben im benediktinischen Geist im Laufe der Zeit nachgelassen hatte und vermutlich die Forderung nach Rückkehr zur strengen Observanz auf die Abneigung mancher Nonnen stieß, weil sie den Verlust ihrer Privilegien befürchteten, die aber letztlich das rechtmäßige Ergebnis jahrelanger Anpassungsprozesse an gesellschaftliche Veränderungen waren. Von anderen traditionellen Klöstern ist bekannt, dass es meist um Kontakte zur Außenwelt, Besuchsreisen, Privatbesitz, Beteiligung der Nonnen an den Ertragsüberschüssen des Klosters, aber auch um modische Kleider und Schmuck, um die gemeinsamen Mahlzeiten und die Benutzung gemeinsamer Schlafräume ging. Selten wurde den Nonnen die Vernachlässigung der Gottesdienstordnung oder sozialer Belange der Armen- und Krankenfürsorge vorgeworfen.
Das Reformziel konnte in Eppinghoven nur dadurch erreicht werden, dass eine neue Äbtissin und reformwillige Nonnen aus dem benachbarten Kloster Gnadenthal in den Konvent von Eppinghoven eingegliedert wurden. Die innere Neuordnung war ferner mit einer wirtschaftlichen Sanierung des Klosters verbunden, die nur mit fremder Hilfe möglich war. Die Wiederherstellung verfallener Klostergebäude wurde vor allem durch Spendengelder der Bevölkerung und durch eine Spende des Abtes von 30 Goldflorentiner ermöglicht (Quelle: Chronik der Abtei Camp, AHVN 20, 1869, S.327-28). Eppinghoven konnte zwar 1476 reformwillige Nonnen nach Saarn zur Unterstützung der dortigen Reform abgeben, dennoch hatte die Erneuerung keine dauerhafte Wirkung.


1473
Der Kamper Abt Heinrich von Ray legte 1473 Anteile einer Ordenssteuer (sie betrug insgesamt 6000 Dukaten „zur Verteidigung der Rechte und Privilegien der Römischen Curie“) auf die ihm unterstehenden Klöster um. Die Steuer betrug je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der 14 Kamper Frauenklöster zwischen 1 und 4 rheinische Golddukaten. Eppinghoven hatte nur 1 Dukaten zu zahlen (Quelle: Binterim u. Mooren, Nr. 436 a.a.O.).


1474 – 77

Das Kloster erlitt im Burgundischen Krieg (1474–77) nach der Mitteilung des Camper Chronisten große Nachteile. Dennoch nahm das Kloster Eppinghoven 1474 während der 10 -monatigen Belagerung der Stadt Neuß durch burgundische Truppen die Nonnen des geplünderten und verwüsteten Zisterzienserinnenklosters Gnadental auf. Die Zerstörung des Klosters Eppinghoven wurde durch die persönliche Fürsprache des Abtes von Kamp beim Herzog Karl der Kühne zwar verhindert, aber die wirtschaftliche Lage des Klosters war durch Brandschatzung und Verwüstung der Höfe, Felder und Wälder so schlecht, dass die Nonnen die herrschende Notzeit nur überlebten, weil sie von der Bevölkerung unterstützt wurden. Der Kamper Abt unterstützte das Kloster mit einer Kollekte, die er in anderen Klöstern des Ordens sammeln ließ. Die Auswirkungen dieser Schäden waren nach 10 Jahren noch nicht überwunden.

 

1485

Eine Visitation anlässlich einer Äbtissinnenwahl zeigte, dass 22 Konventualinnen, 7 Novizinnen und 9 Konversen im Kloster lebten. Die wirtschaftliche Lage blieb durch Schulden, Ausfälle von Pachteinnahmen und geringe Vorratsbestände an Korn und Vieh angespannt. Diese Lage hielt bis ca. 1550 an, denn das Kloster musste wiederholt Fremdkapital aufnehmen und Länderein verkaufen.

1559

Das Kloster war aufgrund einer verbesserten wirtschaftlichen Situation in der Lage, selbst Geld zu verleihen.

 

1567

Über reformatorische Bestrebungen im Kloster liegen Nachrichten nicht vor. Dennoch verlässt die Nonne Elisabeth von Hanxelar den Konvent. Die Gründe sind nicht bekannt.

 

1569

Das Konzil von Trient (1545-63) hatte in seinem Bestreben, durch einen inneren Reformprozess die Ausbreitung des Protestantismus einzudämmen, auch Maßnahmen zur Erneuerung des klösterlichen Lebens beschlossen.

Im Erzstift Köln begann 1569 eine Visitationskampagne auf Drängen des Papstes unter dem Kölner Fürstbischof Salentin von Isenburg (1567-77). Die Visitationskommission aus dem Kölner Weihbischof, kirchlichen Räten und Mitgliedern des Domkapitels besuchte im Erzstift Köln die drei Zisterzienserinnenklöster Benden (17.6.1569), Eppinghoven (23.7.1569) und Burbach (9.8.1569).
Der Zustand des Klosters Eppinghoven entsprach nicht dem Ordensideal, da sich die Nonnen der Mode und dem Zeitgeschmack angepaßt hatten und die Residenzpflicht nicht beachteten.
    Ergebnis der Visitation am 23.7.1569 (Quelle: Franzen a.a.O.):

Wichtige Punkte waren die religiöse Erneuerung des monastischen Lebens nach den Ordensregeln, Gehorsam, Verzicht auf Privateigentum und Einhaltung der traditionellen Gottesdienstordnung. Nach dem Bericht der Kommission lebten 9 Konventualinnen im Kloster Eppinghoven, jedoch waren nur 6 Nonnen bei der Visitation anwesend. Es wurde beanstandet, dass die Kleidung nicht von klösterlicher Schlichtheit war und unpassender Schmuck getragen wurde. Insgesamt wurde der Zustand des Konvents unter Beachtung der Zeitverhältnisse „als soeben erträglich" beurteilt. Die Äbtissin wurde angehalten, insbesondere den jüngeren der beiden Klosterpatres zum Predigen zu drängen, damit er mehr studiere und keinen Müßiggang habe. Der Fall der Nonne

v. Hammerstein, der ein Verhältnis mit einem früheren Beichtvater nachgesagt wurde, beschäftigte die Kommission und den Vaterabt, ohne dass überliefert ist, ob die Nonne in Eppinghoven bleiben durfte oder in das Kloster Burbach versetzt wurde.

 

1574

Der Generalabt von Citeaux, Nikolaus Boucherat (1571-85) visitierte zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich.  Es gehörte zu den Aufgaben des Abtes, alle Klöster wieder im Sinne des Konzils zu einer strengen Observanz zu verpflichten, Privateigentum der Nonnen abzuschaffen und alle der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher aus den Klöstern zu entfernen. Er besuchte am 27.6.1574 das Kloster Eppinghoven, in dem 11 Nonnen einschl. Äbtissin lebten, hatte aber an den bestehenden Verhältnissen nichts auszusetzen, denn er bezeichnete in seinem Bericht die Klosterinsassen als sehr religiös unter einer klugen und frommen Äbtissin (Quelle: Postina S. 225 und 260 a.a.O.).


1583 – 86

Kloster Eppinghoven geriet unter den Folgen des Truchsessischen Krieges in eine anhaltende wirtschaftliche Notlage. Urkunden bezeugen bis etwa 1635, dass Darlehen aufgenommen und Renten verkauft werden mussten, um die Kriegslasten und Schäden zu überwinden.
Der Truchsessische Krieg begann mit dem Glaubenswechsel des Kölner Erzbischofes und Kurfürsten Gebhard Truchseß von Waldburg, der versuchte, die Reformation im Erzstift Köln durchzusetzen. Der Krieg zwischen den Anhängern Gebhards und den mit ihm verbündeten kurpfälzischen Truppen gegen bayrische und spanische Truppen auf der Seite des neuen Fürstbischofs Ernst von Bayern spielte sich zwischen 1583 – 86 vor allem im Raume der Stadt Neuss ab und damit in unmittelbarer Nähe des Klosters. Kaiserliche Truppen unter Ernst von Bayern bzw. spanische Truppen unter dem Herzog Alexander Farnese operierten vom benachbarten Frauenkloster Gnadenthal aus und eroberten die Stützpunkte Gebhards (Stadt Neuss bzw. Burg Hülchrath) zurück.

1612
Nachrichten sind nicht erhalten, ob im Zuge der Gegenreformation unter dem Kölner Erzbischof und Kurfürsten Ferdinand von Bayern (1612-50) Reformen in Eppinghoven stattfanden und der Konvent zur strengen Einhaltung der Klausur verpflichtet wurde.
Legt man in Eppinghoven die in den meisten Frauenklöstern zu beobachtenden Entwicklungen zugrunde, so waren die strengen Klausurgebote vermutlich aufgelockert, die Lebensweise und Bekleidung der Nonnen dem Zeitgeschmack angepaßt und in den letzten 40 Jahren unverändert geblieben (vgl. Beanstandungen im Jahre 1569). Es dürfte kaum ein ausgeprägtes Gemeinschaftsleben mit gemeinsamen Mahlzeiten, regelmäßigen Gebetszeiten und Gottesdiensten gepflegt worden sein, sondern eher ein stiftisches Leben.

1623 – 32
Es herrschte ein Dauerstreit zwischen Kloster und Gemeinde Holzheim über das Laubsammeln im Eppinghover Busch.

Für die nächsten 40 Jahre liegen Nachrichten über die Wirtschaftslage des Klosters nicht vor.

 

1642 - 50

Das Kloster lag in dieser Zeit im Kampfgebiet des 30-jährigen Krieges. 1642 bestand bei Holzheim ein hessisches Kriegslager, und die Bewohner von Holzheim und Umgebung wurden im sog. Hessenkrieg direkt in Mitleidenschaft gezogen. In diesem Jahr wurde die Klause neben der Kirche in Holzheim verwüstet. Die Stadt Neuss wurde von Hessen als Kriegspfand bis zum Westfälischen Frieden besetzt gehalten.

1678 - 1709
Das Kloster erreichte unter der Äbtissin Elisabeth von Landsberg (1678 –1709) trotz unruhiger Zeiten eine neue wirtschaftliche Blütezeit. Die Ausgaben für den Neuerwerb verschiedener Höfe (z.B. Hof Rüblinghoven, Proffengut in Hoisten) sowie für den Ankauf von zusätzlichen Ländereien, Wald und Weideland waren beträchtlich. Die Äbtissin brachte die nötigen Geldmittel auf, für die das Haus Dyck mehrere große Klosterhöfe von Erblasten, Dienstleistungen bzw. sonstigen Abgaben befreite. Nach einem in der Zeit um 1700 angelegten Lagerbuch  besaß das Kloster ca. 1800 Morgen Ackerland. Das Kloster wurde seit dem 17.Jahrhundert als adlig, freiadlig und sogar hochadlig bezeichnet.

Ein Neubau des Abteigebäudes aus Backstein wurde 1695 begonnen;  über dem Portal des Hauptgebäudes ist das Landsberger Familienwappen angebracht.
1704 erwarb die Äbtissin Ländereien und Torfgewinnungsrechte von der südlich von Neuss gelegenen Gemeinde Rosellen, die durch den Verkauf ihre Kriegslasten vermindern wollte. Hierbei bezahlte die Äbtissin die Kaufsumme jedoch zum Teil mit Geldmitteln, die sie sich von ihrer Schwester lieh und die das Kloster erst 4 Jahre nach dem Tod der Äbtissin zurückzahlte.
Um 1700 wurde ein neuer barocker Altar in der Klosterkirche errichtet (heutiger Standort: Kirche St.Jacobus in Lüttelforst; Wappen der Äbtissin des Eppinghovener Klosters auf dem oberen Abschluss des Tabernakels). Der alte Hauptaltar wurde an die Pfarrkirche in Glehn verkauft; er war vermutlich mit den Passionstafeln (Seitenteile eines Flügelaltars) aus der Kölner Malerschule des 16. Jahrhunderts ausgestattet, die mit der Sels`schen Stiftung in das Clems-Sels-Museum in Neuss gelangten.  

1710

Es wurde eine neue Umfassungsmauer mit einem barocken Torhaus errichtet, das im Bogenfeld das Wappen der Äbtissin Anna Margaretha von Randerath und darunter die Inschrift „Anna Margaretha a Randerath Abbatissa in Eppinchoven ponifecit” trägt. Die Klostermühle wurde im 18.Jh. errichtet.

 

1701 - 15

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–15) wurde die Stadt Neuss nacheinander von Franzosen, Preußen, Holländern, Engländern und Reichstruppen besetzt. 

 

1757 - 64

Der 7-jährigen Krieg (1757-64) dürfte zumindest indirekte Auswirkungen auf die Sicherheit und Wirtschaftslage des Klosters gehabt haben. Die französische Armee wurde nach Besetzung der linksrheinischen Gebiete Preußens (Geldern, Moers und Kleve) sowie nachfolgend der Territorien Westfalens und des Kurfürstentums Hannover wieder über den Rhein zurückgedrängt und bei Krefeld 1758 geschlagen. Im wechselnden Kriegsverlauf wurden die Verbündeten beim Kloster Kamp (1760) geschlagen. Da aufgrund des Zustands der Armeen und der Kriegstaktik Winterquartiere erforderlich waren, wurde z.B. die Stadt Neuss und ihr Umland von Franzosen, später von Hannoveranern besetzt gehalten. Die Bevölkerung mußte Kriegssteuern zahlen.

Bild 9:
Wappenstein der Äbtissin von Gaugreben

1768

Unter der Äbtissin von Gaugreben wurden die im Innenhof gelegenen Wirtschaftsgebäude erneuert. Über einem Torbogen ist noch der Wappenstein dieser Äbtissin erhalten (Bild 9). Die beiden Steinlöwen neben dem Wappen sollen aus dem 14.-15.Jh. stammen.

 

1794

Die Nonnen flüchteten vor den französischen Revolutionstruppen auf die rechte Rheinseite in das Düsseldorfer Kapuzinerkloster, das schon 1795 von den Franzosen nach einem Rheinübergang geplündert wurde. Das Kloster Eppinghoven diente in dieser Zeit für etwa ein Jahr lang als Lazarett.

 

1795 - 99

Die Besetzung des linken Rheingebietes durch französische Revolutionstruppen sowie die Abtretung dieses Gebiets an Frankreich hatten eine Organisation des öffentlichen Lebens nach französischem Muster, die Beseitigung der kirchlichen Selbstverwaltung und Rechtsprechung sowie die Enteignung des geistlichen Besitzes durch den Staat zur Folge. Da das Kloster ab 1795 Kontributionen zahlen mußte, konnte es nur durch Geldanleihen überleben. Die Grundsteuer wurde z.B. in 1799 so bemessen, dass sie etwa die Hälfte der Einkünfte normaler Jahre betrug. Auf diese Weise wurde die Lebensgrundlage des Klosters nachhaltig eingeschränkt.


Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016