Duissern

Visitation / Geistliche Betreuung

Nach der Organisation der Zisterzienser (Charta caritatis) oblag die geistliche Betreuung eines Frauenklosters dem Abt eines nahegelegenen Mönchsklosters. Zu den Aufgaben des Vaterabts gehörten nach den Beschlüssen des Generalkapitels z.B. die jährliche Visitation, die Leitung der Äbtissinnenwahl, die Bestellung der Beichtväter und die Kontrolle der Wirtschaftsführung.

 

Das Kloster führt im Kamper Stammbaum

unter St. I die Bezeichnung:  Via Celi in ducatu cliuensi

unter St. II die Bezeichnung: Via Coeli in Dusseren Dusburgii 

 

Das Visitationsrecht stand dem Abt des Klosters Kamp zu; Kamper Mönche sind als Beichtväter bzw. Prioren bis in die 2.Hälfte des 18.Jhs. hinein überliefert. Das Inkorporationsverfahren war vermutlich 1240/41 abgeschlossen; der Erstbeleg für die geistliche Betreuung durch den Vaterabt des Klosters Kamp stammt aus dem Jahr 1249 (UB Nr. 49).
Ob eine Reform des Klosters Duissern in der 2.Hälfte des 15.Jhs. im Rahmen der damaligen Reformwelle nach dem abendländischen Schisma nicht erforderlich war, läßt sich wegen fehlender Quellen nicht mehr klären. Die Nachrichten über andere Klöster zeigen aber, dass praktisch in allen rheinischen Klöstern ein Reformbedarf bestand.

Nach dem Konzil von Trient (1542–63) galten Visitationen als geeignetes Mittel, die Durchführung der Konzilsbeschlüsse zu überwachen (z.B. Visitationskampagne im Erzstift Köln unter dem Erzbischof Salentin von Isenburg (1569) bzw. Visitationsreise des Generalabtes von Citeaux, Nicolaus Boucherat (1574). Der Generalabt visitierte die Zisterzienserklöster in der Diözese Köln und besuchte auch das Kloster Duissern am 13.7.1574, das nach seinem Bericht ein ärmliches Kloster war (Quelle: Postina S. 262 f a.a.O.).

Durch die französische Besetzung des linksrheinischen Gebietes konnte der Kamper Abt sein Visitationsrecht nicht mehr ausüben; er schrieb 1792, dass ihm die Klostereinkünfte nicht bekannt wären, er über das geistliche Leben der Nonnen nicht informiert wäre und dass Duissern einen Kamper Geistlichen schon lange nicht mehr gehabt hätte (Quelle: von Roden a.a.O., § 7, S. 97 a.a.O.).

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016