Duissern

Gründungszeit

Teilweise wird im Schrifttum ein Duisburger Bürger Alexander Tack (Tacke) aus einer ansässigen Patrizierfamilie als Gründer des Klosters Duissern angesehen, jedoch ist diese Angabe nicht gesichert. Vielmehr schenkte der Bürger Alexander Casselmann aus einer Duisburger Schöffenfamilie dem neuen Kloster seinen Besitz in Duissern mit Wohnhaus nebst Stallungen und Viehbestand als Grundausstattung. Er behielt dort Wohn- und Nutzungsrechte. Den Stifternamen erfährt man aus einem Erbstreit 1261-62 zwischen den Erben des Stifters und dem Kloster; hier wird nur Theodor Casselmann als Sohn des Alexanders bezeichnet (Quelle: von Roden § 7 a.a.O.). Dieser Alexander dürfte im übrigen identisch sein mit jenem Alexander, der 1237 dem Saarner Konvent ein Haus in Duisburg schenkte.
Nach der Camper Chronik kamen die ersten Nonnen mit ihrer Äbtissin aus dem Mutterkloster in Saarn. Das rasche Anwachsen der Zahl der Nonnen in Duissern bis 1240 führte zur Gründung des Klosters Sterkrade. Vermutlich war die Überbelegung des Klosters Duissern auch der Anlaß, dass der Burggraf von Kaiserswerth im Jahre 1243 dem Kloster wegen der Unbequemlichkeiten, die es teils durch seine unwirtliche Lage, teils auch durch Wassermangel ertragen mußte, erlaubte, auf einem anderen Platz des Duisburger Reichsgebietes in Nähe der Ruhr (Marienquelle genannt) zu siedeln; gleichzeitig wies er dort dem Kloster eine dem Reichshof gehörende Hofstätte (mansus) zur Bewirtschaftung zu (Quelle: Lacomblet, II Nr. 277 a.a.O.). Dieser neue Siedlungsplatz scheint aber ungeeignet gewesen zu sein, da keine weiteren Nachrichten über eine Um- bzw. Rücksiedlung der Nonnen erhalten sind.
Dreigiebelhaus
Bild 3: Dreigiebelhaus

Unter den Stauferkaisern (1138 -1250) erreichte das zusammenhängende Reichsgebiet zwischen Ruhr, Rhein und Düssel mit den Königshöfen Duisburg, (Düsseldorf-) Rath, Mettmann und Kaiserswerth dadurch größere Bedeutung, dass Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) die Pfalzanlage in Kaiserswerth ausbauen ließ und eine Zollstelle am Rhein einrichtete. Das gesamte Gebiet gelangte in der Zeit des Interregnums (Periode zwischen der Absetzung des Kaisers Friedrich II. durch Papst Innozenz IV. im Jahre 1245 und der Wahl Rudolf von Habsburg im Jahre 1273) bereits 1248 ohne große Gegenwehr der staufischen Partei unter die Kontrolle des Gegenkönigs Wilhelm von Holland (1247 - 56).

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Wilhelm von Holland sich im Rheinland nur durch Bestätigung der Privilegien großer Städte (z.B. Köln und Aachen, die ihren Widerstand gegen Wilhelm aufgaben), durch Bestätigung der Privilegien verschiedener Klöster, durch Gewährung von Zollfreiheiten für die Bürger Kölns oder für geistliche Institutionen sowie Verpfändung von Reichsbesitz an verbündete Anhänger bzw. Verwandte für militärische Hilfeleistungen (Verpfändung von Nijmegen an den Grafen von Geldern oder der Reichsstadt Dortmund an den Kölner Erzbischof) behaupten konnte (Quelle: Lacomblet, II, Nrn. 317, 335, 338, 374, 386, 411 a.a.O.).
Der König betrachtete sich z.B. als Schutzherr der Stadt Duisburg sowie des Klosters Duissern. Er bestätigte 1248 den Bürgern dieser Stadt ihre städtischen Rechte und Freiheiten sowie dem Kloster Duissern seine bisherigen Besitzungen. Er übertrug die Königshöfe Rath und Mettmann 1248 dem Grafen Adolph von Berg und die Stadt Duisburg dem Herzog Walram V. von Limburg (1246-1279) als Pfandlehen (Quelle: Lacomblet II Nr. 329 a.a.O.;  RI V,1,2 n. 4914 in: Regesta Imperii Online). Kaiserswerth konnte erst nach Belagerung eingenommen werden; der Burggraf behielt zunächst sein Amt, später wurde Kaiserswerth zum ständigen Pfandobjekt.


Quellen:
(1) Scholten: Die ehemaligen Cistercienserinnenklöster im Herzogtum

      Kleve, AHVNrh Bd.  86, S. 63f
(2) Günter von Roden: Die Zisterzienserinnenklöster Saarn, Duissern,

      Sterkrade in  Germania sacra, NF 18 - Das Erzbistum Köln 4,

      Berlin-N.Y.  1984, S. 93f.
(3)  M. Dicks, Die Abtei Camp am Niederrhein, Geschichte des ersten

      Zisterzienserklosters in Deutschland, 1913 Kevelaer, S. 119
(4) Günter von Roden: § 6, S. 92- 93 a.a.O.
(5) Günter von Roden: Geschichte der Stadt Duisburg Band I. Das alte

      Duisburg von den Anfängen bis 1905, 3.Auflg. Walter Braun Verlag,

      1975, S. 35f

(6) Michael Buhlmann: Internet-Beitrag: „Die Belagerung Kaiserswerths
      durch König Wilhelm von Holland“
(7) Theod. Jos.Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des
      Niederrheins, zweiter Band (1201-1300), 1846
(8) Regesta Imperii; Regestendatenbank der Akademie der
      Wissenschaften und Literatur,  Mainz




Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016