Duissern

Zeit bis zur Aufhebung

1234

Der Kölner Erzbischof Heinrich von Müllenarck erlaubte dem Duisburger Bürger Alexander (zur Person des Stifters Alexander Casselmann vgl. Gründungszeit), auf seinem Allodialbesitz Dusseren (Duissern) bei Duisburg eine Kirche (Kloster) für 13 Klosterfrauen zu errichten, die hier nach den Regeln der Zisterzienser leben sollten. Er stellte das Kloster unter seinen Schutz und den Schutz der Kirche Kölns (Quelle: Lacomblet Nr. 195 a.a.O.).

Nach der Camper Chronik kamen die ersten Nonnen mit ihrer Äbtissin aus dem Mutterkloster in Saarn.


1235

Kaiser Friedrich II. sicherte dem Kloster mit seinem vorhandenen und künftigen Besitz den Schutz des Reichs zu (UB Nr.2).


1236

Aleander Casselmann schenkte dem Konvent 1236 auch seine unmittelbar an das Kloster angrenzende Hofstätte nebst Viehbestand und traf mit dem Konvent eine Vereinbarung über die weitere Nutzung bzw. Entschädigung (Quote) für seine Familie (Quellen: Scholten, S. 63 a.a.O. mit Bezug auf die Nachrichten der Äbtissin Elisabeth v. Schwartzen; von Roden, § 8, S. 93 a.a.O.).

1237 - 48
Das Kloster wuchs personell so rasch, dass der Kölner Erzbischof bereits

3 Jahre nach der Gründung die zulässige Zahl der Nonnen von 13 auf 25 erhöhte. Das Anwachsen führte dazu, dass die erste Äbtissin des Klosters Duissern, Reginvidis von Hillen, das Kloster personell und wirtschaftlich entlastete und mit 12 Nonnen ein Filialkloster auf ihrem Allodialgut Defth (Grafenmühle bei Kirchhellen) gründete, aus dem das Kloster Sterkrade (1248) hervorging (vgl. Geschichte des Klosters Sterkrade).
Der im Jahre 1243 unternommene Versuch, den Standort des Klosters Duissern auf einen besser geeigneten Platz zu verlegen, diente vermutlich dem gleichen Zweck, brachte aber nicht den erwünschten Erfolg (vgl. Gründungszeit).

Das Kloster Duissern dürfte etwa 1240/41 in den Orden inkorporiert und der Aufsicht des Klosters Kamp unterstellt worden sein (Quelle: von Roden, §§ 7 und 8, S. 93f a.a.O.).
Der Erstbeleg für die geistliche Betreuung durch den Vaterabt des Klosters Kamp (auch ein Indiz für die Ordenszugehörigkeit des Klosters) stammt aus dem Jahr 1249 (UB Nr. 49). Das Kloster wurde meist nach dem Gründungsort Dusseren genannt, führte erstmals im Siegel auch den Namen „VIA CELI“ (Himmelsweg).


1248
In der Zeit des Interregnums konnte sich der Gegenkönig Wilhelm von Holland im Kampf gegen die Staufer durch Vergabe von königlichen Regalien oder Verpfändung von Reichsgut behaupten und Anerkennung gewinnen. Er bestätigte nicht nur den Bürgern der Stadt Duisburg 1248 ihre Privilegien, Selbstverwaltung und eigene Gerichtsbarkeit trotz Verpfändung der Stadt von 1248 bis 1279 an den Herzog Walram von Limburg (Quelle: Lacomblet Nr. 330, 331 a.a.O.), sondern stellte auch das Kloster Düssern unter seinen Schutz und verlangte vom Herzog Walram, das Kloster ebenfalls gegen Unterdrückung zu beschützen (Quelle. RI V,1,2 n. 4940, in: Regesta Imperii online).
Ferner forderte der König 1248 den Duisburger Schultheißen auf, das Kloster Duissern vor Beeinträchtigungen in der Nutzung verschiedene Landschenkungen zu beschützen (z.B. die Schenkung eines Duisburger Bürgers Adam oder die Schenkungen eines Bürgers Heinrich und seiner Frau).
Er bestätigte dem Kloster 1248 den Besitz der Hofstätte an der Ruhr, die Burggraf Gernand I. von Kaiserswerth dem Kloster übertragen hatte, ermäßigte hierfür die fällige Abgabe an den Reichshof Duisburg und erlaubte außerdem die Ausdehnung des Klosterbaus bis zum nächsten Berg (Quelle: Lacomblet, Nr. 326, 327 a.a.O.).
Erzbischof Konrad von Hochstaden bestätigte 1249 dem Kloster den Besitz der Klosterstätte und der übrigen Güter (Quelle: Lacomblet, Nr. 350 a.a.O.).

 

1258
Herzog Walram von Limburg (1247-80) erklärte 1258, von den Besitzungen des Klosters Duissern, welche in der Abhängigkeit des an Walram 1248 verpfändeten Reichshofes Duisburg standen, nur die üblichen Zinsen verlangen zu wollen (Quelle: Lacomblet II, Nr. 458).


1259

Nach den Ordensstatuten mußte sich das Generalkapitel mit einer Beschwerde des Kamper Abtes gegen die Äbtissin eines Klosters „de fonte “ befassen, ohne dass die Hintergründe näher bekannt sind. Es handelte sich um Duissern, das unter der Aufsicht des Klosters Kamp stand, und nicht um das Kloster Burbach mit gleichem Namen (fons beatae mariae). Offenbar wurde der Streit geschlichtet, da der Kamper Abt in den nächsten Jahren mehreren Rechtsgeschäften des Klosters in seiner Eigenschaft als Vaterabt zustimmte (Quelle: von Roden a.a.O., § 8).

 

1262  - 75

Die Erben des Stifters Alexander Kasselmann gerieten mit dem Kloster in Streit, der 1262 beigelegt wurde.
Äbtissin und Vaterabt gewährten 1264 allen Wohltätern des Klosters Duissern das Recht, innerhalb der Klosterimmunität begraben zu werden (UB Nr. 66).
Der Konvent und ein Heinrich von Holtrop verglichen sich 1265 vor Richtern und Schöffen der Stadt Duisburg über Nutzungsrechte an einem Klostergut auf Vermittlung des Abtes und des Priors von Kamp.
Der Duisburger Bürger Rutger von Bensheim schenkte dem Kloster 20 Morgen Ackerland, der Ertrag von 20 Malter Gerste war für den Unterhalt eines Weltgeistlichen im Kloster bestimmt. Äbtissin und Konvent verkauften jedoch das Ackerland und legten den Erlös im Gut Monning an (Hof an der Stadtgrenze zwischen Duisburg und Mülheim) mit der Maßgabe, dass dieser Hof künftig die jährliche Kornrente zu liefern hatte. Der Hof Monning kam 1286 ganz in den Besitz des Klosters (Schubert, Nrn. 60, 67 a.a.O.).


1280

Nach der Kamper Chronik lebten 28 Nonnen im Konvent.
In der Anfangszeit war das Kloster vornehmlich den ledigen Mitgliedern aus den Adelsfamilien in der engeren Umgebung der Stadt Duisburg vorbehalten; seit dem 14. - 15 Jh. stammten die Konventualinnen auch aus dem städtischen Patriziat, aus Familien des niederrheinischen und bergischen Adels bzw. der Niederlande.

 

1290

Die Reichsstadt Duisburg kommt durch Verpfändung an die Grafen von Kleve. Da das Pfand nie ausgelöst wurde, war Duisburg seitdem eine klevische Landstadt.

1300
Das Kloster erhielt von den Duiburger Brauern auf königliche Anordnung die freie Lieferung der zum Bierbrauen erforderlichen Grut. Außerdem erhielten die Nonnen von der Stadt an den vier Hochfesten des Jahres je ¼ l Wein aufgrund einer Stiftung des Grafen von Berg.
Verbesserungen der Klostereinnahmen traten durch Schenkungen, Anniversarien, Renten und Landerwerb bis etwa 1400 ein, dennoch zählte das Kloster nie zu den wohlhabenden Klöstern. Der Grundbesitz des Klosters umfaßte vor allem Höfe (z.B. den Monninger Hof), Ländereien und eine Mühle im Duisburger Stadtgebiet sowie Höfe auf der linken Rheinseite in Gebieten der Städte Moers, Erkelenz, Jüchen, Grevenbroich und in der alten Grundherrschaft Dyk.
Es waren in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts „Vermögensverluste“ angeblich durch Misswirtschaft aufgetreten, denn 1353 beauftragte Papst Innozenz VI. den Dechanten des Stifts Xanten (Duisburg unterstand kirchlich dem Archidiakonat Xanten im Erzbistum Köln), das Kloster wieder in den Besitz der entwendeten Güter zu versetzen. Einzelheiten lassen sich nicht mehr erschließen. (Vermutlich besteht aber ein Zusammenhang zu der damaligen Wirtschaftsentwicklung und der Vergabe von Klosterbesitz in Erbpacht; vgl. auch Entwicklung der Klöster Sterkrade und Fürstenberg).

Einige Beispiele aus der Zeit um 1400 bis 1456 lassen erkennen, daß den Nonnen Privatbesitz (z.B. Einkünfte aus Erbanteilen oder Erwerb von Renten) durchaus erlaubt war (Quelle: von Roden, § 20, S. 111 a.a.O.).
Beim Eintritt der Schwestern Grete, Nese und Trijne Roffart in die Klöster Dalheim und Duissern wurden ihnen 1456 aufgrund einer Erbteilung die Einkünfte aus dem Gut Overnortnich bei Wanlo im Land Wickrath (Stadtteil von Mönchengladbach) zum eigenen Gebrauch zugewiesen (Quelle: Regesten 1450-56 Loe Giesen, dort: K.A.V. Kempen: Familienarchief Schaesberg, Tannheim, Urkunden 979).


1400

Das ausgehende Mittelalter war eine Zeit großer kirchlicher Wirren infolge des abendländischen Schismas. Die gesellschaftlichen Veränderungen (z.B. die Verarmung des niederen Adels und des Bauernstandes, die wachsende Bedeutung der Geldwirtschaft, des Handels und des städtischen Bürgertums) sowie die Sorge um einen standesgemäßen Lebensunterhalt trugen ferner dazu bei, dass in allen Klöstern der Kamper Klosterfamilie die Klausurbestimmungen im Laufe der Zeit nicht mehr in strenger Form beachtet wurden und die den Nonnen gewährten Erleichterungen ihrer Lebensweise nach außen vielfach als Verweltlichung bzw. Niedergang der Klosterzucht wahrgenommen wurden. Die Klosterreformen des 15.Jahrhunderts waren daher Teil einer breiten und allgemein geforderten Kirchenreform nach dem Ende des Schismas, das Reformziel war vor allem die Erneuerung des klösterlichen Lebens unter strenger Beachtung der Klausurregeln (Observanz).
Jedoch fehlen Nachrichten über die Entwicklung des Klosters Duissern und seine innere Verfassung, insbesondere ob Duissern einer Reform unterzogen wurde. Berücksichtigt man die Widerstände in anderen traditionellen Klöstern, so erscheint es unwahrscheinlich, dass die Nonnen des Klosters Duissern die Klausur in strenger Form beachteten und das Kloster keiner Reform bedurfte.


1543

Im Geldrischen Erbfolgekrieg (Auseinandersetzung um das Herzogtum Geldern zwischen dem Herzog der vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg und Kaiser Karl V. im Jahre 1543 ließ der Klever Herzog Wilhelm V. mit Billigung der Landstände die Kirchenschätze aller Kirchen, Klöster und Stifte zur Bezahlung der Kriegskosten beschlagnahmen. Nach dem erhaltenen Ablieferungsverzeichnis für das klevische Amt Dinslaken erklärten die Äbtissin (Christina von Weyerhorst 1541-55) und Konventualen, dass man dem Kloster bereits Zierrat und Kleinodien der Kirche weggenommen hätte und sie keine Wertgegenstände besäßen (Quelle: von Roden, S.114 a.a.O.; G.Aders, Düsseldorfer Jahrbuch 1951, Bd. 45, S.269-79).


1545 – 60

Auf Beschluss des Rates der Stadt Duisburg konnte die Reformation in Duisburg Fuß fassen. Mehrere Ordensniederlassungen in der Stadt (Katharinenkloster, Deutschorden, Johanniter) wurden aufgelöst. Die beiden Stadtkirchen Salvatorkirche und Marienkirche wurden protestantisch. Der Übergang vollzog sich über mehrere Jahre, in denen neben dem protestantischen Prediger der katholische Pfarrer noch im Amt blieb.
Seit 1571 gab es in den Stadtkirchen keinen katholischen Gottesdienst mehr. Der Deutsche Orden trat damals sein Patronatsrecht an der Salvatorkirche der Stadt Duisburg ab. Die Minoriten gaben 1580 ihr  Kloster auf, ohne jedoch auf ihre Eigentumsrechte an Kloster und Klosterkirche zu verzichten.
Das Kloster Duissern konnte dagegen seine Position als katholische Institution behaupten.


1569 - 74

Der Generalabt von Citeaux, Nikolaus Boucherat (1571 - 85) visitierte zwischen Juni – September 1574 ca. 50 Klöster in den Diözesen Köln und Lüttich. Es gehörte zu den Aufgaben des Abtes, alle Klöster wieder zu einer strengen Observanz im Sinne der Beschlüsse des Konzils von Trient (1545 – 63) zu verpflichten und alle der Häresie verdächtigen Personen oder Bücher aus den Klöstern zu entfernen. Er besuchte das Kloster Duissern am 13.7.1574, in dem 10 Nonnen einschl. Äbtissin (Agnes von Nunum gen. Dücker 1563 - 90) lebten. Der Visitationsbericht ließ erkennen, dass im Kloster Duissern die Ordensregeln nicht in ursprünglicher Strenge gehandhabt wurden. Das Kloster war aus der Sicht des Generalabts in einer noch schlechteren Verfassung als das bereits visitierte Kloster Sterkrade, d.h. dass in Duissern der fehlende Gehorsam der Nonnen gegenüber der Äbtissin ein wesentlicher Kritikpunkt gewesen zu sein dürfte.
(Quelle: Postina, S.225, 262 a.a.O.: Nr. 30 Duissern: „hoc monasterium peius se habebat quam praecedens“. In Nr. 29 heißt es über die Visitation des Klosters Sterkrade am 12.7.1574, dass dieses nicht reformiert war, zwar eine gute und religiöse Äbtissin hatte, der jedoch die Nonnen nicht gehorchen wollten.)
Der Bericht des Generalabts enthält keine Angaben über die in Duissern getroffenen Anordnungen. Nikolaus Boucherat suchte die Unterstützung des Herzogs von Kleve, den er in Begleitung seines Vikars (Abt Johannes Langenray des Klosters Kamp 1572-84) zwischen dem 15. und 19.Juli in Düsseldorf aufsuchte. Der Herzog billigte alle Anordnungen zur Reform der Klöster auf seinem Territorium und versprach insbesondere dem Kamper Abt seine Hilfe bei den Reformen (Quelle: Postina Nr. 31 a.a.O.). Für die Nonnen hätte die Reform nur die Unterwerfung unter die geforderte strenge Observanz bedeutet. Eine dauerhafte Reformwirkung wurde aber vermutlich aufgrund der einsetzenden äußeren Notzeiten (im Truchsessischen Krieg 1583-87 wurden die Klöster Kamp, Duissern, Sterkrade zerstört) nicht erreicht.

1582 - 87

Die Zisterzienserinnen unter der Äbtissin Agnes von Nunum pachteten 1582 das Minoritenkloster in Duisburg, deren Brüder das Kloster wegen der Ausbreitung der Reformation verließen, kurz vor Ausbruch des Truchsessischen Krieges und nutzen die Gebäude bis 1608 als neuen Sitz des Klosters in der Stadt (Quelle: von Roden § 7, S. 95 a.a.O.). Diese Entscheidung erwies sich als Glücksfall, weil die bisherigen Klostergebäude vor der Stadt durch niederländische Söldner unter ihrem Anführer Martin Schenk von Nideggen im Januar 1587 gebrandschatzt wurde. Dabei wurden auch Archivalien vernichtet.
      Der Krieg war durch den Übertritt des Kölner Erzbischofs Gebhard Truchseß von Waldburg zum Protestantismus ausgelöst worden und überschnitt sich mit dem Freiheitskampf der Niederländer gegen die spanische Herrschaft. Nach dem Tod des Herzogs Johann Wilhelm von Jülich, Kleve und Berg (1592) entstand im Gebiet des Herzogtums ein politisches Vakuum. Der Kaiser erklärte das Lehen für hinfällig. Die Folge war, dass sich die niederländischen und spanischen Kriegsparteien in den niederrheinischen Gebieten mit wechselnden Erfolgen bis 1609 festsetzten.


1590
Die Duisburger Bürger wurden unter Strafandrohung aufgefordert, die Klosterruinen in Duissern abzubrechen. Der Magistrat befürchtete, dass sich Truppen in den Ruinen verschanzen und die Stadt bedrohen könnten. Das Kloster wurde an dieser Stelle nicht mehr aufgebaut.
 
1608 - 16
Die Zisterzienserinnen suchten innerhalb der Stadt eine neue Unterkunft, weil die Minoriten in ihr Kloster nach Duisburg zurückkehren wollten. Sie erwarben unter der Äbtissin Margarethe von Viffhusen gen. Suiverlich (1598 - 1616) das „Raesfeldische Haus“ oder „Dreigiebelhaus“ in der Niederstraße von Dietrich von Raesfeld und dessen Familie.
Das Dreigiebelhaus (Nonnengasse, vormals Vogelsgasse) wurde 1536 erstmals urkundlich erwähnt und ist das älteste erhaltene Wohnhaus der Stadt. Der Rat stimmte dem Kauf 1608 zu und bestätigte dem Kloster gleichzeitig die bisherigen Freiheiten von Steuern und Diensten, solange die Nonnen innerhalb der Stadt wohnen blieben.

Die Nonnen bewohnten seit 1610 das Dreigiebelhaus. Das Kloster behielt am Standort in der Innenstadt seinen ursprünglichen Namen „Duissern“. Da die Nonnen keine Kirche und keinen Friedhof besaßen, durften sie die Kirche und den Friedhof der Minoriten mitbenutzen. Beim reformatorischen Bildersturm in Duisburg wurden am 16.6.1613 die Inneneinrichtungen der Minoritenkirche verwüstet. Die Minoriten kehrten unter dem Schutz der spanischen Besatzung erst 1615 in ihr altes Kloster zurück und wurden für die Schäden entschädigt. Sie übten seitdem (mit den Kreuzbrüdern) die Seelsorge für den katholischen Teil der Einwohner der Stadt Duisburg aus und unterstützten so die unter dem Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern einsetzende Gegenreformation.


1616 - 52

Die Äbtissin Margaretha von Munch (1612-52) erweiterte den Immunitätsbezirk in den Jahren 1621-23 sowie 1637-39 durch Ersteigerung bzw. Ankauf von weiteren in unmittelbarer Nachbarschaft des Dreigiebelhauses liegenden Häusern, die teilweise für die Errichtung neuer Wirtschaftsgebäude abgebrochen wurden (Quelle: von Roden, S. 121 a.a.O.), obwohl generell der Verkauf von Immobilien innerhalb der Stadt an geistliche Institutionen wegen ihrer Steuerfreiheit (sog. „tote Hand“) untersagt war.  Durch diese Ankäufe entstand die endgültige Gestalt des Klosterkomplexes. Untersuchungen ergaben, daß die Äbtissin z.B. 1636 beim Ankauf eines Hauses die entgegenstehenden Ratsbeschlüsse umging (Quelle: Milz, Duisburger Forschungen Nr.23 a.a.O.).

Der Kamper Abt Reineri erlaubte 1619 der Äbtissin, die Tuffsteine des alten zerstörten Klosters zu verkaufen. Die Minoriten-Patres räumten 1620 den Nonnen ein Begräbnisrecht im Chor ihrer Kirche ein. 

Eine Bauinschrift von 1628 auf einem Türsturz (neben dem heutigen Eingang eingemauert) weist darauf hin, dass Erneuerungen oder Umbauten der Klostergebäude zu einem gewissen Abschluß gekommen waren: <JESUS MARIA SUNT SPES MEA - MARGARETA VON MUNCH ABDISSE DES ADELEICHEN KLOSTERS UND GOTTES HAUS DUSSERN HAT MEICH MACHEN LASSEN ANNO 1628>
Die Stadt Duisburg blieb in der Zeit des 30-jährigen Krieges von fremden Truppen besetzt. Dabei wechselte mit unterschiedlicher Dauer und je nach Kriegserfolg mehrmals die Besatzung zwischen Spaniern und Niederländern sowie einer brandenburgischen Garnison zwischen 1644 - 50. Durch die von allen Besatzungstruppen geforderten Abgaben war der Magistrat gezwungen, auch vom Kloster eine Beteiligung an den Kriegslasten trotz seiner Steuerfreiheit zu fordern. Das Kloster lehnte jedoch ab und lag deshalb zwischen 1627 – 38 mit dem Magistrat im Streit. Eine Einigung kam 1638 zustande, denn die Stadt bestätigte dem Konvent seine verbrieften Privilegien aufs neue und befreite das Kloster von allen Steuern und Diensten insbesondere für die seit 1608 erworbene Häuser. Dabei wurden die Verdienste der Äbtissin besonders hervorgehoben, die durch ihre Fürsprache beim ligistischen General Pappenheim erreichte, dass die Stadt 1632 von Kriegshandlungen verschont blieb und geforderte Kontributionen ermäßigt wurden (Quelle: von Roden, § 7, S. 96 a.a.O; Milz: Duisburger Forschungen Nr. 23).
Einige kleinere Häuser im Klosterbereich, die später als Häuser zur Bewirtung von Fremden bezeichnet wurden (Quelle: von Roden, S. 97 a.a.O.), dienten wohl dazu, alleinstehende adelige Damen (vermutlich Verwandte der Nonnen) zur Verbesserung der Klostereinkünfte in Kost und Logie zu nehmen.
Der Rekatholisierungsversuch der Salvator- und Marienkirche 1629 scheiterte am Protest des Magistrats. Die kath. Religionsausübung war in der Stadt Duisburg unter der niederländischen Besatzung von 1637 - 41 offiziell sogar verboten, auch im Kloster Duissern (Quelle: von Roden § 17, S. 108).
Die Äbtissin Margarethe von Munch verfügte offenbar über ausreichende Finanzmittel, so dass sie 1647 die Minoriten unterstützen konnte. Sie vermachte ihnen 1652 testamentarisch einen Geldbetrag, wofür die Patres aus Dankbarkeit zukünftig eine Memorienmesse an den Hochfesten des Jahres abhielten und predigten.


1653 - 59

Unter der Äbtissin Margarethe von Spiering (1653 - 80) wurde ein größerer Raum des Wohnhauses als eigener Kirchenraum für den Gottesdienst eingerichtet. Die konfessionellen Konflikte bestanden weiter.  1658 gab es Streit wegen des Läutens der neuen Glocken:  Das Läuten war vom Magistrat zunächst verboten, von der Landesregierung in Kleve aufgrund der Beschwerde der Äbtissin wieder zugelassen worden (Quelle: Scholten, S. 67 a.a.O.).

1658 - 60
Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg und Kaiser Leopold I. bestätigten dem Kloster die bisherigen Privilegien und Freiheiten (Quelle: UB Nrn. 222, 223).

1680 - 1705
Unter der Äbtissin Anna Maria von Schaeff wurde 1694 wurde der Gottesdienstraum (Bild 4) umgebaut oder erneuert. Bis 1853 soll an der Kirchenwand eine Inschrift vorhanden gewesen sein, dass die Äbtissin 1694 diese Kirche hat bauen lassen (Quelle: von Roden, § 3, S. 88, 89 a.a.O.).
Die Äbtissin Anna Maria von Schaeff (1680 – 1705) dankte ab (oder resignierte ?). Die näheren Gründe sind nicht bekannt, dürften aber auf Schwierigkeiten innerhalb des Konvents hindeuten bzw. mit Reformbemühungen Kamper Äbte um eine strengere Observanz in Verbindung stehen.

1705 - 15
Die Äbtissin Christina von Hetterscheidt aus Osnabrück (1705 -15) wurde aus dem Kloster Saarn postuliert. In ihrer kurzen Regierungszeit mit geführter guter Haushaltung ließ sie einen kleinen Glockenturm mit zwei Glocken sowie einen Grabkeller unter dem Chor des Kirchenraums erstellen. Die Bindung zwischen den Minoriten und dem Kloster Duissern wurde noch enger, als der Konvent 1706 mit den Minoriten eine Vereinbarung über das Abhalten des regelmäßigen Gottesdienstes an Wochen-, Sonn- oder Festtagen gegen Zahlung einer Entschädigung traf.

1715 - 21
Zwischen 1715-21 stand die Äbtissin Anna Laurentia von Agris aus Jülich dem Kloster vor. Der Klerus und die Klöster in Kleve wurden von der preussischen Regierung zur Zahlung einer allgemeinen Steuer veranschlagt; für das Kloster Duissern wurde die Steuer auf 2 Reichstaler je Person festgesetzt. Da im Kloster 9 Personen lebten, betrug die Steuerforderung 18 Reichstaler (Quelle: „Anhang zu den Gravamina Clivensia“,
S.46 a.a.O.).

Die konfessionellen Gegensätze waren 1717 keineswegs beendet. Es wurde Beschwerde geführt, dass die 4 Klöster zu Duisburg, insbesondere das adelige Stift Duissern, gegen Herkommen und den Religionsvergleich von 1672 sowie auch gegen Vereinbarungen mit dem Magistrat mit städtischen Akzisen beschwert würden.  Außerdem würden junge Leute und Einwohner sich noch immer Unverschämtheiten und Mutwilligkeiten sowohl in den katholischen Kirchen und Gottesdiensten als auch öffentlich gegen deren Geistliche trotz der Religionskonferenzen von Rheinberg und Duisburg (1712) herausnehmen (Quelle: Ulteriora Gravamina Particularia Clivensia, VIII Duisburg).

1721 – 38
Das Kloster bat 1721, die Nonne Elisabeth von Schwartzen (1721 - 38 ?) aus dem Kloster Welver als Äbtissin in Duissern einzusetzen. Vermutlich hatte Duissern zu dieser Zeit (und auch später 1766) keine geeignete Kandidatin für das Amt der Äbtissin.
In der Amtszeit dieser Äbtissin erfolgte eine Visitation, für die üblicherweise ein Fragebogen des Kamper Abtes auszufüllen war, in dem die Äbtissin zur Geschichte des Klosters Duissern, zum wirtschaftlichen Zustand des Klosters, zu den Klosterfrauen u.a. Stellung nehmen mußte (Quelle: Scholten, S. 64 a.a.O.).
Die Größe des Konvents wurde auf max. 7 Nonnen wegen mangelnder Einkünfte beschränkt. Nach dem Bericht der Äbtissin hatte das Kloster Einnahmen aus 10 Höfen und einigen Kapitalien. Aus dem Duisserenwald erhielt das Kloster Brenn- und Schlagholz. Die an den Preussischen Staat zu zahlenden Abgaben beliefen sich auf 143 Reichstaler, so dass zum Unterhalt der Nonnen wenig übrig blieb. Die Zahl der Konventualinnen ging auf 6 zurück. 

1738 – 1790
Die weiteren Nachrichten über das Kloster und seine Bewohner sind äußerst dürftig.
Der Name der Äbtissin Scholastica Margaretha de Hamm (1753 – 66) ist nur durch einen Vermerk bekannt, daß der 1753 verstorbene Bruder der Äbtissin (Franciscus Wilhelmus de Hamm) in der Begräbnisstätte der Nonnen beigesetzt wurde.
Äbtissin Johanna Franziska von Schirp (1766 – 77) kam aus dem Kloster Saarn; sie wurde dort zwischen 1742 – 62 erwähnt und war die Schwester der Klosterfrauen Ludovica von Schirp in Saarn und Theresia von Schirp in Sterkrade.
Scholastica von Reusch (1777- 88) war vor ihrer Wahl zur Äbtissin Kellnerin im Kloster Duissern und wurde 1788 zuletzt urkundlich erwähnt (Quelle: von Roden a.a.O.).

1790 - 97

Der Niedergang des Klosters war wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse, des fehlenden Nachwuchses und der staatlichen Einflussnahme auf geistliche Institutionen (Mindestalter beim Klostereintritt 21 Jahre; Reisebeschränkungen) nicht aufzuhalten. Im Kloster lebten 1790 außer der Äbtissin Benedicta von Raven nur noch drei Nonnen. Nachfolgerin wurde die Äbtissin Bernardina von Schirp (Äbtissin bis 1797).  Der Kölner Erzbischof Maximilian Franz (Bruder des Kaisers) erteilte ihr die beantragte Dispens, den Chordienst mit nur drei Nonnen verrichten zu dürfen.
Durch die französische Besetzung des linken Rheinlandes 1794 verlor das Kloster alle Einkünfte aus seinen überwiegend linksrheinischen Besitzungen (insbesondere aus den Höfen in Moers, Erkelenz, Jüchen und Grevenbroich). Zu den wirtschaftlichen Problemen kamen noch Zerwürfnissen innerhalb des Konvents, so dass die Äbtissin 1797 zurücktrat, nachdem sie von den übrigen Klosterfauen einer schlechten Wirtschaftsführung und schlechten Behandlung der Nonnen bezichtet wurde. Auf Grund eines Vergleiches erhielt sie seit ihrem Rücktritt 1797 eine jährliche Pension, die ihr noch 1806 gezahlt wurde. Jedoch wurde sie angewiesen, ihren Wohnsitz in Kalkar in das Großherzogtum Berg zu verlegen (Quelle: von Roden a.a.O).

1797 – 1806
Die letzte Äbtissin des Klosters Duissern war Wilhelmina von Emst. Die klevische Landesregierung berichtete 1803 aus Emmerich, dass der Fortbestand des Klosters wegen fehlender Einnahmen nicht mehr möglich wäre. Das Kloster hatte sich von innen heraus selbst überlebt, so dass die Nonnen die Klosteraufhebung beim Preussischen König beantragten.
Offizielle Stellen rieten der Äbtissin nur zum Verkauf von Eigentum bzw. zur Eintreibung von Pachtrückständen, trafen aber aufgrund der politischen Verhältnisse keine Entscheidungen über das Schicksal der Klosterbewohner. Das Kloster geriet durch mehrfache Kreditaufnahmen in die Überschuldung; es wurde am 5.8.1806 aufgelöst.

 

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 20.01.2016