Dalheim

Visitation / Geistliche Betreuung

Nach der Organisation der Zisterzienser (Charta caritatis) oblag die geistliche Betreuung eines Frauenklosters dem Abt eines nahegelegenen Mönchsklosters. Zu den Aufgaben des Vaterabts gehörten nach den Beschlüssen des Generalkapitels z.B. die jährliche Visitation, die Leitung der Äbtissinnenwahl, die Bestellung der Beichtväter und die Kontrolle der Wirtschaftsführung.

 

Das Kloster führt im Kamper Stammbaum

unter St. I die Bezeichnung "Daelheym prope Ruremonda" – ohne Jahreszahl

unter St. II die Bezeichnung

                "Vallis Coeli vulgo Dalheim prope Wassenb. 1245"

 

Das Kloster Dalheim stand vermutlich unter der Aufsicht des Abtes der Abtei Val Dieu, da 1382 die Äbtissin Bela von Cörrenzig und der Abt von Val Dieu (ons commissarius) eine Urkunde über eine Memorienstiftung besiegelten (Quelle: Fr.Mayer, S. 92 a.a.O.). Für eine Kamper Paternität gibt es bis 1602 keine Belege.
Der Fürstbischof von Lüttich trat 1509 als Reforminitiator in Erscheinung.
Nach dem Konzil von Trient (1542–63) visitierte der Generalabt von Citeaux, Nicolaus Boucherat, die Zisterzienserklöster in den Diözesen Lüttich und Köln. Er besuchte das Kloster Dalheim in der Diözese Lüttich am 27.8.1574, das nach seinem Bericht im Sinne der tridentinischen Konzilsbeschlüsse sehr gut reformiert war (Quelle: Postina a.a.O., S. 264).
Das Generalkapitel bestellte 1602 den Kamper Abt Gottfried Draeck von Lobberich zum Visitator, der den bisherigen Vaterabt der Abtei Val-Dieu ablöste. Diese war aufgrund der Kriegsereignisse im holländischen Freiheitskampf gegen die spanische Herrschaft zerstört und handlungsunfähig. Das Kloster Kamp stellte seitdem auch die Beichtväter bis 1723; der letzte Beichtvater aus Kamp lag mit der Äbtissin im Streit und wurde 1723 abberufen. Die Nonnen wählten fortan ihre Beichtväter aus dem Kapuzinerkloster in Wassenberg.
Visitationen durch den Abt von Kamp sind mehrfach belegt (1612 Abt Durrus, 1624 Abt Bever, 1657 Abt Polonius, 1668 und 1669 Abt Hoen, 1743 Abt Daniels, 1788 Abt Wiegels). Die meisten Visitationen standen im Zusammenhang mit der Amtseinführung einer neuen Äbtissin. Die Versuche des Vaterabts, die strengen Ordensregeln jeweils zur Geltung zu bringen, hatten aber keine dauerhaften Wirkungen.






Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung: 21.01.2016